Blauweißes Diebesgut – 杏花村汾酒青花20 Xinghuacun Fenjiu Qinghua 20 Baijiu

Es ist eine Weile her, dass ich den letzten Baijiu im Programm hatte. Letztlich liegt es einfach daran, dass qualitativ hochwertige Baijius in Deutschland nur extrem schwer zu bekommen sind. Den hier vorgestellten 杏花村汾酒青花20 (Xinghuacun Fenjiu Qinghua 20) musste ich mir darum auch auf abenteuerliche Weise besorgen – ich beichte hier einfach mal, dass ich die Flasche beim Galadinner, das die chinesische Delegation im Zuge des Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles 2018 in Bulgarien organisierte, einfach mitgehen lassen habe. Da standen auf jedem Tisch einige Flaschen davon; wieso sollte man sowas schönes stehen lassen, oder? Letztlich sind mir die Organisatoren wahrscheinlich nicht böse, denn der nächstjährige Ort für den wandernden Spirituosenwettbewerb wird eben in der Nähe des Herstellungsorts 杏花村 (Xinghuacun) sein – man kann die Flaschen also als Werbematerial sehen.

Wie bei meinen Baijiu-Artikeln üblich, zu Beginn erstmal ein paar kleine definitorische Erklärungen – der Name dieses Schnapses ist schließlich lang und kompliziert. 汾酒 (fenjiu) ist eine Sorte von Leichtaroma-Baijiu, die eng mit dem Hersteller just dieses Produkts verbunden ist. Xinghuacun Fenjiu ist die größte Destillerie Nordchinas, und sie definierte den Stil größtenteils. Wichtige Elemente bei der Herstellung von Fenjiu sind die Verwendung von Gerste und Erbsen als Fermentationsstarter („qu“), sowie das Vergraben der Tonkrüge, die zur Reifung eingesetzt werden. 青花 (qinghua) ist ein weltbekannter chinesischer Porzellanstil, der auch die frühe islamische, japanische, holländische und schließlich deutsche Porzellankultur definierend mitgeprägt hat – das allgegenwärtige Blauweiß ist aber auch sehr beeindruckend.

杏花村汾酒青花20 Xinghuacun Fenjiu Qinghua 20 Baijiu

Raus aus der Flasche, rein ins Glas. Die völlige Transparenz des Fenjiu wird durch keinerlei Einschlüsse oder Trübungen getrübt.Die Nase ist für Baijiu-Verhältnisse mild, aber dennoch aromatisch – man riecht Pflaume, Aprikose, rote Äpfel. Etwas Weinessig. Neben dieser Frucht ist Schokolade und Malz sehr präsent. Durchaus attraktiv und erinnert mich etwas an einen deutschen Obstbrand.

Malzig, süß und schokoladig wirkt der Qinghua 20 beim Antrunk, bunte Fruchtkorbeindrücke schwingen mit, ohne wirklich esterig zu werden. Eine sehr feine Würze begleitet die Aromatik, ein Anflug von Lakritz, eine sehr effektive Süßsauer-Balance mit leichter Tendenz zur Säure. 53% Alkoholgehalt sind nirgends zu spüren, tatsächlich ist es für diese Stärke die weichste Spirituose, die ich je getrunken habe – wüsste ich es nicht, würde ich sie höchstens auf um die 40% einsortieren. Ob die Zahl „20“ wirklich 20 Jahre Alter bedeutet, wie es manche chinesische Onlineshops anpreisen, wage ich nicht zu beurteilen, ich gehe einfach mal nicht davon aus – die ausgeglichene Rundheit und stille Eleganz könnten aber schon Hinweise auf ein derartiges Alter sein.

杏花村汾酒青花20 Xinghuacun Fenjiu Qinghua 20 Baijiu Glas

Der Abgang ist staubtrocken, leicht adstringierend, sehr mild und weich und warm. Aromatisch eher kurz, mit einem hauchig-eukalyptischen Nachhall. Etwas Aprikose hängt noch eine Weile am Gaumen, zusammen mit einem dezenten Eisenton.

