Man schmeckt die Heimat – Spielberger Original Härtsfelder Schwaben Whisky Double Wood 2010

Spielberger Original Härtsfelder Schwaben Whisky Double Wood Titel

Deutscher Whisky – für mich bisher eine unbekannte Größe. Grundsätzlich spricht für mich persönlich erstmal gar nichts dagegen, denn bei deutschem Rum beispielsweise, auch so etwas eher Exotischem, habe ich durchaus positive (aber auch ein paar negative) Erfahrungen gemacht. Die urdeutsche Obstbrennerkultur hat natürlich Brennereien und Brenner mit viel Erfahrung hervorgebracht, die ihr Können relativ leicht von Obstbrand auf andere Brände zu übertragen vermögen. Die Destillerie Spielberger in Neresheim-Schweindorf auf der östlichen Schwäbischen Alb macht genau das: Hier wird neben allerlei Früchten auch Getreide destilliert, und dadurch der Original Härtsfelder Schwaben Whisky Double Wood 2010 produziert.

Destilliert wurde dieser Whisky im Jahre 2010, danach kam er für knapp 4 Jahre in ein Fass aus amerikanischer Weißeiche. Anschließend erhielt er noch ein sechsmonatiges Finish im Oloroso-Sherryfass. Dieser Whisky ist kein „probieren-wir-es-mal“-Einzelversuch, der gemacht wird, weil deutscher Whisky gerade Aufwind erfährt; schon vor fast 40 Jahren wagte der Großvater des aktuellen Brenners einen ersten Versuch, im doch äußerst konservativen Schwaben einen Whisky herzustellen. Und wer sich die Produktpalette der Brennerei anschaut, findet dort einen zweiten Double Wood, der die Zusatzbezeichnung „Jubiläumsabfüllung“ trägt – dieser wurde ähnlich hergestellt, aber schon ca. 2005 gebrannt, ruhte etwas länger in der Weißeiche, und auch das Finish im Sherryfass war etwas länger. Man sieht, hier wird in kleinen Mengen handwerklich gearbeitet und das Produkt variiert, das gefällt mir sehr. Doch schauen wir uns jetzt einfach mal den Double Wood 2010 an.

Original Härtsfelder Schwaben Whisky Double Wood

Die Reifung sorgt für blasses Gold, das sich flink im Glas bewegt. Am Rand entsteht eine zottelige Linie, aus der Beinchen sehr langsam ablaufen. In der Nase sticht zunächst etwas Alkohol, der mit Offenstehzeit verfliegt. Darunter findet sich eine süßliche Getreidenote – hier entdeckt man deutlich den Weizen, der eingesetzt wurde (die Mashbill besteht zu ca. 85 % aus Weizen und 15% aus hellem Gerstenmalz, alles regional erzeugt). Dieser bringt eine süße Blumigkeit in das Destillat, und etwas weiße Schokolade in die Nase. Karamell und Marzipan – das ist durchaus ansprechend, wenn auch nicht das, was der Whiskyfreund, der bisher bei Whisky immer an Scotch denkt, erwarten würde.

Auch im Mund zeigt sich zunächst im Antrunk eine süße Cremigkeit mit viel Breite. Werther’s-Echte-Karamellbonbons, milde Frucht, Weizenbier, Cappuccino und Vanille – eine wirksame Schwere, die aber schnell von viel Würze und Feuer eingeholt wird. Etwas Pferdestall, Honig, Zimt und Ahornsirup komplettieren ein interessantes, feurig-süßes Gesamtbild.

Spielberger Original Härtsfelder Schwaben Whisky Double Wood Glas

Der Abgang ist glühend heiß, er erzeugt ein Druckgefühl in den Ohren und läuft wie Lava den Hals hinunter, wo er zu jedem Zeitpunkt nachverfolgbar ist – die 47,5% Alkoholgehalt zeigen sich spätestens jetzt mehr als deutlich mit viel Hauch; huiuiui, das muss man so mögen (was ich durchaus tue). Der Nachhall ist getreidig und süß, erinnert an Bourbon und ist mittellang.

Ich setze diesen Whisky in einem Cocktail ein, der ein Problem verdeutlicht, das ich habe. Als gebürtiger Schwabe habe ich nie die Lust gehabt, meinen starken schwäbischen Dialekt abzulegen, und muss mir nun in meiner neuen Wahlheimat von vielen Saarländern anhören, wie schlimm ich rede – und die Aussprache mancher Wörter sind besonders Ziel der Verulkung, zum Beispiel das Wort „Wort“ selbst, über das sich gewisse Personen immer wieder lustig machen, wenn ich es ausspreche. Nun, darum gibt es nun diesen Cocktail: S’ledschde Wort. Der Kenner erkennt den Last Word dahinter.

S'ledschde Wort Cocktail


S’ledschde Wort
1 oz Schwäbischer Whisky
⅔ oz Chartreuse Verte
⅔ oz Maraschino
⅔ oz Limettensaft
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Helmut Barro]


Den Double Wood bekommt man vor Ort in unterschiedlichen Abfüllungsgrößen, etwas, was ich immer sehr schätze – die 0,2l-Flasche, die ich vorsichtig erworben hatte, war allerdings zu schnell aufgebraucht, von dem Nachfolgeprodukt Whisky³ (ein Artikel dazu folgt hier auf diesem Blog) musste es daher auch direkt die Halbliterflasche sein. Ein weiterer Vorteil davon, den Whisky direkt in Schweindorf zu kaufen, ist, dass man im zugehörigen Gasthaus Hirsch einen schönen, traditionellen schwäbischen Zwiebelrostbraten auf den Tisch bekommt. Einfache, bodenständige und gerade darum schmackhafte Küche ohne das Palaver, das heutzutage oft um Essen gemacht wird.

Spielberger Schweindorf Schwäbischer Zwiebelrostbraten

Ich werde im Sommer aller Voraussicht nach die Destillerie besuchen und eine Besichtigung machen, und dann hier beschreiben, was ich gesehen habe. Ich freue mich schon sehr darauf – Heimat ist etwas besonderes. Man spürt, wenn man da ist, und man spürt, wenn man nicht da ist. Immerhin, ein guter Whisky aus der Heimat hilft, das schlimmste Mangelgefühl hin und wieder auszugleichen.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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