Kurz und bündig – Metallica & Stone Brewing Enter Night Pilsner

Ich musste laut lachen, als ich die Box, die neulich bei mir in der Post landete, öffnete. Eine Kiste mit Bier, das ist schonmal schön, wenn dann dazu noch beim Öffnen „Enter Sandman“ von Metallica zu laufen beginnt, dann ist das schon ein Knüller. Das Prinzip kennt man ja von sprechenden Grußkarten, aber hier wirkt es echt doppelt. Was gäbe es besseres, als die Zusammenarbeit zwischen der Band Metallica und Stone Brewing zu präsentieren, als die Musik der Gruppe? Das Metallica & Stone Brewing Enter Night Pilsner kommt also mit großem Spaßvorschuss an. Weg vom schwarz-roten, düsteren Design, hin zum Bier im Glas – der Kontrast könnte kaum größer sein.

Metallica & Stone Brewing Enter Night Pilsener Promobox

Strahlendes Sonnenblumengelb, eine minimalste Opalisierung ist erkennbar, wenn das Bier frisch, wie vom Etikett empfohlen, aus der Kühlung kommt – wird es etwas wärmer, zeigt sich dagegen kristallene Klarheit. Mittlere, sichtbare Perlage, dünner, gemischtblasiger Schaum. Optisch wirklich ein Hingucker – man könnte meinen, das Bier leuchtet von sich aus. In der Nase zunächst etwas Hefe, gefolgt von zurückhaltenden Zitrusnoten – das Enter Night Pilsener wurde mit Emerald (soll das Smaragd sein?), Sterling und Mandarina Bavaria gehopft. Für ein Pils leicht malzig. Ein hintergründiger Geruch nach Pizzateig.

Metallica & Stone Brewing Enter Night Pilsener

Geschmacklich zunächst mild, feinherb, dabei aber weich im Antrunk. Im Verlauf baut sich die Bittere auf, bis sie im Abgang ihren Höhepunkt bei 45 deftigen IBUs erreicht – dort wird das Bier sehr trocken, kantig, verrückterweise aber gleichzeitig mit einer mir persönlich dabei zu pappig werdenden Süße, die dann auch die eigentlich durch die hohe Karbonisierung und eine milde Säure vorhandene Rezenz runterzieht. Aromatisch bleibt es dem Bierstil treu, ist nicht überfrachtet mit Aromen, sondern bleibt klar, frisch, helltönig und vergleichsweise streng. 5,7% Alkoholgehalt sind nicht unerwartet für ein Pils. Der Abgang ist kurz, bis auf einen Anflug von Blumigkeit aromatisch unauffällig, und herb.

Man mag es positiv sehen, dass man zumindest meint, den oft etwas brachialen Stone-Stil wiederzuerkennen, doch insgesamt enttäuscht mich das Enter Night Pilsener, als eines der ersten Stone-Biere seit langem. Da ist außer der knackigen Bittere kaum etwas, was ich besonders erwähnenswert finde, und die tolle Optik allein kann es halt nicht reißen. Ich sage allerdings direkt dazu, dass ich kein großer Pilsfreund bin – und auch von Metallica eigentlich nur 2 oder 3 Lieder mag. Ich gehöre damit zu keiner der Teilzielgruppen dieses Biers; wer Metallica liebt, und auch noch gern Pils trinkt, findet hier vielleicht eine schöne Kombination seiner Vorlieben.

Offenlegung: Ich danke Stone Brewing für die Zusendung dieser witzigen Promobox mit 3 Dosen des Biers.

Dreifach gereift hält besser – Ron Santisima Trinidad de Cuba 15 Años

„Rum hat keine Regeln“, das ist ein beliebter Satz, den man immer wieder hört. Tatsächlich gibt es keine globale Regelung von „Rum“. Andererseits gibt es auch keine globale Regelung für „Whisky“. Es gibt aber sehr strenge Regeln für „Bourbon“ und „Scotch Whisky“, und ähnlich muss man das auch bei Rum sehen – neben den Gesetzen, die in der EU-Spirituosenverordnung niedergelegt sind, die nur als minimal geltende Grundlage für die gesamte Kategorie dienen, haben eigentlich alle rumherstellenden Länder jeweils eigene Gesetze dafür, was dort als Rum gelten darf und was nicht. Manche sind strenger, manche lascher; manche ausgefeilt, manche eher lose formuliert; manche stehen in Widerspruch zu Details in der EU-Verordnung, manche fügen zusätzliche Rahmenbedingungen hinzu.

