Schokolierte Traubenreste – Nardini Grappa Riserva 40

Ich sagte über mich immer, dass ich kein Grappa-Freund bin. Wie üblich entstand diese Selbsteinschätzung aus Unwissen heraus. Den einzigen Grappa, den ich getrunken hatte, war der „aufs Haus“ beim Italiener – entsprechend dem kostenlosen Angebot war wahrscheinlich auch die Qualität. Scharf, brennend, wenig aromatisch, dafür deutlich alkoholisch. Ein Rachenputzer nach langem Essen, ohne Anspruch, zum Runterkippen. Dementsprechend hatte ich mich eigentlich von Grappa ferngehalten. Bis der Vlogger Ralfy, den ich für seine Bodenständigkeit sehr schätze, fast in extatische Verzückung ausbrach, als er Grappa verkostete.

Was Ralfy schmeckt, kann nicht schlecht sein, dachte ich mir, und kaufte mir flugs eine Flasche Nardini Grappa Riserva 40 für rund 20€ im örtlichen Globus-Markt – den im Video angepriesenen Riserva 15 anni, für fast den doppelten Preis für die halbe Menge, stelle ich erstmal zurück, bis ich weiß, ob mir gealterter Grappa dann doch überhaupt schmeckt.

Der Standardgrappa ist ungereift und wird kurz nach der Destillation in die Flasche gefüllt. Wie man schon an der Farbe dieses Produkts erkennen kann, einem hellen Strohgelb, haben wir hier ein gereiftes Destillat vor uns: 3 Jahre im Eichenfass verbrachte dieser Grappa. Fassreifung sorgt bei Spirituosen neben der Farbänderung für eine Milderung der Ecken und Kanten, für eine Neigung zur Süße und erhöhter Komplexität, weil die Holzaromen zur Aromatik dazukommen.

nardinigrappariserva40-flascheIch, der ich wie gesagt nur das italienische Feuerwasser gewohnt war, bin vom Geruch dann erstmal überrascht. Dumpf, Pferdestall, verbrannter Toast sind meine ersten Eindrücke; dann nussig und schokoladig, schwer, erst auf den zweiten Gedanken hin traubig.

Wie schmeckt ein Schnaps mit so ungewöhnlichem Aromabild? Im ersten Eindruck frisch und hell, dabei aber auch weich, später dann ausgesprochen schokoladig, dunkler, voluminöser, am Ende sehr trocken und leicht bitter. Ich kenne keine andere Spirituose, bei der Farbe und Geschmack dermaßen auseinandergehen. Bei verbundenen Augen hätte ich gesagt, das ist eine tiefdunkle, braune Spirituose, vielleicht ein gezuckerter Rum oder ein Nusslikör. 40% Alkohol sind kaum zu schmecken. Ich bin nur unwesentlich weniger begeistert als Ralfy.

Grappa ist nicht besonders bekannt dafür, in Cocktails verwendet zu werden. Der Hersteller bietet daher auf seiner Seite freundlicherweise einige Rezepte zum Ausprobieren an; eins davon hat mir sehr gefallen, und ich empfehle den Cherac daher gern weiter.

cherac-cocktail


Cherac
1 Stück Würfelzucker mit
3 Tropfen The Bitter Truth Lemon Bitters tränken
1 oz Nardini Grappa Riserva 40
½ oz Limettensaft
½ oz Kirschlikör
½ oz Sprudel
Mit 2 Maraschino-, Brandy- oder Rumkirschen dekorieren


Tatsächlich habe ich meine Meinung über Grappa, die ich anfangs geäußert hatte, komplett ins Gegenteil gedreht – vergessen Sie daher alles, was ich je über Grappa gesagt habe, ich behaupte nun das Gegenteil. Diese wunderbare, überraschende und hochinteressante Spirituose verdient es ganz gewiss, dass ich mir noch die eine oder andere Flasche davon ins Haus hole.

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