Epische Agavenkraft – Cachasol Tequila Blanco Epic Strength

Cachasol Tequila Blanco Epic Strength Titel

Mexiko hat eine Klassifikation für seinen Tourismus eingeführt, der besonders sehenswürdige Orte auszeichnet – „pueblo mágico“ nennt sich das, die Orte Tequila und Mascota, die sich so nennen dürfen, habe ich schon besucht, vielleicht kommen im Laufe der folgenden Jahre noch der eine oder andere Ort dazu. Der Bundesstaat Nayarit hat auch pueblos mágicos, einer davon ist Sayulita, ein klassischer Badeort am Pazifik, soweit war ich damals gar nicht davon entfernt, als ich in Puerto Vallarta zu Besuch war. Wie komme ich darauf? Als ich mir die Flasche Cachasol Tequila Blanco Epic Strength ein bisschen genauer anschaute, stellte ich fest, dass der Ort oben auf dem Etikett erwähnt wird, und auf dem kleinen Rücketikett steht, dass dieser Tequila eben Sayulita gewidmet ist, seiner lebendigen Energie, und die Marke Cachasol hat dort eben auch ihren Sitz, zusammen mit einem Besucherzentrum.

Nayarit? Ja, tatsächlich ist Nayarit ein mexikanischer Bundesstaat, in dem offiziell Tequila hergestellt werden darf (Jalisco ist natürlich bei weitem der größte Produzent, Guanajuato und Tamaulipas gehören auch dazu). Der Tequila selbst wird allerdings im Auftrag bei NOM1522, der Hacienda de Oro in Jalisco gebrannt, die Agaven für den Cachasol stammen aber immerhin aus Nayarit, und den Master Tequilero, der für die Herstellung verantwortlich ist, kenne ich verrückterweise sogar persönlich – es ist der sehr rührige und aktive Jimmy Villalobos Sauza, der Name deutet schon an, dass Tradition hinter seiner Arbeit steht, in 5. Generation macht die Familie Sauza Tequila, er hat aber nichts mit dem Tequila, der aktuell unter diesem Namen vermarktet wird, zu tun, sondern macht sein eigenes Ding. Noch etwas Besonderes findet man im Cachasol – es wird eine Bierhefe eingesetzt, genauer gesagt eine, die normalerweise für ein IPA verwendet wird. Aktuell wird er wohl nur in Mexiko selbst verkauft, ich habe meine Flasche als persönliches Geschenk von Jimmy von unserer gemeinsamen Reise während Spirits Selection by CMB 2025 in Jalisco mitgebracht. Hat es sich gelohnt, die schwere Flasche nach Deutschland zu schleppen?

Cachasol Tequila Blanco Epic Strength

Man merkt vielleicht, in letzter Zeit gebe ich die Stieltulpengläser öfters auf, um eine Spirituose aus einem meiner Meinung nach schöneren Gefäß zu trinken – heute ist es wieder mal ein Caballito aus Glas, mit einer in den Boden eingelassenen Agave. Das runde, schwere Glas liegt echt gut in der Hand und ich liebe es. Der Cachasol ist darin auch gut aufgehoben, dass er kristallklar und schwer ölig ist, sieht man darin auch gut.

Oh, die Nase fühlt sich mindestens genauso gut an. Ich habe immer wieder Tequilas vor mir, bei denen ich die Inspiration suchen muss, hier springt sich mich regelrecht an. Das ist eine fette, mineralische, maritime Agave, saftig, dunkelgrün, hocharomatisch, mit schwervegetabilen Anklängen von Chipotle und frischer Poblano. Darunter liegt eine gewisse Fleischigkeit, irgendwo zwischen rotem Rind und Carne Seca, und eine tiefdunkle Erdigkeit mit sowohl Dschungel als auch feuchtem Keller als Assoziation. Man riecht die besondere Hefe heraus, sie ist aromatisch noch vorhanden. Ein Touch von pfeffriger Spearmint und etwas Menthol ist da, wenn man tiefer schnuppert. Unterhaltsam und einfach toll.

