Armagnac am Freitag – Grape of the Art Marquestau 1998 Armagnac

Grape of the Art Marquestau 1998 Armagnac Titel

Mit Selbstbewusstsein wird der Grape of the Art Marquestau 1998 Armagnac mit dem schwarzen Etikett mit einem Superhelden versehen, mit plakativem „M“ auf der Brust, der in bester Superman-Manier, die Faust voraus, auf einen zufliegt. Aus der Region Bas Armagnac stammt er, seine Basis findet er rein in der Rebsorte Baco. Alles andere als Fassstärke wäre dem Helden nicht angemessen, hier sind es 51,7% Alkoholgehalt – das Fass #225, das Grape of the Art für sich ausgewählt hat, hat nur 310 Flaschen dieser Art hervorgebracht, abgefüllt im September 2024, nach 25 Jahren Lagerung in eben jenem Fass. Ich hoffe, mein Verkostungsglas springt nicht bei soviel geballter Armagnacmacht!

Grape of the Art Marquestau 1998 Armagnac

Fast kastanienbraun ist die Färbung nach dieser Lagerzeit, terracottafarbene Lichtreflexe hellen etwas auf, ändern aber nichts an der optischen Schwere, die der Marquestau ausstrahlt. Dazu passt die fette Textur, fast sirupartig schwappt er im Glas und hinterlässt dabei einen adrigen Film.

Die Nase ist fast zurückhaltend für diese Art Spirituose, dafür aber sehr elegant – dunkle Frucht und aromatisches Holz greifen ineinander wie Zahnrädchen. Saftige Nektarine, leicht matschige Birne und Mango bilden die Fruchtbasis, alle in recht reifem Zustand, frisches und duftendes Sandelholz mit leicht grasigen Einflüssen den würzigen Gegenpart. Je länger man an dem Armagnac riecht, um so verführerischer kommt einem dieser Geruch vor, der nicht versteckte Alkohol macht das ganze noch erwachsener. Nicht überwältigend, aber hochgradig faszinierend.

Am Gaumen dann schlägt die schon gesehene Textur voll zu, superweich, richtig voll und cremig, fettölig schmiegt sich der Marquestau 1998 beim Antrunk an, wie wenn man Öl in einen Motor gießt und das die beweglichen Teile sofort mit einem Film versieht. Ein großartiges Erlebnis. Natürliche Fruchtsüße mit Eindrücken von karamellisierter Dattel, überreifer Feige und schweren, roten Tafeltrauben definiert die erste Phase, kühlere, trockene Herbe mit Geranien, Rosmarin und Estragon den späteren Verlauf, dort findet man auch hellen Tabak, Sandelholz, und balsamische Töne aus Eukalyptus, zusammen mit einer ganz vorsichtigen Salzigkeit. Im Nachhall liegen ganz tief irgendwo noch Nelken, die das dezent aufblühende Wintergrün gewürzig untermalen, und ganz spät kommt sogar noch ein bisschen Jasmin zum Einsatz.

Ein wirklich unterhaltsames Erlebnis, hochgradig sich wandelnd, nie sich aufdrängend, dennoch wuchtig und gleichzeitig elegant. Perfekt integriert sind diese unterschiedlichen Aspekte ineinander beim Marquestau 1998, so dass mein Analysehirn gar nicht zuschlagen muss. Aufgrund des grandiosen Mundgefühls allein ist das ein Brand zum gemütlichen Schlürfen und sich gehen lassen.

Offenlegung: Ich danke Wet Drams für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieses Samples.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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