Ouzo of Plomari Titel

Noch einen aufs Haus – Ouzo of Plomari Isidoros Arvanitis

Kaum eine andere Spirituose hat in Deutschland einen derart eingeschränkten Wirkungskreis wie Ouzo. Man trinkt ihn offensichtlich praktisch ausschließlich nach einem fetten Grillteller beim Lieblingsgriechen vor Ort. Wenn man sich die Supermarktregale dann aber ansieht, findet man ein überraschend breites Sortiment an verschiedenen Herstellern, scheinbar wird Ouzo dann doch auch in deutschen Wohn- und Esszimmern konsumiert – da steht man als interessierter Käufer doch vor einem Problem, zu welchem Produkt man greifen soll, schließlich will man nur das Beste für seine echten Freunde und Gäste.

Um so erfreulicher ist es, wenn man dann nicht nur auf Werbungsversprechen zurückgreifen muss, sondern Seiten wie ouzopedia.de hat. Dort wurde nämlich eine Verkostungsrunde durchgeführt, in der ein Großteil der Ouzos, die man leicht erhältlich allernorten findet, und die nicht das Budget eines Laienkäufers sprengen, miteinander verglichen wurden. Tsantali, Ouzo of Plomari, Ouzo 12, Pilavas und Barbagianni waren die Hauptkonkurrenten, und, um das Fazit vorwegzunehmen, in praktisch allen Kategorien schnitt der Ouzo of Plomari Isidoros Arvanitis am besten ab.

Ouzo of Plomari Flasche

Mich persönlich wundert es nicht; schon vor einigen Jahren, bevor ich mich für Spirituosen groß interessierte, aber meine Liebe zu Griechenland bereits stark ausgeprägt war, genoss ich hin und wieder einen Ouzo, und meist war es dann tatsächlich der Ouzo of Plomari – ein damals blindes Huhn findet auch ab und an ganz spontan und ohne Recherche ein Korn. Betrachten wir diesen Ouzo, der auf der Insel Lesbos, die als bedeutendstes Ouzoherstellungszentrum gilt, produziert wird, ein bisschen näher.

Zur Farbe hole ich nun ein bisschen aus. In der Wikipedia und vielen sie praktisch wörtlich zitierenden Ouzo-Informationsseiten findet man den Passus – „muss farblos sein“.  Ein Ouzo muss klar sein, das ist tatsächlich gesetzlich so geregelt? Ich suchte nach entsprechenden Gesetzestexten, und wurde in der Verordnung (EWG) Nr. 1576/89 fündig. Doch leider wurde diese Verordnung durch die uns Spirituosenfreunden wohlbekannte VO 110/2008 abgelöst und damit aufgehoben; dadurch wurden, wenn ich das juristische Gebrabbel recht verstehe, auch die in 1576/89 festgelegten Eigenschaften aufgeweicht, wie, dass Ouzo farblos sein muss, und dass er höchstens 50g/L Zucker enthalten darf. Ich lasse mich gern eines besseren belehren, wenn ein Kenner genauere Informationen über die Rechtslage hat. Eine andere Seite hat eine Begründung dafür parat: „Bezüglich der Zutaten und der Produktionsmethode wurde die Gesetzgebung absichtlich nicht eindeutig gestaltet, um allen in Griechenland auftretenden Varianten gerecht zu werden.“ Das mag schön klingen, tatsächlich ist es eine offene Tür für allerlei Schindluder und Intransparenz, die wir Spirituosenfreunde lieber durch klare Gesetzgebung vermieden sehen würden.

Ouzo of Plomari Glas

Natürlich ist Anis geruchlich im Vordergrund, aber nicht so brutal wie bei vielen anderen Ouzos. Eine dunkle Kräuterwürze bildet eine Basis für viele weitere Aromen; Fenchel, Malz, Veilchen und sogar ein Hauch Banane. Insgesamt ein sehr attraktives Geruchsbild.

Auch im Geschmack ist natürlich der definierende Hauptaromabestandteil eines jeden Ouzo dominierend. Ein sehr weiches, cremiges Mundgefühl gefällt mir sehr, die enthaltenen 40% Alkohol sind praktisch komplett verborgen, einzig eine sehr milde Wärme deutet darauf hin. Süß und rund, mit vollem Körper und ohne jeden Ärger gleitet der Ouzo of Plomari durch den Mund.

Im sehr langen Abgang kommt zunächst der Anis nochmal wuchtig zum Vorschein, fast schon lakritzig, dann aber schnell wieder abflachend. Kandiszuckersüße taucht nun auf, eine überraschend starke Süße, die aus einer nicht unerheblichen Beigabe von Zucker stammt (meine Messung ergab ~20g/L; dies ist deutlichst unter der zumindest bis 2008 definierten Obergrenze). Die Anisaromen hängen dann noch eine ausgesprochen lange Zeit im Mundraum, zusammen mit einer leicht anästhesierenden Wirkung an Zungenspitze und -seiten.

Ouzo gilt als schwierige Zutat in Cocktails. Nun, das sagte man lange Zeit über Scotch Whisky auch, und inzwischen haben sich mutige Mixologen einfach mal rangetraut und ihn verwendet, mit tollen Ergebnissen. Vielleicht braucht der Ouzo auch nur so einen mutigen Menschen, der sich ihm fachlich annimmt. Ein erster, einfacher Schritt ist der Mean Streets, der beweist, dass zumindest Whiskey sich mit Ouzo gut paart; was man an diesem Cocktail außerdem erkennen kann ist der herrlich dichte Louche-Effekt, den der Ouzo of Plomari aufweist, wenn man ihn mit Eiswasser in Verbindung bringt.

Mean Streets


Mean Streets
Eine halbe Zitrone in Stücke schneiden und muddeln.
1½ oz Ouzo (z.B. Ouzo of Plomari) dazugeben und auf Eis shaken.
Abseihen in ein Glas voll Eis
½ oz Rye Whiskey (z.B. Rittenhouse BiB) floaten.

[Rezept angepasst nach Laszlo Bar, San Francisco]


Die Flasche ist streng, einfach und ohne viel Dekor gestaltet, das Etikett ebenso. Interessant ist der Naturkorken, der durch einen Plastikschutz bedeckt wird – so etwas habe ich sonst noch nirgends gesehen, der Sinn ist mir unklar. Wer sich etwas geduldet, kann den Ouzo of Plomari oft in Sonderangeboten in großen Supermärkten für unter 10€ erwerben, alternativ hin und wieder sogar in einem Geschenkkarton mit den netten Ouzo-Gläsern mit Markennamenaufdruck, die man auf meinem Foto weiter oben sieht.

Um zurückzukommen auf die Verkostungsrunde, die ich eingangs angesprochen hatte. Tatsächlich ist in der Ausgabe 01/2017 der Zeitschrift Mixology auch ein kleiner Block für Ouzo reserviert, die dort beschriebenen Tasting Notes passen sehr gut zu dem, was aus den Werten von ouzopedia.de als Fazit festgehalten werden kann – der Ouzo of Plomari Isidoros Arvanitis ist ein ausgesprochen schöner Vertreter seiner Gattung, der, wenn genossen mit Freunden, Musik und gutem Essen, wirklich viel Spaß machen kann.

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