Exotische Fassvorbelegungen waren ja lange eine Domäne von Spirituosen; manche Brauer trauen sich aber auch immer wieder an fassgereifte Biere, die sie in gebrauchte Fässer legen, in denen vorher schon ein anderes Produkt seine Ecken und Kanten ans Fassholz abgegeben hat. Beim estnischen Brauer Põhjala sucht man sich für die Cellar Series immer wieder derartige Fässer aus. Für das Põhjala Cellar Series Barrique Noire BA Imperial Baltic Porter hat man ein dunkles Bier in französische Crème-de-Cassis-Fässer verbracht. Das Basisbier ist auf 12% Alkoholgehalt eingebraut, mit El-Dorado-Hopfen, und verschiedenen Malzen (Pilsner, Münchner Malz hell, Hafermalz, Caramel 150, Röstmalz, Weizenröstmalz), üppige 40 IBU gibt man als Bitterwert an. Ich habe leichte Mühe, den schwarzen Wachsüberzug über dem Kronkorken zu lösen, ab dann geht alles ganz leicht – auch wenn das Wort „leicht“ in keiner Beziehung für so ein schweres, bitteres, alkoholstarkes Bier passt.
Komplett blickdicht, extrem dunkel, zwischen Ebenholz und Mahagoni, also nicht ganz schwarz, aber nah dran. Der Schaum ist nussbraun, auch dunkler, als man es gewohnt ist, mit rostroten Nebentönen. Er ist zu Beginn überraschend kräftig, sackt mit der Zeit in sich zusammen, und bleibt als feiner Flaum dann lange auf dem Bier.
Sehr röstig und malzig, wie ich es erwartet habe. Eindrücke von Kaffee und Bitterschokolade dominieren, aber auch süßere, leicht nussige und cremige Komponenten wie Nougat oder geröstete Maronen kommen vor, mir entstehen Erinnerungen an ungarisches Gesztenyepüré. Man erkennt aber auch sofort den Einfluss des Crème-de-Cassis-Fasses, die dunkle, beerige Frucht ist direkt und prägnant da, wuchtig, und passt sich trotzdem fein ins Gesamtbild ein, ohne als Fremdkörper zu wirken.
Der Antrunk ist schwer, da kämpfen schwere, fast schon klebrige Süße und spitzige, zestige Säure gegeneinander – kein ruhiges, rundes, ausgewogenes Gefühl, mehr kantige Wildheit. Kaffee und Cassis passen im Mund auch nicht so gut zusammen, wie das in der Nase der Fall war, die zappeln gegeneinander an. Die Textur ist dafür voll, schwer und dicht, und sie tut ihr Bestes, all die Gegensätze aufzufangen, schafft es aber nur in Maßen; dafür ist der hohe Alkoholgehalt nie spürbar und gibt stattdessen Volumen. Das Bier ist trotz alledem sehr rezent, fast schon kratzig frisch. Der Abgang ist lang und sehr bitter, mit leichter Astringenz, erneut voller limettiger Zeste und mit milden Nüssen im Nachhall. Ganz spät kommt die Johannisbeere nochmal zum Vorschein, auch sie mit bitterem Beiklang.
Kein unkompliziertes Bier, das muss ich sagen. Es unterhält mich, aber überzeugt mich nicht in letzter Konsequenz; gerade der schon richtig pappige Süßaspekt stört mich sogar. Vielleicht hätte ich es noch ein paar Jahre im Keller liegen lassen sollen, damit sich das Bier noch etwas integrieren kann. Im Gesamtbild ist das Põhjala Cellar Series Barrique Noire BA Imperial Baltic Porter eher was für den Experten, der die Widersprüchlichkeit akzeptieren und genießen kann, und weniger was für den, der ein besonderes Bier für zwischendurch sucht.
