Gemeinsam Flaschen füllen – Papalin Jamaica Original Vatted Rum 7 Years Old

Papalin Jamaica Original Vatted Rum 7 Years Old Titel

„The Tropical Dependent Bottler“ steht auf dem Etikett des Papalin Jamaica Original Vatted Rum 7 Years Old. Ich habe mich gefragt, was das bedeutet, und die Antwort nach kurzer Recherche in einem Interview gefunden, in dem Luca Gargano von Velier eben danach auch gefragt wurde. Kurz erklärt: es ist eine Wortkreation, die einen Gegensatz sowohl zu offiziellen Eigenabfüllungen der Brennereien, als auch zu einem „unabhängigen Abfüller“ aufbauen soll, denn Velier fühlt sich eng den Destillerien, deren Brände sie abfüllen, verbunden, mehr ein Freundeskreis als ein neutraler Geschäftspartner. „Co-Bottler“ ist laut Gargano ein passendes Synonym dafür.

Für diese Abfüllung hat er zwei Destillate aus Jamaica ausgewählt, die miteinander durchaus verwandt sind. Typische jamaikanische Herstellungsweise, traditionell gehandhabt, also beispielsweise rein in Potstills gebrannt und auf Zusätze jeder Art verzichtend: Worthy Park und Hampden sind inzwischen ja bekannt dafür, die Moderne und die Geschichte sehr effektiv miteinander zu verbinden. Diese beiden jamaikanischen Rums, beide komplett tropisch für mindestens 7 Jahre in ihren jeweiligen Destillerien gereift, wurden im Dezember 2021 in einem geheim bleibenden Verhältnis zueinander geblendet und abgefüllt, gemeinsam eingestellt auf die wunderbar krumme Zahl von 57,18% Alkoholgehalt. Kann dabei überhaupt etwas Schlechtes herauskommen? Ich kann es mir nicht vorstellen, aber verifizieren wir das einfach mal.

Papalin Jamaica Original Vatted Rum 7 Years Old

Klares, leicht blasses Gold sieht das erfreute Auge im Glas, das sich nicht ganz dem Metall entsprechend nur leicht viskos, eher sehr lebendig bewegt, setzt man es in Bewegung. Ein dünner Film entsteht an der Glaswand, der sich nur höchst widerstrebend in einzelne Bestandteile aufgliedert, stattdessen lieber en bloque abläuft, und sogar das nur langsam.

Der Duft von Jamaica liegt in der Luft, wenn man die Nase dazuzieht. Hier rieche ich die Worthy-Park-Komponente deutlicher als die von Hampden, dieses leicht Teigige, Mineralische, darunter erst tropische Frucht, vor allem überreife Mango, Banane und Ananas, mit etwas milderer Aprikose. Gewürze kommen deutlich vor, Nelken, Zimt, Vanille, etwas Muskatnuss sogar, die Mischung aus all dem Geschilderten ist höchst apart, charaktervoll, dabei rund und schwer – daran schnuppere ich gern und lang, ohne je einen echten Störfaktor zu entdecken; selbst das Ethanol, das man beim wirklich tiefen Riechen findet, äußert sich eher als helle Minznote denn als pieksende Chemie.

Papalin Jamaica Original Vatted Rum 7 Years Old Glas

Der Gaumen orientiert sich daran, ist im initialen Antrunk schwersüß und gewürzlastig, wechselt dann aber zügig zum einem astringierenden, trockenen Eindruck, der sowohl die Spucke wegsaugt, als auch die Zunge ganz leicht zum Vibrieren bringt, ohne sie je zu reizen. Insgesamt ist das Mundgefühl sensationell weich, insbesondere für den hohen Alkoholgehalt, die Textur ist sowohl breit als auch tief, füllt den ganzen Mundraum mit einem flauschigen Wattebausch aus. Die tropischen Früchte sind ebenso rund abgebildet, eher reif als überreif, eher sauber als superesterig, und später tauchen Muskatnuss und Vanille aus dem Gemisch auf, sorgen für Spannung und Abwechslung, lassen nie zu, dass der Papalin zu gemütlich und anschmiegsam wird. Zum Schluss kommt dann doch noch ein bisschen Feuer auf, auch hier aber eingebunden und ohne echtes Brennen, mehr ein kaltes Eukalyptusfeuer, das mit einem Eiseshauch den extrem langen Abgang begleitet.

Das ist ein Rum voller Kraft und Wucht, der sich selbst aber voll im Griff hat – kein WWF-Wrestler oder Schulhofschläger, obwohl er es rein von den Anlagen her sein könnte, nein, mehr ein geschulter, stilistisch ausgebildeter Boxer, der genau weiß, wo er seine Punches setzen muss, und wo er es lässt. Henry Maske im Spirituosenglas, sozusagen.


Warum schlage ich hier nun ein scheinbar langweiliges, abgekochtes Rezept vor, einen Daiquiri muss man ja eigentlich nicht mehr empfehlen, jeder weiß, dass das einer der wichtigsten und besten Drinks ist, die es gibt? Nun, der Dry Daiquiri hier hat eben diese kleinen Twists, die den Cocktail so spannend machen, Campari und Passionsfrucht ändern die Aromatik mehr gefühlt, das ist fein und subtil. Und der Papalin ist ein Rum, der in Kombination mit genau solchen subtilen Änderungen hervorragend umgehen kann. Ein wahnsinnig gutes Team.

Dry Daiquiri Cocktail

Dry Daiquiri
1½oz / 45ml leicht gereifter Rum
¼oz / 7ml Campari
½oz / 15ml Limettensaft
½oz / 15ml Zuckersirup
1 Spritzer Passionsfruchtsirup
Auf Eis shaken.

[Rezept nach Kevin Armstrong]


Wie man an den Fotos sieht, stammt meine Verkostungsprobe erneut, wie so oft, aus dem VSGB-Projekt, in dem Rumfreunde für vergleichsweise geringes Geld Rums ausprobieren können, an die man sonst nur schwer herankäme, sei es wegen der Seltenheit oder dem aufgerufenen Preis, oft sogar beidem. Die Aufmachung ist identisch zu den Großflaschen. Sicherlich ist dieser Papalin auch in der normalen Größe eine wertige Anschaffung für den Freund authentischen, ehrlichen Rums aus Jamaica.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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