Bonpland Blanc VSOP Titel

Die Welt zu Gast bei Freunden – Bonpland Blanc VSOP

Rum ist „the next big thing“ in der deutschen Barwelt. Sagte man mir, und lese ich in letzter Zeit häufig in den sozialen Medien und der Fachpresse. Mich fasziniert daran besonders, dass die Barwelt scheinbar immer ein „next thing“ braucht – das gesteigerte Tempo unserer Wirklichkeit kreischt nach immer etwas Neuem. Nun will ich mich nicht grundsätzlich negativ über diese Wellen äußern, denn sie bringen in letzter Zeit auch etwas Gutes mit sich – der Gincraze sorgte für die Wiederbelebung einer langweiligen Spirituose, und brachte im Fahrwasser viel Schwung für Tonic Water und sogar Wermut mit sich. Rum ist ein Getränk, das dringend eine ähnliche Erfrischungskur bräuchte – das, was heutzutage immer noch in vielen Bestenlisten und Verkaufsempfehlungen oben auftaucht, hat mit echtem Rum nur noch selten etwas zu tun.

Umso spannender ist, dass Deutschland, das sich in Sachen Rum früher hauptsächlich als Produzent von mit Neutralalkohol gestrecktem Rum-Verschnitt einen schlechten Ruf hart erarbeitet hatte, nun wirklich in die Pötte kommt und oben bei dieser Erneuerung mitspielen will. Was mit Whisky schon seit einiger Zeit der Fall ist, passiert nun auch bei Rum: er wird plötzlich auch in Deutschland in angemessener Qualität hergestellt, oder aber selektiert, gereift und abgefüllt. Unter der Signatur Bonpland Rum wird letzteres betrieben. Dabei ist der heute hier vorgestellte Bonpland Blanc VSOP also nur am Ende seines Lebenszyklus in Deutschland beheimatet; er ist ein Kind vieler Eltern aus aller Welt – ein Blend aus Rums aus Trinidad, Guyana, Jamaica, Indonesien und Barbados, um genau zu sein. Das Besondere beim Bonpland Blanc VSOP ist das Finish, also die letzte Phase der Reifung, denn es geschieht in badischen Chardonnay-Barriquefässern. Schmeckt man diese Weltläufigkeit, oder wären die Reisenden besser an anderen Gestaden an Land gegangen?

Bonpland Blanc VSOP Flasche

Die natürliche Senf-Farbe ist ansprechend schon allein deswegen, weil sie nicht künstlich hergestellt wurde (siehe dazu später mehr). Aus dem Glas strömt schnell ein ganz eigener Geruch – schwer, süß, dicht. Schottisches Shortbread. Sehr angenehme helle, junge Rumaromen. Keine Ethanolnote oder Lack, dafür etwas Heizöl. Mandeln. Da ich noch den indonesischen Rum von Compagnie des Indes im Regal habe, erkenne ich die Ähnlichkeit; mir scheint also der indonesische Anteil recht groß zu sein. Eine leicht fruchtige Note schwingt nach, erinnernd an Cognac.

Eine leichte medizinische Note, wie bei einem irischen Whiskey fällt als erstes auf. Im Mund liegt der Bonpland Blanc zart und weich, mit leichtem Körper und vielen Obertönen nach Haselnuss, weißer Schokolade und Butterscotch. Sehr mild und rund für einen Rum, der zwischen 4 und 6 Jahre, gemäß dem VSOP-Prädikat, reifte. Im mittellangen Abgang lässt er dann aber doch seine Hemmungen fallen – da ist er dann doch gar nicht unangenehm pfeffrig-scharf, feurig und leicht zungenbetäubend. Eine feine, zurückhaltende Süße bleibt dazu im Mundraum. Auch ein buttriges Gefühl ist noch lange da, sehr ähnlich wie beim Hot Buttered Rum, den ich mir neulich zur Krankheitsprophylaxe angerührt hatte – hier meine ich den Jamaikaner-Anteil rauszuschmecken. Insgesamt vom Geschmacksprofil bleibt er aber ein eher süßlich-weicher Rum.

Man sieht schon – ich ziehe hier ziemlich viele Vergleiche. Der Bonpland Blanc VSOP wildert aromatisch in den unterschiedlichsten Spirituosenkategorien, von Rum über Cognac bis zum Whiskey findet der geneigte Verkoster von allem etwas. Ein Rum, in dem man die einzelnen Rumgebiete, die verblendet wurden, tatsächlich teilweise geschmacklich erkennen und beim Verkosten verfolgen kann: Sehr schön gelöst von Master Blender Andreas Vallendar von der Avadis Distillery hier bei mir um die Ecke zwischen Saar und Mosel, von der auch Ferdinand’s Gin stammt.

