Armagnac am Freitag – Grape of the Art Rounagle 1986

Rounagle 1986 Titel

Zu dem heute hier vorgestellten Grape of the Art Rounagle 1986 habe ich eine direktere Beziehung als zu vielen anderen Armagnacs, die ich bisher hier vorgestellt hatte, denn ich kenne den Inhaber des Maisons, Hugues Amesland, persönlich von einigen sehr unterhaltsamen und auch, nun, sagen, wir, feuchtfröhlichen Erlebnissen, die wir zusammen in Chile, Bulgarien und China hatten, während wir beide Juroren bei Spirits Selection by CMB 2017, 2018 und 2019 waren. Und zum 1. German Armagnac Festival habe ich ihn wiedergetroffen, ich hatte berichtet. Um so erfreuter bin ich, hier diesen Armagnac vorstellen zu können, und ich stoße in Gedanken mit Hugues darauf an!

Ugni Blanc als Rebsorte, aus der Region Armagnac Ténarèze stammend, 1986 geerntet und dann gebrannt, nach 36 Jahren Reifung im November 2023 in Cask Strength mit 51,3% abgefüllt, das sind kurz gefasst die Rahmendaten. Nun aber zu den Eindrücken, die ich beim Trinken gesammelt habe.


Hennarot glänzt der Armagnac, kristallklar natürlich, und weist eine schwere Öligkeit auf – bringt man ihn zum Schwappen, legt er sich zügig wieder in Ruheposition, das ist ein sehr gemütlicher Gentleman, offensichtlich.

Viel Obst hat er dann für die Nase bereit, reife Birne, roter Apfel, ein paar Kirschen und vielleicht sogar etwas grüne Banane. Ganz vorsichtig scheinen Holztöne durch, feuchtes Eichenholz zusammen mit der dafür typischen Vanille und etwas Karotte. Eine Idee von Estragon kommt dazu, frischt den Eindruck auf und addiert auch eine gewisse Kräuterigkeit. Zu guter letzt ist nur minimalst, aber erkennbar, Lack da, etwas, was mich ja eher selten stört. Insgesamt fühlt sich der Rounagle sehr rund an, weich, und wirklich ausgesprochen angenehm zu riechen.

Rounagle 1986

Am Gaumen erwartet einen diesbezüglich keine dramatische Änderung, initial ist die Textur sehr weich und voll, legt sich breit und tief an die Schleimhäute, bringt eine äußerst angenehme Süßestruktur mit, die etwas an weißen Kandiszucker erinnert und leichte Würze beinhaltet. Honig, reifes Obst, vor allem Birne und Apfel, die Eindrücke der Nase werden wunderbar fortgeführt, bis der Rounagle plötzlich eine ganz andere Seite zeigt – da explodiert er dann in eiskaltem Feuer, mentholische Frische kommt aus dem Nichts, Chili und weißer Pfeffer lassen Zunge und Gaumen kurz aufglühen. Dann vergeht das wieder, als wäre es nicht dagewesen, präsentiert wieder die Aromen und Eindrücke wie zum Antrunk, und klingt mit ganz milden Holztönen aus, vielleicht etwas milde Blumigkeit, die noch nachhallt. Ganz am Ende, das wird aber wirklich erst nach einer Minute klar, zeigt sich die Zunge betäubt.

Ein echtes Erlebnis, das muss ich sagen. Das Basisbild ist ein extrem trinkiger, süffiger Armagnac, voll und dicht, mit superschönen Aromen; diese kurze Gewalt, die zwischendurch aufblitzt, macht ihn spannend und überraschend. Der gute Hugues weiß offensichtlich, was guten Armagnac ausmacht.

Offenlegung: Ich danke Grape of the Art für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieses Samples.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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