Drei Freunde sollt ihr sein – Three Knots Single Malt Scotch Whisky

Three Knots Single Malt Scotch Whisky Titel

Ein schöner Urlaub, mit guten Freunden, tollen Erlebnissen und gutem Whisky, das ist etwas, das jeder gerne mit einem Souvenir untermauert, damit man später an weniger schönen Tagen noch was davon hat. Ich bringe oft eine Flasche Schnaps mit, ein Kleidungsstück, oder ein kleines Kunstwerk, alles regional verankert, um diese Erinnerungen wiederaufleben zu lassen. Andere gehen da einen Schritt weiter: sie tun sich zusammen und kaufen ein ganzes Fass Whisky. So taten das Carsten Hellwig, Lutz Frischmann und Simon Weiß, letzteren kenne ich inzwischen ganz gut und kann mir perfekt vorstellen, dass sowas auf seinem Mist gewachsen ist. Insbesondere, wenn es dann darum geht, aus dem privaten Fass etwas für die Allgemeinheit zu machen, und den Whisky auf Flaschen zu ziehen, zu etikettieren, unter dem Namen Three Knots Single Malt Scotch Whisky auf den Markt zu bringen und sogar in einem Spirituosenwettbewerb einzureichen – und dann, um die ganze Geschichte endgültig zu krönen, eine Goldmedaille beim Internationalen Spirituosenwettbewerb ISW zu gewinnen. Etwas, worauf man sehr stolz sein kann, in der Tat!

Der Whisky selbst ist ein in der Destillerie Lochranza auf der Isle of Arran gebrannter Scotch, destilliert am 27.08.2013 und nach 10 Jahren abgefüllt am 31.08.2023. Cask-Strength mit 59% Alkoholgehalt ist für Simons Ansprüche selbstverständlich, keine Spielereien macht der, und natürlich ungefärbt und nicht kaltgefiltert, wie jede Spirituose sein sollte. 348 Flaschen haben die drei aus dem first-fill Sherry Hogshead geholt, das mit der Kennnummer 13/1718 identifiziert wird, und ich habe Flasche Nummer 109 zuhause, freundlicherweise von Simon als Geschenk gestellt, ich habe keine Ahnung, womit ich diese Ehre verdient habe. Mit diesem Artikel zolle ich Simon meinen Respekt, sowohl als Freund als auch als offensichtlich hervorragend arbeitender unabhängiger Abfüller. Man darf gespannt sein, wie sich dieser Whisky im Glas präsentiert!

Three Knots Single Malt Scotch Whisky

Sowohl in der Flasche wie auch im Glas wirkt der Three Knots dunkelleuchtend, mit einer kräftigen Kastanienfarbe, die überraschend helle Lichtreflexe im Gegenlicht zeigt. Die Flüssigkeit schwenkt sich viskos, nicht schwer, aber mit ordentlich Glaswandartefakten.

Die Nase schwankt wie ein Schiff im Sturm zwischen würzigem Holz, frisch und staubig gesägt, und überreifer, aber noch nicht getrockneter Frucht, das ist vielleicht Pflaume oder Pfirsich, definitiv angereichert mit viel gelbbrauner Banane. Dazu kommen süßer Honig, ein bisschen im Vergleich dazu herberer Ahornsirup, und schon länger auf der Weide liegendes Heu. Heller Sumatra-Tabak ist ein weiterer würziger Kopfton, und ein minimalster Hauch von Bergamotte erzeugt gegen all die Würze sogar noch etwas fruchtige, nie spitzige Frische. Etwas Lack ist durchaus gern gesehen, piekst vielleicht ganz zart in der Nase, wenn man zu tief schnuppert.

Three Knots Single Malt Scotch Whisky Glas

Die Textur ist vom Antrunk an fett, dicht, schwer, legt sich mit initialer Süße breit auf den ganzen Mundraum, verteilt sich expansiv, aber unaggressiv. Honig, Ahornsirup, viel Malz und hier nun doch getrocknete Pflaume dominieren zunächst, frische Melasse und etwas Zuckerrohrsaft geben fast exotische Noten dazu im Detail. Ein Hauch von Medizinalität macht das ganze noch komplexer, während ausgeprägt mineralische Aspekte, zusammen mit einer hübschen, wunderbar eingebundenen Salzigkeit, die Meernähe zeigen; dazu passt ein sehr attraktives umami. Im Verlauf bildet sich die Süße ausgleichende Säure, der Whisky wird sehr trocken, ohne astringierend zu sein, und parallel dazu nimmt der Würzemotor Fahrt auf und lässt alles im Mund warm bis heiß brummen, ohne zu Zwicken oder unangenehm dabei zu sein. Der Abgang ist holzig, mit Karottentönen und einem gewissen Gefühl der Grüne; der Nachhall ist sehr lang, aromatisch, effektvoll und erwachsen.

Das ist einerseits extrem trinkig, hat keine unschönen Kanten oder Ecken, die einem hübschen Schluck im Wege stehen würden; andererseits hat man beständig das Gefühl von Kraft, Spannung und Komplexität, so dass nie Langeweile oder Müdigkeit entsteht. Eine gefährlich gute Kombination, ein herausragend guter Whisky im Gesamtbild.


Welchen anderen Cocktail hätte ich hier vorschlagen können als den Port in a Storm. Der Name deutet sozusagen den Hafen für den seetauglichen Whisky an, aber das Rezept hat genau die Komponenten, die ihm darüber hinaus eine attraktive Bühne bieten, ein bisschen Portwein ergänzt den Körper und bringt zusätzlich Volumen, der Cognac unterfüttert die Fruchtaspekte. Ein idealer Drink für den Spätherbst, wenn es draußen eklig wird.

Port in a Storm Cocktail

Port in a Storm
1oz / 30ml Scotch Whisky
1oz / 30ml Port
½oz / 15ml Cognac
Auf Eis rühren.

[Rezept nach unbekannt]


Die Flasche selbst hält sich mit verrückten Ideen zurück, ist standardisiert und ohne Gimmicks gestaltet, bis hin zum sehr bodenständigen Etikett, bei dem man merkt, dass hier keine Marketingprofis die Leitung inne hatten und stattdessen alles an Liebe und Energie in den Inhalt geflossen ist – ohne, dass es wirklich amateurhaft wirkt. Sauber gemacht.

Ein letztes Wort noch zu Simon, einem der drei Freunde, die sich hier für die Abfüllung zusammengetan haben. Ich habe ihn über einige Jahre nun, glaube ich, gut kennengelernt, wir haben zusammen wilde Zeiten auf der ganzen Welt erlebt, von der Karibik über Neustadt/Weinstraße bis China, und der Mann weiß meistens, was er tut, außer in der Phase, wenn er sich diese Marathons und ähnliches zumutet. Ich hoffe, Dich bald mal wiederzutreffen, Simon, und danke für diesen großartigen Whisky!

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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