Ancient Mariner Navy Rum 16y Caroni Distillery Titel

Der Teufel kann rudern, meiner Ehr! Ancient Mariner Navy Rum

Die Geschichte von Rum ist reich an seltsamen Anekdoten. Eine davon ist die  um Navy Rum – man hat heutzutage, in diesem neopuritanischen Zeitalter des Selbst- und Fremdoptimierungszwang kaum mehr Vorstellung davon, dass starke Alkoholika ein fast schon notwendiger Hygienefaktor in der harten und brutalen Welt der imperialistischen Ausdehnung der Kolonialmächte waren – so konnten die Matrosen in Zaum und bei Laune gehalten werden, wollten die Kommandanten nicht das Schicksal von Captain Bligh erleiden. Normalerweise ist ein klassischer Navy Rum ein Blend aus diversen Rums der ehemaligen britischen Kolonien – oft enthält er Komponenten aus Guyana, Trinidad, Barbados und Jamaica. Nicht zu verwechseln ist dieser Begriff mit dem der Navy Strength – letzteres bezieht sich nur auf eine spezielle Alkoholstärke – 57% – und ist auch auf andere Spirituosen (hauptsächlich wohl aber Gin) anwendbar.

Der vorliegende Ancient Mariner Navy Rum stammt vom kleinen unabhängigen schottischen Abfüller Hebridean Liqueur Company. Er ist dahingehend ein Sonderling, weil er eben kein Blend ist, sondern ein einzelnes, 16 Jahre lang gereiftes Destillat aus der von vielen Rumfreunden heiß geliebten Caroni-Destillerie. Persönlich kann ich den Drang, die Produkte dieser Destillerie so zu vergöttern, ja nicht wirklich nachvollziehen, mir sind die Caronis-Rums oft etwas zu dreckig und unsauber. Fällt der Ancient Mariner Navy Rum auch diesem Verdikt zum Opfer?

Ancient Mariner Navy Rum

Die Farbe zeigt sich sehr kräftig, aber noch natürlich wirkend. Strahlende Reflexe. Leichte Konsistenz. Vorsichtige Schlierenbildung, extrem langsam ablaufend, sie bleiben fast stehen. Ein erster Versuch des Schnupperns zeigt mir, dass ich dem Rum etwas Zeit lassen muss im Glas – sonst zwickt das enorm. Nach einigen Minuten verfliegt etwas davon, und man nimmt die dominierenden Holzaromen wahr. Darunter liegt eine schöne Fruchtigkeit in Richtung Aprikose und Banane, vielleicht Malz – und eine leichte Rosenblätternote. Darunter wiederum findet man das, was die Caronifreunde begeistert – ein Anflug von Tabak, Torf, verschortem Gummi, Rauch und Teer. Aber wirklich nur ein Hauch davon, mehr eine Andeutung.

Im Mund wird das ganze schon prägnanter, ich würde die Reihenfolge hier eigentlich schon glatt umkehren. Die fuseligen, öligen, teerigen Aromen springen geradezu in den Vordergrund, die Frucht schiebt langsam nach und bildet eine Basis. Im Verlauf taucht dann erst die Vanille und die vorsichtige Holzigkeit auf, die dann an Fahrt aufnimmt und den Eindruck zum Schluss hin wieder dominiert. Da ist richtig viel Süße im Ancient Mariner Navy Rum, schwere, dunkle Süße, im Gegensatz zu künstlich nachgesüßten Rums ist diese aber tief und komplex, cremig und vollmundig.

Ancient Mariner Navy Rum Glas

Der Abgang ist für die eingesetzten 54% weich und angenehm, mit viel Ingwer, aber warm und fühlbar den Rachen hinuntergleitend. Er ist vergleichsweise kurz, Vanille ist das einzige, was länger am Gaumen haften bleibt, mit einer Erinnerung an Teer.

Ein schöner, vielschichtiger und komplexer Rum, dezenter als viele andere Caronis, ohne seine Wurzeln ganz zu verleugnen. Ich mag diese Herangehensweise, sie gleicht die mir persönlich manchmal zu stark ausgeprägte Fuseligkeit der Destillate dieses Herstellers durch eine ausgesprochen gelungene Drinkability aus.

Welcher Cocktail könnte für einen Navy Rum besser geeignet sein als der Jack Tar? So nannte man früher die Soldaten der britischen Kriegsmarine. Der Bezug ist rein namentlich, wobei man schon eine gewisse matrosenhafte Konstitution mitbringen sollte, wenn man sich diesem starken Drink aus diversen hochprozentigen Spirituosen nähern will.

Jack Tar


Jack Tar
1 oz Navy Rum
½ oz Bourbon
½ oz Dry Gin
¼ oz Limettensaft
¼ oz Zitronensaft
¼ oz Zuckersirup
Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]


Auffällig ist natürlich direkt die kleine, knuffige, eckige 50cl-Flasche im Würfeldesign – sehr schwer und etwas unhandlich, aber ein Blickfänger in der Heimbar, wenn man sie entsprechend platziert. Der Anhänger an einer blauen Kordel ist leider nicht besonders informativ, blubbert nur über Coleridges Gedicht, das als Namenspate diente. Das Etikett ist klein, da ist nicht viel Platz, dennoch hätte ich mir wenigstens ein paar kleine Hinweise über das Produkt in der Flasche erhofft. Nun, man findet immer ein Haar in der Suppe. Wenn die Suppe aber so gut zusammengestellt ist, wie die des Ancient Mariner Navy Rum, dann schluck ich auch das Haar.

Veröffentlicht von

schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.