The Good, the Bad and the Ugly – Urlaub auf Kreta

Mein wenige Tage zurückliegender Kreta-Urlaub hat mich aus der ein bisschen eingefahrenen Cocktail-Routine gerissen. Dennoch konnte ich natürlich nicht ablassen, mich auch im Urlaub ein bisschen nach den lokalen Gegebenheiten auf Kreta für Freunde hochprozentigen Genusses umzuschauen.

The Ugly

Das hässlichste Erlebnis war mehr persönlich – ich musste leider entdecken, dass ich selbst zu einem der dicken, schwammpansigen halbalten Männer geworden bin, die kaum mehr in die Badebuxe passen und sonnenbrandrot-bleichweiß-gestreift nur mit Hut bekleidet durch die Hotellobby laufen. Was solls – ich bin zu sehr hedonistisch veranlagt, die kalorienreichen alkoholischen Genüsse abzustellen, nur um für ein paar Touristen und Hotelangestellte einen hübscheren Anblick zu bieten. Ein bisschen kneifts mich aber schon.

The Bad

Die Lage für uns Qualitäts-Sprittis ist in „all-inclusive“-Hotels auf Kreta aber dann doch so schlimm, dass ich diese Gewissensbisse direkt wieder beiseite wischen konnte. Praktisch keine Markenware wird verwendet, alles ersetzt durch billige Ersatzprodukte minderer Qualität – man muss sich also mit Campari-Substitut, Wermut-Aroma, weißem Fuselrum und, das schlimmste von allem, mit Limetten- und Zitronensaftersatz zufriedengeben. Gerade letzteres führt dazu, dass alle Cocktails, selbst ein Gin Fizz, klebrig süß werden, ein Tequila Sunrise zum untrinkbaren Wettbewerb zwischen stark gezuckertem Orangensaftimitat, Zuckergrenadine und Supermarkttequila entartet. Die Piña Colada besteht aus einem seltsamen dünnen Sahneimitat ohne Konsistenz, und so weiter. Mein persönliches Highlight war der Manhattan, hergestellt aus Vat69-Scotch und weißem, italienischem Noname-Wermut.

manhattan-in-kretaLetztlich ist die Situation aber erklärbar. Erstens, die meisten Leute scheint es nicht zu stören. Die kriegen ihren Stoff umsonst, haben von Anfang an kaum eine Vorstellung davon, wie diese klassischen Cocktails zu schmecken haben, und sind nach dem dritten Mojito (hergestellt mit der seltsam gelbgefärbten Mojitomischung von Pampero aus der Flasche) eh weg vom Fenster. Am nächsten Tag lässt der Kater grüßen, nach all dem Billigfusel kein Wunder.

Den zweiten Grund entdeckt man, wenn man sich die Spirituosenpreise in einem kretischen Supermarkt, in dem auch „normale Kreter“ einkaufen, ansieht: Das 1,5- bis 2-fache der deutschen Preise. Bei gefühlten 1500 Drinks an einem Abend in einem größeren Hotel ist es nicht mehr wirtschaftlich mit dem „all-inclusive“-Konzept vereinbar, würde man hier auf teure Markenware zurückgreifen müssen.

The Good

Im Urlaub vergibt man so manches, und ich gebe zu, dass ich mich nicht wirklich aktiv nach echten Cocktailbars  umgesehen habe – mir fiel aber auch auf meinen Perambulationen durch die Gegend keine ins Auge. Ich habe mich dann im Hotel mit dem weißen, scotchbasierten Manhattan angefreundet, und einen leckeren Longdrink in einer kleinen Taverne entdeckt, der aus (echtem!) Orangensaft und Metaxa hergestellt wird (mehr dazu in einem zukünftigen Beitrag). Der lokale Raki ist ähnlich dem Grappa, aber milder und mehr nach meinem Geschmack – insbesondere, wenn er mit Honig und/oder Kräutern wie Thymian versetzt wurde. Und wenn alle Stricke reißen, hat Griechenland doch ein paar sehr süffige, erfrischende und sehr gut trinkbare Biere im Angebot, in eisgefrosteten Gläsern serviert. Gerade Mythos hat es mir angetan.

mythos-bier-in-kretaUnd wenn man dann nach einem harten Tag voller Nichtstun in der Taverne der Wahl das Meer betrachtet, die Brandung und das allgegenwärtige Brüllen der Zikaden belauscht, ein paar Oliven, kretischen Zwieback mit Olivenöl und Tomatensalat vor sich stehen hat, ist so ein kühles Bier vielleicht eh das Beste, was einem passieren kann.

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