Wenn es schon billig sein muss, dann wenigstens mit etwas Stil – Agavita Tequila Blanco

Tequila hat schon eine gewisse Leidensgeschichte in Deutschland. Kaum eine Spirituose hat einen so schlechten Ruf, ist als Rachenputzer und Feuerwasser verschrien, wird scheinbar ausschließlich in seltsamen Ritualen auf ex gekippt, ist nur als Partysprit bekannt und viele erinnern sich ausschließlich an den schlimmen Kater „danach“.

Die Hersteller sind selbst nicht zu einem unbeträchtlichen Teil dafür verantwortlich – sie springen auf diesen „Billigfusel für die Massen“-Zug auf, und zerstören damit den Ruf ihres eigenen Produkts. In deutschen Supermärkten und selbst in Fachmärkten war es lange Zeit unmöglich, 100%-Agave-Tequila zu bekommen, nur minderwertige Mixtos, Sie wissen, von welchem Produkt mit Hut ich spreche, gab es. Das hat sich heute gottseidank geändert, und man bekommt heutzutage Reinagaventequilas bereits zu unwesentlich mehr Geld als Mixtos. Doch es fehlt weiterhin an Aufklärungsarbeit.

Ich will Mixtos (also Tequilas, die nicht zu 100% aus teurem Agavenzucker fermentiert, sondern mit bis zu 49% Rohrzuckerbeigaben vergünstigt werden) damit nicht grundsätzlich verdammen. Auch wenn sie geschmacklich nie an einen 100%-de-Agave-Tequila heranreichen, gibt es doch einige wenige, die man wenigstens als Mixer halbwegs gut einsetzen kann. Der Agavita Blanco gehört dazu.

agavitablanco-border

Zwar weist der kristallklare Agavita Blanco eine klar erkennbare mineralische, leicht metallische Note auf; diese ist im Gegensatz zu anderen Mixtos nicht dominant oder penetrant aggressiv. Nach etwas Verweildauer im Verkostungsglas ist sie sogar fast völlig verflogen und macht einer angenehmen, tequilatypischen floralen Duftigkeit mit grasiger Würzigkeit Platz. Im Mund schmeckt man die Agave heraus, dazu einen etwas erdigen Unterton. Im Vergleich zu höherwertigem Tequila ist der Geschmack allerdings etwas dumpf und flach, nur wenig Körper ist vorhanden, der Abgang brennt ein bisschen und ist sehr kurz: Er erreicht eben schnell die Grenzen dessen, was ein Mixto liefern kann.

Das ist ein Mixto, den ich gut in Cocktails einsetzen kann, denn er hat zumindesten einen erkennbaren Touch des „echten“ Tequilacharakters. Gerade für Cocktails, in denen Tequila nur eine untergeordnete Rolle spielt, wie in Erdbeermargaritas oder ähnlichen saftlastigen Rezepten, kann ich ihn guten Gewissens empfehlen. Trotzdem sollten Sie ihn auch mal in eleganteren Mixturen versuchen, wie im herrlichen Siesta-Cocktail.


Siesta
2 oz Tequila Blanco
1/2 oz Campari
1/2 oz Limettensaft
1/2 oz Grapefruitsaft
1/2 oz Zuckersirup


Verwechseln Sie nicht diesen Agavita Blanco mit dem ebenfalls weißen Agavita Platinum vom selben Hersteller, der scheinbar leider nur bei Metro erhältlich ist, und ein weißer 100%-Agave-Tequila ist. Dieser Platinum ist geschmacklich eine Welt besser, und kostet nur unwesentlich mehr. Versuchen Sie mal den Vergleichstest.

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