Didao Yunnan Fenjiu Baijiu Titel

Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen, Teil 6 – Didao Yunnan Fenjiu 地道云南

Wir haben in meiner Blogserie „Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen“ nun eine erste Runde durch drei der vier Hauptaromen, die es beim Baijiu gibt, gedreht, und ein Fachbuch über diese Spirituose gelesen. Mit dem bis hier aufgesammelten Wissen wollen wir im sechsten Teil nun eine erneute Rundreise starten – und ähnlich wie bei Runde 1 beginnen wir die Tour mit einem Baijiu mit „leichtem“ 清香-Aroma: dem Didao Yunnan Fenjiu (地道云南).

Der Unterschied zum ersten Leichtaroma-Baijiu, den wir in Teil 1 dieser Reihe besprochen hatten, dem Erguotou, ist, dass Fenjiu, eine weitere Subkategorie der Leichtaroma-Baijius, eine längere Fermentation (in etwa dreimal so lange) benötigt und dazu dann noch einen zweiten Fermentations- und Destillationsschritt durchmacht, den es bei Erguotou nicht gibt. Die Lagerdauer in Keramiktöpfen ist bei Fenjiu auch mindestens 1 Jahr, bei Erguotou in der Regel maximal 1 Jahr. Der Aufwand ist also erheblich größer, was sich dann natürlich auch im Preis und der Wertschätzung niederschlägt. Wir bewegen uns produktionstechnisch also weg vom anspruchslosen Massensprit und hin zu einer höherwertigen, feineren Mittelklasse-Spirituose.

Dass der Didao Yunnan Fenjiu eine Silbermedaille beim Wettbewerb Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles 2016 gewonnen hat, will ich mal nicht allzu hoch hängen – zumindest wird es nicht meine Geschmacksprobe beeinflussen (so hoffe ich, das Unterbewusste hat da aber natürlich immer sein Wörtchen mitzureden).

Didao Yunnan Fenjiu Baijiu Flasche

Der Geruch geht schon fast etwas in Richtung Tequila, vielleicht auch Pisco, um mal ein paar Vergleichsbeispiele zu nennen, die vielleicht bekannter sind als Baijiu selbst. Pflanzlich, grasig, mit einer klar erkennbaren Würze in Richtung Sojasauce. Im Vergleich zu vielen anderen Baijius sehr zurückgenommen und westlich genehm.

Auch geschmacklich würde ich die Parallele zu Tequila, eventuell eher noch sogar seinem nahen Verwandten Sotol, aufrechterhalten wollen. Deutlich alkoholischer natürlich, aber aromatisch durchaus verwandt. Sehr pflanzlich und vegetal, leicht salzig, Anklänge von Traubenmost, Wermutkraut, Thymian sowie die bereits angesprochene Sojasauce. Eine milde Säure begleitet das Ganze; die 46% Alkohol sind kaum spürbar. Der Abgang ist leicht mentholig, sehr aromatisch, zwar etwas kurz, vom leicht betäubenden Effekt auf die Zunge gesehen aber lang. Ein dichter, würzig-kräuteriger Nachhall hängt noch eine Weile im Mundraum.

Tatsächlich fehlen diesem Baijiu all die Extreme, die die Kategorie sonst für den westlichen Gaumen so kompliziert machen: er ist nicht so alkoholisch, fermentierlastig und fremdartig, kurz – nicht so ungewohnt. Das kann man Gästen vorsetzen, die unerfahren in Baijiu sind, und muss nicht mit verzerrten Gesichtern rechnen, im Gegenteil. Damit kann man überzeugen, zum ersten Mal in dieser Reihe wirklich uneingeschränkt. Eine tolle Spirituose, die mir außerordentlich gefällt, bei der es richtig viel Spaß macht, sie zu genießen – von allen Baijius, die ich bisher verkostet habe, ist dies mit einigem Abstand der attraktivste.

Der Chinese Snapdragon (der originale Snapdragon wird mit weißem Tequila gemacht) öffnet mir die Augen dafür, dass Baijiu und Weintrauben eine brilliante Kombination ergeben. Wenn dann noch das florale Element des Holunderblütenlikör den leichten Baijiu ergänzt, haben wir einen ungewöhnlichen, aber außergewöhnlich leckeren Cocktail vor uns. Höchstfaszinierend, und er wird auch noch mit jedem Schluck interessanter.

Chinese Snapdragon


Chinese Snapdragon
10 helle (grüne) Weintrauben muddeln
2 oz Leichtaroma-Baijiu (z.B. Didao Yunnan Fenjiu)

1 oz Holunderblütenlikör (z.B. The Bitter Truth Elderflower Liqueur)
¾ oz Zitronensaft
Auf Eis shaken, doppelt abseihen.

[Rezept abgewandelt nach Delicious Drinks]


Die Flasche ist vergleichsweise einfach gestaltet, ohne viel Schnickschnack; der Didao Yunnan erlaubt sich als einzige Extravaganz einen etwas wuchtig wirkenden Schraubverschluss (der allerdings, auch wenn er sehr edel wirkt, tatsächlich nur aus mäßig wertigem, goldfarbenen Leichtplastik besteht).

Ich finde es angemessen, bei so exotischen Produkten auch auf den fremdsprachigen Namen einzugehen. Didao Yunnan Fenjiu, übersetzt „Echter Yunnaner Fenjiu“ (Yunnan ist eine Provinz in Südwestchina), ist dann aber doch nicht so exotisch, wie es sich zunächst anhört – das ist eigentlich recht analog zu den Gepflogenheiten vieler westlicher Hersteller, die ihre Produkte „Echter Nordhäuser Doppelkorn“ oder „Echter Leipziger Allasch“ nennen.

Offenlegung: Ich danke erneut der belgischen Firma Vinopres SA und Spirits Selection für die kostenlose Bereitstellung einer Flasche dieses Baijius. Vinopres SA und Spirits Selection haben mir ganz enorm geholfen, und mich mit einer Reihe von Qualitäts-Baijius versorgt, denn die Beschaffung dieser chinesischen Spirituosen ist in Deutschland sonst sehr schwierig – ohne sie wäre diese Reihe nicht möglich gewesen.

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