Kuba beispielsweise präsentiert ein langes Traktat, das beschreibt, wie Rum, der als solcher verkauft werden soll, hergestellt werden darf, mit vielen Vorschriften, die in anderen Ländern nicht gelten. Darin ist auch festgelegt, wie die Reifung auszusehen hat. Die dreifache Reifung, die als „triple añejamiento“ auf dem Etikett des Ron Santisima Trinidad de Cuba 15 Años ausgewiesen wird, ist ein Beispiel dafür. In der kubanischen Regelung ist vorgesehen, dass eine (optionale) dritte Reifungsstufe dem bis dahin in Ex-Bourbon-Fässern dahindümpelnden Destillat wieder frischen Sauerstoff zufügt – durch einen Blending-Zwischenschritt und das Umfüllen in andere Fässer. Diese sollten allerdings alt und aromatisch neutral sein. Dieser Schritt soll laut eigener Aussage dafür sorgen, den Geschmack und das Aroma zu optimieren. Schmeckt man einen Unterschied zwischen einem „doble añejamiento“ wie beim Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años und einem Blend, der diesen dritten Schritt auch noch gemacht hat? Ganz sicher tut man das, wie dieser Rum beweist.

Ron Santisima Trinidad de Cuba 15 Años

Farblich ist der 15 Jahre alte Kubaner (über die eigene Art, wie auf Kuba das Alter von Rum berechnet wird, hatte ich schon beim 7-jährigen Verwandten dieses Rums berichtet) sehr dunkelbraun, geht schon fast ins rötliche über – die orangefarbenen Reflexe und die leichte Viskosität, mit der sich der Rum im Glas bewegt, sorgen für einen insgesamt wirklich tollen optischen Eindruck.

Hält man das Glas an die Nase, riecht man zunächst den typisch kubanischen Stil, leicht, nur dezent fruchtig, süßlich, alkoholisch, ohne große Tiefe. Beim Santisima Trinidad 15 kommt eine gewisse Nussigkeit dazu, viel Vanille, Toffee, Butterscotch und Gewürze aus der Weihnachtsbäckerei, insbesondere Kardamom.

Im Antrunk wirkt er überraschend süß und schwer, die selbst durchgeführte Zuckermessung ergibt grob 14g/L, das erklärt das. Im Verlauf nimmt die Süße dann ab und wird unterfüttert durch eine sehr würzige Kardamom- und Nelkennote, die das Geschmacksbild ab dann prägen. Schön breit und voll liegt er im Mund, sehr gefällig und rund, ohne wirkliche Komplexität, mild und dabei doch nicht zu bequem – da könnte etwas mehr Spannung aufgebaut werden. 40,7% Alkoholgehalt sind letztlich leider zuwenig dafür, der Hersteller hält sich dabei an den maximalen Bottling Proof von 41%, wie in kubanischen Rumgesetzen festgelegt (ja, es gibt eine Möglichkeit, dem auszuweichen, aber das muss man ja nicht nutzen).

Ron Santisima Trinidad de Cuba 15 Años Glas

Pfeffrig und aromatisch ist dann der Abgang, hier geht dem Rum sehr deutlich die Luft aus, das Volumen schwindet und macht einem alkoholischen Feuerhauch mit Kribbeln auf der Zungenspitze Platz. Der Nachhall ist noch mit viel Gewürzen versehen, aber im Endeffekt etwas leer im Vergleich zum süßschweren Antrunk.

Das ist insgesamt sehr trinkbar und unterhaltsam, ein Rum, den man sehr schön abends vor sich hin schlürfen kann, auch gern mehrere Gläser, ohne dass einem dabei langweilig wird. Kopf und der Gaumen werden nicht überanstrengt, aber auch nicht unterfordert oder beleidigt – der Ron Santisima Trinidad 15 hat das, was sich der Kenner von leichtem Rum erwartet, und was dem Anfänger sicherlich auch gefallen wird. Ich gebe zu, die Gewürzkomponente ist so stark und speziell rumuntypisch, dass ich im Stillen eine leichte Aromatisierung vermute, ohne dies aber belegen zu können.

