Störtebeker Hefeweizen Titel

Erfolgloser Raubzug der Bio-Piraten – Störtebeker Weizenbiere

Piraten regten schon immer meine Fantasie an, und als Kind verschlang ich begeistert Medien zu dem Thema, beginnend beim „Was ist was – Piraten“-Buch, über diverse Dramatisierungen des Lebens von berühmten Freibeutern wie Henry Morgan und üblen Gesellen wie Blackbeard, später dann die Romane Rafael Sabatinis, bis hin zu den prägenden Errol-Flynn-Filmen. Ich wage nicht mal zu schätzen, wieviele Stunden Spielzeit ich dann noch in den Spieleklassiker „Pirates!“ gesteckt hatte, auf meinem Schneider-Amstrad-Rechner, damals zu DOS-Zeiten, mit pixeliger, kopfweherregender, Dreifarb-CGA-Darstellung und quietschkreischendem Lautsprechersound.

Kein Wunder also, dass ein Bier, das mit einem berühmten Piraten im Namen wirbt, meine Aufmerksamkeit erregt. Bei meinem letzten Besuch in einem lokalen Biomarkt sprangen mir zwei neue Sorten ins Auge, denen ich nicht widerstehen konnte. Sowohl das Störtebeker Bernstein-Weizen als auch das Störtebeker Roggen-Weizen landeten ohne viel Aufhebens in meinem Warenkorb, und nur kurze Zeit später dann auch in meinem Verkostungsglas.

Störtebeker Bernstein-Weizen Flasche

Beginnen wir mit dem Störtebeker Bernstein-Weizen, das mit 5,3% in einer Halbliterflasche angeboten wird, im firmenüblichen Design mit Hansekogge auf dem Etikett.

Im Glas gefällt mir diese Weizenbiervariante schonmal: Naturtrüb, aber noch recht transparent für ein Hefeweizen. Etwas wenig Schaum, der schnell komplett  verschwindet. Soweit, so typisch. Wenn man die Nase übers Bierglas hält, nimmt sie einen sehr angenehmen, würzigen Biergeruch wahr. Doch leider kommt davon nichts im Mund an – faszinierend lasch und ausdruckslos. Kein Charakter, kaum Aromen: eine derbe Enttäuschung. Zur Ehrenrettung weist das Bernstein-Weizen eine schöne Säure auf, sowie gute Rezenz.

Störtebeker Bernstein-Weizen Glas

Meine persönliche Empfehlung: Stark gekühlt als leichter, unbeschwerender Durstlöscher macht das Bernstein-Weizen seine Sache hervorragend, wenn man keinen großen Anspruch an Komplexität oder Aromenstärke legt. Diesen Einsatzzweck unterschätzt man als Vielverkoster auf der Suche nach abwechslungsreichen Hopfengetränken gern, doch ein Großteil der Biertrinker ist eigentlich nur am Rande an Spannungsbögen bei Bier interessiert und trinkt rein zur Erfrischung und Durststillung (oder, leider, wegen des Alkoholeffekts). Der Biergourmet allerdings lässts dennoch lieber im Regal stehen und schaut sich anderweitig um – vielleicht beim Sortenkollegen vom selben Hersteller?

Störtebeker Roggen-Weizen Flasche

Wie schlägt sich also das Störtebeker Roggen-Weizen im Vergleich? Schon in der Flasche ahnt man, dass hier etwas dunkleres daherkommt; im Glas bestätigt sich das schnell. Auch dieses Weizen ist naturtrüb, doch während das Bernstein-Weizen wenigstens mit toller Farbe punkten konnte, ist beim Roggen-Weizen schon der optische Eindruck nicht überzeugend: das recht dumpfe Braun erinnert mehr an abgestandenes Colabier als an einen Piratentrunk. Ansonsten hat man fast ein déjà-vu: Der Schaum ist zunächst kräftig, später dünn und feinperlig. Doch das Verkostungserlebnis ist eigentlich genau umgekehrt wie beim Vorgängerbier.

Der recht neutrale Geruch, mit süßen Anklängen von Banane und einem leichten Fehlton nach Plastik, haut mich wirklich nicht vom Hocker. Dieses Bier mit 5,4% Alkohol setzt Akzente dann eher beim Geschmack: Würzig im Mund, salzig, aber insgesamt trotzdem aromenarm, dazu trotz Roggen die hefeweizentypische Süße und ein Hauch von Banane. Auch diese Sorte ist sehr frisch mit hoher Rezenz. Der Abgang ist sehr trocken und leicht bitter, darüberhinaus nur kurz. Dadurch wirkt das Roggen-Weizen unrund; die starke Trockenheit am Schluss passt nicht zum Rest des Biers.

Störtebeker Roggen-Weizen Glas

Beiden gemein ist die oben kurz angerissene Flaschen- und Etikettgestaltung, die optisch sehr ansprechend ist. Besonders lobenswert ist das Rückseitenetikett, das Details über die Zutaten und Herstellung preisgibt: Hopfen (Smaragd), Malzsorten und Gärmethoden werden kurz erläutert. Ein Bio-Siegel und einige Bier-Awards dürfen bei entsprechender Zertifizierung natürlich nicht fehlen.

Wer schonmal einen gut gemachten Biercocktail getrunken hat, wird meine Faszination mit dieser eher etwas ungewöhnlichen Gattung des Mixgetränks nachvollziehen können. Vom Störtebeker Roggen-Weizen blieben ein paar Schluck übrig; diese machten sich dann vergleichsweise gut im flugs zusammengestellten fruchtig-sauren Sidewalker.

Sidewalker


Sidewalker
1¼ oz Applejack (z.B. Laird’s Applejack)
1¼ oz Zitronensaft
¾ oz Ahornsirup
1 Spritzer Apfelessig
…auf 4 oz Störtebeker Roggen-Weizen gießen


Insgesamt sind bisher alle Störtebeker-Biere, die ich getrunken habe, nicht dazu angetan, dass ich mehr davon kaufen würde; sie schwanken zwischen enttäuschend langweilig (das Bernstein-Weizen), unausgegoren (das Roggen-Weizen) und schlicht untrinkbar (das früher schon verkostete Störtebeker Whisky-Bier). Wahrscheinlich rettet das Bio-Siegel diese Biere vor der Obskurität, denn es ermöglicht einen Verkauf in Biofrischmärkten, wie dem, in dem ich diese Biere erworben hatte – hier haben wir aber auch den Beweis, dass ein Bio-Siegel allein noch nichts über den Geschmack aussagen muss.

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