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Willet Pot Still Reserve Titel

Hass im Internet – Willet Pot Still Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Manche Spirituosen liebt man über alles, manche kann man nicht ausstehen. Das ganze hält sich meist die Waage, für alles findet man Liebhaber und Hater gleichermaßen, das bringt die Subjektivität des persönlichen Geschmacks einfach mit sich. Hin und wieder findet sich aber ein Produkt, das ungewöhnlich viele Freunde hat, und auch eins, das im Allgemeinen gern niedergemacht wird. „Pferdepisse“ ist dabei oft noch ein freundlicher Vergleich, den man findet, wenn man gewisse Communities nach Meinungen über den Willet Pot Still Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey durchsucht.

Nun will ich hier eine Lanze für diesen Bourbon brechen. Er verdient es in keinster Weise, so runtergeputzt zu werden, ganz im Gegenteil – ich nehme hier mein Fazit vorweg und konstatiere, dass dies für mich ein ganz hervorragender Whiskey ist, einer meiner Favoriten sogar. Mir ist unerklärlich, warum er so viel missgünstige Kommentare auf sich zieht. Dabei ist dieser Bourbon unabhängig vom Geschmack schon sehr spannend – er ist einer der Exoten der amerikanischen Whiskeys, denn er wird nicht wie fast alle Bourbons durch eine Column Still produziert, sondern in einer Pot Still (eventuell, so ist zu lesen, stammt aber ein Teil dieses Bourbons dennoch aus einer Säulendestillation). Und, so bilde ich mir das zumindest ein: das schmeckt man.

Willet Pot Still Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey Flasche

Bourbontypisch ist zunächst allerdings die Farbe – um die 8 bis 10 Jahre in einem frischen Eichenfass machen sich natürlich bemerkbar (Färbung ist bei Straight Bourbons verboten). Sowohl in der Flasche als auch im Glas gefällt dieses dunkle Kupfer dem Auge.

Auch die Nase wird erfreut – hat man sich über den initialen Lösungsmittelduft hinweggearbeitet, den man von vielen amerikanischen Whiskeys kennt, kommt ein kräftig-würzig-aromatischer Geruch zum Vorschein. Waldhonig, Vanille, Karamell, Milchschokolade; Freunde des Süßen kommen voll auf ihre Kosten.

Und im Geschmack bestätigt sich dieser Eindruck schnell. Sehr viel Eichenwürze, dunkler Kandiszucker, Vanille; darüber noch reife Banane, Bitterschokolade, ein Anflug von Süßholz; im Verlauf eine leicht medizinische Komponente, wie manche Scotches sie aufweist. Vom Mundgefühl her voluminös und dicht. Im Verlauf kommt eine rotpfeffrige, sehr attraktive Schärfe dazu.

Der Abgang ist warm und wohlig, kribbelnd, aber ohne Brennen, 47% Alkohol sind grandios eingebunden. Adstringierend, dennoch lang und süß. Ein Traum gleichzeitig an Komplexität und Wohlwollen, etwas, was man in dieser kombinierten Form kaum anderswo findet. Ein absolut spektakulärer Whiskey, von dem man (nun, zumindest ich) gar nicht genug bekommen kann.

Ich habe den Großteil des Flascheninhalts pur getrunken, etwas, was mir bei nur wenigen Spirituosen passiert. Sehr oft landet mehr als die Hälfte einer Flasche in Cocktails. Nun, für den Willet Pot Still Reserve gehe ich für die Cocktailempfehlung einen halben Weg – wer den Old Fashioned noch nicht kennt, hat eh dringend Nachholbedarf; es ist der ideale Einsteigercocktail für die, die sonst die Monstranz des Purtrinkers hochhalten und Mischgetränke bisher mit abfälligem Grinsen betrachtet haben. Sie werden konvertiert werden, da bin ich mir sehr sicher.

Old Fashioned


Old Fashioned
1 Würfel Zucker tränken mit…
3 Spritzer The Bitter Truth Drops&Dashes Wood
Aufgießen mit 2 oz Bourbon
Leicht umrühren, und mit einem großen Eiswürfel servieren.
[Rezept nach unbekannt]


Ich hatte erwähnt, dass es mir nicht erklärlich ist, warum er so viel Missgunst auf sich zieht. Nun, einen Grund könnte ich mir vorstellen – die Flasche ist schon sehr extrovertiert gestaltet, einer klassischen Brennblase nachempfunden, mit viel Kinkerlitzchen. Derartiges stößt dem einen oder anderen vielleicht sauer auf, und er lässt sich von diesem Gefühl dazu verleiten, den Inhalt als prätentiös und rein auf Effekt ausgerichtet vorzuverurteilen. Wie wir alle wissen, der Kopf trinkt mit, und entsprechend vermiest einem ein vorgebildetes Urteil schon hin und wieder den Geschmack.

Willet Pot Still Reserve Detail

Eventuell ist es aber einfach das Volumen an Aromen und zusätzlichen Estern, das durch die Pot Still ins Destillat gelangt, das den auf klassischen Bourbon ausgerichteten Gaumen abschreckt. Nun, sollte es das sein, sollten sich die Hater an die Nase fassen und überlegen, ob sie nicht selbst das Problem sind. Für mich persönlich ist der Willet Pot Still Reserve jedenfalls die Messlatte, an dem sich alle Bourbons, die in meinen persönlichen Whiskeyolymp aufsteigen wollen, messen lassen müssen.

Evan Williams Bottled-in-Bond Titel

Evan Williams Bottled-in-Bond 100 Proof Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Heutzutage sind „small batch“-Produktionen bei Whiskeys sehr beliebt. Die Kundschaft hat gemerkt, dass „klein aber fein“ und gehobene Qualitätsstandards sich auch im Genuss sehr deutlich spürbar machen. Daher sind heute gesetzlich geregelte Kennzeichnungen wie „bottled-in-bond“, die eben ein gewisses Qualitätsversprechen geben sollten in Zeiten, wo Masse und Umsatz bei den Herstellern sehr viel wichtiger war als Qualität, etwas obsolet geworden – wer sich nur ansatzweise mit Whiskey auskennt, sucht sich eh schon die Premium-Small-Batches, und wer nicht, dem ist auch das „bottled-in-bond“ egal. Für den Evan Williams Bottled-in-Bond 100 Proof Kentucky Straight Bourbon Whiskey aus der Heaven-Hill-Destille ist die Kennzeichnung aber immer noch relevant, weil Evan Williams eine der Massenmarken des Herstellers ist, und diese spezielle Variante sich dennoch vom „bottom-shelf“-Evan Williams (dem mit dem schwarzen Etikett) abgrenzen soll.