Entsprechend ist er auch eine Wohltat in Cocktails, die nach leichtem Rum verlangen – oft nutzt man da dann Produkte, die komplett ohne Charakter sind. Der Santisima Trinidad 15 eignet sich für Cocktails wie den La Florida nahezu perfekt. Das Ergebnis ist ein würzig-aromatischer, schwersüßer und dabei trotzdem seltsamerweise leichter Drink.

La Florida


La Florida
2 oz Rum
¾ oz Limettensaft
½ oz Crème de Cacao
¼ oz süßer Wermut
1 Teelöffel Grenadine
Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]


Äußerst attraktiv finde ich die Präsentation – insbesondere, wenn man die beiden Flaschen der Marke nebeneinander betrachtet. Die grundsätzlich Flaschenform ist ähnlich massiv und schwer, aber nicht gleich, die des Fünfzehner ist deutlich schlanker und höher als die des in der Einleitung schon erwähnten Siebener. Das Etikett ist sehr hübsch, schwungvoll und dabei immer noch elegant zurückhaltend ohne die flashige Plumpheit vieler anderer Rums. Der geformte Korken im wuchtigen Flaschenhals tut sein übriges dazu

Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años und 15 Años

Wie man auf dem Foto mit dem Glas sieht, habe ich die Flasche schon fast leer. Das ist schon eine Art von Auszeichnung, denn nicht viele Rums kann ich so unbeschwert und ohne eintretende Langeweile und Wunsch nach Abwechslung trinken wie den Ron Santisima Trinidad de Cuba 15 Años. Ich würde wirklich gern eine ungesüßte Variante davon probieren – die Süßung ist der einzige Wermutstropfen in einem ansonsten wirklich schönen Rum, der mir viel Freude bereitet hat. Die Vergangenheitsform schon deswegen, weil ich davon ausgehe, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels die Flasche vollständig geleert sein wird.

Kurz und bündig – Maisel & Friends Alkoholfreies Pale Ale

Als ich neulich einen Artikel über alkohol- und zuckerfreie Cocktails schrieb, wurde mir eins deutlich gemacht – man sollte derartige Getränke nicht als Ersatz für das sehen, was wir landläufig als „normale“ Cocktails betrachten. Es ist eine eigenständige Kategorie, mit anderen Bedingungen, Zutaten, Zielgruppen und Absichten. Ähnlich betrachte ich auch alkoholfreie Biere. Auch wenn Brauer Maisel & Friends sein Alkoholfreies Pale Ale natürlicherweise noch als einen Bierersatz betrachtet und bewirbt, will ich meine Meinung direkt klarstellen – bisher habe ich noch kein alkoholfreies Bier getrunken, das auch nur annähernd einem alkoholhaltigen Bier nahekommt. Vielleicht lohnt es sich, einfach mal den „Ersatz“-Gedanken über Bord zu werfen und so ein Produkt als das zu betrachten, was es ist, und nicht als das, was es nicht ist (und auch in mittelfristiger Zukunft nicht sein kann). Tun wirs doch einfach!

Maisel & Friends Alkoholfreies Pale Ale

Ganz lösen kann man sich letztlich nicht – es sieht aus wie ein Bier. Naturtrüb, blickdicht,  orange-milchig. Man sieht starke Perlage, die gemischtblasigen Schaum lange am Leben erhält. Tatsächlich kommt es auch in der Nase wie ein klassisches Pale Ale an, ohne Abstriche. Grapefruit, Orange, Limette. Recht helltönig, leichte Malznoten.

Im Mund findet dann der Wechsel zu einer anderen Getränkekategorie statt. Sehr kräuterig und gemüsig im Antrunk, die Hopfennoten sind zwar da, wirken aber nicht so knackig und prägnant wie bei einem alkoholhaltigen Pale Ale. Rosmarin und Spargel, und eine recht harzige Komponente. Nur sehr wenig Körper. Gute Säure, und in Kombination mit der hohen Karbonisierung rezent und erfrischend. Der Abgang ist bitter, 34 IBU sind hier klar erkennbar, kurz, hinterlässt deutliche Anästhesieeffekte auf der Zunge. Etwas Fruchtkaugummi klingt nach.

