Maisel & Friends Craft Brauer Festival 2018 Titel

Maisel & Friends Craft Brauer Festival 2018 und Maisel & Schanzenbräu Gestopfter Bär

Die Einladung kam überraschend, das gebe ich zu. Mitglied in der Jury eines Brauerwettbewerbs! Natürlich bin ich für derlei Dinge immer zu haben, besonders, wenn sie im Rahmen eines Festivals stattfinden, und von einem illustren Brauer wie Maisel & Friends organisiert werden. Der Hobbybrauer-Wettbewerb war also einer der Bausteine des Maisel & Friends Craft Brauer Festival 2018, das Anfang September in Bayreuth stattfand. Für mich als echten Bierfreund stand eine Reise nach Oberfranken, einem Zentrum der globalen Bierkultur, eh schon lange auf der Liste.

Am ersten Tag des Festivals war das Wetter noch etwas verhalten, und so war der Garten der Maisel’s Bier-Erlebnis-Welt mittags, als ich dort ankam, noch nicht überlaufen. Das Gebäude, das auch das Liebesbier beherbergt, ist eine tolle Location, modern aber nicht überkandidelt, mit viel Charme.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 01 - Von außen

Gegen Spätnachmittag füllte sich das Gelände, erste Veranstaltungen fanden statt, die Stände der diversen Craftbierbrauer, die am Festival teilnahmen, öffneten und man konnte beginnen, sich durch deren Biere zu trinken. Atelier-der-Braukünste, Birrificio San Giovanni, Brauerei Flügge, BRLO, BroBier GbR, Craftwerk Brewing, HBH Braumeister Edition Fulda, In-Ale,  Tanker Brewery, Únětický pivovar und natürlich die Hausherrn sowie deren besonderer Gast, Schanzenbräu, waren mit Flaschen- und Fassbier vor Ort. Besonderer Gast deswegen, weil auf dem Festival auch die neue Zusammenarbeit zwischen der Schanzenbräu und Maisel & Friends vorgestellt wurde, die ich im Foto hier bereits im Glas halte und am Feuer genieße. Dazu später mehr.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 02 - Gestopfter Bär im Freien

Am zweiten Tag des Festivals begann dann, während im Hof bei bestem Feierwetter mit blauem Himmel und strahlender Sonne die Kapazität des Gartens durch die enorm große Gästezahl strapaziert wurde, die harte Arbeit des Bierverkostens für mich und die anderen Mitglieder der Jury des Hobbybrauerwettbewerbs. Im ersten Stock der Maisel Bier-Erlebnis-Welt war ein Raum reserviert, in dem wir ohne Ablenkung die Proben, die Hobbybrauer zur Verfügung gestellt hatten, verkosten konnten.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 03 - Verkostungsraum

Das Thema des Wettbewerbs war „Weißbier“ – und ich war überrascht ob der schieren Bandbreite der Biere, die die Hobbybrauer zu Hause hergestellt hatten. Da war alles vom dunklen Weizenbock bis zum strohigen, leichten, fast schon sauren hellen Weißbier, die Geschmackseindrücke variierten von klassisch bis völlig unerwartet (sowohl, das muss man sagen, auf positive als auch auf negative Weise) – ein Beweis dafür, wie flexibel die Kategorie ist. Das Prozedere war ein Blind Tasting, 25 Proben aufgeteilt auf 5 Flights, ein Bewertungsbogen, in dem für die üblichen Kategorien von Sinneseindrücken ein Wert vergeben wurde. Bei einigen der Samples wurde schnell klar, dass sie kein Gewinner sein würden – bei anderen würde ich nicht meckern, wenn ich sie als Flasche im Markt kaufen würde, so gut war teilweise die Qualität der Erzeugnisse der Hobbybrauer. Der Gewinner war schließlich ein Weizendoppelbock, die Jury war sich überraschend einig.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 05 - Verkostung

Die Expertenjury des Hobbybrauerwettbewerbs bestand aus geballter Fachkompetenz einerseits und mir andererseits, der ich mich praktisch als blutiger Anfänger fühlte gegenüber diesen Kennern – Christof Habel (Redakteur BRAUWELT und GradPlato), Mareike Hasenbeck (Journalistin und Biersommelière), Markus Raupach (Journalist, BierAkademie und Biersommelier), Andrea Kalrait (Veranstaltungsleiterin BrauBeviale und Biersommelière), Michael König (Biersommelier Maisel & Friends), Gracia Sacher (Bierbloggerin „Hopfenmädchen„) und André Brunnsberg (Vorsitzender der finnischen Hobbybrauervereinigung, Delegierter der European Beer Consumers Union).

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 06 - Jury

Nach den doch recht anstrengenden 2 Stunden des Verkostens konnte ich dann den Rest des Festivals genießen. Das eine oder andere Bier der geschilderten Brauer landete in meinem Glas, und besonders gefielen mir die Sandwiches, die angeboten wurden – spannend und lecker in einem, nicht der typische Festivalfood. Es war laut und lärmig, das ist eigentlich nicht wirklich was für mich, und so war mir der Rest des Rahmenprogramms kaum zu würdigen; dennoch habe ich wirklich viel mitgenommen von diesem Ausflug nach Bayreuth. Im Nachgang habe ich mit Bekannten noch eine Tour durch die oberfränkische Bierwelt abseits von Maisel unternommen. Ein entsprechender Artikel folgt auf diesem Kanal.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 07 - Food

Von all den Bieren, die ich an diesen zwei Tagen probieren durfte, bleibt allerdings eines besonders im Gedächtnis, und das nicht, weil es vom Gastgeber stammt. Der oben schon erwähnte Collab-Brew war der absolute Gewinner für mich persönlich – der Maisel & Schanzenbräu Gestopfter Bär, ein roter hopfengestopfter Bock mit 50 IBU und 7,3% Alkoholgehalt.

Als erstes fällt die ungewöhnlich schöne, rote, strahlende Farbe auf, die leicht opalisierend im Glas leuchtet. Eine dünne Schaumkrone mit Crema, dazu leichtes Mousseux. Geruchlich dominiert erstmal eine malzige Basis, dazu kommen hübsch fruchtige Obertöne, ohne dass eine Komponente die andere überdeckt; Grapefruit, Zitrone. Frisch und ansprechend.

Auch im Geschmack sind Malz und Hopfen wohl ausgeglichen. Der malzige Bock sorgt für Süße und fettes Volumen, die Hopfenstopfung für Frische und eine edle Bittere, 50 IBU sind super eingebunden. Eine wunderbar gelungene Rezenz mit idealer Karbonisierung gefällt mir sehr, ebenso wie der feinherbe Abgang mit einer hübschen Kombination aus dezenter Trockenheit und zurückhaltender Süße.

Maisel & Schanzenbräu Gestopfter Bär

Da sind zwei aufeinandergetroffen, die ihr Handwerk verstehen, und das Ergebnis ist eines der schönsten Biere, die ich seit langer Zeit getrunken habe. Es ist ein Jammer, dass das ein einmaliges Erlebnis sein wird, das sollte im Dauerprogramm der beiden Brauereien geführt werden.

Nun, vielleicht gibt es nächstes Jahr ein ähnliches Event, und ein ähnlich gelungenes Collab-Brew. Es hat mir Spaß gemacht, Teil des Festivals zu sein, viele neue Leute kennenzulernen und die Atmosphäre Bayreuths und die dortige, alles durchdringende Bierkultur am eigenen Leib zu erfahren. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die Maisel Bier-Erlebnis-Welt definitiv mal anschauen!