Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri Titel

Mindestens haltbar bis… Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri

Das Mindesthaltbarkeitsdatum, kurz MHD, wird von vielen mißverstanden. Es werden pro Haushalt kiloweise noch gut verzehrbare Lebensmittel weggeworfen, weil das aufgedruckte Datum als letztmöglicher Verbrauchstag interpretiert wird – aus irgendeinem Grund kippt das Produkt dann scheinbar in der Wahrnehmung von gut auf schlecht um. Auch der Einzelhandel beteiligt sich an diesem Irrsinn und kippt allerlei wertvolle Ware in den Container. Dabei ist das MHD eigentlich nicht zuvorderst ein Schutz vor Lebensmittelvergiftung, sondern ein Qualitätsversprechen, wenn man sich die Definition genauer anschaut.

Das MHD gibt an, bis zu welchem Termin ein Lebensmittel bei sachgerechter Aufbewahrung (insbesondere Einhaltung der im Zusammenhang mit dem MHD genannten Lagertemperatur) auf jeden Fall ohne wesentliche Geschmacks- und Qualitätseinbußen sowie gesundheitliches Risiko zu konsumieren ist.

Um diese Fehlwahrnehmung der Konsumenten zu korrigieren, sind diverse Ideen für Gesetzesänderungen im Umlauf – wenn sie verhindern, dass Lebensmittel sinnlos entsorgt werden, kann man eigentlich nur dafür sein, dass dies schnellstmöglichst geschieht.

Auch auf Bier ist im Allgemeinen ein MHD aufgedruckt, und auch wenn das MHD deutlich abgelaufen ist, kann man die meisten Biere vom gesundheitlichen und auch geschmacklichen Aspekt her noch praktisch bedenkenlos konsumieren. Insbesondere bei aromahopfendominierten Craftbieren kommt dem Qualitätsgedanken des MHD aber eine wichtige Bedeutung bei, denn Hopfen baut sich ab, die Aromen verfliegen, das teuer eingekaufte handwerkliche Bier schmeckt dann zwar vielleicht immer noch gut, aber halt nicht mehr so, wie der Brauer das beabsichtigt hatte. Bei reinen Genussmitteln wie Bier ist der einzige Grund des Trinkens (hoffentlich) der Geschmackseindruck; wenn dieser verfälscht ist, ist der Konsum sinnlos.

Insbesondere bei solchen Bieren sollte das MHD vom Hersteller entsprechend kurz gewählt werden – und Biergenießer sollten vor dem Kauf immer einen Blick auf dieses Datum werfen. Im Idealfall ist auch ein Braudatum noch zusätzlich mit auf dem Etikett vermerkt, so dass man einen weiteren Anhaltspunkt für die Frische des Biers hat.

Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri Flasche

Wir umwelt- und genussbewussten Biertrinker sind also in einer Zwickmühle – ein „abgelaufenes“ Bier kann immer noch gut genießbar, aber völlig verändert von den Aromen sein – ist das akzeptabel? Das aktuelle Beispiel für diese Gedankengänge ist der Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri, den ich Mitte August in einem lokalen Getränkemarkt gekauft hatte. Dessen MHD liegt Mitte November 2016, gebraut wurde das Bier wohl für die Messe Braukunst Live im Februar 2016. Ein kaltgehopftes Bier, bereits nah am MHD, weit über den Zenit, für den es gebraut wurde, hinaus. Kann das gutgehen?

Blass kommt es daher, das sieht man schon durch die Flasche. Im Glas wirkt das ganze noch bleicher, da man hier die Naturtrübung besser sehen kann. Sehr weißbiertypisch ist die Schaumkrone, die sich mit der Zeit abbaut. Die vorherrschenden Aromen in der Nase sind die einer bayerischen Weissen: Hefig, nelkig, leicht fruchtig, nach Bananen und Pfirsichen.