Wenn man den Gedanken an Bier einfach mal ausblendet, dann kann man das wunderbar trinken, als abwechslungsreicher Durstlöscher. Das Alkoholfreie Pale Ale von Maisel & Friends ist sicher etwas, was gerade im Sommer oft als Alternative zu Cola, Fanta und Sprudel in meinem Glas landen wird. Das wunderhübsche hellblaue Etikett mit den Vögeln, die sich aus einer Hopfendolde lösen, sorgt jedenfalls darüber hinaus für gute Laune.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die Zusendung einer Flasche des Alkoholfreien Pale Ales.

Grünzeugs von der Saar – SaarWhisky Absinthe Absense, Herr der Frösche, Fürst von Absinth, Fragment und Weisser Kristall

Gin – das ist die Antwort auf die Frage, was kleinere Hersteller, oder solche, die erste Gehversuche im Spirituosenbusiness machen, auf den Markt werfen. Meist solcher, der kaum noch als Gin zu erkennen ist, weil er „neu“ und „innovativ“ ist und daher nicht mehr nach Wacholder schmecken muss (meint so mancher).  Ich bin begeistert, wenn sich ein lokaler, kleiner Abfüller etwas anderes aussucht, um neue Kundschaft zu gewinnen – und wenn es dann auch noch etwas eher seltenes ist, wie Absinth, um so mehr.

SaarWhisky hat sich schon durchaus einen Namen gemacht mit ihren Abfüllungen schottischen Whiskys – eine hohe Bewertung von Jim Murray in einer Kategorie seiner Whisky Bible sorgte auf Aufmerksamkeit. Mit Punktewertungen kann man mich kaum ködern, mit einer Serie von hausgemachten, selbst in kleinen Anlagen destillierten und von Hand teils mehrfach mazerierten Absinths aber schon. Ich habe mir die dankenswerter Weise auch in Miniaturen verfügbaren Produkte besorgt, und will sie hier vorstellen. Fürst von Absinth, Absense und Herr der Frösche sind Interpretationen des klassischen „grünen“ Absinths, darüber hinaus gibt es mit dem Weisser Kristall einen weißen Absinth, und der Fragment ist ein Rouge. Da steht viel Spaß ins Haus! Mein grundsätzliches Vorgehen bei Absinth, den ich insbesondere bei der hohen Abfüllstärke der SaarWhisky-Absinths nicht pur verkoste: Geruchsprobe erst ohne Wasserzugabe, dann mit und schließlich die Verkostung nur mit Wasser.

SaarWhisky Absinthe Absense, Herr der Frösche, Fürst von Absinth, Fragment und Weisser Kristall

Wir fangen einfach mal mit dem Fürst von Absinth an. Die Hintergrundgeschichte ist abenteuerlich – nach seinem Tod 1786 wurde Wilhelm Heinrich Fürst von Saarbrücken- Nassau mit einer Reihe von Kräutern einbalsamiert. Diese finden sich alle in diesem Absinth wieder. Erinnert mich etwas an Admiral Nelson, der in Rum eingelegt wurde. Man mag das alles mehr oder weniger appetitlich finden, die Farbe ist jedenfalls sehr hübsch – ein leichtes, dezentes strohiges Grün. Wie bei allen SaarWhisky-Absinths wird nicht gefärbt, die Farbe ist natürlich durch ein zweites Mazerationsverfahren entstanden. Ein dicker Beinteppich entsteht beim Schwenken im Glas. Nach Wasserzugabe entsteht sofort ein blickdichter, starker, immer noch leicht grünlicher Louche.

Pur riecht der Fürst von Absinth noch sehr süßlich, mit vielen Fenchel- und Anisnoten. Nicht lakritzig-aggressiv wie manch anderer französischer Absinth. Würzig, kräuterig, auch fruchtig mit Erinnerung an Orangenschale. Mit Wasser wird er herber, mineralischer, die Frucht ist vollständig verschwunden und durch Kalk und Algen ersetzt. Salbei und Kamille kommen nach vorn.

