
Die letzte Ration des Biers, das ich aus Mexiko mitgebracht habe, ist das Cerveza Victoria. Es ist das älteste mexikanische Lagerbier, wird seit 1865 gebraut, damals noch rein handgemacht in einer kleinen Manufaktur in Toluca (Estado de México). 1935 wurde die Firma von Cervecería Modelo übernommen, die die erfolgreiche Marke weiterführt bis heute. Es wird aus Wasser, Gerstenmalz, ungemälztem Getreide und Hopfen gebraut, mit milden 4% Alkoholgehalt kommt es in die Dose, die ich im Koffer aus Chihuahua nach Deutschland gebracht habe.
Auge: Dunkles Bernstein, ins Kastanienbraun übergehend. Kristallklar, mit leichter Perlage, und einem sehr schmalen Schaum aus feinen Blasen.
Nase: Herb, hefig, leicht malzig. Anklänge von Nuss, und etwas Bitterhopfen. Ansonsten fast neutral.
Mund: Deutlich aromatischer als nach der Nase erwartet, vollmundig, fast schon kauig und cremig, und mit Anklängen von Hopfenfrucht, leichte Getreidetöne, erkennbar malzig. Sehr frisch, ausgesprochen klare Struktur mit ausgeprägter, aber nicht kratziger Bittere und deutlicher Säure. Mittellanger Abgang, der stark hopfengetrieben wirkt; im Nachhall klingen Malz und Nuss noch durchaus lange nach.
Das Cerveza Victoria ist ein tolles Sommerbier, das überhaupt nicht unter dem niedrigen Alkoholgehalt leidet, sondern dafür richtig dicht daherkommt. Wirklich unterhaltsam und nahezu ideal als Essensbegleiter für schwereres Essen. Erneut ein Beweis, dass Mexiko diesen leichten Bierstil, den ich inzwischen wirklich mag, perfekt beherrscht.
