Ein Herrengedeck besteht aus einem großen Erfrischungsgetränk und einem kleinen Hochprozentigen, zumindest kenne ich es so. Ein klassisches Beispiel dafür wäre ein „hauf and a hauf“ in Schottland, ein Whisky und ein Bier. Beim Bryggeriet Frejdahl Skolder Viking Voyage verfolgt man diesen Gedanken noch etwas weiter – im Brauprozess des Biers wird Whisky bereits als Zutat verwendet. Man findet dementsprechend diese Angaben auf dem Etikett des dänischen Biers: Gerstenmalz, Weizenmalz, Highland Park 12y, Hopfen, Hefe. Dazu wird eine Miniatur des eingesetzten Highland Park 12 Year Old geliefert, so dass man sich das Herrengedeck selbst noch gönnen kann, diesmal im doppelten Sinn. Vielleicht wird es schwer, an dieses Set noch heranzukommen, denn es war eine für Dänemark limitierte Auflage, aber darum probiere ich es ja hier für die Nachwelt.
Espressobraun, fast schon ins Mahagoni übergehend, steht das Bier im Glas, blickdicht auch bei Gegenlicht. Perlage ist keine vorhanden, Schaum nur in Form einer kontrastreichen, cremafarbenen Kante an der Glaswand. Dreht man das Glas, haftet das Bier kurz an ihr.
Wie es bei einem Wikingergetränk sein soll, springt einen der Geruch direkt an. Sehr stark röstmalzig, mit klaren Holzanklängen, leichtem Rauch und viel Kaffee. Ein Abend am Lagerfeuer, so sind die Eindrücke. Minimale kaltrauchige Specknoten und orthogonal dazu frischere Aromen von Orange und Aprikose, ich finde ja immer, dass Rauch und Frucht ineinander übergehen, wenn sie beide ausgeprägt sind – das Skolder ist ein gutes Beispiel dafür.
Noch viel fruchtiger ist der Eindruck am Gaumen, da ist dann ein Gemisch aus Orange und Pfirsich, vielleicht etwas Mango und Ananas sogar, dominierend. Der Antrunk ist voll und weich, die Textur rund mit leichter Frische aus der hier spürbaren Karbonisierung. Säure übernimmt, ohne wirklich hart zu werden. Im späteren Verlauf kommt das Röstige deutlicher hervor, malzig und mit Anflügen von Honig. Der Körper wirkt dann ein bisschen zu leicht für all die schweren Aromen, gerade, wenn im Abgang dann noch feines Süßholz und edle Bittere dazu stoßen, etwas mehr als die eingestellten 6% Alkoholgehalt hätten hier vielleicht gut getan. Der Abgang ist mittellang, röstig-fruchtig-blumig, schön komplex und unterhaltsam.



Spürt man den Whisky als Zutat? Ja, durchaus, in den feinen Nuancen und Details des Biers findet man ihn, wenn man ihn sucht, und gerade im Nachhall zeigt er sich deutlicher. Ein sehr aromatisches Bier, frisch, fruchtig, fast sommerlich im Charakter, und dagegen schwarz wie die Nacht. Gefällt mir sehr gut, vor allem als Herrengedeck zusammen mit dem Highland Park 12. Eine schöne Idee, sauber ausgeführt, toll vollendet.

In der DDR bestand ein Herrengedeck aus einem Pils und einer Piccolo. In den Touristen-Hot Spots konnte der Herr kein Bier ohne Piccolo bestellen, weil die DM lachte.
Danke für den Newsletter! Ich fiebere jeden Freitag entgegen und bin dann enttäuscht, wenn es nicht um Bier geht.
Thomas
Pils und Piccolo, das klingt aber tatsächlich auch gar nicht so übel! Das werde ich auch mal ausprobieren. :D