SaarWhisky Fürst von Absinth

Im Antrunk dominiert zunächst die Süße, eine milde Kräuternote beginnt aber direkt, sich zu entwickeln. Kamille, Koriander und Salbei meine ich aus der Liste der Botanicals tatsächlich herauszuschmecken. Im Verlauf ensteht eine pikante Bitterkeit, Süßholz und Anis beginnen, sich Raum zu verschaffen. Dank 68,3% Alkoholgehalt bleiben genug Aromen auch nach Verdünnung. Der Abgang ist mittellang, sehr blumig und leicht, ein bisschen salzig. Ein wenig Gewächshausgeruch hängt nach, milde Betäubungseffekte auf Zunge und Gaumen bleiben. Eure Hoheit, Ihr wisst zu überzeugen. Ein delikater, aber auch eleganter Absinth, der mir vor allem wegen der äußerst hübschen Blumigkeit im Abgang und Nachhall sehr gefällt.

Für die Cocktails, die ich für die Absinthes ausgewählt habe, achtete ich besonders darauf, dass es nicht nur Rezepturen sind, in denen Absinthe nur als Glasaromatisierer dient, wie beim Sazerac und ähnlichen. Im Petanque ist der Absinthe schon deutlich mehr als nur eine Note; bei einer Zutat, die sonst so aromatisch brutal daherkommt, ist es dann aber auch schwierig, etwas zu finden, das dagegen ankommt – die Eleganz des Fürst von Absinth kombiniert sich hier allerdings wunderbar mit der Nussigkeit des Sherry und des Amaretto.

Petanque


Petanque
2½ oz Amontillado Sherry
1 oz Amaretto
2 Spritzer Peychaud’s Bitters
Auf Eis rühren.
½ Teelöffel Absinthe als Float

[Rezept adaptiert nach Andrew Bohrer]


Der Fürst hat gesprochen, wir bewegen uns zum nächsten Absinth von SaarWhisky, dem Absense. Das Etikett verspricht eine tiefgrüne Farbe, nun, das ist Ansichtssache, für mich wirkt es eher gelbgrün mit fast schon weißen Reflexen. Das ist keine Kritik, ich schätze natürliche Farben, bei manchen Pseudoabsinthen findet man derart giftige Grüns, die rein künstlich enstehen, da danke ich den Herstellern für die Ehrlichkeit. Der Louche ist blickdicht, gelblich-grünlich-milchig.

Ich rieche Anis, Grapefruit, und sehr stark Melisse und Kamille. Bei tiefem Schnuppern ahnt man die 68,8% Alkoholgehalt schon, aber ohne Zwicken. 13 Kräuter werden hier mazeriert, das ergibt ein schönes, rundes Bouquet. Auch hier, wie schon beim Vorgänger, wird durch Wasserzusatz die kräuterige Note stärker, Fenchel und Algen beginnen zu dominieren.

SaarWhisky Absense Absinth

Süß und cremig im Mundgefühl, aber kräuterig im Geschmack. Ich erkenne eine starke Karottigkeit, kombiniert mit einer milden Sellerienote. Insgesamt gemüsig. Eine leichte Pfeffrigkeit lässt die Zunge kitzeln. Bittere löst die Süße erkennbar ab, mildsalzig und sehr umami. Der Abgang ist kalt, mit viel Eukalyptushauch. Etwas Lakritz hängt lange nach. Klare Anästhesieeffekte auf der Zungenfläche bleiben noch länger. Am Ende ensteht eine milchschokoladige Note. Der Absense ist sehr klassisch im Geschmack, nach meiner Ansicht recht wuchtig, ohne dabei aber allzu streng zu werden.

Ein Zitat aus der Herstellerbeschreibung sagt, dieser Absinth bringe „eine Geschmacksintensität hervor, die Sie in den Bann märchenhafter Traumlandschaften zieht“. Na, Märchen kenn ich. Und was kommt in Märchen vor? Feen. So schließt sich der zugegebenermaßen etwas bemühte Kreis zum Cocktail. Der Green Fairy ist praktisch ein Absinthe Sour, das klingt nicht ganz so mythisch, schmeckt aber trotzdem legendär.

