Weihenstephan & Samuel Adams Infinium Titel

Unendliche Bierweiten – Weihenstephan & Samuel Adams Infinium

Der Bierraum – unendliche Weiten… Wir schreiben das Jahr 2010. Dies sind die Abenteuer des Bierprojekts Weihenstephan & Samuel Adams, das mit seiner mutigen Brauerbesatzung lang unterwegs ist, um neue Geschmackswelten zu erforschen, neues Bier und neue Sude. Viele Lichtjahre von der Biertradition entfernt, dringen Weihenstephan & Samuel Adams in Biergalaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat…

Die älteste Brauerei der Welt tut sich also mit dem zweitgrößten Craftbrauer der Welt zusammen (ist das nicht ein etwas seltsamer und paradoxer Titel? Kann man mit fast 5 Millionen Hektolitern Ausstoß wirklich noch ein Craftbrauer sein?), und will so die Bierwelt umkrempeln. Nun, so revolutionär wie manche Aspekte des Raumschiff Enterprise ist die Herstellung des Weihenstephan & Samuel Adams Infinium dann aber doch nicht, selbst wenn die amerikanisch-bayerischen Gemeinschaftsproduzenten marketingfrohlockend einen Zeitenwandel ausriefen, als das Infinium 2010 auf den Markt gebracht wurde. Der Brauprozess unterscheidet sich schon etwas vom Standardbier: 2 Tage Maischen statt wenigen Stunden, und das bei sehr niedrigen Temperaturen. Bringt es was für den Geschmack?

Weihenstephan & Samuel Adams Infinium Flasche

Wie bei Flaschengärung üblich, ist der erste Eingießvorgang mit Vorsicht durchzuführen – eine extrem starke Schaumentwicklung bringt das Verfahren mit sich. Ein grobporiger, fester Schaum krönt ein herrlich goldene Farbe. Kristallklar ist das Bier dazu; auch wenn ich eigentlich ein großer Verfechter der Naturtrübe bin – bei diesem Bier hätte das nicht gepasst.

Im Gegensatz zu anderen Spezialbieren in Flaschengärung erkennt man hier beim Riechen sofort das Bier. Dennoch liegt auch hier eine hefig-herbe Champagnernote vor, und ein etwas metallischer Geruch. Ich rieche darüberhinaus eine schöne Ananasnote.

Das Weihenstephan & Samuel Adams Infinium fährt im Mund zunächst eine klare Kante, herb-sauer. Auch das Metall ist wieder sofort präsent. Doch schnell kippt das Geschmackserlebnis um in eine kräftige, bananige Süße, mit sehr dezenten Fruchtaromen von Ananas und Orange (keinesfalls so stark wie bei einem Pale Ale), begleitet von einem sehr dichten, samtigen Mundgefühl. Eine Bittere, nicht von schlechten Eltern, begleitet die Mundraumsüße am hinteren Gaumen – spannend, wie räumlich zweigeteilt das Geschmackserlebnis ist. Vorne süß, hinten bitter.

Weihenstephan & Samuel Adams Infinium Glas

Der Abgang ist trocken, minimal bitter, und es verbleibt eine für meinen Geschmack etwas zu pappige Süße. Da der Abgang relativ kurz ist, fällt dieser süße Nachhall umso mehr ins Gewicht. Schade, das entdecke ich in letzter Zeit bei vielen Bieren, dass sie im Abtrunk zu klebrig wirken.

Wie oft habe ich nun in diesen paar Sätzen das Wort „süß“ oder Synonyme dafür verwendet? Ich will es nicht zählen; es sollte aber einen Eindruck davon vermitteln, in welche Richtung dieses Bier geht. Es ist kein Bier als Durststiller oder Essensbegleiter für ein üppiges, herzhaftes Dinner; das ist ein Dessertbier, passend zu Kuchen und Crème Brulée.

Oder natürlich als Cocktailzutat. Wer das Infinium als Grundlage hernimmt, braucht sich um einen voluminösen Cocktailkörper nicht weiter zu sorgen. Ergänzt man das süße Bier mit einem fruchtigen irischen Whiskey und sorgt weiterhin für etwas Säure über Grapefruitsaft, hat man eine perfekte Genusskombination zusammen: den Bitter Sweet Beer Cocktail.

Bitter Sweet Beer Cocktail


Bitter Sweet Beer Cocktail
1½ oz Irischer Whiskey (z.B. Bushmills Black Bush)
¾ oz Campari
¾ oz Grapefruit-Saft
3 oz Weihenstephan & Samuel Adams Infinium
[Rezept nach einem Cocktail auf der Jameson-Whiskey-Homepage]


Gemälzte Gerste, Sommerweizen und Hafer bilden die Basis für dieses Bierexperiment, mit Hallertauer Mittelfrüh, Spalt Spalter, Tettnanger und Hersbrucker wird gehopft, so dass das Infinium den Bitterwert von 10 IBU erreicht. Eine belgische Hefe sorgt für ordentlich knallenden obergärigen Bierspaß mit 10,3%.

Zu guter letzt will ich die Präsentation ansprechen. Man ist als Biertraditionalist ja die Standardflaschen gewohnt, aber selbst innovative Brauereien verlassen sich auf Longnecks oder Stubbis. Da tut es gut, hin und wieder mal eine Abwechslung zu sehen, wie beim Infinium diese schwere 750ml-Sektflasche.

Weihenstephan & Samuel Adams Infinium Korken

Das ganze ist konsequent durchgezogen – die nur leicht blickdichte Flasche ist mit schönen, verschlungenen, goldfarbenen Ornamenten und einem verschnörkelten Schriftzug verziert. Der Sektkorken wird von einem Drahtgitter auf der Flasche gehalten; ein Umhänger enthält Details über das Bier und dessen kooperative Herstellung. Diese Präsentation allein hebt das Bier schon über die Masse der Experimentalbiere hinaus – und sorgt am Ende dafür, dass ich den Preis von knapp 17€ gerade noch so mit leicht schlechtem Gewissen akzeptieren kann. Luxusartikel kosten eben etwas mehr, manchmal allein, weil sie Luxusartikel sind – wer es sich als Bierfreund leisten will, sollte es mal ausprobieren, vielleicht zu einem passenden Anlass, wenn all die anderen einen langweiligen Sekt zum Anstoßen auspacken.

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