Mastic Tears Liqueur Titel

Tränen im Spirituosenhimmel – Mastic Tears Classic Liqueur Mastiha Spirit

Lesbos ist aktuell in aller Munde: Die Flüchtlingskrise sorgt dafür, dass ein Großteil der ersten Google-Suchtreffer bezüglich der griechischen Insel von Themen über Flüchtlinge, Abschiebelager und Papstbesuche annektiert wird. Wäre es nicht so, würde man wahrscheinlich nur über All-Inclusive-Hotels und Strandunterhaltung lesen; die spirituelle (spirituell natürlich im Sinne von alkoholisch) Seite dieser Insel wird selten beleuchtet, und wenn, dann nur unter dem Licht der Ouzo-Produktion, denn 50% allen griechischen Ouzos wird dort hergestellt. Andere lokale Spirituosen fallen da schnell unter den Tisch; der Mastic Tears Classic Liqueur Mastiha Spirit ist eine davon. Mastiha oder Mastika ist der Gattungsname dieser Spirituose.

Die Harz-Tränen des Mastic Baums aus Griechenland werden destilliert und verfeinert, so entsteht ein einzigartiger Likör.

So lyrisch können die Marketing-Abteilungen von Spirituosenherstellern sein, wenn sie was verkaufen wollen. „Tränen“ sind dabei die aus den angeritzten Pistazienbäumen austretenden Harzklumpen (das hört sich im Vergleich zugegebenermaßen nicht besonders verkaufsfördernd an). Ich kann mir vorstellen, dass der Prozess der Ernte nur schwer automatisier- und industrialisierbar ist; eventuell ist das untenstehende Video, das die komplette Produktionskette (allerdings auf der Nachbarinsel Chios) erläutert, daher mehr als nur Folklore – trotz der passend angezogenen Kostüme, die wohl dem Video etwas Authentizität verleihen sollen.

Man erkennt schon in der Flasche, wenn man oben oder unten reinlinst, dass es sich beim Mastic Tears um eine völlige klare, leicht viskose Flüssigkeit handelt; im Glas sieht man beim Schwenken die Dickflüssigkeit noch besser: ein Likör mit ordentlich Zucker.

Wichtiger für diese spezielle Spirituose ist aber die Nase – ein wirklich sehr einprägsamer, einzigartiger Geruch. Dadurch wird es mir aber auch sehr schwer gemacht, ihn zu beschreiben, weil mir die Vergleichsobjekte nicht so leicht zufallen wie bei anderen Schnäpsen. Ich versuche es trotzdem: Grüne Blätter, feuchtes Holz, Pappe; Kunststoff, Mineralöl. Jedenfalls harzig, erdig, leicht modrig, nach Waldpilzen.

Das Ungewohnte setzt sich auch im Geschmack fort. Zunächst erwartetermaßen einfach sehr süß, Anklänge von Vodka; dann aber schon ein bitterer Unterton. Auch hier schnell, wie beim Geruch, sehr speziell und eigen. Grünes Holz, Gras, Kunststoff. Honig. Kerbel. Ein bisschen Jasmin oder Rose. Im kurzen Abgang rutscht etwas Pfeffer auf die Zungenspitze neben die Süße, kombiniert mit einer überraschenden Trockenheit. Ganz am Ende wieder erwartungskonform, eine klebrige Restsüße und einige Aromen verbleiben im Rachen.

Mastic Tears Liqueur Flasche

Auch wenn in Griechenland so etwas wie Mastic Tears vielleicht gern als Digestif getrunken wird: Man müsste sich selbst als Laienspirituosenfreund erstmal dran gewöhnen. So richtig warm werde ich mit dem Geschmack nicht, wenn ich ihn pur trinke; als Zutat dagegen in altbekannten Mischgetränken, denen man einen neuen, unerwarteten, harzig-erdigen Twist geben will, kann ich mir dieses Unikat sehr spannend vorstellen.

Wenn man sich mal nach Cocktailrezepten umschaut, die mit Mastiha arbeiten, so findet man überraschend viele davon mit Tequila und Mezcal. Das Pistazienharz und die Agave scheinen eine gute Kombo zu sein. Wir machen zum Test einfach eine kleine Margarita-Variation damit, genannt Tears in Heaven. Tatsächlich gibt der Mastic Tears diesem Cocktail eine geheimnisvolle, leicht rauchige, harzige Note, die ich sehr ansprechend finde, und die sehr gut zum Kräutercharakter des Corralejo Tequila passt.

Tears in Heaven


Tears in Heaven
¾ oz Mastic Tears Classic
1¾ oz Tequila Reposado (z.B. Corralejo Reposado)
1 oz Limettensaft
…in einem Glas mit Kruste aus zerdrückten ungesalzenen Pistazien servieren.


Mit 24% Alkohol bewegt sich dieser Likör in üblichen Bahnen. Lobenswerterweise ist er in verschiedenen Flaschengrößen erhältlich – ich habe mir erstmal die 200ml-Variante geholt. Wer will schon eine riesige Literflasche im Regal verschimmeln sehen, wenn einem der Inhalt nicht mundet? Ich finde, viel mehr Hersteller sollten das einsehen; nur die, die befürchten, dass nach der Probe kein Nachkauf erfolgt, müssen Angst davor haben. Die Flasche ist hübsch gestaltet, mit einem Metallic-Effekt-Schraubverschluss und einem auffälligen, griechischen Muster in Schwarzweiß mit hellblauen Highlights, ein kleiner Blickfang selbst im vollen Spirituosenregal.

Wie ich schon sagte, hat der Mastic Tears Classic einen sehr individuellen Geschmack, der kaum durch etwas anderes reproduzierbar ist. Er reiht sich damit ein in die Riege der Spezialitätenspirituosen, die man nicht unbedingt haben muss, die aber für den nach neuen Aromen Suchenden ein steter Quell der Freude sind. Experimentierfreudige Trinker sollten definitiv einen Versuch wagen, Tränen werden dabei sicher nicht fließen.

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