Wo die Liebe hinfällt – Mezcal Amores Joven

Neulich, im Galeria Kaufhof in Saarbrücken, traf ich auf einen Werbungsstand. Meistens bieten solche Testverkostungsstände nichts wirklich interessantes für mich, und ich schleiche mich vorbei, bevor die Werber mich in ihre gierigen Fänge bekommen. Diesmal war es anders – der Stand bot eine neue Sorte Mezcal an. Manchmal muss man halt zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein.

Der gutgekleidete Mexikaner, ein Markenbotschafter für den angebotenen Álvaro Carrillo Mezcal, war erstmal ganz baff, dass ich überhaupt wusste, was er da anpreist – Mezcal ist in Deutschland noch ein Fremdkörper. Und als ich nach ein, zwei Gläschen des feinen Stoffs zugab, bereits zwei Sorten Mezcal mein eigen zu nennen, fragte er neugierig nach, welche Sorten das seien. Als ich ihm den Namen Mezcal Amores Joven nannte, huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Nun will ich nicht deuten, was dieses Lächeln bedeutet, für mich nehme ich es einfach als Anerkennung dafür, mich mit einer der ursprünglichen Spirituosen seiner Heimat zu beschäftigen. Und vielleicht auch als Hinweis, dass es keine schlechte Marke ist, die ich mir da ausgesucht habe.

mezcalamores-flascheWie für Mezcal üblich, kommt erstmal der Rauch in die Nase. Abgebrannte Autoreifen, Teer, eine Plastiknote, vielleicht neues Leder. Thymian und ähnliche Kräuternoten kommen dazu. Für jemand, der zum ersten Mal Mezcal riecht, ist das garantiert eher unangenehm. Ein Geruch, den man erst mit der Zeit schätzen lernt.

Auch im Mund liegt der Rauch, der durch die Produktionsweise in das Destillat übergeht, über allem: Die piñas (Herzen) der Espadín-Agave werden in Erdgruben tagelang gekocht und dabei geräuchert. Eine süßsaure Würze, sehr erdig und deftig, überzieht entsprechend den Gaumen. Geräucherter Speck, mildes Chili und grünpflanzliche Aromen belegen die Zunge. Das feurige Temperament bleibt lange im Mund, kitzelnd und brummend, dafür ist der Abgang, nach all diesen herben Eindrücken, überraschend mild: Ein leichtes gefühltes Zischen begleitet den Mezcal Amores durch die Speiseröhre, danach nur noch Wärme. Insgesamt spürt man praktisch überhaupt nichts von den 41% Alkohol – das Kitzeln im Mund ist Würze, nicht Alkoholbrennen. Am Ende bleibt nur eine durchdringende Süße und der Rauch übrig.

Das alles hört sich sehr extrem an. Doch wenn man schon den einen oder anderen Mezcal probiert hat, und sich nun dem Amores zuwendet, sieht man, dass er trotz der ostentativ vorgetragenen Wucht im Herzen eigentlich ein Softie ist; die erst am Ende durchschlagende Süße und Wärme macht dem Namen dieser Spirituose alle Ehre. Der Mezcal ist halt ein echter südmexikanischer Macho: Rauhe Schale, weicher Kern. Doch im Vergleich zu seinem mittelmexikanischen Onkel aus Jalisco, dem Tequila, ist der Oaxacaner nicht der Typ, der seine Herzensdame mit einem Ständchen unterm Balkon zu beeindrucken sucht, sondern fährt stattdessen unrasiert und langhaarig mit der Harley in Lederklamotten vor.