„Obsolet“ ist allerdings vielleicht ein zu hartes Wort für die bottled-in-bond-Regularien. Tatsächlich sehen wir bei anderen Spirituosen, dass ihnen ein ähnliches, nochmals über das eh schon vorhandene Set an gesetzlichen Festlegungen hinausgehende, Qualitätsversprechen etwas fehlt. Tequila ist stark reguliert, kann aber allerlei Zusatzstoffe aufweisen und mit fragwürdigen Techniken wie einem Diffusor hergestellt werden; Rum hat zwar viele lokale Gesetzgebungen, aber deren Unterschiedlichkeit sorgt für Verwirrung, und an deren Durchsetzung hapert es darüber hinaus gewaltig. Ein bottled-in-bond-Versprechen wäre dort eine echte Wohltat für uns Spirituosenfreunde; also seien wir dankbar, dass Bourbon uns so eine Möglichkeit bietet.

Die Frage, die man sich stellen kann, aber nicht unbedingt muss, denn Qualität in der Produktion ist ein Wert an sich: äußert sich diese Produktionsmethode mit strenger Aufsicht dann auch im Geschmack? Prüfen wir es.

Evan Williams Bottled-in-Bond Flasche

Farblich finden wir ein tiefes, kräftiges, holziges Braun vor, vielleicht sogar einen Tick dunkler, als man es von anderen Bourbons gewohnt ist. Der Evan Williams Bottled-in-Bond liegt schwer und ölig im Glas, Schwenkbeine laufen langsam und in dicken Tropfen ab. Die Nase ist fruchtig, hauptsächlich in Richtung Banane. Sehr starke Eichentöne übertönen aber alles, und eine nicht zu unterschätzende alkoholische Note schwimmt immer mit. Insgesamt wirkt der Geruch etwas flach und dünn, ohne viel Körper oder Aromen, das wirkt nicht besonders begeisternd.

Im Mund ändert sich das etwas – im Gesamtbild wirkt dieser Whiskey immer noch recht leicht und dünn, dann, nach dem ersten Antrunk aber doch überraschend mild, weich, samtig – die süße Komponente überwiegt. Schnell dann aber schießen die 50 Volumenprozent und Gewürzaromen nach Nelke, Muskatnuss und Vanille aus allen Rohren und kitzeln die Zunge, bevor ein sehr warmer, karottiger und dringender Abgang, der von der Länge her vielleicht etwas zu kurz daherkommt, die Verkostung mit einer hauchigen Ethanolnote abschließt. Adstringierende, betäubende Effekte bleiben noch lange am Gaumen, aber nur wenige Aromen.

Evan Williams Bottled-in-Bond 100 Proof Kentucky Straight Bourbon Whiskey Glas

Das Gesamtbild ist schon ansprechend, aber, ehrlich gesagt, nichts, was mich vom Hocker hauen würde, obwohl ich einen „soft spot“ für die Heaven-Hill-Produkte habe. Ein für meinen Geschmack leicht unrunder und wankelmütiger, aber trotzdem durchaus trinkbarer Bourbon mit sehr gutem Preisleistungsverhältnis, besonders empfehlenswert für Freunde des stärkeren, würzigeren, nicht übermäßig weichgespülten Whiskey, oder für die, die einen Bourbon suchen, der auch in Cocktails seinen Mann stehen kann. Durch den hohen Proof wird er bei mir als Cocktailzutat Verwendung finden, zum Beispiel in einem Five-Spice Bourbon Punch.

Five-Spice Bourbon Punch


Five-Spice Bourbon Punch
1½ oz Bourbon
½ oz Zitronensaft
¾ oz Five-Spice-Sirup (selbst leicht aufzukochen aus 1 Tasse Zucker, 1 Tasse Wasser, Sternanis, Szechuan-Pfeffer, Nelken, Fenchelsamen und Zimtstange)
Auf Eis shaken, dann aufgießen mit 2 oz Sprudel
[Rezept nach Elana Lepkowski]


Die eckige Flasche mit dem langen Hals reißt mich nicht mit, das Etikett ist ähnlich zurückhaltend designt. Manchmal sind es halt dann doch die inneren Werte, die zählen, und das froschige Äußere sollte Sie daher nicht davon abhalten, den Adligen darin zu entdecken; auch wenn es kein feinsinniger Prinz, sondern vielleicht eher „nur“ ein forscher Graf oder Baron ist. Manchmal will man aber auch so was.

Bunnahabhain 12 Islay Single Malt Scotch Whisky Titel

Volkskrankheit Zungenbruch – Bunnahabhain 12 Islay Single Malt Scotch Whisky

Schottische Whiskys haben ein Problem in Deutschland. Nein, es ist nicht die Qualität, nein, es ist nicht der Preis. Die größte Schwierigkeit, die wir im Allgemeinen mit den modernen Nachfolgern des alten uisghe beatha haben, ist, wie man die Namen ausspricht. Manchmal könnte man denken, die Hersteller haben eine Heidenfreude daran, den Konsumenten mit immer seltsameren, unaussprechlicheren gälischen Namen zu quälen. Wir Deutschen kommen im Gegensatz zu vielen Franko- und Anglophonen mit den „ch“s in Auchentoshan und Glenfiddich noch zurecht, mit dem „ch“ in Glen Garioch dann aber auch schon nicht mehr (letzterer ist sprachlich eh der ultimative Prüfstein für jeden selbsternannten Kenner schottischen Whiskys).

Die Brenner, die Bunnahabhain 12 Islay Single Malt Scotch Whisky herstellen, haben dies erkannt, wollen uns einen Zungenbruch und sich selbst potenzielle Sprachvergewaltigung ersparen und geben darum Hinweise zur Phonetik ihres Produkts – man spricht den Namen „Bunn-a-ha-venn“ aus, so ist es auf dem Rücketikett freundlicherweise aufgedruckt. Nun ist die linguistische Seite also klar, dann hindert uns erstmal nichts mehr daran, uns dem sensorischen Spektakel hinzugeben und die Zunge zum Verkosten zu nutzen statt zum Verbiegen von diversen palatalen und labiodentalen Frikativen.

Bunnahabhain 12 Islay Single Malt Scotch Whisky Flasche

Lobenswert finde ich schonmal die schwarze Flasche – so kommt kein Kunde auf die Idee, den Inhalt von außen rein optisch zu beurteilen. Bei Scotch ist Färbung mit E150a weitverbreiteter Usus, eben wegen diesem Vergleich, den viele Kunden anstellen – hier haben wir aber den Fall eines ungefärbten Whiskys vor uns; „natural colour, un-chillfiltered“ steht auf der Flasche. Die natürliche Farbe liegt irgendwo in der Mitte zwischen Kupfer und Safran. Eine minimale Öligkeit ist erkennbar.

