Nach viel Tequila und anderen mexikanischen Spirituosen die letzten Wochen wende ich mich gerne auch mal wieder dem Weinbrand zu, in spezieller Form dem Armagnac, mit dem mich inzwischen sehr enge Gefühlsbande verbinden. Ich öffne das Sample des Grape of the Art Laubade 2001 Armagnac aus der Region Bas-Armagnac, und gemacht rein aus der Rebsorte Baco. Gebrannt wurde er im November 2001, und abgefüllt dann 23 Jahre später im April 2025 in Fassstärke mit 50,7% Alkoholgehalt, die Zwischenzeit hat er in Fass #70 in einem halbfeuchten Keller verbracht. Wie üblich bei Grape of the Art macht man nur kleine Auflagen, 251 Flaschen sind das in diesem Fall, und da freut man sich um so mehr, wenn man immer wieder so kleine Raritäten probieren darf.
Klarer Bernstein, leuchtend und brilliant. Sehr hübsch anzusehendes Schwenkverhalten mit hoher Viskosität. Die sich bildenden Beinchen laufen langsam ab.
Der Duft ist sehr trockenfruchtig, voller heller Rosinen, Dörrpflaumen und getrockneter Aprikosen, bleibt aber dabei hell und frisch, ein guter Anteil an Weinbergpfirsich und Quitte sorgt dafür. Ein Hauch Anis findet sich, wie so oft bei hochwertigem Armagnac, ein winziger Touch von Süßholz, ein kleiner Anflug von frischem Zuckerrohrsaft. Insgesamt apart, das Holz ist höchstens im Detail erkennbar und perfekt angegliedert an die klar dominierende Frucht.
Die Viskosität zeigt sich auch am Gaumen, vom Antrunk an wirkt der Armagnac dicht, voll und breit, und er bleibt das auch bis zum Abgang, auch wenn man keinen großen Körper vor sich hat. Initial findet man eine ganz milde aber effektive Süße, sie wird schnell durch eine wunderbar gesteuerte Bittere abgelöst, mit Anklängen von Zestigkeit, Ingwerschale und geradeso reifen Aprikosen, ohne dass die Rosinen je verschwinden würden. Eiskalt liegt der Laubade am Gaumen, sehr frisch und hauchig, richtig viel Menthol kommt da mit, das geht durchaus stellenweise in Krauseminze über, ohne scharf zu sein. Der Abgang ist durchaus scharf und trocken im Rachen, aber auf eine kontrollierte Art und Weise, die Fassstärke spürt man hier deutlich, wenn man dann die gelbe Blumigkeit verklingen lässt, mit der der Nachhall vonstatten geht.
Easy und fruchtig, man sieht am Grape of the Art Laubade 2001 Armagnac, dass lange Lagerung nicht immer ein holzigherbes Ergebnis erbringen, sondern manchmal einfach für tolle Durchrundung und Konzentration der Aromen sorgen kann. Ein sehr trinkiger Armagnac, der richtig gut im Mund liegt!
Offenlegung: Ich danke Wet Drams für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieser Armagnac-Samples.
