Gewürzgeschichten – Simon’s Bavarian Single Pot Still Pepper Gin

Simon's Pepper Gin Titel

Ich schreibe die Einleitungen für meine Artikel, wie die, die ihr gerade lest, meist zum Schluss, wenn der Rest des Textes fertig ist. Eben wollte ich den Schlusssatz, dass der Gin, über den ich heute schreiben will, dringend nachproduziert werden sollte, hier aufgreifen, und habe entsprechend nochmal recherchiert, was dafür nötig wäre. Auf der Homepage von Simon’s Feinbrennerei findet sich der Hinweis, dass die Pfeffersorten für den Simon’s Bavarian Single Pot Still Pepper Gin in Zusammenarbeit mit dem Gewürzmüller und -händler Ingo Holland entwickelt wurde. Beim Nachverfolgen stieß ich dann auf die traurige Nachricht, dass Holland bereits 2022 im Alter von nur 64 Jahren verstorben ist. Wir haben hier also einen wirklich besonderen Gin vor uns – eine Erinnerung an das Lebenswerk eines Menschen, auch wenn es nicht beabsichtigt war bei der Herstellung. Hin und wieder wird man so abrupt aus der Blase in die Realität versetzt.

Traurigkeit beiseite, schauen wir uns das Produkt selbst an. Der Gin selbst basiert, wie der Name schon sagt, auf einem Single-Potstill-Destillat aus eigener Machart, etwas anderes erwarte ich von einem qualitäts- und regionalitätsverhafteten Brenner wie Severin Simon auch nicht. Wacholder ist natürlich trotz allem die erste Zutat, die erwähnt wird, und dazu kommen eben die „edelsten Pfeffersorten dieser Welt“, leider nicht genauer spezifiziert, aus den Händen Ingo Hollands. Mehrfach wird destilliert, ich kann mir das lebhaft vorstellen bei Simon, wie er Schritt für Schritt die Aromen herausarbeitet. Nach dem Brennen ruht das Destillat für ein paar Wochen und wird dann mit 51,5% Alkoholgehalt abgefüllt.

Simon’s Pepper Gin

Kristallklar, keine Einschlüsse oder Fehler. Der Gin bewegt sich schwer im Glas, schwappt träge. Er hinterlässt dabei einen durchgängigen Film an der Glaswand, der nur langsam in einzelne Beine zerfällt, die dann sehr gemütlich mit dickem Kopf ablaufen.

Die Nase ist zunächst sehr wacholderlastig, leichte Zitrusnoten und schön parfümige Blütennoten komplementieren das. Ein schöner, typischer, wenn vielleicht auch nicht komplett klassischer Gin, denkt man. Nach etwas Schnuppern nimmt man dann die Komponente wahr, die diesen Gin vom Klassiker abhebt und spannend macht – ist es vielleicht der Pfeffer? Es erinnert mich jedenfalls schon an Piment und Kubeben-Pfeffer.

Simon's Pepper Gin Glas

Beim Antrunk im Mundgefühl extrem schwer, voll und weich, süß und aromatisch. Das fängt schonmal richtig gut an. Man erkennt direkt eine starke Gewürznote, Pfeffer, aber auch Weihnachtsgewürze, Kardamom, Sternanis – selbst, wenn diese nicht als Botanicals in dem Gin sind. Die unterschiedlichen, eingesetzten Pfeffersorten bringen eine Breite an Aromen, die diesen Gin zu einem wunderbaren Purgetränk machen. Die leichte Schärfe ist keinesfalls auf die nur Wucht, nicht Hitze gebenden 51,5% Alkoholgehalt, ein toller Wert, zurückzuführen. Der Abgang ist lang, würzig-scharf, mit einer sehr angenehmen und wirklich ausgeprägten umami-Komponente. Der Nachhall wird sehr floral mit Jasmin und Lavendel und klingt mit einem schönen warmen Hauch aus.


Ein sehr beeindruckendes Produkt, das den für mich seltenen Fall eines Gins zeigt, den man auch ohne sonstwas wirklich genießen kann. Das bedeutet für mich nun aber, dass ich ihn erst recht, gerade deswegen, in Cocktails einsetzen will. Nicht in etwas, das Gin nur als trockenen Alkoholgeber nutzt, das wäre Verschwendung, sondern in einer Komposition wie der Fresh White Lady. Da kommen dann die Pfeffernoten des Pepper Gin ganz besonders schön zum Tragen.

Fresh White Lady Cocktail

Fresh White Lady
1oz / 30ml Dry Gin
¾oz / 23ml Mastiha
¾oz / 23ml Triple Sec
¾oz / 23ml Zitronensaft
1 Spritzer Pfefferminzlikör
½ Eiweiß
Auf Eis shaken.

[Rezept adaptiert nach Simon Difford]


Die Flaschen sind bei fast allen Produkten aus dem Hause Simon gleich, und überzeugen auch mit einem praktischen Drehverschluss, den ich persönlich immer lieber mag als einen Korken. Die Etiketten warten stets mit einer besonderen Illustration auf, hier hat man eine faszinierende Mischung aus Waldschrat und Hipsteropa gefunden.

Ich muss sagen, der Besuch im Kahlgrund ist schon viel zu lange her. Immer wieder treffe ich Susanne Simon, die als professionelle Jurorin ebenso bei diversen Spirituosenwettbewerben und -events anzutreffen ist, als äußerst charmante Botschafterin der Brände von Simon’s Feinbrennerei, aber vielleicht setze ich mich einfach irgendwann doch noch mal ins Auto und schaue im äußersten Zipfel Bayerns vorbei. Und nehme nochmal ne Flasche Pepper Gin mit von dort, wenn Severin noch eine rumliegen hat, denn mein hier beschriebener ist natürlich schon sehr lange leer, und er scheint auch sonst in der Breite ausverkauft – und vielleicht ist die Nachproduktion, die ich hier eigentlich vorschlagen wollte (siehe Einleitung), dann nicht wirklich geschmackvoll.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.