Bonpland Blanc VSOP Rücketikett

Das Etikett spricht die mir bei Rum extremst wichtigen Punkte klar aus – kein Zuckerzusatz, keine Färbung. Auch auf eine Kältefiltration wurde zugunsten der Aromen verzichtet, die bei dieser Art der Entfernung von Fuselstoffen oft mit ausgeklärt werden. Allein mit diesen Angaben hat mich der Hersteller schonmal überzeugt, dass er es ernst meint mit seinem Rum, und nicht nur ein Modeprodukt zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt werfen will – hätte er noch 45% statt die vorhandenen 40% Alkohol angesetzt, ich wäre restlos begeistert.

Auch die Idee der Transparenz, was die Herkunft der Blendanteile angeht, ist grundsätzlich sehr lobenswert – bis auf den leider nur in Werbetexten auftauchenden Hinweis auf den Zusatz von Batavia Arrack. Das Etikett jedenfalls schweigt sich über diese Zutat aus, schade, denn ich finde einen Nicht-Rum in einem Rumblend doch durchaus sehr erwähnenswert, selbst wenn javanesischer Arrack ein dem Rum äußerst ähnliches Zuckerrohrdestillat ist. Und die ausschließliche Erwähnung von „Rhum der französischen Antillen“ im Werbetext, statt ihn als Rumquelle auf dem Etikett zu deklarieren, wirkt dann halt zusätzlich noch inkonsequent und stößt tiefer interessierte Rumkenner etwas vor den Kopf, die sich von den oben erwähnten positiven Seiten schon im Siebten Himmel wähnten – das Etikett sollte die zentrale Informationsquelle sein.

Wie macht der Bonpland Blanc VSOP sich in der Mixtur mit anderen Zutaten? Rumcocktail, da denkt man erstmal an Tiki. Und ich mag hin und wieder einen Tiki-Drink, wenn er gut gemacht ist. Mit den langweiligen Saftbomben, die man hier in Saarbrücken immer noch meistens mit Cocktails assoziiert (da sind wir im Saarland irgendwie in den 90ern hängen geblieben), hat schon das nicht mehr viel zu tun. Doch selbst gute Tiki-Drinks bleiben bei mir hinter einem echten, reduktionistischen, alkohollastigen Prohibition-Era-Drink zurück, der ohne Saft – höchstens noch Zitrone – auskommt. Ich halte es da gern mit dem bekannten Hamburger Barchef Jörg Meyer, der den Fruchtanteil eines gutgemachten klassischen Cocktails lakonisch so definiert: „Fruchtzeste“. Ein Beispiel dafür ist sein White Old Fashioned – und der Bonpland Blanc VSOP passt da rein wie die Faust aufs Auge – auch wenn der entstehende Cocktail dann nicht so richtig weiß ist.

White Old Fashioned


White Old Fashioned
2 oz weißer Rum (z.B. Bonpland Blanc VSOP)
⅓ oz Sirop de Canne de Martinique
2 Spritzer The Bitter Truth Old Time Aromatic Bitters
Auf Eis rühren.
[Rezept leicht abgewandelt nach Jörg Meyer]


Das Portfolio ist von Anfang an breit aufgestellt: Neben dem hier gezeigten Blanc VSOP bietet der Hersteller noch einen dunklen Bonpland Rouge VSOP, ebenfalls in Ex-Weinfässern gefinisht, an, sowie eine Barrum-Schiene mit ungereiften Mixrums. Die edelsten Bonplands sind dann über 20 Jahre alt und stammen aus Destillerien, die das Herz der Rumsammler erfreuen, wie Enmore und Caroni. Und schließlich soll es noch Bitters und Liköre unter diesem Label geben – ich hoffe, hier wird sich nicht verhoben, bei so einer Parallellast.

Den halben Liter bekommt man für 37€ – nicht billig, aber für das Gebotene durchaus fair. Neben dem Inhalt erhält man eine opulente Produktpräsentation, in einer Designflasche, üppigen Etiketten, einer stabilen, runden Kartondose und – und das habe ich so bei einem Produkt dieser Preisklasse noch nicht gesehen – einem Glasverschluss.

Bonpland Blanc VSOP Glasverschluss

Jener ist zugegebenermaßen recht schwer zu öffnen und wieder zu schließen, gibt dem ganzen aber diesen letzten Touch an erschwinglichem Luxus, mit fast ein bisschen zu überfließendem Glööckler-Style. Ein schwelgerischer Gegenentwurf jedenfalls zu Felix Kaltenthalers kühl-aggressivem Stil bei Revolte und den minimalistischen Etiketten der neuen Foursquare-Rums.

Normalerweise dienen solche optischen und haptischen Gimmicks ja dazu, über den mäßigen Inhalt hinwegzutäuschen. Beim Bonpland Blanc VSOP scheint es mir wirklich einfach der Ausdruck der Begeisterung beim Herstellen zu sein. Denn der Inhalt ist gut, gefällig, ehrlich (das mit dem Arrack-Anteil nehme ich mal aus, denn das stört mich schon) und damit ein angenehmer neuer Vertreter für die aufkeimende deutsche Rumszene, die kreativ mit Spirituosen arbeitet und dabei ohne künstliche Hilfsmittel und Geschmacksverstärker auskommt.

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