Cachasol Tequila Blanco Epic Strength Glas

Süß und weich, mit viel Breite von Anfang an, landet er dann im Mund. Erstmal hält sich der Cachasol zurück, liefert Geschmack wie gerochen, eine herausragend gute Abbildung der gekochten Agave, mit leichten Karamellanklängen, aber immer noch dediziert grün im Bild. Wirklich ölig, angenehm sich im Mund bewegend, eine grandiose und evolvierende Struktur, weil sich im Verlauf wirklich ordentlich Power aufbaut, die Süße durch mineralische Trockenheit ablöst, und grüne Serrano-Chilis und weißer Pfeffer den Gaumen zum Glühen bringen. Dann spürt man auch die ausgeprägte Salzigkeit, die zusammen mit eintretenden Umami-Effekten das Volumen im Mund noch verstärkt. Knackige Bittere leitet dann den langen Abgang ein, der heiß auf der Zunge und warm im Rachen wirklich Ausdauer und Durchsetzungsvermögen hat, sicher auch dem erhöhten Alkoholgehalt geschuldet, aber im Grunde durch Würze und Aromatik definiert. Der Nachhall ist lang, grün, ganz am Ende etwas hefig, davor erneut mit verschiedenen Chili-Sorten versehen, und mit ganz vorsichtiger Jasmin-Floralität ergänzt.

Das Ding hat Kraft, Dichte, Volumen und Aromatik, wie ich sie liebe, nichts zum Nachdenken und kein eleganter Gentleman, sondern ein braungebrannter, schwitzender Barkeeper, der dir in einer kleinen Strandbar in Sayulita mit einer Hand die überschwappende Flasche und zwei klirrende Veladoras auf den Holztisch knallt. Ein herausragender Tequila, der mir alles das gibt, was ich von dieser Kategorie erwünsche, leider viel zu selten bekomme. Jeder Tequilafreund sollte versuchen, sich eine Flasche davon zu organisieren, egal was man dafür bezahlt, es ist es wert.


Wenn man diese Urgewalt in ein Cocktailrezept gießt, muss man sich keine Gedanken um die anderen Zutaten machen, das steht fest. Das einzige, was dann in so etwas wie dem Camarón Cocktail noch etwas zusätzliche Spannung bringen kann, ist eine gleiche Menge Mezcal, gerne aber eher rauchreduziert. Eine Aromabombe, dank des Orgeats auch mit schöner, cremiger Textur versehen, die die Kraft des Cachasols wunderbar auffängt und abrundet.

Camarón Cocktail

Camarón Cocktail
1oz / 30ml Tequila blanco
1oz / 30ml Mezcal joven
¾oz / 23ml Limettensaft
½oz / 15ml Orgeat
Auf Eis shaken.

[Rezept nach Robert Simonson]


Die Flasche ist extrem schwer, aus dickem Glas, bei dem man die Einschlüsse sieht, die einer Recyclingherstellung entstammen. Das Etikett ist sehr sommerlich-urlaubig gestaltet, mit einem netten, schwungvollen Schriftzug, atmosphärisch und 50er-Jahre-Retro insgesamt, und trotzdem mit ein paar Details versehen, die ich von modernen Abfüllungen erwarte.

Es ist auch genug Platz darauf, um eine Widmung des bereits oben erwähnten Master Distillers, der für diesen Tequila mitverantwortlich ist, unterzubringen – ich bin sehr stolz, Jimmy Villalobos Sauza so kennengelernt zu haben, dass er mich als „amigo“ bezeichnet. Ich gebe das Kompliment gern zurück und hoffe, dass ihm der Dirker-Kümmelbrand, den ich ihm als Gegengeschenk gegeben hatte, auch nur ansatzweise so schmeckt, wie mir sein Tequila. Da treffen zwei große Meister aufeinander, und ich fühle mich demütig dazwischen platziert; das fühlt sich trotzdem gut an, so im Schatten.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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