Strandfeuer gehören, so wurde uns erzählt, zum Lebensstil in Campbell River auf Vancouver Island. Tatsächlich kann man, wenn man am Strand der Stadt entlang läuft, immer wieder Reste von Lagerfeuern sehen, teilweise werden da einfach große Stämme in der Mitte angezündet, so kann man natürlich auch Feuer machen. Diese Freizeitbeschäftigung gab der Brauerei Beach Fire Brewing ihren Namen, und ihre Biere sind alle mit viel Regionalität und Lokalkolorit ausgestattet. Am deutlichsten zeigt sich das beim Baikie Island Spruce Ale, von dem ich mir eine Dose nach Deutschland mitgebracht habe. Erstmal die nackten Zahlen: 5,2% Alkoholgehalt, 25 IBU; Pale-, Vienna– und Weizenmalz, die Hopfensorte Warrior und der Hefestamm WHC LAX werden verwendet, und nun die Besonderheit: in Zusammenarbeit mit dem Greenways Land Trust werden auf Baikie Island, die im Flussdelta des Campbell River liegt, Fichtenspitzen von Hand gesammelt, und diese im Brauprozess des Spruce Ales mitbenutzt. Die Insel wurde jahrzehntelang industriell genutzt und soll nun in den Naturzustand zurückversetzt werden; mit jeder gekauften Dose unterstützt man dieses Vorhaben. Fichtensprossen im Bier? Das klingt doch spannend.
Die Farbe ist Safrangelb, besonders kräftig durch die Volltrübe. Leichter, sehr feinblasiger Schaum bildet sich beim Eingießen, er bleibt als Flaum auf dem Bier.
Die Nase ist erstmal etwas metallisch, man riecht spät etwas Ananas durch, dazu einen ersten Anflug einer mildzitronigen Harzigkeit, die wohl den Fichtennadeltrieben entstammt. Ansonsten ist noch etwas Honig da, aber in sehr unterdrückter Form, das Bier hält sich duftlich gesehen sehr zurück.
Im Mund wirkt das Baikie Island Spruce Ale sehr viel würziger, als man das so vermutet hätte, vom Antrunk an ist da eine salzig-malzige Seite, die bis zum Schluss bei uns bleibt. Die Textur ist toll cremig und voll, das füllt den Mundraum aus und macht das Bier leicht kauig; die Rezenz ist dadurch kein bisschen eingeschränkt, auch ohne groß auffällige Karbonisierung, die säurebetonte Struktur kümmert sich allein darum. Die Fichtennadeln kommen im Verlauf zum tragen, harzig und frisch, ohne sich aromatisch extrem vorzudrängeln; sie sind subtil eingesetzt. Der Abgang ist lang, weiterhin würzig, frisch und leicht mentholisch, nun kommen die Triebe deutlicher hervor, besonders im Nachhall, weiterhin aber elegant und subtil.
Ein wirklich hübsches Bier, handwerklich hervorragend gemacht, mit diesem klugen Einsatz der Fichtennadeltriebe, die das Bier ganz harmonisch ergänzen. Mir hat es in Campell River bei der Brauerei selbst vom Fass natürlich noch etwas besser geschmeckt, doch der Urlaubseffekt macht sowas ja immer noch besonderer.









Wie man sieht, kann man dort ein Brett mit mehreren Sorten erwerben, in kleinen Mengen, zum Probieren; ich habe einfach zwei davon bestellt und damit alle Sorten, die die Brauerei aktuell am Hahn hatte, verkostet. Dazu kommen noch ein paar Eindrücke von Campbell River selbst, eine nette, mittelgroße Hafenstadt, ideal als Zentrum für Ausflüge auf Vancouver Island. Es lohnt sich, hinzufahren!

Ein Kommentar zu “Bier am Freitag – Beach Fire Brewing Baikie Island Spruce Ale”