Ein Knall bewegte vor ein paar Wochen die Craftbeerwelt – Gründer Oliver Wesseloh gibt einen Teil der Verantwortung für die Kehrwieder Kreativbrauerei ab (Details bei Hopfenhelden). Neue Ziele sucht er, ich wünsche ihm dafür alles Gute, und verstehe ihn; manchmal muss man Neues wagen, und das Alte hinter sich lassen. Eine Bemerkung aus dem Hopfenhelden-Interview ist mir aber wichtig: sein „geliebtes Barrel Ageing Programm“ will er weiterhin begleiten. Das ist bei allem Wandel eine großartige Neuigkeit für alle Bierfreunde, und darum stelle ich heute auch ganz ohne Bauchschmerzen eines der Biere aus dieser Reihe vor: das Kehrwieder South Islay Barrel Aged Imperial Stout. Es handelt sich dabei um ein Russian Imperial Stout, 2020 gebraut nach dem Natürlichkeitsgebot aus Röstgerste. Fette 11,8% Alkoholgehalt weist es auf, und der ganz besondere Kniff ist natürlich die Reifung im Ex-Laphroaig-Fass. Es wird, wie für die Reihe üblich, nicht filtriert oder pasteurisiert und ist limitiert auf 2100 Flaschen (ich habe mir Flasche 645 zugelegt).
Schwarz wie Tinte, wie so ein Imperial Stout sein soll, dabei völlig blickdicht. Man sieht beim Eingießen eine gewisse fette Viskosität, es zischt aber gleichzeitig, was schon darauf hindeutet, dass wir zwei unterschiedliche Aspekte zu probieren bekommen werden. Ein haselnussfarbener, feiner Schaum entsteht, bleibt aber gerade solange, dass ich ein Foto machen kann, danach verzieht er sich und nur eine kleine Tonsur an der Glaswand bleibt bestehen.
Die Nase muss man gar nicht so tief ins Glas halten, man riecht den Torf sofort. Nun, eigentlich ist es mehr torfiger Scotch, denn zu dem iodischen, phenolyischen kommen durchaus fruchtigsüße Komponenten, die mich schon an das bekannteste Produkt der Insel Islay erinnern. Rauch, ja, ein kleines bisschen, aber eher kaltrauchig, keine Spur von Speck, das unterscheidet das durchaus deutlich von einem Bamberger Rauchbier, beispielsweise. Malz findet sich ganz unten, würzig und kräftig. Ein Bier, an dem man richtig lange schnüffeln kann.
Die gesehene Viskosität spürt auch der Gaumen, die Textur ist dick, fett, schwer und extrem voll, das kann man fast kauen. Wie schon angekündigt kann man zwei Seiten wunderbar parallel verfolgen, einerseits die dicke, wuchtige Süße, die dem Malz entspringt, andererseits eine frische, prickelnde Rezenz, zum Teil mindestens aus der starken Säure, das geht auch besser zusammen, als es sich vielleicht anhört. Die fruchtige Seite mit viel Scotcharoma dominiert das Geschmacksbild klar, schnell findet sich aber auch Espresso und Bitterschokolade, dazu kommt deutliche Salzigkeit, starkes Umami mit Anklängen von Sojasauce. Der Abgang ist krassbitter, ohne dabei kratzig zu sein, man spürt aber insbesondere im Rachen, wieviel Bittere sich da bildet. Im Nachhall klingt dann der Scotch nochmal auf, richtig schön angenehm aromatisch und sauber abgebildet.
Ein tolles Bier, bei dem man die knapp 12 Volumenprozent nur über die Dichte und die Kraft spürt. Wuchtig, stark und voluminös – daran kann man eine ganze Weile nuckeln und es genießen. Handwerklich ohne jeden Makel, spannend und unterhaltsam, so mag ich diese Art des Biers.
