Jack Daniel's Master Distiller Series No 3 Titel

Die Seele des Liebenden ist das Gegenteil der Seele des Sammlers – Jack Daniel’s Master Distiller Series Limited Edition N°3

Der Steinzeitmensch war Jäger und Sammler. Und so mancher Mensch ist es heute noch, auch wenn man dann weniger Beeren sammelt und Mammuts jagt, sondern Sammelobjekte aller Art. Man kennt die Opas, die noch eine Briefmarkensammlung haben, die Omas mit dem Puppenhort. Schallplatten und Kronkorken, Bücher und Porzellanfiguren, Sammelkarten und allerlei anderes Zeugs. Comicbücher waren in den 80ern und 90ern beliebte Sammelobjekte, so beliebt, dass sie bis heute Spekulationsware sind.

Doch eins ist dem nicht dem Sammel- und Jagdwahn verfallenen kühlen Kopf klar: Für jedes Sammelobjekt wie Action Comics #1, Amazing Fantasy #15 oder Detective Comics #27, für die man Eigentumswohnungen in Zentralmünchen bekommt, gibt es Millionen von Gegenstücken, die nichts wert sind. Und mit nichts meine ich nicht mal den Materialwert, auch wenn diverse findige Verkäufer dem unbedarften Investitionswilligen die Sterne vom Himmel versprochen hatten: All die Garantien der Puppenhersteller auf astronomische Wertzuwächse, die doch so sensationellen Einstiegspreise bei Sondermünzen, der angeratene Kauf von Porzellantellern, weil doch der Aktienmarkt so volatil dagegen ist. Alle sind sie auf die Nase gefallen.

Und dann empfiehlt der eine oder andere noch Whisky als Investition. Natürlich tut man das dann nicht mit der 10€-Flasche aus dem Discounter, sondern sucht sich seltene Abfüllungen. Warum dann nicht eine nehmen, die sogar schon im Namen eine Limitierung trägt, wie Jack Daniel’s Master Distiller Series Limited Edition N°3? Die muss doch garantiert in Zukunft was wert sein, oder?

Jack Daniel's Master Distiller Series No 3 Flasche Schrägansicht

Erstmal begehe ich nun den schlimmsten Fehler, den man als ambitionierter Sammler mit Investitionsgedanken begehen kann: Ich öffne die Flasche und verkoste den 43%igen Inhalt.

Geruchlich ist dieser Tennessee Whiskey klar als Jack Daniel’s Whiskey erkennbar. Die typische, fruchtige Bananennote überlagert alles andere, eine gewisse Nussigkeit grenzt sie aber zum 3% schwächeren Schwarzlabel desselben Herstellers ab. Eine starke Plastikkleberfahne ist auch mit von der Partie.

Erster Mundeindruck: Sehr weich und süß. Doch ziemlich schnell setzt eine durchaus aggressive Schärfe ein, die an Zunge und Gaumen kitzelt. Kombiniert mit der recht kräftigen Würze, die die Süße komplett ersetzt, ergibt das einen überraschend starken Whiskey, der seinen kleinen Siebener-Bruder schnell überholt.

Ich mag würzige, kräftige Whiskeys, solange sie die Schärfe mit Charakter ausgleichen. Leider suche ich das bei der dritten Auflage der Jack Daniel’s Master Distiller Series  vergeblich. Er hat kaum Körper, der Abgang ist enttäuschend kurz, wenn auch ansprechend trocken, der Nachhall nach wenigen Sekunden verklungen.

Jack Daniel's Master Distiller Series No 3 Flasche

Ich bin froh, für diesen Tennessee Whiskey nur 25€ im lokalen Globus-Markt bezahlt zu haben. Die Online-Preise, die ich recherchiert hatte, würde ich für diesen eher langweiligen Whiskey nicht auf den Tisch legen wollen – da ist das Geld in einen Jack Daniel’s Single Barrel sehr viel besser investiert, wenn man in diesem Bundesstaat bleiben will – der besitzt nämlich den Charakter, den ich bei „Lem“ Tolleys Whiskeyvariante klar vermisse.

Die Flasche selbst ist identisch zum bekannten Old N° 7, aber mit kupferfarbenen, reflektierenden Rändern; sie ist erhältlich in einem stabilen Karton mit dem Konterfei des Master Distillers Tolley, der von 1941 bis 1964 bei Jack Daniel’s wirkte.

Der Cocktail, den ich vorschlage, ist nach dem Rezept von Dale DeGroff aus seinem Buch „The Essential Cocktail“. DeGroff ist nie bescheiden, gibt gern mit seinen unzweifelhaften Errungenschaften an. Auch vom Whiskey Smash sagt er unverblümt, dass er ihn erfunden habe. Letztlich hat er aber nur dem Rezept von Jerry Thomas von 1862 Zitronenstücke hinzugefügt (es wäre kein DeGroff-Drink, wenn nicht gemuddelte Frucht drin wäre), und den Süßer ausgetauscht. Das Ergebnis ist dann aber doch ein völlig anderer, modernerer und vielleicht sogar besserer Drink – daher gestehe ich DeGroff gern ein bisschen Megalomanie zu.

DeGroff's Whiskey Smash


DeGroff’s Whiskey Smash
4 große Blätter Minze
½ Zitrone, wiederum halbiert
1 oz Orange Curaçao (z.B. Le Favori)
im Shakerglas muddeln
2 oz Jack Daniel’s Master Distiller Edition N°3
sehr gut schütteln


Diese Jack-Daniel’s-Reihe ist klar an Sammler gerichtet, die sich die „Limited Edition“-Flaschen ins Sammlerregal stellen wollen und auf Wertsteigerung oder Prestige für die gesamte Reihe hoffen. Doch hierfür gibt es Voraussetzungen.

Erstens, das Sammelobjekt muss selten genug sein (von Action Comics #1 gibt es wohl nur noch eine Handvoll). Ich will gar nicht schätzen, wieviele Flaschen diese „Limited Edition“ eines Massenherstellers ausmachen; allein schon deswegen ist eine Wertsteigerung eher utopisch. Zweitens, man muss sicherstellen, dass es sich bei dem Objekt der Begierde nicht um eine Fälschung handelt – gerade bei Spirituosen ist das wirklich ein Thema. Drittens, man muss die gesamte Reihe haben. Einzelflaschen werden, falls diese Reihe mal tatsächlich etwas wert sein sollte, deutlich geringer bepreist sein als die Gesamtreihe (Sammelkarten zeigen dies). Und zu guter letzt darf man die Flasche, wie oben schon angesprochen, nicht öffnen und muss den Karton aufbewahren – Comics beispielsweise müssen einen guten Zustand aufweisen, eigentlich direkt nach dem Kauf in Folie eingeschweißt und unter guten Bedingungen aufbewahrt werden, und dürfen idealerweise gar nicht erst gelesen werden. Ich persönlich trinke einen Whiskey lieber statt ihn als Spekulationsobjekt ungeöffnet im Regal verstauben zu lassen und ihn damit den wahren Genießern zu entziehen.

Man sieht, ich wäre eh nicht an einem eventuellen zukünftigen Wert dieser limitierten Whiskeyserie interessiert; doch werde ich die anderen Jahreseditionen, die mit anderen Master Distillern der Firma präsentiert werden, auch aus rein geschmacklichen Gründen nicht weiter verfolgen.

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