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Tuhao Jinyuan Bao Jiangjiu Baijiu Titel

Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen, Teil 8 – Tuhao Jinyuan Bao Jiangjiu 土豪金元宝酱酒

Es gibt Spirituosenprodukte, über die kann man einfach nicht berichten, ohne zunächst ihr Äußeres zu besprechen. Selten konnte ich diesem Drang so wenig widerstehen wie bei dem Baijiu, den ich im inzwischen schon achten Teil meiner Reihe „Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen“ nun vorstellen werde. Natürlich muss daher als allererstes ein Wort über die Flasche des Tuhao Jinyuan Bao Jiangjiu 土豪金元宝酱酒 verloren werden – sie besteht aus Keramik mit Goldlacküberzug und ist wahrscheinlich die extravaganteste aller eh schon nur wenig zurückhaltenden Baijiu-Flaschen, die ich kenne. Man könnte die Flasche einem Schiff nachempfunden sehen, doch da würde man sich täuschen; vielmehr haben wir hier eine künstlerische Interpretation eines alten chinesischen Zahlungsmittels vor uns – der Name und die Farbe der Flasche deuten es an: 金元 (jinyuan) bedeutet „Goldbarren“, und derartig geformte Goldbarren wurden tatsächlich benutzt. Spannend dabei ist der Zusatz 土豪 (tuhao), der wörtlich „Tyrann“ bedeutet, wahrscheinlich in übertragenem Sinne dann als „königlich, luxuriös“ verwendet wird, aber auch gern derogativ die Idee von „neureich“ transportiert. Ein goldfarbenes Apple-Handy, das die Bezeichnung 土豪金 (Tyrannengold) trug, zog in China beispielsweise viel Aufmerksamkeit auf sich. Es soll sich jeder seinen eigenen Reim auf die Bedeutung in diesem Schnapskontext machen.

Mit dem Thema „Gold“ geht es auch gleich weiter – der Tuhao Jinyuan Bao Jiangjiu gewann bei einem der bedeutendsten internationalen Spirituosenwettbewerbe, dem Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles, der 2016 in China abgehalten wurde und entsprechend die lokale Spirituose Baijiu im Fokus hatte, eine Goldmedaille. Es handelt sich hier um einen Baijiu mit Soßenaroma, ähnlich dem Platzhirsch dieser Kategorie, Maotai. Genug vom Blingbling, werfen wir einen Blick auf den Inhalt der opulenten Luxusverpackung.

Tuhao Jinyuan Bao Jiangjiu Baijiu Flasche

Wie von klassischem Baijiu zu erwarten verbirgt die Flasche einen völlig transparenten Brand. Er wirkt recht viskos im Glas, hinterlässt am Rand einen nur sehr zögerlich ablaufenden Teppich. Der Geruch ist extrem intensiv, eigentlich schon penetrant. Nougat, Vollmilchschokolade, Sojasauce, vergorene Banane, Kompost, Blauschimmelkäse, altem französischen Rohmilchkäse, aber auch eine für mich durchaus unangenehme Note nach, und das ist jetzt vielleicht krass, Erbrochenem. Diese Mischung aus Schokolade, Käse und Maggi ist für mich höchst unangenehm und erzeugt einen Würgereiz. Bei vielen Baijius habe ich vorsichtig formuliert, hier kann ich das einfach nicht mehr tun – das ist wirklich übel und macht mir überhaupt keinen Spaß.

Ich hatte Angst davor, einen Schluck zu nehmen. Was soll ich sagen – sie hat sich bestätigt. Kaum lag der Tuhao Jinyuan Bao Jiangjiu auf der Zunge, fühlte ich einen Brechreiz aufsteigen, ich zwang mich, die Flüssigkeit herunterzuschlucken, doch das war ein Fehler. Eine wilde Serie von Spasmen durchzuckte mich, ich konnte mich nur mit Mühe davon abhalten, zur Toilette zu rennen und mich zu erleichtern. 53% Alkohol sorgen schließlich für den Gnadenstoß mit Kratzen und Beißen im Hals, weil ich mich natürlich verschluckt hatte dabei. Wer die Videos von Surströmming kennt, die im Internet kursieren, mag ahnen, wie ich mich fühlte – und dabei habe ich die schwedische Spezialität Surströmming schon gerochen und gegessen, und es war nichtmal ansatzweise so schlimm. Entsprechend kann ich über den Geschmack und den Abgang auch nichts mehr sagen. Auch ein Erlebnis, aber keins, das ich wiederholen wollen würde.