Green Fairy


Green Fairy
1 oz Absinthe
1 oz kaltes Wasser
1 oz Zitronensaft
¾ oz Zuckersirup
1 Spritzer Angostura
Eiweiß
Auf Eis shaken.

[Rezept nach Dick Bradsell]


Bleiben wir im Märchenland – wechseln wir aber von der Fee zu einem anderen etwas weniger hübschen Fabeltier. Herr der Frösche – ja, das ist ein zur Farbe passender Titel. Grünbraun, verwechselbar erinnernd an Olivenöl. Auch hier ungefiltert und ohne künstliche Färbung. Im Glas bewegt sich der Frosch sehr ölig und schwer, und hinterlässt mehr einen Vorhang denn Beine. Der Louche ist leicht milchig, immer noch deutlich grün mit Tendenz zu Gold und halbtransparent.

SaarWhisky Herr der Frösche Absinth

Die Geruchsprobe vor der Wasserzugabe offeriert Fenchel und leichte Zitrusnoten, etwas Gummi. Ein Hauch von Rosenblättern. Mit Wasser wird es mineralischer, erdig und holzig, mit Erinnerung von Gewächshausgerüchen. Sehr typisch. Vom Geschmack her wird es nicht schlechter – milder Fenchel, grünes Gras, Apfel, Karotten. Feinherb und nur leicht salzig. Sehr frisch, hell und mit zurückhaltenden Zitrusgeschmäckern. Dadurch wirkt der Herr der Frösche elegant und fein, so gar nicht froschig. Im Gegenteil, er liegt vielschichtig im Mund. Cremig und ohne Kanten. 68,3% Alkoholgehalt kümmern sich darum, dass der Herr der Frösche auch mit Wasser noch genug Sprungkraft hat. Der Abgang ist sehr minzig, frisch und leicht. Mittellang, astringierend und mit langanhaltendem Betäubungseffekt auf der Zunge.

Viele Cocktails, die einen großen Absinth-Anteil haben, nutzen auch Wasser als Zutat. Dies soll wahrscheinlich genau den Effekt auf die Aromen haben, den man auch beim Purgenuss mit Wasser wünscht – im Triple A zeigt sich dies wunderbar. Die Kombination mit Apfel und Mandel ist aber auch so schon interessant.

Triple A


Triple A
1 oz Absinthe
1 oz kaltes Wasser
1 oz Apfelsaft
½ oz Orgeat
¼ oz Limettensaft
Auf Eis shaken.

[Rezept nach Dick Bradsell]


Nach dem dunkelgrünen Froschherrn folgt nun eine kontrastierende Besonderheit: Ein weißer Absinth. Sieht man nicht allzu häufig, und ist allein daher schonmal spannend. Der Weisse Kristall scheint auch zunächst völlig klar zu sein, doch wenn man das Glas gegen das Licht hält, bilde ich mir ein, einen leichten grünen Schimmer erkennen zu können. Täusche ich mich da? Ich bin verwirrt, aber nur weil er ungefiltert und ohne Farbzusätze ist, heißt das ja nicht, dass die Kräuter nicht eine gewisse Farbe mit sich bringen. Die leichte Öligkeit dagegen ist keine Einbildung.

SaarWhisky Weisser Kristall Absinth

Nach der Wasserzugabe entsteht ein dichter und bleichweißer Louche, ganz ohne dazufantasierten Grünton. Ich rieche sehr deutlich Kamille, dahinter Melisse, gefolgt von etwas milde Minze. Das passt mit der Angabe der verwendeten Zutaten – es wird noch Ysop aufgeführt, das ich allerdings nicht kenne und daher nicht beurteilen kann. Mit Wasser kommt plötzlich eine Anisnote dazu, die ich vorher nicht wahrgenommen hatte. Geschmacklich ist der Weisse Kristall salzig, sehr grasig, mit einer überraschend deutlichen Karottenkomponente. Insgesamt wirkt der Absinth sehr gemüsig, das ist ungewohnt, aber gar nicht schlecht. Die hohe Stärke von 68,3% erfordert eine deutliche Wasserzugabe, doch auch danach bleibt viel weißer Pfeffer und kaltes Feuer im Glas. Der Nachhall ist lang, sehr bitter, trocken, mit viel Eukalyptus und Minze.

