Das 2. German Armagnac Festival ist in den Startlöchern, dies hier ist der letzte Hinweis, dass es noch möglich ist, nach Stuttgart zu kommen und kurzentschlossen die vielen Aussteller zu besuchen, die sich für dieses Jahr angemeldet haben. Letztes Jahr hatte ich ja schon ein ein paar winzige Eindrücke vermittelt, und ich bin mir sicher, dass es dieses Jahr mit gestiegener Erfahrung noch einen Ticken unterhaltsamer werden wird. Also auf! Dort wird es sicher auch so einige Blanche-Armagnac zu probieren geben, vielleicht sogar vom sicher teilnehmenden Château de Hontambère, von denen ich im Vorfeld schon ein paar rebsortenreine Blanches schlückchenweise versuchen konnte – hier meine Meinung zu Hontambère Armagnac Blanche Colombard, Blanche Folle, Ugni Blanc und Baco!
Alle sind Jahrgang 2022, und mit 50% Alkoholgehalt abgefüllt. Da alle keine Fassreifung erhalten haben, sage ich nichts spezielles für die Farbe, außer dass sie über alle vier Sorten identisch und ununterscheidbar glasklar, fehlerlos und mit erkennbarer Viskosität im Glas stehen.
Beginnen wir mit dem Hontambère Armagnac Blanche Colombard. Sehr traubig, deutlich tresterig, und leicht erdig. Ein milder Eisenton, erinnernd an rostige Nägel, schwingt mit. Grün und vegetabil, ohne große Kräutereinschläge. Wirkt in der Nase etwas kurz und schmal, mit deutlichem Lack. Der sensorische Eindruck beim Antrunk ist süß und voll, deutlich runder als in der Nase. Trauben und Trester erscheinen sofort, nun viel fruchtiger und weniger grün. Sehr weiche Textur, breit und expansiv am Gaumen. Schöne Würze entsteht im Verlauf, weißpfeffrig und leicht die Zungenspitze anästhesierend. Ein langer Nachhall mit leicht nussigem Charakter bleibt.
Die Nase des Hontambère Armagnac Blanche Folle Blanche ist deutlich von Traubenaromen gesteuert, frisch und hell, und sehr leichtkörperig. Etwas Vanille, etwas Zimt, aber danach hört es schon schnell auf und geht in eine leichte Grüne über. Die Textur bleibt auch am Gaumen weich und rund, die Aromatik explodiert nicht, sondern orientiert sich an der leichten Nase. Schnell bilden sich buttrige Süßspeisen aus, Kekse, Streusel. Nur vorsichtige Würze kommt dazu, dafür eine ausdauernde, regelrecht aufblühende Floralität, die wirklich apart wirkt. Ein ganzer Blumengarten hängt im Nachklang lange nach.
Beim Hontambère Armagnac Blanche Ugni Blanc muss man noch tiefer schnuppern als bei den beiden Vorgängern. Nur ein Hauch von Aromen findet sich, eine Mischung aus Blüten und traubiger Fruchtigkeit, das von einem herben Unterbau gehalten wird. Frisch, klar, aber auch etwas undefiniert, und das setzt sich am Gaumen fort. Es ist von allem was da, Blüten, Frucht, ganz milder Trester, doch alles eher dezent. Im Verlauf zeigt sich dann die Stärke dieses Brands, eine fette Salzigkeit und starke Würze, die Zunge und Gaumen prickeln lässt. Definitiv für mich eher ein Strukturbrand, weniger etwas für die feine Aromatik, und auch im Nachklang bleiben eher die Effekte zurück.
Der Hontambère Armagnac Blanche Baco ist mit Abstand der fruchtigste Armagnac der vier, das erinnert sogar an Tropenfrucht, vorsichtige Mango tut sich besonders hervor, mit etwas Passionsfrucht als Begleitung. Auch im Mund hat diese schwerfruchtige Seite Vorrang vor allem anderen, beide erwähnten Früchte sind klar erkennbar, und sie geben erst gegen Ende die Hauptrolle ab, wenn deutlich anästhesierend sich leicht salzige, aber sehr pfeffrige Würze auf die Zunge legt und diese bis lang über den Nachklang hinaus in Beschlag hält. Dann, ganz spät, kommt leicht geranische Floralität dazu.
Es ist sehr spannend, diese Rebsortenreinheit zu betrachten, denn definitiv sind sie alleinstehend sehr unterschiedlich zueinander; wenn man Armagnac kennt, spürt man aber auch, dass sie zusammen genommen genau ihre jeweiligen Stärken an einen Rebsortenblend einbringen können. Darum habe ich mir den Spaß gemacht und die Reste der Verkostungsgläser einfach zusammengekippt und meinen persönlichen Blend, grob geschätzt natürlich 1:1:1:1, probiert. Ich bin ehrlich – so schmeckt mir dieser Armagnac Blanche vom Chateau de Hontambère am Ende am besten, vollwürzig, blumig, fruchtig und kraftvoll. Eine sehr interessante Erfahrung von Anfang bis Ende. Wer sich für Armagnac, oder Weinbrand im Allgemeinen, interessiert, sollte sich so eine Samplereihe zulegen, um zu verstehen, woher die einzelnen Aspekte eines so vielgestaltigen Brands wie dem Armagnac kommen können.
Offenlegung: Ich danke Sascha Junkert von armagnac.de für die kosten- und bedingungslose Zusendung der vier Samples.