Tuhao Jinyuan Bao Jiangjiu Baijiu Glas

Ich habe immer versucht, das Ungewohnte zu schätzen, einer gewissen Fremdartigkeit ihren Raum zu lassen und dennoch zu versuchen, sie unabhängig vom persönlichen Geschmack wertzuschätzen – hier kann ich das einfach nicht mehr, ich finde diesen Baijiu grausig und unmöglich für mich zu riechen oder gar zu trinken. Es war zu erwarten, wenn man ehrlich ist, dass dieser Zeitpunkt irgendwann kommen würde, dass ich auf ein Exemplar des chinesischen Hirseschnaps stoße, den ich nicht mehr verteidigen kann. Der Tuhao Jinyuan Bao Jiangjiu ist meine persönliche Grenze.

Vielleicht gibt es eine Chance, diesen Schnaps in einem Cocktail noch so unterzubringen, dass die Ekelgrenze wieder unterschritten wird? Der Guizhou Elixir könnte mit seinen anderen Zutaten dies erbringen. Allein, er schafft es nicht. Die penetrante Käsenote des Tuhao Jinyuan Bao Jiangjiu durchdringt alles, übertönt alles, macht alles andere ohne jeden Ansatz von Gegenwehr platt. Ich habe den Cocktail entsprechend noch mit einem anderen Sauce-Aroma Baijiu nachgemixt, und siehe da, da funktioniert er – es lag also sicher nicht am Rezept, als der Cocktail nicht schmeckte, sondern an dieser brachialen Zutat.

Guizhou Elixir


Guizhou Elixir
1½ oz Soßen-Aroma Baijiu
½ oz Maracuja-Ananas-Sirup
3 Spritzer Chili-Tinktur
¼ oz Maraschino-Likör

½ oz Zitronensaft
Auf Eis shaken.
[Rezept leicht angepasst nach Paul Mathew]


Was bleibt? Die Erkenntnis, dass es hin und weder mehr bedarf als nur Interesse an einem fremden Kulturkreis und exotischen Spirituosen. Manchmal muss man in einer Kultur aufgewachsen sein, um deren extremste Geschmäcker wertschätzen zu können. Vielleicht findet sich unter meinen Lesern jemand, der mir diese Spirituose erklären kann? Ich bin wirklich offen für alles – aber nicht für den Tuhao Jinyuan Bao Jiangjiu. Der landet im Kuriositätenkabinett für Gäste, die meinen, sie kennen schon alles. Im Freundeskreis gelte ich als der, der alles isst und trinkt und keinen Ekel kennt, doch dieser Baijiu hat mich das Fürchten gelehrt.

Offenlegung: Ich danke erneut der belgischen Firma Vinopres SA und Spirits Selection für die kostenlose Bereitstellung einer Flasche dieses Baijius. Vinopres SA und Spirits Selection haben mir ganz enorm geholfen, und mich mit einer Reihe von Qualitäts-Baijius versorgt, denn die Beschaffung dieser chinesischen Spirituosen ist in Deutschland sonst sehr schwierig – ohne sie wäre diese Reihe nicht möglich gewesen.

Hanwang Longxi Baijiu TItel

Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen, Teil 3 – Hanwang Longxi 汉王龙玺

Willkommen zurück zum dritten Teil meiner Artikelreihe „Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen“, die sich um Baijiu dreht. In diesem Teil möchte ich einen Schritt zurück machen, und die Herstellungsmethode für diesen chinesischen Schnaps etwas beleuchten, die eine Besonderheit aufweist. Im Allgemeinen sind Brenner es gewohnt, eine Flüssigkeit vorzufinden, die fermentiert und dann destilliert wird – Wein für Cognac, gewässerte Zuckerrohrmelasse für Rum, Gerstenmaische für Whisky und ähnliches. Bei Baijiu ist das anders – hier wird eine feste Masse, meist aus Sorghumhirse, fermentiert und dann über ein Dampfverfahren destilliert.

Ganz unbekannt ist uns im Westen diese Methode allerdings natürlich nicht – auch bei Grappa wird eine Wasserdampfdestillation eingesetzt, um die festen Bestandteile des Tresters zu destillieren, da dort kein Wasser zugesetzt werden darf. Auch ätherische Öle werden so hergestellt. In einem auch ohne Chinesischkenntnisse sehenswerten Video, das der Produzent Hanwang für seine Prestigebaijius, darunter der hier vorgestellte Hanwang Longxi 汉王龙玺, gedreht hat, sieht man ein paar Eindrücke der großen Dampfdestillationsapparate und anderen Produktionsmittel. Dieser Baijiu stammt aus der Provinz Guizhou in Südwestchina und gewann eine Goldmedaille beim Wettbewerb Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles 2016.

