Rum am Freitag – Flensburg Rum Company Guyana KFM Rum 1991-2021

Flensburg Rum Company Guyana KFM Rum 1991-2021 Titel

Ende 2021 ist eine verrückte Zeit für Rumfreunde – hatte man vorher nach ungewöhnlichen Veröffentlichungen im Rumsektor eher suchen müssen, wurden Rumfreunde mit vielen Abfüllungen verwöhnt. Wenn man mit dem entsprechenden Portemonnaie ist, natürlich, so etwas wie der Flensburg Rum Company Guyana KFM Rum 1991-2021 kostet dann halt mal um die 300€. Um so erfreuter war ich, dass ich ein kleines Sample des Rums mit dem Mark KFM (zu den Marks und Demerara-Rum im Allgemeinen gibt es keine bessere Quelle als Marco Freyers Artikel darüber) aus der Versailles Still der ehemaligen Enmore Distillery in Guyana in der Post fand – ansonsten hätte ich darüber nichts schreiben können, derartige Produkte sprengen meine Mittel bei weitem. Pot Still (sogar eine aus Holz), 30 Jahre tropisch gereift, als Cask-Strength unverdünnt mit 51,9% Alkoholgehalt 2021 abgefüllt, entsprechend natürlich nur in wenigen Flaschen verfügbar – das relativiert den Preis etwas, aber ob man soviel Geld für eine Spirituose ausgibt, sollte jeder mit seinem Gewissen und seinem Bankkonto klären, ich gebe hier jetzt einfach mal wieder, wie das Zeug schmeckt, falls jemand noch ein exklusives Weihnachtsgeschenk sucht.

Schon beim Eingießen ins Verkostungsglas sieht man es: Die Textur ist dick und schwer, das dunkle Mahagoni betont das weiter. Entsprechend zaghaft bewegt sich die Flüssigkeit beim Schwenken. Fette Schlieren bilden sich an der Glaswand. Man ahnt schon, dass man hier kein Leichtgewicht vor sich hat.

Die Nase bestätigt das direkt – starke würzige Aromen, eine volle Breitseite schon bevor der Rum seine angemessene Zeit atmen durfte. Salzig-umamihafte Eindrücke kommen da vor, Backerbsen, milder gesalzener Trockenfisch, fettes Leder eines alten Mantels, der immer noch auf dem Speicher der Eltern hängt; zusammen mit Zedernholzschnitt und tiefdunklen Noten von Mokka, schwarzem Kakao und schließlich ganz prägnant Eukalyptus und Menthol. Erinnert mich, ehrlich gesagt, in der dunklen Frucht erstmal mehr an einen Armagnac oder einen ganz alten Rhum Agricole.

Aromen muss man erstmal Zeit lassen, zunächst ist da der Effekt am Gaumen: Lakritzebittere, Menthol ist direkt da, verstärkt sich sogar noch deutlich bis zum kalten Nachhall. Sehr bitter, trocken, unami und astringierend im Effekt, klar überholzt und überreift für meinen Geschmack. Dennoch deutliche fruchtige Süße im Geschmacksbild; auch hier: den kann man als Uboot in ein Weinbrandtasting einschleusen. Süßholz, Kardamom, Bitterorange, und eine Erinnerung an Wachsmalstifte.

Ein interessantes Erlebnis, ein schönes Beispiel, wie breit Rumprofile gestreut sein können. Das ist sicher nichts für jeden, da muss man offen sein und darf sich nicht von fehlender Anschmiegsamkeit abschrecken lassen – dann bekommt man etwas Besonderes.

Offenlegung: Ich danke Kirsch Import für die kosten- und bedingungslose Zusendung des Samples.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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