Premix am Freitag – Lupita Margarita Red Hibiscus

Lupita Margarita Titel

In der Corona-Krise sind Bars geschlossen. Sie werden in bester christlich-asketischer Tradition von der Gesetzgebung als Sündenpfuhl schlechthin betrachtet, denn hier wird getrunken, die Hemmschwellen fallen, und Menschen kommen sich näher, als es erwünscht ist. Sie fallen übereinander her, es wird auf dem Tresen gehurt und danach zieht man durch die Straßen und infiziert Unschuldige und zerstört Eigentum fremder Leute in einem Fanal des Widerstands gegen jede Regel, fast schon dämonisch, was da früher jeden Tag abging. Zum Glück sind diese Zeiten hinter uns! Die Satanspriester Barbetreiber von heute haben darum begonnen, ihr Gift als Premix unter die Leute zu bringen – wie Betty Kupsa aus dem The Chug Club in St. Pauli, einst eine Pilgerstätte für Tequilaverrückte. Ihre Lupita Margarita Red Hibiscus hat entsprechend schon ein Label, das klar macht, auf welche gefährliche Straße wir uns da begeben, wenn wir uns das ins Glas gießen.

Lupita Margarita

Die rote Farbe erinnert an den Hibiskus, der eingesetzt wird. „Wie ein Kuss“, steht auf dem Seitenetikett, und ja, das ist ein richtiger lippenstiftlastiger Kuss. Ich trinke den Drink auf Eis, da ist geruchlich dann natürlich kaum noch etwas da. Riecht man an der etwas wärmeren Flasche, entdeckt man tatsächlich leichte Agave, deutliche Fruchtblütigkeit des Hibiskus, und einen würzigen Unterton.

Im Geschmack dagegen kommt direkt als erstes der Tequila zum Vorschein, und zwar sehr deutlich, aromatisch, eigenständig. Natürlich wurde hier ein 100%-de-Agave-Tequilas verwendet, man schmeckt das. Erst im Verlauf kommen die süßen Orangenfruchtnoten dazu, und es entsteht wirklich ein Eindruck einer klassischen Margarita. Etwas süß für meinen Geschmack, doch nicht übertrieben, denn da ist eine knackige Säure als Ausgleich. Und der Hibiskus taucht noch später auf, bleibt dann bis zum Schluss da. Der Abgang ist kurz, sehr süß, aber mit definierter Säure und nicht pappig.

Lupita Margarita Cocktail

Mir gefällt dieser Cocktail in der Flasche sehr. Keine klassische Margarita, das erwarte ich bei der Farbe aber gar nicht, sondern etwas anderes, eigenes – und besonderes. Nicht so herb wie der mexikanische Cocktail; wirklich mehr wie ein Kuss, der Slogan passt wirklich gut. Ein Kuss, an den man sich erinnert. Und den man früher in einer dieser höllischen Bars, die hoffentlich bald wieder öffnen dürfen, von dem süßen Mädel, das allein an der Theke saß und in ihren Drink schaute, zu bekommen versucht hätte. Etwas mehr Unvernunft täte uns allen seelisch schon wieder gut.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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