Bunnahahbain ist ein Sonderling auf Islay, das merkt man spätestens, wenn man die Nase ins Glas hält. Die nahen Nachbarn auf der Insel versuchen sich gegenseitig zu übertreffen, was Torfigkeit angeht – hier bekommt man den interessanten Fall eines Islay-Whiskys, der nicht torfig ist. Stattdessen schmeichelt eine wuchtige Süße der Nase, Karamell, Butter, Mandarinen. Ein dezentes Kräuterbeet, Thymian und Fenchel, unterlegt die Aromatik. Riecht man sehr tief, kommt einem eine gewisse Lösungsmittelkomponente entgegen.

Bunnahabhain 12 Islay Single Malt Scotch Whisky Glas

Im Mund ist im ersten Antrunk eine fruchtige Note, aber mild. Mandarine, Erdbeere. Insgesamt sorgt die ununterbrochen vorhandene, schwere, nicht aufdringliche Süße für ein sehr breites Geschmacksbild, mit extrem viel Körper und Dichte. Eine milde medizinische Note und erkennbare Salzigkeit kümmern sich um den Inselcharakter mit Eindrücken von Meer und Strand. Im Verlauf entsteht zur Süßebasis ein Kontrapunkt – eine durchaus feurige Würze, die ich nichtmal den 46,3% Volumenprozent zuschreiben will, weil sie nicht oberflächlich brennt, sondern tief und vielschichtig daherkommt. Man hat wirklich ordentlich was im Mund bei diesem Whisky, vom fruchtigen Hochton bis zum süßen Bass ist alles da.

Der Abgang des Bunnahahbain 12 ist erneut eine kleine Wandlung: kühlend, mit dem Gefühl von Menthol und Minze. Mittellang, würde ich sagen, aromatisch, trocken aber nicht adstringierend, mit einem Nachhall von Holz, Vanille, Kaffee und dunklem Kakao. Tatsächlich empfinde ich diesen Scotch aufgrund der Breite der Eindrücke, und des wirklich ausgesprochen voluminösen Mundgefühls, als sehr komplex und dabei dennoch sehr genehm und nie kompliziert.

Die eine oder andere Zutat, die man in Cocktails einsetzt, hat das Problem, dass sie sich nur mühselig oder gar nicht gegen andere Zutaten durchsetzen kann. Manchmal ist es das Gegenteil – die Brachialität einer Zutat erwürgt alle anderen. Der Bunnahahbain 12 ist ein Beispiel für die Gruppe von Spirituosen, die genug Kraft mit sich bringen, gleichzeitig aber nicht den Raudi heraushängen lassen. Seine Qualitäten machen den Second Sip zu einem Drink, bei dem man gern einen zweiten (und dritten!) Schluck trinken mag.

Second Sip


Second Sip
2 oz Bunnahabhain 12 Islay Single Malt Scotch Whisky
½ oz süßer Wermut (z.B. Carpano Antica Formula)
½ oz Tawny Port (z.B. Porto Cruz Special Reserve)
¼ oz Fernet Branca
2 Spritzer Bittermens Xocolatl Mole Bitters
Auf Eis rühren und ohne Dekoration servieren.
[Rezept nach Brian Miller]


Neben der schon eingangs angesprochenen schwarzen Flasche in durchaus ungewöhnlichem Format bekommt man noch einen Karton und eine kleine Beilage mitgeliefert. Darin findet man unter anderem ein paar Anekdoten über Geschichte und Topographie der Destillerie. Schön gemacht, und nicht aufdringlich oder allzu marketinglastig.

Bunnahabhain 12 Islay Single Malt Scotch Whisky Karton und Beilage

Wie ich schon sagte – dies ist kein typischer Islay-Whisky. Wer auf der Suche nach Rauch, Iod und Torf ist, hat auf der Insel genug andere Alternativen; daher finde ich es spannend, dass sich Bunnahabhain hier dem starken Gruppenzwang der restlichen Inselanrainer, die sich manchmal für meinen Geschmack an ihren Extremen übermäßig aufgeilen, widersetzt. Für mich gehört dieser Whisky jedenfalls in jedes Regal eines wahrhaften Whiskyfreunds, egal ob Peat-head oder nicht, und sei es nur, um zu erkennen, dass Islay auch anders kann.

Stagg Jr Kentucky Straight Bourbon Whiskey (third batch)

Kurz und bündig – Stagg Jr Kentucky Straight Bourbon Whiskey (third batch)

Auch bei Spirituosen gibt es große und kleine Geschwister – vielleicht kennt der eine oder andere Bourbon-Freund unter meinen Lesern den durchaus schwer erhältlichen, raren George T. Stagg. Bei dieser Verkostung des kleinen Bruders dieses Schwergewichts, des Stagg Jr Kentucky Straight Bourbon Whiskey, haben wir die dritte Charge („third batch“) eines Small-Batch-Whiskeys aus dem Hause Buffalo Trace vor uns. Dafür werden Whiskeys mit einem Alter von um die 8 und 9 Jahren miteinander verblendet und in Fassstärke in die Flaschen gefüllt; jeder Batch hat dadurch eine eigene Charakteristik. Ein 10cl-Sample bildet die Basis für den heutigen Verkostungsversuch.

Die Farbe strahlt regelrecht, ein warmes, glühendes Kupfer, das schon fast ins braunrote übergeht. Im Glas bewegt sich der Stagg Junior wie ein Senior, langsam, gemächlich, schwer und ölig. Rein optisch ist das einer der schönsten Whiskeys, die ich bisher gesehen habe. Man sieht – man muss nicht kältefiltern oder färben (beides geschieht hier nicht), um ein spektakuläres Endergebnis zu erhalten.

Stagg Jr Kentucky Straight Bourbon Whiskey (third batch)

Geben wir ihm zunächst in voller Stärke eine Chance. Bei 66,05% ist das für mich persönlich grenzwertig.

Nach dem Eingießen ins Verkostungsglas stößt einem erstmal eine scharfe Lösungsmittelnote ein Messer ins Gesicht. Ich lasse ihn daher zunächst mal einige Minuten offen atmen. Leider verschwindet sie dennoch nicht wirklich; darüber hinaus bleibt auch eine gewisse Essignote, die es der darunter liegenden Vanille schwer macht, nach vorne zu kommen – die Nase kann mit dem Auge in keinster Form mithalten.

Im Antrunk ist erst eine schwere, dichte Süße erkennbar, ein voller und wuchtiger Körper, etwas Salzigkeit. Im Verlauf entsteht eine gewisse, kantige und würzige Schärfe nach Pfeffer und Chili, sehr viele Tannine, eine starke Adstringenz sorgt für ein trockenes Mundgefühl. Kandiszucker, Vanille und das wars dann aber auch schon – Power ohne Ende, aber keine Tiefe oder Komplexität. Der Abgang des Stagg Jr ist feurig heiß und dabei leider aromatisch nur sehr kurz. Wirklich richtig enttäuschend kurz.

