Cognac am Freitag – Grape of the Art Voyer Lot 85 Cognac

Grape of the Art Voyer Lot 85 Cognac Titel

1985 war wohl ein herausragendes Jahr für Wein, wenn man den einschlägigen Quellen glauben darf. „In Bordeaux gab es nach einem sehr kalten Winter mit massiven Frösten einen traumhaft schönen, warmen und ziemlich trockenen Sommer“, schreibt zum Beispiel Achim Becker von wineterminator.com, und mit Bordeaux sind wir ja schon recht nah an der Region Cognac, aus der der Grape of the Art Voyer Lot 85 Cognac stammt, und der dann natürlich indirekt auch von diesem tollen Erntejahr profitiert haben müsste. Er wird aus Ugni Blanc gemacht, 295 Flaschen gab es für Grape of the Art, in Cask Strength mit 53,7% abgefüllt im März 2025, nach langen 38 Jahren Reifung. Schmeckt man den tollen Sommer im Glas?

Grape of the Art Voyer Lot 85 Cognac

Optik: Klarer Bernstein, mit orangefarbenen Lichtreflexen. Deutliche Öligkeit, beim Drehen des Glases schwappt der Cognac schwer, und bildet einen fetten Film, aus dem sich nur langsam dicke Beine bilden.

Nase: Sehr süß und fruchtig, reife Ananas und Mango, dazu ein bisschen Aprikose und grüne Banane. Dezente Vanille aus der Holzreifung ergänzt das sehr angenehm, für einen so lange gelagerten Brand ist das Holz kaum spürbar, stattdessen hat man eine Idee von herbem Kakao. Ein Hauch einer iodischen Note mit minimalstem Anis macht den Eindruck komplexer; insgesamt wirkt der Voyer aber zurückhaltend und etwas still.

Gaumen: Hier wirkt der Voyer direkt sehr viel trockener, als man es von der Optik vermutet hätte, auch klarer und weniger voluminös, ich vermisse etwas Körper und Aromendichte. Das Holz, das man kaum gerochen hat, hat den Brand deutlich ausgetrocknet, und es ist nun sehr viel präsenter. Salzig und bitter, nur ein Anflug von Süße, die dies ausgleichen könnte. Der Alkohol ist feurig, im späten Verlauf sogar leicht brennend, aber immer noch im Angenehmen. Ein mittellanger Abgang, der medizinisch wirkt und fast einen Touch von Lagavulin hat, lässt ganz spät nochmal die Ananas aufblitzen.

Fazit: Interessant und sehr unangepasst, mit Ecken und Kanten, etwas, was man bei Cognac ja dann doch seltener findet. Mir fehlt ein bisschen Struktur und Dichte, und auch Spannung. Dennoch ein Brand, der mir irgendwie gefällt – ohne, dass mir wirklich klar ist, wieso.

Offenlegung: Ich danke Wet Drams für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieses Samples.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..