Altmodische Farben – Hampden Estate Gold Rum

Hampden Gold Rum Titel

Neulich, bei meiner Besprechung des Saint James Royal Ambré, habe ich mich zu Beginn darüber ausgelassen, dass das Wort „Ambré“ eigentlich aus der Zeit gefallen ist, und dass man heutzutage Rum nicht mehr über die Farbe klassifiziert. Nun hier das Äquivalent dazu, aus dem englischsprachigen Raum – der Hampden Estate Gold Rum. Ich vermute, dass diese Art der Beschreibung nicht wirklich kleinzukriegen ist, dazu haben sich sowohl uninformierte Konsumenten als auch bequeme Hersteller zu sehr daran gewöhnt. Viele der aktuell neu auf den Markt kommenden Produkte von namhaften Herstellern versuchen, sich davon zu lösen und sich lieber an handfestere Kriterien, wie echten oder zumindest kategorisierenden Altersangaben, zu halten. Es wird noch ein weiter Weg sein für uns Freunde der Transparenz. Bis dahin geben wir dem Hampden Estate Gold Rum aber einfach mal eine Chance im Glas.

Hampden Gold Jamaican Rum

Die Farbe ist blasser Bernstein, wirkt etwas strohig – das zugefügte E150a dient zumindest nicht dazu, den Rum 20 Jahre alt wirken zu lassen (ein Alter ist nicht angegeben, er ist vermutlich irgendwo um die 2 oder 3 Jahre alt). Eine leichte Viskosität sorgt für Schwere im Glas beim Schwenken; die Beine, die dadurch entstehen, laufen schnell und dick ab.

Der Geruch ist natürlich sehr jamaica-typisch, das kennt man von Hampden nicht anders. Wir haben hier aber keinen Hochesterrum vor uns, daher ist die Säure zurückgenommen, die verrottende Frucht ebenso. Die Ananas und die Banane, die ich hier rieche, ist höchstens schon dunkelbraun, nicht matschig. Darüber liegt eine starke Getreidenote, etwas feuchter Karton, frisch abgelutschte Kirsch- und zerstoßene Aprikosenkerne. Etwas Ethanol scheint durch.

Der Antrunk ist süßlich und erstmal etwas überraschend flach. Frucht übernimmt nun schon, im Verlauf kommt viel Schokolade und Kakao dazu. Etwas Nuss, Cashew- oder Walnuss. 40% Alkoholgehalt sind gut eingebunden, allerdings fühlt sich dieser Rum doch arg verdünnt und schwachbrüstig an. Mir fehlt es einfach an Breite und Tiefe.

Hampden Gold Glas

Der Abgang ist sehr süß, mildfruchtig, ausgesprochen schokoladig. Buttrig und gleichzeitig minzig, ganz zum Schluss kommt etwas kaltes Feuer auf, das aber nur am Gaumen für Kühlung sorgt und nicht bis in den Magen. Erneut kommt etwas Getreidiges vor, und ein Eisenton. Etwas kurz und schmal, insbesondere für das, was man aktuell von Hampden erwartet.

Ein einfacher Rum, solide, aber ohne große Spannung und Komplexität. Ein Basisprodukt, das als Mixrum eingesetzt werden kann, wenn das Rezept nach „Jamaica-Rum“ verlangt, man aber nicht die Kanonen auspacken will. Wie im Allie Elizabeth Sleeping, wo die kleine Dosis an Rum nicht die gesamte Aromatik übernehmen, sondern nur einen Schuss Exotik erzeugen soll.

Allie Elizabeth Sleeping


Allie Elizabeth Sleeping
1 oz PX Sherry
¾ oz trockener Wermut
½ oz Jamaikanischer Rum
½ oz Mezcal
3  Spritzer Orange Bitters
Auf Eis rühren.

[Rezept nach Sean Muller]


Das ungewöhnliche an diesem Rum ist unter anderem auch die „halbe“ Flasche – für mich immer etwas Positives, denn so probiert man einfach mal aus und hat nicht die große Flasche ewig offen stehen. Selbst die kleine Flasche ist nun seit 3 Jahren bei mir im Regal, man sieht, es gibt nicht wirklich viel Grund für mich, sie bevorzugt auszupacken. Ich werde sie jetzt zeitnah dennoch für Cocktails leeren, denn besser werden offene Flaschen nur extrem selten. Wer einen einfachen Rum mit etwas Jamaica-Charakter sucht, mag hier zugreifen; in der heutigen Zeit gibt es aber eigentlich genug attraktivere Alternativen, sei es von Hampden selbst, oder von Worthy Park oder Appleton.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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