Zwei Teelöffel Wasser kommen nun dazu. Die Nase bekommt eine lakritzige Note, und etwas cognachaftes. Im Geschmack liegt immer noch Alkohol und Lack stark in Front, Eiche dazu, aber Vanille und Schokolade bekommen nun wenigstens eine Chance. Der Nachhall verlängert sich um einiges. Er verliert durch das Wasser kaum an Volumen, fühlt sich immer noch ölig und schwer an: Ein Whiskey, dem Wasser sehr, sehr gut tut, den man eigentlich nur so vernünftig genießen kann. Alternativ macht er sich dann doch recht gut in einem Old Fashioned.

Fazit – Buffalo Trace hat definitiv spannendere und reizvollere Whiskeys im Portfolio – insbesondere, wenn man den aufgerufenen Preis von aktuell rund 100€ in Betracht zieht, würde ich eher diese anderen Bourbons empfehlen als den unausgereiften Stagg Jr.

Highland Park 10 Years Single Malt Whisky Titel

Die süße Jugend – Highland Park 10 Years Single Malt Scotch Whisky

Viele Spirituosenhersteller sind aktuell mit Volldampf dabei, ihr Portfolio umzustellen. Neudesigns von Flaschen und Etiketten gehören dabei zu den offensichtlichsten, gleichzeitig aber belanglosesten Aktivitäten. Stärker interessiert uns Freunde des gereiften Genusses, dass auch Altersangaben immer mehr dieser Lust am Wandel zum Opfer fallen. Ein Grund, der immer wieder genannt wird, ist, dass ein zunehmendes breites Interesse an gereiften Spirituosen auch über Expertenkreise hinaus, insbesondere bei Bourbon und Scotch, dazu führt, dass einfach nicht mehr genug Sprit in der entsprechenden Alterskategorie da ist, um diese Abfüllungen mit dem jeweiligen Alter auszeichnen zu können. So lässt man die Zahl fallen, schreibt einen klugen Spruch stattdessen aufs Etikett („kunstvoll gereift“ oder so etwas) und erfindet in bester Storytelling-Manier die Geschichte, dass es ja um den Geschmack geht, und dass das Alter das unwichtigste am Whisky überhaupt sei. Schön und gut, diese Ausrede hat ja auch einen wahren Kern, doch da gleichzeitig nicht die Preise gesenkt werden, obwohl man ja nun weniger aufwändig hergestellten Whisky verkauft, zeigt, dass hier auch ulteriore Motive ausgelebt werden können.

Dass man es auch anders machen kann, zeigt der Highland Park 10 Years Single Malt Scotch Whisky. Hier wurde einfach ein aus meiner persönlichen Sicht ehrlicheres Vorgehen gewählt: Man füllt halt jüngere Brände ab, um den Markt zu entlasten, gibt diesen aber trotzdem eine Altersangabe, und geht dabei sogar unter die bei Scotch magische 12-Jahres-Grenze. Taugt dieser vergleichsweise junge Whisky dazu, Vorurteile diesbezüglich abzubauen? Kann er eventuell sogar ein Ersatz für älteren Whisky sein?

Highland Park 10 Years Single Malt Whisky FlascheDie Farbdesigner dieses jüngsten aller Highland-Park-Whiskys haben sich für Ocker entschieden. Ich erwähne es oft, weil es meines Erachtens einfach ein Missstand ist und bleibt – das Färben von Spirituosen wird erst aufhören, wenn wir als Konsumenten fähig dazu sind, den Dreisatz „dunkel = alt = Qualität“ aufzugeben, der eh noch nie gestimmt hat. Bis dahin wird Scotch im Standardfall mit E150 koloriert und die Farbe sagt nichts über den Inhalt aus.

Das Auge trinkt hier also nicht so wirklich mit, dafür darf die Nase aktiviert werden. Milde Zitrusaromen wie Mandarinen, vergorener Traubensaft, Heu. Man ahnt schon etwas Alkohol, für 40% hält es sich aber in Grenzen. Ein leichter, heller Körper.

Der Geschmack des Highland Park 10 Years ist dann im ersten Moment überraschend kräuterig, grasig, holzig, wird dann im Verlauf aber immer süßer und süßer, bis diese Dimension den Mundraum komplett ausfüllt und alles andere verdrängt. Toffee, Sahne und Butterkuchen, das ist mir fast schon ein bisschen zu plump, weil ein Ausgleich für diese breite Weichheit fehlt. Da ist kaum etwas anderes als leicht vanillige, cremige Süße. Komplexität sieht anders aus.

Highland Park 10 Years Single Malt Whisky Glas

Im mittellangen Abgang kann man höchstens, wenn man mühevoll danach sucht und etwas Fantasie hat, Rauch entdecken. Für mich ist der Abgang des Highland Park 10 mildbitter, trocken und erneut etwas holzig-grasig, bleibt dabei aber seinem grundsätzlich sehr weichzarten, buttrig-süßen Charakter treu. Leicht salzige Pfefferschärfe bleibt lange auf der Zunge liegen, zusammen mit einem etwas mentholigen, langen Nachhall.

Ein Cocktail, der die verblüffende Offenheit der Prohibitionszeit bezüglich Zutaten zeigt, ist der The Modernista. Hier das Rezept aus Ted Haighs wunderbarem Cocktailbuch. Scotch und lakritziger Absinth kämpfen in dieser unbeschreiblichen Melange um die Vorherrschaft. Fehlt eigentlich nur noch Chartreuse, um das Chaos komplett zu machen. Der Rum geht, egal welcher es ist, total unter gegen die aromatische Urgewalt der beiden Starspieler. Das ist ein Cocktail, der heute in einer Cocktailbar niemals serviert wird, er ist zu extrem – doch vor knapp 100 Jahren mochte man diese seltsame Komplexität; ich weiß nicht, ob ich die damalige Zeit, die sowas verrücktes schätzen konnte, oder die heutige Zeit, die nichts mit derartiger Experimentierfreudigkeit anfangen kann, bejammern soll.

