Der German Whisky Award 2026 steht an. Am Wochenende werden auf der Burg Scharfenstein in Thüringen wieder viele Whiskies probiert werden, ausschließlich deutsche Produkte. Ich war schon 2025 Mitglied der Jury, und freue mich sehr, auch dieses Jahr wieder als Verkoster eingeladen worden zu sein. Es ist eine Freude, in so illustrer Gesellschaft diese Whiskys probieren zu können, unter der impekkablen Leitung von Julia Nourney, die herausragende Gastfreundschaft von Bernd Ehbrecht und Martin Henning zu genießen und einfach mit den alten Bekannten ein bisschen Spaß zu haben. Ich bin überzeugt, dass erneut, wie schon letztes Jahr, die durchgängig hohe Qualität der Einreichungen eher dafür sorgen wird, dass es schwer wird, einen klaren Gewinner zu finden, statt dass man Spreu und Weizen trennen muss; viel Spreu wird es nicht geben.
Ich trinke mich gedanklich auf dieses Event ein, und habe dafür nicht nur einen deutschen Whisky ausgesucht, sondern sogar einen, der aus meiner alten Heimat kommt, dem Härtsfeld auf der Schwäbischen Alb. In Schweindorf, einem wirklich kleinen Dorf mit rund 250 Einwohnern ganz in der Nähe von Neresheim, steht die Brennerei Spielberger, in der schon seit 100 Jahren Schnaps gebrannt wird. Besonders stolz ist man dort auf den Spielberger Whisky³ Single Grain Whisky. Er wurde 2008 aus Weizen und Gerstenmalz gebrannt, dann 4 Jahre in Eichenfässer gelegt, mit einem Folgefinish in Ex-Sherryfässern versehen und dann noch im frostigen Eiskeller in ein Tongefäß verbracht, wo er seine endgültige Abrundung bekommen hat; diese drei unterschiedlichen Reifeprozesse sind auch der Grund für den Namen mit der hochgestellten 3. Am Ende ist er dann in die Flasche gekommen, mit wohlgewählten 46% Alkoholgehalt.
Die Farbe ist herrlich anzusehen, ein klares, strahlendes Gold, brilliant und mit strohfarbenen Lichtreflexen. Die Viskosität ist ausgeprägt, schwer schwappt der Whisky im Glas, erzeugt dabei eine Flocatikante an der Glaswand, aus der dicke Beine ablaufen.
DIe Nase ist sehr getreidegetrieben, man meint wirklich, in einer Spelzerei zu stehen und tief einzuatmen. Trockener Weizen, Stroh und Malz verbinden sich mit Sägespänen, frisch gesägtem Weißholz und leichtem Mehlstaub. Unterschwellig findet man vorsichtige Fruchtigkeit, vielleicht weiße Trauben und ein Hauch grüner Banane. Das Bouquet insgesamt ist nicht wirklich komplex, aber wirklich sehr rund, integriert und angenehm, man riecht gern am Glas und dreht es dabei, eine spielerische Leichtigkeit ersetzt ohne Mühe den vielleicht aufkommenden Wunsch nach Wucht im Whisky.
Im Mund geht es ähnlich weiter. Der Körper des Spielberger Whisky³ ist initial leicht und schlank, ohne dünn zu wirken, die natürliche Süße und milde Fruchtigkeit verhindern das zusammen mit einer sehr weichen, zarten und ausgesprochen smoothen Textur, die sich aber effektiv am Gaumen ausbreitet. Hier klingen die Getreidearomen fein mit, ohne heuig oder strohig zu werden; das Sherryfinish ist ganz leicht spürbar, drängt sich überhaupt nicht nach vorn, bietet nur zusätzliche Geschmacksaspekte nach Trockenfrucht. Im Verlauf wird der Whisky ordentlich würzig, nie alkoholisch dabei, und klingt warm und mittellang aus, mit schön aufblühender Floralität irgendwo zwischen Jasmin und Veilchen.
Ein feiner, leichter, sehr süffiger und trotzdem charaktervoller Whisky, das muss ich sagen. Insbesondere am Gaumen liegt der echt wie ein flauschiger Wattebausch, die milden und süßen Aromen komplettieren ein durchweg angenehmes Erlebnis.
MQS, das steht wohl für „Mary, Queen of Scots“. Man kann ihn mit einem kräftigen Scotch machen, aber auch mit einem milden Grain Whisky wie dem Spielberger Whisky³. Das eine versetzt einen nach Schottland, das andere zwar nicht wirklich auf die Schwäbische Alb, sondern einfach nur in eine gute Stimmung, mit einem süßen, guten Mundgefühl – und Mary, Queen of Swabia funktioniert als Name eigentlich mindestens genauso gut, finde ich. Der Zuckerrand ist die Krönung, auch wenn die Geschichte mit der Krone Maria Stuart selbst kein Glück gebracht hat.
MQS
2oz / 60ml Blended Whisky
1oz / 30ml Whiskylikör
1oz / 30ml Chartreuse Verte
Auf Eis rühren. In einem Glas mit Zuckerrand servieren.
[Rezept nach unbekannt]
Die Brennerei selbst ist dem Ort, in dem sie steht, angemessen, das ist ein einzelnes Haus im Ortskern. Neben den normalen Flaschen gibt es dort auch Miniaturen des Whiskys zu kaufen. Ich habe bisher nicht das Glück gehabt, die Brennerei innen zu besichtigen, werde dies aber bei Gelegenheit nachholen. Im angegliederten Gasthof kann man jedenfalls gutes, bodenständiges und authentisches schwäbisches Essen genießen, wie immer gehört dazu zum Beispiel der originale Zwiebelrostbraten mit Spätzle und Soße, ein Genuss, den ich nie verpassen will, wenn ich in der Gegend bin.


Nun packe ich meinen Koffer, bereite mich auf den German Whisky Award vor, habe dafür ein angenehmes Mundgefühl von dem Härtsfelder Whisky gesammelt, und bin dann demnächst unterwegs. Natürlich berichte ich von dem Event im Nachgang – idealerweise dann mit einer Flasche des Gewinners des 2026er Wettbewerbs!


