Weizenbier, das verbinde ich wie wahrscheinlich viele andere Bierfreunde einfach mit Sommer und Bayern. Aber es gibt auch andere Regionen, die so ein erfrischendes, süffiges Weizenbier zu schätzen wissen und es auch herstellen, zum Beispiel der Ort Ribeauville im Département Haut-Rhin im Elsass, wo die Brasserie du Vignoble (verballhornt abgekürzt Bra’V) steht. Dort machen sie das Hakama Stan Weizen, mit 5% Alkoholgehalt, ungefiltert, nicht pasteurisiert. Es hat Vorschusslorbeeren: die Silbermedaille bei der France Beer Challenge 2020 & 2021. Mal schauen, ob meine Jurorkollegen die Medaille zurecht vergeben haben!
Zwischen Orange und Kupfer bewegt sich das Bier, volltrüb dank dem Hefesatz, den ich eigentlich grundsätzlich gern eingieße. Ein paar Stränge Blubber steigen vom Boden auf, ausdauernd, aber nicht genug, um den nur kurz verfügbaren Schaum am Leben zu erhalten.
Deutlich hopfengetrieben ist der Geruch des Hakama Stan, eine interessante und angenehme Mischung aus Banane und Grapefruit, mit etwas Getreide dazwischen. Frisch und in der Vorahnung säuerlich, meine ich, mit Anklang von mildem Apfelessig und etwas Naturjoghurt.
Der Antrunk ist dann auch passend dazu wirklich von der Säure getrieben, sie wirkt sehr effektiv und dominant, ohne dabei aber kratzig zu werden. Die feine Textur fängt viel auf, ohne die Frische zu beeinträchtigen, ein strukturell eher schmales Bier, was aber gut zur Aromatik passt; Karbonisierung gibt etwas kribbeliges Mundgefühl. Sensorisch erinnert es mich sehr an ein klassisches Blanche, in manchen Momenten sogar an ein Wit, und man meint eine gewisse Kräuterigkeit und Zestigkeit zu spüren, ohne dass diese Zutaten drin wären. Der Abgang ist kurz, knackig, herb und sehr floral mit leichtem Jasmintouch.
Wirklich schön trinkig, unterhaltsam, erfrischend, da habe ich überhaupt nichts zu meckern und stattdessen viel zu loben. Französische Biere sind für mich immer noch entweder top oder flop, die beiden Extreme beherrschen die Mittelstufen. Das Hakama Stan gehört zur guten Riege!