The Modernista


The Modernista
2 oz Highland Park 10 Single Malt Scotch Whisky
½ oz Dunkler Jamaika-Rum (z.B. Appleton Estate Extra 12)
1 Teelöffel Absinthe (z.B. Jade Nouvelle-Orléans)
½ oz Swedish Punsch
½ oz Limettensaft
2 Spritzer Orange Bitters (z.B. The Bitter Truth Orange Bitters)


Neulich hatte ich mich über Flaschengrößen ausgelassen und betont, dass ich es sehr schätze, wenn ein Hersteller kleinere Produktgrößen anbietet. Der Highland Park 10 Years ist nun dahingehend eine Ausnahme, dass er ausschließlich in einer „halben Flasche“, also 35cl, angeboten wird. Mir persönlich kommt das entgegen, wenn es nach mir ginge, wäre das die Standardgröße für alle Spirituosen.

Die Flasche selbst ist darüberhinaus schön gestaltet – mit breiten Schultern und großem Ausgussloch, und gleichzeitig elegant schmal in der Tiefe, und dabei doch schwerem Glasgewicht. Der Naturkorken in Zusammenspiel mit dem Holzdeckel mit dem Highland-Park-Logo macht selbst aus der kleinen Flasche ein hochwertiges Produkt, das man gern betrachtet und in der Hand hält. Der schwarze, angenehm zurückhaltend gestaltete Karton komplettiert das ganze aufs positivste.

Highland Park 10 Years Single Malt Whisky Flaschenseite

Wer einen süßen, unkomplizierten schottischen Whisky sucht, wird hier fündig. Wer etwas mehr Komplexität will, muss auf die längergelagerten Scotches dieses Herstellers zurückgreifen, alles kann so ein Whisky dann halt doch nicht – insgesamt zeigt der Highland Park 10 Years aber, dass Alter nicht alles ist und man auch schon 10-jährigen Single Malt finden kann, der nicht wild, kratzig und ungestüm ist; noch ein Vorurteil, das endlich abgebaut werden kann.

Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey Titel

Vorsicht vor Empfehlungen – Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Vielleicht kennt der eine oder andere das – man hat einen im Bekanntenkreis, der sich etwas mit Spirituosen auskennt, und aus gegebenem Anlass hätte man gern eine Flasche eines guten Tropfens gekauft. Also fragt man den Bekannten, was er so empfehlen würde, sieht, dass es die Empfehlung auch noch gerade im Blitzangebot bei einem großen Onlinegemischtwarenladen gibt, und schlägt dann voller Vertrauen zu. Am besonderen Tag öffnet man dann mit Freunden und Freuden die Flasche, und stellt fest, dass der Inhalt einem dann doch nicht so besonders zusagt. Eine Enttäuschung sondergleichen.

Das ist das Schicksal des Kenners: der eigene Geschmack ist halt dann doch nicht wirklich übertragbar. Man kann Qualität, ein gutes Preisleistungsverhältnis oder eine hübsche geschenktaugliche Präsentation empfehlen, aber ob es dann dem glücklichen Empfänger auch wirklich schmeckt, das bleibt dem Schicksal überlassen und ist selten vorhersehbar.

So ging es mir, als ich einem Kollegen, der mich nach meiner Meinung über Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey fragte – klar, toller Stoff, schlag zu, so in etwa waren wohl meine Worte. Nach einiger Zeit erhielt ich dann die etwas pikierte Rückmeldung, dass der Whiskey nicht wirklich gut angekommen war: die tiefgehende Analyse lautete „hat nicht geschmeckt“. Die Flasche war trotzdem nur noch zu einem Drittel voll, also kann man den Probanden nicht vorwerfen, sie hätten es nicht zumindest versucht. Immerhin kam ich so in den unerwarteten kostenlosen Genuss des ordentlichen Rests, der übrig geblieben war.

Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey Flasche

Farblich erkennen wir sehr dunklen Bernstein mit orangenen Reflexen. Der Baker’s Bourbon ist ein Straight Bourbon, daher ist künstliche Nachfärbung ausgeschlossen; hier hat man den (leider seltenen) Fall, dass man schon von der Optik her erahnen kann, wohin der Geschmack später gehen wird. Der Whiskey liegt sehr ölig im Glas, mit sehr langsam ablaufenden Beinen.

Der Geruch ist eine bunte Mischung aus Aromen, die auf dern ersten Blick kaum zusammenpassen. Etwas Lack. Honig. Vanille. Etwas Menthol.  Etwas Bacon. Ein Hauch Rauch. Und über allem brutal viel Eiche – sehr viel mehr, als die 7 Jahre Reifezeit in neuen Fässern aus amerikanischer Eiche das normalerweise liefern. Interessanterweise passen sich die Aromen dann doch in ein rundes Gesamtbild ein.

Der Geschmack ist voll, weich und super-„smooth“ (um mal das Buzzword, das viele Kenner inzwischen hassen, zu bemühen), trotz der 53,5% Alkohol. Der Körper ist leicht dünn. Insgesamt ist der Baker’s Bourbon nicht so süß, wie erwartet, im Gegenteil: er bleibt sogar sehr trocken, und leicht blumig, fast schon parfümig. Im ersten Moment überraschend, weil anders als die meisten anderen Bourbons; in der Folge aber äußerst elegant, erinnert fast etwas an Cognac. Wenn man den Marketingaussagen von Beam trauen darf, ist ein spezieller Hefestamm für diesen besonderen Geschmack verantwortlich. Der Abgang ist sehr lang, leicht bitter, trocken, nussig. Er bleibt auch im Nachhall sehr lang feurig, voller Chili, Pfeffer und Eiche, sowie Menthol.

Ich muss den Testern, die meiner Empfehlung gefolgt sind, das Eingeständnis machen: Beim Baker’s haben wir ein durchaus ungewohntes Geschmacksbild für einen Bourbon aus der Beam-Reihe vor uns. Das ist für mich aber keineswegs ein Mangel, im Gegenteil – es ist schön zu sehen, dass auch im hochstandardisierten Bourbonbereich eine weite Spannbreite an Aromenprofilen möglich ist.

Für mich ist der Baker’s in seiner Eleganz ein idealer Purgenuss. Dennoch, wer mich kennt, weiß, dass mich das nicht davon abhält, solche Produkte auch in Cocktails zu kippen. Der Thigh High Boots ist eine schöne, kräftige Mixtur mit extrem viel Körper und einer dichten Aromenstruktur, in dem die hohe Alkoholprozentzahl des Baker’s dafür sorgt, dass die schweren Bitterkomponenten nicht überhand nehmen.

Thigh High Boots


Thigh High Boots
2 oz Bourbon (z.B. Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey)
¾ oz Zitronensaft
¾ oz Zimtsirup
¾ oz Lillet Blanc
½ oz Campari
½ oz Amaro (z.B. Ramazotti)
3 Spritzer Peychaud’s Bitters
Auf Eis rühren.

