Bier am Freitag – Grimbergen Blonde und Double Ambrée

Grimbergen Blonde und Double Ambrée Titel

Ich habe neulich erwähnt, dass mein lokaler Edeka-Markt eine sprudelnde Quelle toller Biere ist. In der Reihe mit den belgischen Bieren, die man dort findet, steht auch das Duo Grimbergen Blonde und Double Ambrée. Doch auch wenn die Aufmachung, die Sprache und die Regaleinsortierung auf belgisches Bier hindeutet, muss man hier vorsichtig sein. Der Hersteller lässt sich auf dem Etikett genüsslich über die Geschichte eines Klosters aus dem Jahr 1128 aus, nur um dann auf dem Rücketikett den kleinen Hinweis zu platzieren, dass das Bier in Polen gebraut ist, unter der Aufsicht des riesigen Carlsberg-Konzerns. Mit einem belgischen Abteibier hat das hier also nichts mehr zu tun, auch wenn es sich so gibt. Bei mir sammelt man mit so einem Marketingmove schonmal Negativkarma, aber ich will das Bier selbst auch probieren, bevor ich mich allzusehr aufrege.

Grimbergen Blonde und Double Ambrée

Fangen wir mit dem helleren der beiden Biere an. Das Grimbergen Blonde ist kristallklar im Glas, mit einem der Flaschenfarbe sehr ähnlichen Ton, einer Mischung aus Haselnussbraun und gehämmertem Messing. Schaum ist eher Mangelware, schon beim Eingießen entsteht kaum welcher, und nach einer Weile ist höchstens noch eine Idee davon da. Ordentlich gekühlt gibt es kaum einen Geruch von sich, leichte Getreidetöne vielleicht, ein Anflug von dunkler Frucht, etwas leicht rostige Stahlnägel. Kein Bier, an dem ich lange schnuppern muss.

Grimbergen Blonde

Das erste was mir auffällt, ist eine sehr unrunde Süßsauer-Balance, das wirkt künstlich, ist es wahrscheinlich auch: der Zusatz von Glukosesirup und karamellisiertem Zucker dient oft der Flaschengärung, hier halte ich es für Panscherei. Auch die Fruchtigkeit wirkt nicht aus Hopfen entstanden, von vorne bis hinten ist die Aromatik seltsam, das beste ist noch der Nelkenton, der hin und wieder durchscheint. Das Mundgefühl und der Alkoholgehalt von 6,7% retten, was zu retten ist, eine schöne Textur und saubere Frische können aber nur ansatzweise verhindern, dass das Bier bei mir vollständig durchfällt – das wirkt wie ein Biermischgetränk, künstlich, falsch, billig gemacht.


Das war ein herber Dämpfer für meine Bierbegeisterung. Dem Grimbergen Double Ambrée hat man damit eine heftige Anfangslast aufgebürdet. Farblich grenzt es sich von seinem unschönen Vorgänger jedenfalls mal ab – ein dunkles Espressobraun, mit crèmefarbenem Schaum, der nach kurzer Zeit nur noch als feiner Flaum auf der Bieroberfläche bleibt. Geruchlich merke ich kaum einen Unterschied, leichte Getreidetöne, etwas Malz vielleicht, die Stahlnägel sind auch hier vorhanden. Ein Anflug von Röstaromen, aber nur ein Anflug.

Grimbergen Double Ambrée

Geschmacklich ist hier jedenfalls mal mehr als beim Blonde zu finden, jedoch ist auch hier die pappige, unangenehme Süße vorherrschend und alles andere zerstörend. Malz und Röstaromen kommen etwas nach vorne, bei einem dunklen Bier verzeiht man irgendwie auch die Süße etwas mehr als bei einem Hellen. Dennoch wirkt auch das Double Ambrée leichtkörperig, insgesamt fehlt es ihm trotz der 6,5% Alkoholgehalt an Tiefe, nur die Süße sorgt für etwas Breite und Mundgefühl, aber das ist ingesamt viel zu wenig. Rostiges Eisen und Getreide, mehr ist da auch geschmacklich nicht. Der Abgang bleibt kurz, adstringierend, fast schon klebrig süß. Oh, das ist vielleicht einen Ticken besser trinkbar als das grausige Blonde, aber nur unwesentlich.


Ardet nec consumitur, „verbrannt aber nicht zerstört“, das ist das Motto dieses Biers, das auf die in der Einleitung angesprochene Erzählung des dreimal abgebrannten Klosters Grimbergen anspielt. Also, wegen des Biers hätten sie die Abtei nicht wieder aufbauen müssen, im Gegenteil – manchmal hat das Schicksal schon seine Wege, jemandem zu sagen, dass das Produkt nichts taugt. Caveat emptor wäre das bessere Motto.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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