Bier aus dem Urlaub mitbringen, das ist eine langgepflegte Tradition bei mir. Selbst bei interkontinentalen Flugreisen versuche ich immer, eine Flasche des lokalen Gerstensafts zu importieren, sei es neulich erst aus Mexiko, China und Kanada. Doch aus aus dem direkten Nachbarland, das ich extrem gerne besuche, sind verschiedenste Biere immer mit im Gepäck, und so brachte ich vor einiger Zeit aus Österreich die Zipfer Meisterwerke Weizen, Urtyp, und Märzen mit. Charmant finde ich dabei die Flaschenform, die hübsch anzusehen ist und gut in der Hand liegt bei den witzigen kleinen Gebindegrößen, und den Kronkorken-Drehverschluss, den ich mir auch gerne in Deutschland öfter wünschen würde.

Beginnen wir mit dem Zipfer Meisterwerke Weizen. Im Glas verhält es sich zunächst sehr typisch, eine volltrübe, safranfarbige Fülle mit dickem, gemischtblasigem Schaum. Der erste Unterschied zum Feld-Wald-und-Wiesen-Weizen kommt allerdings direkt, wenn man die Nase ans Glas hält – dieses Bier ist mit Citra aromagehopft. Entsprechend bekommt man leichte Zitrusnoten, etwas Tropenfrucht, aber nicht so, dass es überhand nimmt, eine weizentypische Süße ist immer noch vorhanden. Auch im Mund ist der Spagat zwischen Aromahopfung und Weizenklassik gut gelungen, beide Eindrücke harmonieren schön miteinander, die fruchtigen passen wunderbar zu den nelkigen Noten. Ein volles Mundgefühl, passend gewählte 5,3% Alkoholgehalt und eine tolle Rezenz führen zum würzigen, zwar kurzen, aber recht vollen Abgang. Ein abziehbares Rücketikett mit einigen weiteren Hinweisen und der Angabe, dass wir 14 IBU vorliegen haben sorgt auch noch für die informative Grundlage – das Zipfer Meisterwerke Weizen macht seinem Namen wirklich alle Ehre.
Kristallklar, ocker, mit leichter Perlage, dazu etwas Schaum, der eher kurzlebig ist – so beginnt das Zipfer Urtyp. Metallisch-getreidig in der Nase, hefig. Ein Anflug von Frucht. Sehr getreidig im Antrunk, das schmeckt fast wie Maische. Im Verlauf kommt die metallische Komponente immer stärker nach vorn, im Abgang ist fast nichts anderes mehr da. Aromatisch ein recht neutrales Lagerbier, kann es wenigstens über die kantig-sprudelige Rezenz punkten, und ein angenehmes Süßsauerspiel, das in einem feinherben Schluss mündet. 5,4% Alkoholgehalt sind gut eingebunden. Das Urtyp ist laut eigener Aussage auf dem Rücketikett die Spitzensorte der Brauerei – nun, die Ansprüche sind offenbar nicht besonders groß.
Weiß das Zipfer Märzen eher zu überzeugen? Golden, kristallklar, dadurch sieht man die in der Mitte des Glases ausdauernd und kräftig aufsteigende Perlage. Es bleibt kaum Schaum da, auch nicht nach dem Eingießen. Der Geruch ist bitterhopfig, sehr würzig, mildhefig, mit einem leichten Rostton. Ist der Antrunk noch hopfig-würzig (die Betonung des Etiketts, dass dieses Bier „nur mit Naturhopfen“ gebraut wird, sagt viel über die Massenbierkultur des deutschsprachigen Raums aus), kommt schnell eine starke, fast schon überhand nehmende Süße dazu, bis zum Abgang, der mir persönlich schon pappig vorkommt. In der Aromatik bleibt das Bier unauffällig, der errochene Rostton dominiert, die klebrige Süße nimmt leider viel Rezenz weg – das ist ein Bier, das man kalt und schnell trinken muss (bei 5% Alkoholgehalt geht das ja gut), und das danach nur kurz am Gaumen bleibt.
Im Fazit lege ich von dieser Auswahl der Brauerei eigentlich nur das Zipfer Meisterwerke Weizen dem Leser nahe, den Rest trinkt man dann lieber einfach nach einer anstrengenden Wandertour auf einer Alm als Durstlöscher, ohne viel drüber nachzusinnen. Jedes Bier hat so seinen Zweck.