[Rezept nach T.J. Lynch]


Kurz etwas zu den Rahmenbedinungen – der Baker’s Bourbon ist Teil der Small-Batch-Familie des Herstellers Beam, zu der auch Booker’s, Basil Hayden’s und Knob Creek gehören. Der Name ist abgeleitet von Baker Beam, dem Großneffen des Firmengründers. Zur Zeit sind zwei Abfüllungen in Deutschland auf dem Markt, die sich äußerlich durch unterschiedliche Flaschenformen auszeichnen. Die „alte“ Abfüllung ist in einer recht klassischen Flasche, die man sonst oft von Wein kennt, unterwegs (im Foto unten rechts zu sehen); eine „neuere“ Abfüllung ist in einer eher typischen Spirituosenflasche beheimatet (im Foto links). Gleich markant bleiben das prägnante „B“ auf dem Etikett, sowie die schwarze Wachsschicht, die den Flaschenhals bedeckt.

Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey alte und neue Flasche

Kleine Anekdote am Schluss – der Kollege, der mir die Restflasche überlassen hat, hatte dann doch noch eine zweite Flasche gekauft. Für ihn ist dieser Bourbon immer noch etwas ungewohnt, und falls es jemand anderem ähnlich ergeht wie ihm: Der Elijah Craig, eine andere Empfehlung, die ich im gab, mundet ihm dafür umso besser. Mit beiden macht man aus meiner Sicht nichts falsch, aber Geschmäcker sind halt verschieden (und damit werfe ich 2€ ins Phrasenschwein).

George Dickel No. 12 Tennessee Whiskey Titel

Kurz und bündig – George Dickel No. 12 Tennessee Whisky

Der George Dickel No. 12 Tennessee Whisky (man beachte die Schreibweise des letzten Worts) ist der zweite große Destillateur von Whiskey im US-Bundesstaat Tennessee, neben dem allgegenwärtigen Jack Daniel’s. Trotz all der Häme, die Jacky-Trinker oft abbekommen, kann ich persönlich gut mit den höheren Qualitäten jenes Herstellers leben und bin daher besonders gespannt, wie sich ein anderer Produzent, der ja einen recht ähnlichen Produktionsprozess mit Sour Mash und Lincoln-County-Verfahren aufweist, im Vergleich schlägt.

Die Farbe ist mit Zuckerkulör gestaltet, sagt daher nichts über den Inhalt aus. Manchen Herstellern geht es nur um die Konsistenz der Farbgebung über Batches hinweg, ich weiß, dennoch ist es ein Produktionsschritt, den ich für unnötig und nicht im Sinne des Verbrauchers halte. Man hat jedenfalls ein dunkles Kupfer mit orangenen Reflexen gewählt.George Dickel No. 12 Tennessee Whisky

Geruch: Oh, das gefällt mir außerordentlich. Sehr fruchtig nach Birne, Banane, Pflaume. Ahornsirup. Butterkekse. Ich habe eine seltsame Assoziation zu Pfannkuchen mit Sahne. Ein minimalster Anflug von Lack. Ich kriege gar nicht genug davon, daran zu riechen – ein echtes Highlight, der angenehmste Spirituosengeruch, den ich seit sehr langer Zeit in der Nase hatte.

Der Geschmack ist dann aber nicht so süß, wie die Nase einem weismachen will. Eigentlich geht der Dickel No. 12 sogar eher ins Trockene, leichte. Ihm fehlt erkennbar etwas an Volumen, er wirkt trotz vieler Aromen wässrig. 45% sind sehr gut eingebunden, praktisch kein Brennen, Zwacken oder Kratzen ist spürbar – ja, dieser Tennessee Whiskey ist wirklich „smooth“. Pflaumen, Rosinen, Birne, die Fruchtnote bleibt erhalten, und eine gewisse honigwürzige Grundsüße. Sehr viel Vanille rundet das ganze ab, die wohl durch die 4 Jahre Reifedauer (diese Zahl steht aber nirgends auf dem Etikett) entsteht.

Der Abgang ist sehr kurz, warm und dabei immer weich, aber recht trocken. Ein mildglühender Nachhall klingt noch eine kleine Weile aus dem Rachen hoch, doch dann ist der Whisky schnell wieder verschwunden.

Wem Tennessee Whiskeys grundsätzlich zusagen, und wer ein Freund von Jack Daniel’s Old No. 7 ist, muss sich den George Dickel No. 12 ganz sicher anschauen – er ist der bessere der beiden großen Whiskeyhersteller dieses Bundesstaats, kostet aber in Deutschland auch rund das Dreifache. Dieses Kurzbesprechung basiert daher auf einem 10cl-Sample.

Die Sprache gehört zum Charakter des Whiskeys – Elijah Craig 12 years Kentucky Straight Bourbon Whiskey

In der globalen Spirituosenwelt tauchen immer wieder Produkte auf, mit deren Namen wir leider allzuoft monoglotten Deutschen bei der Aussprache Probleme haben. Man muss nicht ganz so weit gehen wie die völlig abstrusen Namen bei manchen Rums (Uitvlugt?!?) oder Scotches (Glen Garioch?!?), die selbst Sprachprofis in beinahe unlösbare Schwierigkeiten bringen – manchmal sind es selbst traditionelle angloamerikanische Vornamen, bei denen es schon hapert. Der Schauspieler Elijah Wood beispielsweise wird in deutschen Medien wahlweise auf unterschiedliche Art falsch ausgesprochen. Hier daher die einzig korrekte, gültige Lautkombination zur Referenz.

Dieser Artikel soll nun natürlich nicht über Herr-der-Ringe-Darsteller handeln, sondern über amerikanischen Whiskey. Doch natürlich profitiert der Konsument und mögliche Käufer des Elijah Craig 12 years Kentucky Straight Bourbon Whiskey auch davon, wenn er weiß, wie man die Buchstaben auf dem Etikett korrekt in Lauten wiedergibt, nämlich genau so, wie den Frodo-Mimen.

Wer sich auch nur ansatzweise über Bourbons informiert, stolpert immer wieder über diesen amerikanischen Whiskey. Nun ist es schon allein etwas begeisternd, dass man einen Bourbon 12 Jahre lang reifen lässt (nur 2 Jahre sind gesetzlich für Straight Bourbons vorgeschrieben) – wenn er dann auch noch so wunderbar rund und würzig ist, dann wird der Traum jedes Whiskey-Freunds wahr.

Elijah Craig 12 Kentucky Straight Bourbon Whiskey Flasche Normaletikett

Die Nase ist großartig. Während man bei vielen Bourbons nur das Karamell vorausahnt, vielleicht ein bisschen Eiche, springt einem hier schon die Kraft in den Riechkolben; Vanille ist natürlich dominant. Eine leichte Zitrusnote. Etwas Salz. Man sollte ihn eine Weile offen stehen lassen, dass sich die gröbsten, durchaus vorhandenen Lackgerüche verflüchtigen.

