Armagnac am Freitag – Grape of the Art Charron 2004 Armagnac

Grape of the Art Charron 2004 Armagnac Titel

Der Nachschub an Armagnac-Samples nimmt kein Ende. Ich bin begeistert – ich erinnere mich an die Zeit, als ich nach Armagnac verzweifelt suchen musste, es gab nur eine Handvoll Flaschen, die einigermaßen zu erreichen waren, ansonsten war das hierzulande eine komplett kryptische Spirituosengattung. Niemand hat mehr dafür getan, das zu ändern, als Grape of the Art. Dank diesem Abfüller bekommt man aktuell großartige Flaschen in vielen Preissegmenten, für jeden Geschmack, vom Schmeichler bis zum Zungenwürger, von der Fruchtbombe bis zum Holzmonster, es ist unglaublich, wie sich der Markt diesbezüglich seitdem entwickelt hat. Heute stelle ich den Grape of the Art Charron 2004 vor, aus der Region Bas Armagnac, sortenrein aus Baco gemacht, abgefüllt in Cask Strength mit 51,3% Alkoholgehalt, der 19 Jahre zwischen November 2004 und September 2024 in Fass #95 beim Hersteller lag.

Grape of the Art Charron 2004 Armagnac

Ich verwende heute frech einfach mal ein Veladora-Glas zur Verkostung statt des sonst üblichen Stielglases. An diese Gläser habe ich mich sehr gewöhnt, und ich mag es, allerlei Spirituosen daraus zu trinken. Den Elitarismus mit der Tulpenform und dem Stiel ignoriere ich inzwischen gern. Man sieht auch im Veladora die schöne Terracotta-Farbe, die fast ins Kastanienbraun übergeht, und fühlt beim Drehen des Glases die deutliche Öligkeit mit vielen Schlieren.

Sehr aromatisch attackiert der Charron die Nase, mit extrem viel süßem, saftigem Kernobst, einer gelungenen Mischung aus Pfirsich und Aprikose. Die Holznoten kombinieren sich außergewöhnlich gut in diese Fruchtmelange, man hat wirklich den Eindruck aus holzfassgereiften, getrockneten Aprikosen, wenn man die Nase ins Glas hält. Ein bisschen erinnert mich das, wie in der Vergangenheit schon, an Bourbon, mit dem leichten Lackaspekt, der für weitere Komplexität sorgt, ebenso wie die mentholische Seite, die sich mild ausbreitet, und von etwas Anis begleitet wird. Pflaume entwickelt sich danach, und auch viele aromatischen Gewürze wie Zimt, Kardamom und Kümmel – beim Charron lohnt es sich, der Geruchsexploration viele Minuten einzuräumen, da passiert tatsächlich viel über die Zeit.

Im Antrunk zeigt sich der Armagnac vorsichtig, weich, süß, aber recht leicht und schon hier gewürzig, ein angenehmes Mundgefühl entsteht aus dieser Textur, mit aber nur mittlerem Volumen, etwas anders als das, was man optisch im Glas gesehen hatte. Doch auch hier – man sollte nicht stehenbleiben und sich abwenden, sondern dem Brand ein bisschen Freilauf gestatten, aus der initialen Süße erwächst eine erwachsene, trockenere Struktur, kein bisschen astringent und bis zum Schluss von der Frucht getragen, nun zusätzlich etwas, das Anis, Grünschnitt, Aloe und Geranien reminiszieren lässt, mit einer ansprechenden milden Salzigkeit und toll eingebundener Bittere, die mit Oliven und Artischocke anklingt. Lang, kühlwarm und sehr blumig ist der Abgang.

Extrem süffig, sehr zugänglich, sich dabei nicht anbiedernd, und mit subtiler Komplexität: der Charron gefällt mir sehr. Wieder mal ein Beweis dafür, wie gut die Auswahl von Grape of the Art für ihre Abfüllungen funktioniert, die haben inzwischen die Erfahrung, auch solche versteckten Wunder zu finden.

Offenlegung: Ich danke Wet Drams für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieses Samples.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

2 Kommentare zu „Armagnac am Freitag – Grape of the Art Charron 2004 Armagnac

  1. Ich verfolge den Blog regelmäßig und insbesondere Besprechungen zu Rum oder auch Armagnac interessieren mich sehr. Zu Grape of the Art gab es hier schon einige interessante Artikel, die mich neugierig gemacht haben. Die Produkte sind, sicher berechtig, recht preisintensiv, aber vor einigen Wochen hab ich tatsächlich diesen Charron 2004 im Angebot erwerben können und das nicht bereut. Der wurde über die Weihnachtstage von meiner Frau und mir ausgiebig verkostet und wir sind begeistert. Umso mehr freue ich mich auch über die jetzt hier erschienene positive Besprechung, die wir bei Aroma, Geschmack und Abgang in Teilen auch gut nachvollziehen können. Vielen Dank!

    1. Danke! Ja, die Kosten für derartige Produkte sind hoch, doch ich rate jedem, lieber eine gute Flasche zu kaufen als 3 mittelmäßige. Und bei Grape of the Art habe ich bisher noch keine Abfüllung gefunden, die ich nicht bedingungslos empfehlen könnte.

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