Es ist immer schön, wenn ein Hotel eine kostenlose Erstbefüllung einer kleinen Kühlschrank-Zimmerbar anbietet. In Guadalajara im Riu Plaza, wo ich eine Nacht während Spirits Selection by CMB 2025 untergebracht wurde, war das sogar recht üppig gestaltet – eine Auswahl an alkoholfreien und alkoholischen Getränken stand bereit. Die Dose Tecate Original Cerveza Lager habe ich mir geschnappt und in den Koffer gelegt, das erste Mitbringsel war damit schonmal organisiert. Das Bier aus der namensgebenden Stadt Tecate in dem mexikanischen Bundesstaat Baja California hat eine lange Geschichte zurück bis 1944, wo es für die dort schuftenden Minenarbeiter geschaffen wurde – drei Jahre später wurde es bereits in die USA exportiert, in den 50ern dann zur zweitwichtigsten Biermarke Mexikos. Es war auch das erste mexikanische Bier, das 1964 in „easy open“-Dosen, die ohne Dosenöffner getrunken werden konnten, abgefüllt wurde. Zum Glück ist das bis heute so, dass wir nicht lange brauchen, es ins Glas zu kippen!
Die Schaumkrone, die sich beim Eingießen bildet, ist beeindruckend, sie nimmt ordentlich Platz ein und plustert sich auf. Nach ein paar Minuten sackt das Ganze fast genauso dramatisch komplett in sich zusammen, es bleibt aber eine Deckschicht immer erhalten. Eine leicht opalisierende, helle senfgelbe Farbe und ein paar aufsteigenden Perlchen komplettieren den optischen Eindruck.
Riechen muss man nicht wirklich an dem Tecate Lager, da sind ein paar Getreidespuren und Gerste, ein Hauch von Bitterhopfen, aber das muss man schon tief in den Riechkolben einziehen, um es wirklich als Aroma hier niederzuschreiben.
Ich habe leichte Lager als einen meiner inzwischen sehr favorisierten Bierstile entdeckt, wenn sie gut gemacht sind. Die Klarheit und Frische sind in vielen Situationen, in denen ich Bier trinke, eigentlich sehr wünschenswerte Eigenschaften, und das Tecate hat diese. Exklusive Geschmäcker zu suchen ist keine Tätigkeit, die sich hier lohnt, ein bisschen Gerste und Hopfen ohne Expressivität, ein bisschen rostiger Nagel. Was das Tecate dafür richtig gut macht, ist die Textur und die Rezenz, weich und cremig am Gaumen und trotzdem erfrischend, klar und sauber, eine wirklich gute Mischung daraus erzeugt ein wunderbar leichtes und trotzdem volles Mundgefühl mit perfekter Bittere und leichter Säure – und einem angenehmen Alkoholgehalt von 4,5%.
Genussbier? Nein. Ein Bier, das man nach 4 Stunden Stau in El Paso am mexikanischen Grenzübergang von Ciudad Juarez in die USA am Abend zu einem 16oz-Ribeye mit loaded potato gerne trinkt? Aber und wie, arriba Tecate!