Den Weissen Kristall habe ich im Yellow Parrot eingesetzt – die starke Süße der restlichen Zutaten kombinieren sich wunderbar mit der milden Kamillenote und der minzigen Kraft dieses Absinths. Im Gegensatz zu vielen Absinthen ist hier, obwohl ein schöner Anteil drin ist, nicht nur noch der Absinth zu schmecken, sondern ein rundes Gesamtbild entsteht.

Yellow Parrot


Yellow Parrot
1 oz Chartreuse Jaune
1 oz Apricot Brandy
½ oz kaltes Wasser
¼ oz weißer Absinthe
Auf Eis shaken.

[Rezept nach Harry Craddock]


Auch der nächste und letzte Absinth hat eine ungewohnte Farbe. Der Fragment ist ein Rouge. Man bewegt sich hier weg vom allgegenwärtigen Absinthgrün – die Färbung hier geschieht nicht durch künstliche Farbstoffe, sondern durch die Mitmazeration von roten Beeren. Farblich würde ich ihn entsprechend auch zwischen einem Tawny Port und einem gereiften Weinbrand einordnen – da ist eine leichte rötliche Note, und hellorangene Reflexe, die sich von einer normalen gereiften Spirituose unterscheiden. Er ist im Glas sehr beweglich und kaum viskos.

Tatsächlich ist der erste Geruchseindruck eine Melange aus Heidelbeeren, Brombeeren und Anis. Eine faszinierende, erstmal für mich komplett neue Aromenwelt – ich kannte diese Mischung bisher höchstens aus Cocktails. Etwas Fleischiges ist da noch dabei; schwer zu greifen und zu definieren. Der Louche ist hier sehr interessant – auch wenn er komplett blickdicht milchig wird, hat er einen schönen rostrote Ton bekommen. Eine echte Abwechslung! Aromatisch ist nach Verdünnung dann grüne Banane, etwas Gummi, Vanille und eine etwas reduzierte Beerigkeit vorhanden. Fenchel, beinahe schon Lakritz, ist nun deutlicher.

SaarWhisky Fragment Absinth

Im Mund findet sich ein grünes Kräuterbeet, und ein Aroma, das ich ganz extrem mit Kräuterbonbons assoziere. Ja, das schmeckt wie ein aufgelöstes Ricola Schweizer Kräuterzucker. Menthol, Lakritz. Von den Beeren ist nun gar nichts mehr da, nur noch eine Grundsüße, die bis zum Schluss da bleibt. Ein hochinteressantes Umkippen vom mildfruchtigen Purgeruch hin zur reinen Kräuterwucht! Salzig und umami. 68,3% Alkoholgehalt überraschen uns nach den Vorgängern nicht mehr, wir nehmen das aber dennoch weiterhin hochgradigst positiv wahr.

Der Abgang des Fragment ist sehr hauchig, eukalyptisch, mentholig, minzig. Dabei entsteht trotzdem eine langanhaltende Wärme vom Rachen bis durch die ganze Speiseröhre. Der Gaumen und die Zunge bleiben stark pelzig betäubt. Hm, das ist jedenfalls sehr interessant. Ich bin mir allerdings unsicher, ob ich dieses Erlebnis wirklich übermäßig mag – es wird eine Weile dauern, bis ich mich akklimatisieren kann – im Vergleich zu allen anderen hier probierten fällt der Fragment etwas ab und wirkt für mich unausgewogen. Dieser Überraschungsmoment der Ungewohntheit ist aber andererseits schon eine tolle Sache, passiert mir heutzutage nicht mehr oft.

Bezüglich des Cocktails entschied ich mich für ein fruchtlastiges, bitterherbes Rezept. Der Fairy Sugar Mama greift wieder mal das Pseudonym für Absinth („Fee“) auf, bietet auch farblich mit Campari einen farblich passenden Mitspieler. Wie schon erwähnt sind diese absinthlastigen Kreationen eher selten, um so erfreulicher, wenn man damit noch einmal zeigen kann, dass Absinth ohne Mühe aus der Nische des Hilfsmittels herauszutreten im Stande ist.

Fairy Sugar Mama


Fairy Sugar Mama
1 oz roter Absinthe
1⅔ oz Ananassaft
¾ oz Limettensaft
⅔ oz Orgeat
⅓ oz Campari
Auf Eis shaken.