Der allererste Geschmack des Weissbier Hallodri ist ganz prominent der nach Gewürznelken, mehr noch als bei den meisten anderen Weißbieren, die ich kenne. Der ist aber schnell wieder weg, und es kommt eine hefige, nur ganz schwach fruchtige Komponente ohne große Aromen zum Vorschein. Viel Aromahopfen schmeckt man nicht heraus; wenn man weiß, wonach man suchen muss, findet man Erinnerungen an die Zeit, als der Hopfen in diesem Bier sich noch nicht verflüchtigt hatte.

Eine hohe Rezenz sorgt für guten Erfrischungsfaktor. Die Säure-Süße-Verhältnis neigt zunächst zur Säure, kippt dann im Abgang aber ganz stark wieder zur Süße – fast schon unangenehm. Der Gaumen wird etwas mit dieser fast schon zuckrigen Note zugekleistert; das kenne ich nun schon von vielen anderen Bieren, mögen tue ich es aber überhaupt nicht.

Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri Glas

In der vorliegenden Form ist der Hallodri ein leicht trinkbares, sehr erfrischendes Weißbier, das mir mit seiner heftigen Nelkung gefällt, wenn man über den etwas misslungenen Abgang hinwegsehen kann. Von der versprochenen Kalthopfung ist aber definitiv nicht viel übrig geblieben.

Ich höre schon die skandierenden Rufe meiner Leser – Biercocktail! Biercocktail! Biercocktail! Ja, ist ja gut. Hier ist ein Verzehrvorschlag für den Hallodri. Es ist im Rückblick fast ein Deutschland-Cocktail geworden, mit einem schwarz-rot-goldenen Farbverlauf. Doch der Name ist englischsprachig und spielt auf unser geschätztes Nachbarland im Westen an: ich empfehle trotz des schönen Farbspiels vor dem Konsum des French Monaco ein Umrühren, denn sonst kriegt man anfangs pures Bier und am Ende klebrig-pappigen Fruchtsirup. Die Mischung ist dagegen sehr süffig und frisch.

French Monaco


French Monaco
1½ oz Granatapfelsirup (z.B. Riemerschmid)
2 oz Zitronenlimonade
Helles Bier (z.B. Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri)
Alle Zutaten nacheinander im Glas mit Eis aufschichten.

[Rezept nach Leah Melby und Lori Keong]


Ein Longneck-Fläschchen des Biers enthält 330ml, enthalten sind für Weißbierverhältnisse überdurchschnittliche 5,5% Alkohol. Ansprechen muss ich noch das gelungene Design, das mich im Getränkemarkt direkt angesprochen hatte – die Silhoutte des Tenorhornspielers Bassisten (Danke, Dietmar, für den hilfreichen und wie immer freundlich vorgebrachten Hinweis bei Facebook diesbezüglich) in Tracht, die Farbgebung – sehr frisch und modern, ohne die leichte Überdrehung, die viele Startup-Craftbrauer etwas pubertär daher kommen lassen. Das 6er-Tragerl, in dem der Kaltgehopfte Weissbier Hallodri zu erwerben war, nimmt das Design nochmal flächig auf.

Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri Tragerl

Leider hatte ich mich mit dem Thema der verfliegenden Hopfenaromen erst mit dem Kauf und der Verkostung dieses Biers auseinandergesetzt; hätte ich dieses Wissen schon vorher gehabt, hätte ich vielleicht davon abgesehen, zu dieser Zeit den Hallodri zu erwerben. In Zukunft werde ich mehr darauf achten, wie weit fortgeschritten der Aromenverfall mit Näherung an ein MHD sein könnte. Doch, wie man sieht, auch kleinere Missgeschicke beim Bierkauf können höchst anregend und lehrreich sein, und so genieße ich dieses Weißbier als einfache, aber trotz der verflogenen versprochenen Kalthopfung hochwertige Weißbierlehrstunde.

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