Frisch und fruchtig – Yuhe Laojiu (御何老酒)

Yuhe Laojiu Baijiu Titel

Die Informationslage, was Baijiu angeht, ist immer noch sehr mäßig. Ich versuche mein bestes, über meinen Blog hier ein bisschen Wissen über die chinesische Nationalspirituose zu streuen, doch da geht natürlich noch viel mehr. Mein sehr geschätzter Baijiu-Mitstreiter Ulric Nijs und ich haben uns darum zusammengetan und ein paar Videos zu den unterschiedlichen Stilen, die es bei Baijiu gibt, gedreht – keine Expertenvideos, aber zumindest mit klarem Grundlagenwissen, die gegen die auf Youtube wild kursierenden Fehlinformationsquellen angehen sollen. Hier zum Beispiel das Video über Starkaroma-Baijiu!

Früher war die Bezeichnung „Luzhou-Aroma“ durchaus verbreitet, heute versucht man, neutraler zu definieren – während Luzhou eine Marke ist, ist das Wort „Starkaroma“ eben nicht markengebunden und damit auch für andere Hersteller wie Cangzhou Dongsu Group Yuhe Liquor Marketing Co, Ltd für den hauseigenen Yuhe Laojiu (御何老酒) besser nutzbar. Darüber hinaus hat der Stil somit eine Bezeichnung erhalten, die dem sensorischen Eindruck gerecht wird und auch von Anfängern direkt zugeordnet und verstanden werden kann. Woher der Name kommt, wird jedem auch noch so unerfahrenen Verkoster sofort klar, wenn er oder sie sich ein Gläschen des chinesischen Sprits eingießt – was wir hiermit tun wollen.

Yuhe Laojiu (御何老酒)

Optisch wie erwartet kristallklar und ohne Einschlüsse, was, das betone ich hier mal erneut, nicht bedeutet, dass die Spirituose ungereift ist – da Baijiu in Tonkrügen gelagert wird, die keine Farbe abgeben, sagt die Farblosigkeit nichts über das Alter aus. Selbst an meinem Minishotglas bleibt an der Glaswand allerdings ein öliger Film.

Die Nase ist superfruchtig, die üblichen Verdächtigen springen einen sofort an – reife Ananas, überreife Banane, verrotteter Pfirsich. Darunter liegt eine mildkäsige Sojasaucenkomponente, die Volumen und Weichheit dazuliefert. Eine leichte, fast mentholige Frische lockert alles auf, und da praktisch null Alkoholstechen vorhanden ist, schnuppert man da gern und lang daran. Lässt man das Verkostungsglas eine Weile stehen, duftet nach kurzer Zeit der ganze Raum danach – gar nicht unangenehm, muss ich sagen.

Yuhe Laojiu (御何老酒) Glas

Auch im Mund beginnt der Yuhe Laojiu mit einem weichen Antrunk. Schnell entsteht der Eindruck einer Maschinenwerkstatt, mit dreckigen Tönen aus Öl, Metall und Rost. Die Kompostfrucht kommt dazu, allerdings nicht so stark, wie bei anderen Vertretern des Stils. Eine kantige Trockenheit wehrt sich im Verlauf gegen die durchweg vorhandene starke Süße, und eine feine Bittere hilft später auch dabei. Sehr aromatische Getreidenoten bilden den Ausklang. Der Abgang schließlich ist mild, sehr würzig aber nicht scharf, und eher kurz. Leicht getreidige und ganz vorsichtig laktische Noten hängen noch kurz nach, dann ist der Baijiu vom Gaumen wieder komplett verschwunden.

Ein balancierter und weicher Starkaroma-Baijiu, der sich allerdings nicht anbiedert – die dreckigen Noten geben Charakter, das volle Mundgefühl sorgt für wohlige Wärme am Gaumen. Und, und das ist durchaus bemerkenswert, der für Baijiuverhältnisse sehr niedrige Alkoholgehalt von 39% macht das Ding dann sogar sehr kompatibel mit dem westlichen Gaumen, der die hochprozentigen Verwandten nur mäßig verkraftet.

Gerade die Milde macht den Yuhe Laojiu zu einer für Baijiuverhältnisse attraktiven Cocktailzutat – denn auch wenn man im Allgemeinen sagt, dass höhere Alkoholprozente gerade für Mixturen sehr vorteilhaft sind, weil sie aromatisch dann mehr Durchschlagskraft haben, so ist das für Baijiu vielleicht eher unerwünscht, die Aromatik ist selbst bei niedereren Prozentzahlen schon arg kräftig genug. Darum wirkt der Green Asia in dieser Kombo auch nicht extrem, sondern ausbalanciert – genug anderes an Zutaten wirkt ausgleichend.

Green Asia Cocktail


Green Asia
1 oz Starkaroma-Baijiu
⅓ oz Wassermelonen-Likör
¾ oz Grünteekonzentrat
⅔ oz Limettensaft
Auf Eis shaken. In ein Glas mit Eis geben.
Mit Bionade Litschi aufgießen, und 4 Tropfen Lemon Bitters toppen.

[Rezept nach Dominic Loße]


Kurz zur Flasche – die ist natürlich ausgesprochen hübsch. Chinesische Destillerien geben sich so richtig Mühe, ihren Stoff in attraktive, verspielte und manchmal schon übermäßig opulente Gefäße zu verpacken – hier wurde genau der goldene Mittelweg zwischen Kitsch und Kultur getroffen, finde ich. Die goldene Schrift auf dem Milchglas der geschwungenen Flasche leuchtet toll, und man sieht erst auf den zweiten Blick, dass der Verschluss nur vergoldetes billiges Plastik ist.

Sehr präsent auf meiner Flasche ist der Aufkleber mit der Goldmedaille des internationalen Spirituosenwettbewerbs Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles – mich wundert es ehrlich nicht, dass die Juroren sich dafür entschieden haben. Der Yuhe Laojiu kommt dem westlichen Markt sehr entgegen, und hat darüberhinaus auch inhärente Qualitäten. Wer das Zeug bekommen kann, und sich an Starkaromabaijiu herantasten will, der findet kaum einen einfacheren Einstieg als diesen Brand.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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