Nach dem ersten Schluck will ich den Elijah Craig dann gar nicht mehr rauslassen – würziger Karamell, Shortbread, Orange, dabei nie scharf oder brennend. Der Elijah Craig ist trotz eines recht süßen, weichen Antrunks nicht anbiedernd schmeichlerisch, sondern schon eher was für die Freunde des Deftigen, um so mehr, je länger man ihn im Mund hält. Dichter Körper, cremiges Mundgefühl, eine volle Breitseite.

Im Abgang kommt dann noch eine leichte Salznote, dazu Trockengebäck und eine recht brutale Holzigkeit zum Vorschein, die sich das abschließende Geschmacksbild mit der wuchtig-tiefen Vanille teilt. Feurig heiß und glühend läuft er die Kehle hinunter, zeigt hier zum ersten Mal seine üppigen 47% Alkohol, und lässt bei adstringierender Trockenheit dann dennoch viele Restaromen noch sehr lange im Mundraum zurück.

Das ist ein fetter Kentucky Straight Bourbon, den ich gern pur trinke. Ein 3cl-Glas reicht auf eine halbe Stunde. Schnuppern und schlürfen, da braucht man nichts anderes und ist 30 Minuten im Whiskey-Himmel.

Doch auch in Cocktails macht sich dieser Bourbon gut, insbesondere natürlich in solchen, in denen er eine Hauptrolle spielt. Man probiere daher einfach mal einen Elderflower Old Fashioned, in dem die Würze des Elijah Craig gegen die Süße des Holunderlikörs wunderbar ankämpft. Alternativ, wenn man nicht so sehr auf die blumige Komponente steht, empfehle ich eine leichte Variation des Dilbert’s Dilemma, in dem ein Bierlikör für die Süße sorgt.

Dilbert’s Dilemma


Dilbert’s Dilemma
2 oz Bourbon Whiskey (z.B. Elijah Craig 12 years)
½ oz Bierlikör (z.B. Saarfürst Brauerfeuer)
Diese Zutaten im Rührglas auf Eis verrühren.
Das Gästeglas mit…

¼ oz Orangenlikör (z.B. Cointreau)
…ausspülen, dann die gerührte Mixtur dazugeben.

Mit einer Orangenzeste dekorieren.
[Rezept leicht adaptiert nach Good Booze]


Die Flasche ist eine Erwähnung wert – im Glas integriertes Logo, massiv, schwer, da hat man was in der Hand. Ein sehr gelungener, breiter Ausguss, mit einem fetten Plastikdeckel auf dem Korkstopfen: die gesamte Verarbeitung wirkt wertig. Wenn man dann noch mit einem Spezialetikett auftrumpfen kann, das einem als Mitglied der Bardstown Whiskey Society zugesendet wird, ist der Wow-Faktor nochmal ein bisschen größer.

Elijah Craig 12 Kentucky Straight Bourbon Whiskey Flasche Spezialetikett

Man sieht auf dem Spezialetikett allerdings auch schon eine Änderung, die im aktuellen Produktionsklima von Whisky und Whiskey unausweichlich scheint – die Altersangabe „12 Jahre“ verschwindet vom Etikett, und wird durch das generische „Small Batch“ ersetzt. Laut Hersteller ändert sich nichts am Rezept; einige Kenner in diversen Foren bescheinigen dem NAS-Craig aber doch einen leicht schwächeren Charakter. Wer also die Chance hat, sich noch eine der Flaschen mit Altersangabe zu sichern, bevor die NAS-Welle, die in den USA bereits begonnen hat, nach Deutschland schwappt, sollte dies tun – in vielen Fachmärkten stehen sie noch herum.

Ob nun 12 Jahre oder NAS – der Elijah Craig bleibt ein Benchmark-Bourbon. Wer wissen will, wie ein guter Bourbon schmeckt, probiert diesen hier. Jeder Cent ist gut investiert. Ich lasse immer einen Tropfen im Bart hängen, für später.

Jack Daniel's Sinatra Select Tennessee Whiskey

Kurz und bündig – Jack Daniel’s Sinatra Select Tennessee Whiskey

Ich bin ein Fan von Frank Sinatra, ich mochte ihn schon immer. Eine der großartigsten männlichen Stimmen, dazu ein Leben, das mit seinen Aufs und Abs fasziniert. Er war kein Engel und kein Kind von Traurigkeit, war gut Freund mit der Mafia, Alkoholiker und hatte mit dem Rat Pack ein paar Buddies, von denen jeder Mann nur träumen kann. Am Ende wurde er mit einer Flasche seines Lieblingsgetränks, Jack Daniel’s Whiskey, begraben – ihm zu Ehren bringt der wichtigste Destiller von Tennessee Whiskey eine Sonderedition heraus: Den Jack Daniel’s Sinatra Select Tennessee Whiskey. Schauen wir ihn uns passend zu ein paar Ausschnitten aus seinen Songs kurz an.

Jack Daniel's Sinatra Select Tennessee Whiskey Sample

I close my eyes and just see pretty colors… in diesem Fall ist es ein schönes, dunkles, kräftiges Bernstein mit stellenweise fast schon weißen Reflexen. Der Whiskey liegt passend schwer und ölig im Glas, hinterlässt langsam ablaufende Beine.

I’m sure that if I took even one sniff… Man erkennt zwar direkt den typischen Banane-Geruch der anderen Produkte des Herstellers, gleichzeitig ist da aber auch viel mehr Vanille, viel mehr Eiche, einfach mehr von allem. Sehr dicht, kräftig und rund. Ein klarer Fortschritt selbst zum von mir geschätzten Jack Daniel’s Single Barrel.

With every wine you taste… Ich bin etwas überrascht: Nach dieser üppigen, tollen Nase hätte ich einen ähnlich schweren Körper erwartet. Doch man findet einen eher leichten Whiskey vor, klar, sauber, eher in die trockene und elegante Richtung als die wuchtig-dunkelschwere. Er wirkt schon fast etwas dünn, bleibt dabei eher auf der süßlichen Seite mit sehr viel Vanille. 45% Alkoholgehalt weist der Sinatra Select auf, ein paar Prozente mehr hätten ihm aromatisch erkennbar gut getan.

And now, the end is near… Der Abgang ist mittellang, helltönig, sehr warm, trocken und adstringierend. Am Ende taucht die Banane dann sehr präsent wieder auf und zeigt deutlichst, wessen Kind dieser Whiskey ist. Er hat dabei aber auch eine nicht zu unterschätzende Pfefferschärfe. Nachhall findet dann allerdings praktisch nicht statt, der Gaumen ist arg schnell wieder frei von Aromen.

