Cognac ist in den meisten Fällen ein Blend, darüber haben wir schon oft gesprochen. Selten ist es möglich, Details über die Blendbestandteile zu erfahren, das ist sicherlich eine Mischung aus Geheimniskrämerei der Hersteller und Mangelinteresse an solchen nerdigen Zusatzinformationen von Konsumentenseite, wie so oft. Im Zuge des Abbaus beider Aspekte findet man heutzutage aber immer mehr Produkte, bei denen man sogar ohne dedizierte Nachfrage mehr und mehr solche Informationen bekommt und damit das Endprodukt doch besser verstehen kann und erkennt, dass hier manchmal ganz spannende Sachen passieren. So ist der Cognac, den ich heute vorstelle, ein gutes Beispiel dafür. Gebrannt 1975, 1978 und 1980 aus Ugni-Blanc-Trauben aus den Fins Bois, dann in Fass 757880-1 eingelegt und dort für 43 Jahre in einem feuchten Lagerhaus vergessen, bevor er im Mai 2024 dann in Fassstärke mit 48,1% Alkoholgehalt abgefüllt wurde. 298 Flaschen gab das Fass her, und wir probieren ihn nun, den Grape of the Art Vaudon Lot 75/78/80 Cognac.
Zwischen Terracotta und Hennarot liegt die Farbe, die sich im Glas leuchtend und strahlend präsentiert. Eine elegante Öligkeit kommt dazu, mit hübschen, langen, dünnen Beinen, die sich bilden und ablaufen.
Vollfruchtig geht es in der Nase weiter, mit schönem floralen Seitenaspekt, ein bisschen seifig vielleicht, aber in keiner störenden Weise. Rote, sehr reife Trauben, Aprikose, ein Hauch Schwarzkirsche, ein bisschen Pflaume; Veilchen und Löwenzahnblüten, sehr sanft integriert darin. Zimt scheint durch, ein minimalster Touch Anis und Lakritz, nur soviel, um Spannung in die Fruchtbombe einzubringen. Leicht, luftig, spielerisch, ein angenehmer Duft!
Am Gaumen findet man erstmal die fast schon sirupartige Textur, die sich im Antrunk anschmiegt. Aus ihr baut sich eine interessante Struktur auf, im Verlauf immer mehr zum Trockenen hin tendierend, warm und kalt im Wechsel, mit aus der Süße hier nun sehr viel deutlicher aufsteigendem Anis, Muskatnuss und Zimt. Eine feine Ledrigkeit kommt dazu, wenn ein ganz sanftes Astringieren einsetzt. Dieses leitet ins Finish über, warm, blumig mit viel Jasmin im Nachklang, effektvoll am Gaumen bleibend, hell und klar.
Rund und sanft, aber mit einem wirklich spannenden Finish, das mich voll überzeugt und sicherlich das Highlight des Vaudon 75/78/80 ist. Der Blend funktioniert hervorragend in seiner Gesamtheit, da gibt es absolut nichts zu meckern. Nach vielen Minuten hat man immer noch Teile der Aromen im Mund, und ich höre jetzt auf zu schreiben und lutsche diese genüsslich vor mich hin.
Offenlegung: Ich danke Grape of the Art für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieses Samples.
