Bier am Freitag – Ur-Krostitzer Feinherbes Pilsner

Ur-Krostitzer Feinherbes Pilsner Titel

Um Bier in Deutschland zu verkaufen, muss man sich irgendwie abgrenzen. Manchmal greift man dann nach dem letzten Strohhalm, und holt sich Anekdoten aus Zeiten ins Boot, bei denen schwer nachprüfbar ist, ob es sich dabei um Fantasie oder eine tatsächliche historische Tatsache handelt. Gustav Adolf von Schweden hat im Dreißigjährigen Krieg ein Bier aus Krostitz in Sachsen bestellt und mit einem goldenen Ring bezahlt? Für mich klingt das eher nach ersterem, aber ich gönne jedem Ort seinen kleinen „Claim to Fame“, und eine dann doch klar nachweisbare Braugeschichte bis zurück ins Jahr 1534 ist ganz sicher etwas, auf das man stolz sein kann. Dass das heute hier vorgestellte Ur-Krostitzer Feinherbes Pilsner dennoch nichts mit dem Bier zu tun hat, das der schwedische Gustl getrunken hat, sollte außer Frage stehen – Hopfenextrakt ist eine moderne Erfindung, und wahrscheinlich hatte das Bier auch weniger als die hier eingeflaschten 4,9% Alkoholgehalt. Rein ins Glas, ab in die Vergangenheit!

Ur-Krostitzer Feinherbes Pilsner

Optisch ist es genau das, was ich von einem Pils erwarte, sonnenblumengelb, kristallklar, feines Mousseux, und eine stabile, feinblasige Schaumkrone. Da gibts nichts zu meckern, aber sonst auch nichts zu berichten.

Die Nase ist erkennbar herb, sehr würzig und stark hopfengetrieben, ohne auf Aromahopfen zu setzen. Klassisch. Leicht metallisch mit Erinnerungen an rostige Nägel.

Bei diesem Bier hat man eine gelungene Melange aus weichem, runden und viskosem Mundgefühl und trotzdem durchaus herber Hopfenkante getroffen. Das liegt sauber im Mund, fühlt sich klar und frisch an, ohne aromatisch von der Definition eines Pils abzuweichen. Stringent und definiert, wenn ich schon als kein großer Pilsfreund eins trinken soll, dann so. Herb, aber nicht bitter, mit schöner Süßsauerbalance, bei der gegen Ende die Säure schön den Gaumen klärt. Im Nachhall erblüht deutlich, aber nicht überwältigend, Jasmin und gibt dem Bier einen überraschend langen Verlauf.

Wie gesagt, Pils ist nicht mein Lieblingsbierstil, doch das Ur-Krostitzer trinkt sich einfach gut in seiner Klarheit. Keine Experimente, einfach ein gutes, sauberes Bier. Gustav Adolf würde es sicher auch wieder bestellen.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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