Farbenspiel – Rozès Porto 10 Years Old Colors Collection Gold

„Je brauner desto besser, oder?“ – Eine Frage, die mir häufig gestellt wird. Letztlich gilt das nie, auch die abgewandelte Form, „je brauner desto älter, oder?“, trifft in den seltensten Fällen zu. Farbe ist bei Spirituosen ein Thema, das erstaunlicherweise selbst Profis nur wenig bewegt, obwohl wir als optische Wesen dazu neigen, etwas auf den ersten Blick schnell zu beurteilen und in Kategorien einzuordnen – und für Laien ist dieser erste Blick eben sehr oft der Färbung des Flascheninhalts gewidmet.

Das gilt für Whisky, Rum, Tequila und viele andere Spirituosen, die destilliert werden, und damit zunächst immer klar sind, und nur durch Reifung (oder eben künstliche Färbung) einen Farbton annehmen. Bei anderen Produkten, die nicht destilliert werden, sondern auf Basis von zum Beispiel Wein entstehen, ist die Farbe aber nicht weniger spannend – Portwein beispielsweise gibt es in unterschiedlichen Färbungen, die der Tawny-gewohnte Laie wahrscheinlich noch nie zu Gesicht bekommen hat. Um so interessanter ist daher, wenn ein Hersteller eine Auflage von Ports herausbringt, die diese Varianz besonders deutlich macht.

Die „Colors Collection“ des Herstellers Rozès besteht aus drei Primärfarben, die die Bandbreite von Portwein aufzeigen – Rot, Weiß und Gold. In diesem Artikel beschäftige ich mit einer Farbe, die mir persönlich noch am unbekanntesten war: also dem Rozès Porto 10 Years Old Colors Collection Gold.

Rozès Porto Gold Flasche

Das „Gold“ im Namen und im Flaschendesign spiegelt sich im Glas wieder. Weder ist dieser Port so hell wie ein weißer, noch so dunkel wie ein Tawny Port – tatsächlich würde ich sagen, dass er farblich genau in der Mitte liegt. Beim Schwenken wirkt er ölig, bildet einen schnell ablaufenden Schleier an der Glasinnenseite.

Die Nase ist von Anfang an stark nussig, erinnert schon mehr an Sherry als an Port, leicht rotweinig, Kirsche, etwas rauchig. Süßlich, fruchtig. Vanille. Voll und dicht, sehr vielschichtig und unterhaltsam. Eine gewisse Ethanolnote ist unterschwellig da, aber nur ein Hauch – 20% Alkoholgehalt sind für einen Port zwar normal, hier riecht man sie aber etwas; dies verfliegt mit Offenstehzeit.

Geschmacklich ist der Rozès Gold süß und weich im Antrunk, ohne aber dabei klebrig oder anbiedernd zu sein, im Verlauf baut sich eine feine, dezente Säure dazu als Gegenspieler auf. Getrocknete Pflaumen, Datteln und eine gewisse nussige Holzigkeit ergänzen sich zu einem ausgesprochen schönen Geschmacksensemble, das durch Orangenschale aufgefrischt und durch Nelkenaromen vertieft wird.

Rozès Porto 10 Years Old Colors Collection Gold Glas

Der Abgang ist extrem nussig, vom Eindruck her sehr trocken und adstringierend, mild aber effektiv bitter, ohne die Süße dabei komplett aufzugeben, im Gegenteil – hier kommt eine schwere, nun doch schon etwas klebrige Komponente zu Vorschein. Der Rozès Gold belegt damit Zunge und Gaumen für eine ganze Weile, die Säure kitzelt etwas im Nachhall. Lang und aromatisch.

Sehr komplex und differenziert in den unterschiedlichen Phasen des Genusses. Wirklich spannend und interessant, gleichzeitig sehr trinkbar und freundlich. Ein Spitzenporto für Freunde der schweren, aber natürlichen Süße.

Port ist eine leichter verderbliche Zutat in Cocktails, was oft dazu führt, dass sie unter den Tisch fällt. Allzuviele Rezepte mit Porto sind daher nicht im Umlauf. Einen Klassiker mag ich gern – den The A.B.C. Cocktail. Manchmal muss man aufpassen bei Zutaten, besonders, wenn in englischsprachigen klassischen Rezepten so etwas wie „Cherry Brandy“ angegeben ist. Das kann, je nach Kontext, ein süßer Kirschlikör wie Cherry Heering sein, oder ein trockener Kirschlikör wie Maraschino, oder sogar ein Kirschwasser. In diesem Fall hatte ich mich für die erste Variante entschieden, um dem ganzen etwas süßen Bumms zu geben – der Standard ist aber wohl Maraschino.

The A.B.C. Cocktail


The A.B.C. Cocktail
1 oz Portwein
1 oz Brandy de Jerez
¼ oz Kirschlikör (z.B. Cherry Heering)
⅛ oz Zuckersirup
7 Blätter Minze
Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]


Ungewohnt ist auch die Verpackung der Flasche. Man ist ja gewohnt, dass Whisky oft in den typischen Pappdosen mit Blechverschluss daherkommt, Rum hin und wieder in Kartons – hier hat man sich für einen transparenten Plastikkasten entschieden, der die Flasche zeigt und mit Produktdetails bedruckt ist. Ganz ehrlich, schön ist was anderes, vor allem, weil der Plastikkarton sehr instabil und wabbelig ist, und durch die Bedruckung darüber hinaus  fürs Auge sehr unruhig und zappelig wirkt.Rozès Porto Gold Karton

Nun, das Plastik war schnell entsorgt, die Flasche selbst wirkt dafür edel und passend, und sie hat einen der vorderen Plätze in meiner Heimbar ergattern können; einen Porto wie den Rozès Porto 10 Years Old Colors Collection Gold trinke ich gerne, der muss griffbereit stehen.

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