Grappa Nonino Barriques Aged Selection Titel

Dampfplauderer – Grappa Nonino Barriques Aged Selection

Die Modernisierung macht vor nichts halt. Wer früher Alkohol brennen wollte, hatte kaum eine Wahl – man legte sich eine Brennblase zu und befeuerte sie mit Holz. Die klugen Köpfe der Schnapsindustrialisierung hatten für derart altmodisch-begrenzende Technik natürlich schnell Abhilfe gefunden; der erste Schritt war das kontinuierliche Brennen, das eine größere, effizientere Menge an Maische nutzen konnte. Die Erfindung der Säulendestille sorgte dann für höhere Zieldestillationsmöglichkeiten bis weit über 90%. Der Konsens scheint letztlich dabei zu liegen, dass durch Pot-Still-Destillation mehr der aromentragenden Congener überleben; Brände aus Brennblasen sind daher oft aktiver, lebendiger, vielschichtiger und aber auch funkiger, unruhiger und weniger „rein“. Zwei Extreme sollen dies plastischer darstellen: Der klassische Jamaika-Rum ist ein Pot-Still-Destillat – der moderne Western Style Premiumvodka ein Multikolonnen-Destillat. Es hängt also stark davon ab, was man erreichen will, welche Brenntechnik als geeigneter herangezogen wird, vor allem, da es auch noch Zwischenformen gibt, wie eine Brennblase mit Rektifikationskolonne und ähnliches.

Welches System setzt man, um nun endlich zum Thema dieses Artikels zu kommen, beim Grappa ein? Keines davon! Reingelegt! Ein drittes System, das der Wasserdampfdestillation, trägt einer Besonderheit der Grappaherstellung Rechnung. Weil bei einem Tresterbrand wie Grappa viele Fruchtteile und auch Stängel und ähnliches Fremdmaterial in der Maische enthalten sind, die bei Erhitzung durchaus starktoxische Substanzen freisetzen (Methanol beispielsweise), muss hier vorsichtiger vorgegangen werden. Dampfbrennkolben oder Bain-Maries kommen zum Einsatz, die nicht die Maische direkt befeuern, sondern ein Wasserbad, über dem die Maische hängt und so den Alkoholanteil mittels Dampf entzieht. Ganz verhindern lässt sich das Mitkommen von unerwünschten Stoffen auch so nicht, doch für Grappa ist streng geregelt, wieviel Methanol noch enthalten sein darf – wir können also davon ausgehen, dass wir bei exportierten Grappe auf der sicheren Seite sind, was die giftigen Destillationsartefakte angeht. Daher können wir uns ab sofort von diesen technischen Details abwenden und überprüfen, ob der sichere Rest geschmacklich was taugt – der Grappa Nonino Barriques Aged Selection fließt allerdings nicht direkt aus der Destille ins Glas, sondern darf erstmal eine gewisse Zeit in Holzfässern verbringen.

Grappa Nonino Barriques Aged Selection Flasche

Die Fassreifung besorgt die blasse, strohige Farbe; eine sehr leichte Viskosität, nur mild ausgeprägt, macht einen schönen optischen Eindruck im Glas. Der sehr typische Geruch eines gereiften Grappa ist hier im Vordergrund, nach Stroh, Holzmehl, Schokolade und Schwarztee. Man kann eine Note von Haselnuss erkennen. Er hat aber auch eine dezente Alkoholfahne, die aber nicht wirklich stört.

Im Mund ist der Tresterbrand schön süß und rund. Sehr schokoladig und nussig, erinnernd an Neapolitaner-Waffeln. Parallel dazu findet sich aber auch würziger Kümmel. Da ist außerdem noch eine blumig-blütige Note, nach Lavendel vielleicht, die ich von meinen bisherigen Grappe nicht kenne. Sie liegt über der dunklen Kakaobasis und sorgt für ein Aha-Erlebnis. Gleichzeitig hat der Grappa Nonino aber auch eine etwas störende Beinote in Richtung Shampoo, die schwer zu fassen ist; insgesamt sorgen diese Komponenten dafür, dass der Grappa einen klaren Anklang an Brandy hat. Nicht zu unterschätzen ist seine Schärfe – trotz der Fassreifung hat er noch ein deftiges Ingwerfeuer, das auf Zunge und Gaumen kitzelt, und auch nach dem Abgang noch erhalten bleibt.

Grappa Nonino Barriques Aged Selection Glas

Jener ist kurz bis mittellang, hauptsächlich die holzigen Aromen sind es, und der Kümmel, die im Mund noch eine Weile herumgeistern. Trotz des Zungenbrands ist im Rachen nichts von der Schärfe mehr spürbar, was für mich darauf hindeutet, dass die enthaltenen 41% Alkoholgehalt nicht für das Feuer verantwortlich sind, sondern es aromatischen Ursprungs ist. Was ich immer gut finde.

Die Schwarztee-Komponente dieses Grappas lässt sich leicht noch etwas unterstützen in einem Reserve Cocktail. Tee macht sich überraschend gut in vielen Drinks, die Herbe und Würzigkeit, die ein guter Schwarz- oder Oolong-Tee mit sich bringt, sorgt für eine ungewohnte Exotik, seltsamerweise, so gut man Tee eigentlich kennt. Grundsätzlich finde ich Tee und Grappa eine hochinteressante Kombination.

Reserve

Veröffentlicht von

schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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