Dieses Kurzreview beruht auf einem 5cl-Sample dieser Spirituose; die 700ml-Flasche schlägt immerhin mit rund 110€ (zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels) zu Buche, da will man schon vorher mal probieren.

It Was A Very Good Year... War es das? Von allen Jack Daniel’s-Whiskeys ist dieser tatsächlich einer derer, die ich am gelungensten finde. Allerdings frage ich mich doch, ob der Unterschied zum Single Barrel dann die Verdreifachung des Preises wert ist – für mich sicherlich nicht, doch wer das Geld erübrigen kann, und Fan des Herstellers oder von The Voice  ist, kann zugreifen und wird aller Voraussicht nach nicht enttäuscht, obwohl man für das Geld ganz andere Aromenkaliber bekommt.

Jameson Select Reserve Black Barrel Irish Whiskey Titel

Man lernt nie aus – Jameson Select Reserve Black Barrel Irish Whiskey

Man darf sich als wahrer Spirituosenfreund nie von seinen Gewohnheiten, Vorurteilen und dem eingebildeten Wissensstand dazu verleiten lassen, bequem zu werden. Gewiss ist es ehrenwert, beispielsweise einem Bourbon, den man entdeckt hat und der einem gefällt, Loyalität zu erweisen und sich auf ihn zu konzentrieren – doch man verbaut sich dabei die Chance, noch großartigere Produkte zu entdecken; oder ganze Gruppen von Bränden, die man aus obigen Gründen ausgelassen hatte.

Mir ging das so mit irischem Whiskey. Dünkelhaft hielt ich ihn lange Zeit für den uninteressanten, buckligen Verwandten des edlen Scotches und des hübschen Bourbons. Wie üblich lag das an fehlender Erfahrung mit dem Gold der Grünen Insel. Was tut man dagegen? Man besucht eine Schulung und lernt. Ein guter Freund ermöglichte mir die Teilnahme an einem kleinen Seminar, abgehalten vom deutschen Schnapsguru Jürgen Deibel. Wer die Chance hat, an einem Termin, den er abhält, teilzunehmen, sollte nicht zögern: Deibel ist wirklich unterhaltsam und erzählt interessante Fakten, ohne trocken zu werden (im wahrsten Wortsinne, und die Zuhörer bleiben auch nicht trocken).

Welt der Whiskys Urkunde

Natürlich konzentrierte sich diese Verkostung mit Vortrag auch auf den strahlenden Scotch, doch für mich persönlich waren die irischen Whiskeys die Stars an diesem Tag; vielleicht auch, weil es so unerwartet kam. Der Ire, der mich sozusagen von einem Moment zum nächsten zum Fan irischen Whiskeys machte, war der Jameson Select Reserve Black Barrel Irish Whiskey. Und als ob das nicht schon genug der Überraschungen wäre, haben mir meine Bürokollegen zum Geburtstag dann sogar eine Flasche dieses Whiskeys geschenkt, so dass ich sie heute hier vorstellen kann. Danke erneut dafür, werte Kollegen (selbst, obwohl ich auf der Grußkarte als „alter Heini vom Büro“ bezeichnet wurde)!

Jameson Select Reserve Black Barrel Irish Whiskey Flasche

Die sehr ölige, schwere Konsistenz sorgt für langsam abfließende Beine. Tatsächlich überzeugt der Black Barrel durch die strahlende, kräftige Bernsteinfarbe, die von sich aus zu leuchten scheint. Ein wirklich ausgesprochen attraktives Äußeres.

Er reifte in zweifach ausgebrannten Ex-Bourbon-Fässern, und das riecht man mehr als deutlich, wenn man die Nase vorsichtig ans Glas hält. Vanille, sehr hell und süß, mildfruchtig, aber auch eine schöne würzige Komponente nach Kardamom ist vorhanden. Erkennbar holzig ist dieser Jameson darüberhinaus, ich erwähne das nochmal explizit, obwohl die Fassbehandlung das schon jedem klarmachen sollte.

Geschmacklich übertrifft er dann noch meine durch diese Anfänge eh schon recht hohen Erwartungen: sehr mild, weich und flauschig. Dicht und voluminös, ohne dabei zu wuchtig zu werden. Viel Vanille, das erinnert mich in dieser Konsequenz deutlich an Bourbon, viel Trockenobst, Rosinen, Datteln.  Sehr süß, wahrscheinlich die Arbeit des Grain-Whiskey-Anteils in diesem Blend, aber mit unterschwelliger Würze, wie Kandiszucker und Honig, was die Süße auffängt und in ein unglaublich rundes, perfekt komponiertes Gesamtgeschmacksbild einbettet – hier scheint dann der Pot-Still-Anteil durch.

Jameson Select Reserve Black Barrel Irish Whiskey Glas

Am Ende taucht noch etwas Pfeffer auf, aber selbst das ist mild und fein. Der Abgang ist insgesamt warm und sehr angenehm, bei mittlerer bis kurzer Länge. Ein deutlicher Eisenton schwingt im Nachklang.

Irischer Whiskey im Allgemeinen ist ein gemütlicher Cocktailspieler, der sich ohne jede Schwierigkeit in jede Rezeptur einfügt, die nach Whiskey (durchaus auch Bourbon!) verlangt. Sein schönes Volumen gibt Kraft und Tiefe an Mixturen. Tatsächlich ist der Black Barrel im speziellen darin so gut, dass er ideal auch den Partner für eine interessantes Duo geben kann: Ein Pickleback mag sich für den einen oder anderen grausig anhören, aber diese Shot-Mischung funktioniert überraschend gut und sorgt für gute Laune!

Pickleback


Pickleback
1 Shot Jameson Black Barrel Irish Whiskey
½ Shot Gurkenlake mit einer kleinen Essiggurke
In separaten Shotgläsern servieren.
Zuerst den Whiskey, dann direkt die Gurkenlake trinken.

[Rezept nach unbekannt]


Die dunkelgrüne Flasche wird in einem aufklappbaren, stabilen Karton mit innen rund aufgespannter Einlage geliefert – hochwertig gemacht, das ganze, und mir gefällt die schwarzgoldlastige Gestaltung sehr. Wer auf klassisch-traditionelle Präsentation eines Whiskey steht, wird hier voll bedient, und das für den mäßigen Preis von rund 30€. Für mich persönlich ein Augenöffner und ein idealer Einstieg in die Welt des irischen Whiskeys – wer auf der Suche nach einem Whiskey ist, den man in jeder Gemütslage abends zum Entspannen von einem harten Tag langsam vor sich hin schlürfen kann, der nicht über- oder unterfordert, sondern einfach eine, wie man heute sagt, brilliante Drinkability hat, der muss nun nicht weiter suchen.