Hanwang Longxi Baijiu Flasche

Beim Hanwang Longxi handelt es sich um die dritte Kategorie des Baijiu, die wir in dieser Serie kennenlernen: das Soßenaroma (酱香 jiangxiang). Im Westen ist diese Kategorie vielleicht am bekanntesten, denn der Platzhirsch des Baijiu, der berühmte Maotai, gehört dazu. Warum man diese Kategorie so nennt, erklärt sich von selbst, wenn man sich ein Glas eingegossen hat und daran riecht. Tatsächlich taucht entsprechend eine würzige, soßige Komponente auf, die mich sensorisch sehr an die Hoisin-Sauce erinnert, in der mein China-Restaurant der Wahl die wunderbaren Hühnerfüße schmort. Darüber aber liegt eine sehr süßliche Schicht, ganz stark nach Milchschokolade oder warmem Schokoladenkuchen und etwas Vanillepudding, gefolgt von etwas Curry und Banane, schließlich Lakritz. Der Geruch ist wirklich äußerst komplex und vielschichtig – daran kann ich sehr lange riechen und immer etwas neues entdecken.

Zunächst ist der Hanwang Longxi sehr süß im Antrunk, die errochene Milchschokolade scheint deutlich durch, dann wird er aber kräuterig und würzig, kippt schließlich um in das bereits von anderen Baijius bekannte Pfirsichferment. 53% Alkohol sind nicht zu erkennen. Wie schon bei der Nase muss man die Komplexität hervorheben, auch wenn es für Anfänger etwas Überwindung kosten mag, einen Baijiu länger im Mund zu behalten als unbedingt nötig.

Hanwang Longxi Baijiu Glas

Im langen Abgang bleibt er mild, sehr umami, vielleicht sogar etwas salzig, dazu Heu- und Hefenoten. Warm ist er im Rachen, ohne Kratzen. Die Milchschokolade taucht wieder auf und beendet die Verkostung mit einer schönen Cremigkeit – wie schon früher angemerkt ist der Abgang das Highlight jedes Baijiu. Der erste Baijiu, den ich nun kenne, den ich mir als Sipper zum langsamen, genussvollen Schlürfen gut vorstellen kann – ich könnte mich wirklich an diese enorme Vielschichtigkeit gewöhnen.

Der Nei Cafu Sour ist dennoch ein ideales Beispiel dafür, wie man Baijiu gut in Cocktails einbringen kann. Ein wunderbar süß-aromatischer Cocktail, der mit vielen Aromen aufwarten kann – die wilde Würze des Soßenbaijiu, die dunkle Süße des Honigs, die Säure der Zitrone, die Rauchigkeit des Scotch und des Lapsangs. Es hört sich allein dem Rezept nach verrückt an. Und letztlich ist es das auch; aber in einem positiven Sinne. Sicherlich der interessanteste Baijiu-Cocktail, den ich bisher probiert habe.

Nei Caifu Sour Cocktail


Nei Caifu Sour
1 oz Soßenaroma-Baijiu (z.B. Hanwang Longxi)
¾ oz Honig
½ oz Zitronensaft
½ oz Ingwerlikör (z.B. King’s Ginger)
1 Eiweiß
Trocken shaken, dann auf Eis shaken. Auf Eis abseihen, und…

½ oz Islay-Scotch (z.B. Laphroaig)
…floaten.
Mit Zitronenzeste und etwas Lapsang Souchong dekorieren.
[Rezept nach Ulric Voelkel-Nijs]


Erneut gibt es auch so einiges über Markennamen und Flasche zu erzählen. Der Schraubverschluss ist in Form der traditionellen Kopfbedeckung der frühen chinesischen Kaiser gestaltet, nur dass die normalerweise vorne und hinten herabhängenden Perlen nur durch eine Körnung angedeutet sind.

Der Gelbe Kaiser

Passend dazu ist dann entsprechend der in traditionellen Schriftzeichen zentral platzierte Markenname 漢 王“Hanwang“ (der auf der Flasche in lateinischen Buchstaben aufgedruckte Name „Hanking“ ist wohl die bereits teilanglisierte Form dieser Umschreibung für einen chinesischen Fürsten). Auch der Produktname 龍玺 „Longxi“, übersetzt „Drachensiegel“, spielt auf die Symbolik des chinesischen Kaisers an, der als einziger solch ein Siegel zur Unterzeichnung offizieller Dokumente verwenden durfte; der kaiserliche Drache ist auch in Gold erhaben auf der Flasche aufgebracht. Zu guter letzt ist die Verwendung traditioneller Zeichen statt vereinfachter (wie ich sie im Titel meines Artikels genutzt habe) eine Remineszenz an alte Zeiten.

Im folgenden Teil 4 gibt es eine spannende Alternative zu den bekannten Sorten – ein eichenfassgereifter Baijiu! Bis dahin!

Offenlegung: Ich danke erneut der belgischen Firma Vinopres SA und Spirits Selection für die kostenlose Bereitstellung einer Flasche dieses Baijius. Vinopres SA und Spirits Selection haben mir ganz enorm geholfen, und mich mit einer Reihe von Qualitäts-Baijius versorgt, denn die Beschaffung dieser chinesischen Spirituosen ist in Deutschland sonst sehr schwierig – ohne sie wäre diese Reihe nicht möglich gewesen.