Ähnlich wie die torfig-rauchigen Scotches von der Insel Islay bewegt man sich auch beim Mezcal in Cocktails auf dünnem Eis – schnell schlägt die Rauchgranate dermaßen zu, dass nichts dagegen ankommt. Ein geheimnisvoller, rauchig-aromatischer Nazca Sazerac aber bindet den Rabauken in ein waberndes Gesamtbild ein.

nazcasazerac-cocktail


Nazca Sazerac
1 ½ oz Pisco (z.B. Pisco Barsol)
1 oz Mezcal Amores
¼ oz Ruby Port
¼ oz Zuckersirup

Das Glas mit Absinth aromatisieren, wie bei einem Sazerac


Das 200ml-Fläschchen, erworben für 13€, gefällt mir gut. Handschriftlich sind Abfülljahr, Charge und der Maestro Mezcalero auf dem edel-zurückhaltenden Etikett eingetragen. Eine sehr hübsche Präsentation mit Echtkorken und Holzstöpsel, eine gelungene Verkleinerung der ebenso erhältlichen 700ml-Flasche.

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7 Gedanken zu “Wo die Liebe hinfällt – Mezcal Amores Joven

  1. Ich hab da so einen Artikel im Hinterkopf wo ich gerne das Buch „Unter dem Vulkan“ von Malcolm Lowry besprechen würde. Das ist die von Kritikern hochgelobte Geschichte eines Typen, der sich in einer mexikanischen Kleinstadt mit Mezcal zu tode trinkt. Nun hab ich von Mezcal überhaupt keine Ahnung. Könntest Du da ein Produkt zur Einstimmung empfehlen?

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    1. Tatsächlich finde ich den „Amores“ als Einstieg in den Mezcal sehr gut; es gibt ihn in großen und kleinen Flaschen. Alternativ ist der (auch bereits auf meinem Blog besprochene) „San Cosme Mezcal“ durchaus ein guter Einstiegspunkt. Ich würde mit einem von diesen anfangen, weil sie ein wenig milder sind als die wuchtigen „Del Maguey“-Produkte (z.B. der „Vida“) – das wäre, als würde man als ersten Scotch Whisky einen sehr wuchtigen Laphroig empfehlen.

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  2. Konnte jetzt mal in einer Bar einen Real Minero Espadin probieren. So weit ich das noch erinnern kann, war der auch richtig lecker. Was ist denn jetzt der Unterschied zwischen Mezcal und Tequila? Du schreibst, die Agavensorte. Ist denn Tequila nicht auch eine Regional-Bezeichnung? Und noch ne Frage: Hättest Du Lust, bei so einem „Liebster-Blog-Award“ mitzumachen? Dann würde ich den an Dich weiterreichen. Hätte aber nur Sinn, wenn Du auch regelmäßig Blogs liest, die Du dann weiterempfehlen könntest. Und ich weiß nicht, ob so ein Beitrag in Dein thematisch strukturiertes Blog passen würde.

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    1. Re: Unterschied Tequila-Mezcal:
      Ich zitiere dazu mal die Wikipedia, die das sehr prägnant auf einen Punkt bringt.
      „Tequila [teˈkila] ist eine Form der Spirituose Mezcal, eines Agaven-Brands aus Mexiko. Tequila ist der bekannteste Mezcal und wird in der Umgebung der Stadt Tequila im mexikanischen Bundesstaat Jalisco und in vier weiteren Staaten aus dem Herzen der blauen Agave (Agave tequilana Weber, azul, Agavaceae) gewonnen.“

      Es ist also sowohl eine Pflanzensorte als auch eine Herkunftsregion, die den Tequila in Abgrenzung zum Mezcal definiert. Mezcal selbst hat wiederum eine Herkunft und Pflanzensorte.

      Die Gruppierung als „Tequila ist ein spezieller Mezcal“ halte ich für nicht zielführend in Diskussionen, denn das, was man heute in Europa kaufen kann, sind sehr unterschiedliche Produkte, eben aus unterschiedlichen Pflanzen hergestellt in unterschiedlichen Regionen. Auch wenn es Mezcal aus blauer Weberagave, hergestellt in Tequila, geben mag, der nicht Tequila genannt wird, ist das wohl eher eine Randerscheinung und ein Kuriosum.

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