[Rezept nach Andy Mil]


Ein Fazit – fast alle diese Absinths von SaarWhisky gefallen mir überdurchschnittlich gut. Neben dem Inhalt der Flaschen ist auch die äußere Gestaltung hervorragend gelungen. Die schwarzen Samplefläschchen halten sich an die Form der großen Vollflaschen, und die Etiketten sind sehr fantasievoll und professionell gestaltet. Mir gefallen hier gerade der Herr der Frösche und der Weisse Kristall ausnehmend gut, das ist frech und frisch und ein echter Eyecatcher – gerade der fette, einäugige Frosch war überhaupt der Grund für mich, diese Spirituosen auszuprobieren. Wirklich toll gemacht.

Unabhängig von der Präsentation bekommt man aber auch bei allen fünf Ausprägungen einen Absinth, den man sehr angenehm mit Eiswasser trinken kann, wenn man mal eine Alternative zu der sonst bei dieser Spirituosenkategorie oft so arg dominanten Anisnote haben will – die Botanicals sind klug gewählt und sorgen für Komplexität und Eleganz. Ich genieße das sehr; eine wirklich schön gestaltete lokale Spirituose aus dem Saarland.

Kurz und bündig – Max Luttner & Maisel & Friends Twin Peak Weizendoppelbock

Hier mal ein Bier, zu dem ich eine etwas besondere Beziehung habe – der Twin Peak Weizendoppelbock war der Gewinner des 1. Hobbybrauerwettbewerb von Maisel & Friends und der Braubeviale 2018. Als Teil der Jury konnte ich beobachten, wie sich dieser von Hobbybrauer Max Luttner eingereichte Sud am Ende als Gewinner herauskristallisierte.  Der Hauptgewinn dieses Wettbewerbs war eine professionelle Herstellung in größerem Maßstab bei Maisel & Friends, wobei sich natürlich trotzdem an Rezept und Gestaltung der Flasche des glücklichen Bierfreunds gehalten wurde.

Max Luttner & Maisel & Friends Twin Peak Weizendoppelbock

Mezzomixbraun, trüb und komplett blickdicht, am Boden setzen sich viele, sich farblich deutlich abgrenzende Hefereste ab. Leichte Perlage, aber praktisch kein Schaumerhalt kurz nach dem Eingießen. Nach dem etwas unspannenden optischen Eindruck kommt ein umso erfreulicher Geruch in den Riechkolben – fruchtig in der Nase, viel Pfirsich und Aprikose, aber auch eine überraschende und recht präsente Note nach BBQ-Sauce. Malzig und hefig.

Das Twin Peak ist sehr fruchtig im Antrunk, richtig ein bunter Früchtekorb. Die initiale Süße verschwindet schnell und macht einer hellen, kantigen Trockenheit Platz. Säure beherrscht das Gefühls- und Geschmacksbild, bis zu einer leichten Adstringenz an der Zungenspitze. Sehr rezent und hochkarbonisiert. Der Abgang ist fast schon warm und fühlt sich leicht alkoholisch an (7,8% Alkoholgehalt sind doch etwas erkennbar). Mittellang, mit Kaugummiaromen und einem malzigen Nachklang.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 06 - Jury

Taugt das Bier insgesamt was? Die Expertenjury des Hobbybrauerwettbewerbs war sich vergleichsweise einig und sagte „ja“. Immerhin bestand sie aus geballter Fachkompetenz einerseits und mir andererseits, der ich mich praktisch als blutiger Anfänger fühlte gegenüber diesen Kennern – Christof Habel (Redakteur BRAUWELT und GradPlato), Mareike Hasenbeck (Journalistin und Biersommelière), Markus Raupach (Journalist, BierAkademie und Biersommelier), Andrea Kalrait (Veranstaltungsleiterin BrauBeviale und Biersommelière), Michael König (Biersommelier Maisel & Friends), Gracia Sacher (Bierbloggerin „Hopfenmädchen“) und André Brunnsberg (Vorsitzender der finnischen Hobbybrauervereinigung, Delegierter der European Beer Consumers Union).

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die Bereitstellung von 4 Flaschen des Twin Peak.