Wow, einfach nur wow. Das ist ein fantastischer Baijiu, den man tatsächlich am deutschen Familientisch nach dem Sonntagsessen als Abwechslung zu einem klaren Obstbrand als Digestiv servieren kann – erzählt man dann, was man da präsentiert, werden die Augen groß und die Diskussion lang sein.

Man muss nicht jedesmal, wenn man einen Baijiu in einem Drink verwendet, automatisch auf eine chinesische Bezeichnung umspringen, das ist eine Exotisierung, die ich schon bei Tequila und Mezcal nicht mag, wenn plötzlich alles zur Fiesta wird. Wir wollen Baijiu schließlich näher bringen und aufklären, nicht noch durch fremde, unaussprechliche Wörter weiter mystifizieren. Daher passt der Name, den ich dieser Variation auf Phil Wards Division Bell gegeben habe, vielleicht metaphorisch ganz gut – Unification Bell, die Glocke der Vereinigung, die westliche und östliche Spirituosen ganz natürlich zusammenbringt.

Unification Bell


Unification Bell
1 oz Fenjiu
¾ oz Aperol
½ oz Maraschino
¾ oz Zitronensaft
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Helmut Barro]


Die Flasche ist hübsch designt, bauchig, putzig und trotzdem elegant, im oben angesprochenen Porzellanstil. Über den Plastikdrehverschluss sehen wir hinweg, den Nachfüllstop brauch ich natürlich nicht wirklich, aber immerhin ist er von der Art, die gut funktioniert.  Passend dazu gab es ein Trinkset als Geschenk (ohne Mitgehenlassen), ein Baijiu-Krug, zwei Shotgläser und Untersetzer in einem schönen Karton. Ich mag derartigen Kitsch irgendwie.

杏花村汾酒青花20 Xinghuacun Fenjiu Qinghua 20 Baijiu Trinkset

Man merkt in vielen Spirituosenkategorien, dass die ersten Wellen von „neuen“ Produkten, die nach Europa kommen, erstmal nicht das wirklich Gelbe vom Ei sind – die frühen Konsumenten, die natürlich eben wegen der Neuheit erstmal keinen Vergleich der Qualitätsstufen haben können, müssen als Versuchsobjekte für mutige, aber nicht unbedingt besonders engagierte Hersteller herhalten, und sind gleichzeitig schon froh, irgendetwas „Neues“ zu bekommen. Tequila, Cachaça, Mezcal, Grappa – und nun Baijiu, bei allen kommt die Qualität erst mit der Zeit, wenn das Mittelmaß bereits seinen Fuß in der Tür hatte und damit den Weg bereitete. Schade, dass das oft so herum sein muss. Es wäre besser, wenn Produkte wie der Xinghuacun Fenjiu Qinghua 20 der Erstkontakt zu Baijiu sein könnte; die Meinung über Baijiu wäre anders.

Ein Nachtrag in eigener Sache: Eine englische Fassung dieses Artikels erschien auch auf der Seite des neuen Baijiu Steering Committees von Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles. Ich freue mich über die Ehre, Mitglied dieser Gruppe zu sein.

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hopfenreiter 2019 Double IPA

Ich war ehrlich erstmal ein bisschen baff, als ich die Liste der 6 Hopfensorten, die von den teilnehmenden befreundeten Brauereien für den „Freundschaftssud“ Maisel & Friends Hopfenreiter 2019 Double IPA beigesteuert wurden, gelesen habe. Von den 6 kannte ich bisher 4 noch überhaupt nicht, habe nicht einmal den Namen gehört – um so spannender, diese Exoten alle auf einmal in einem Bier gemeinsam vorzufinden. Ich rede hier von Eukanot (Sudden Death Brewing), El Dorado (Überquell), Comet (Tilmans Biere), Moutere (Tiny Rebell Brewing), Citra (Brouwerji de Molen) und Azacca (Maisel & Friends). Alter Wein in neuen Schläuchen, oder tatsächlich etwas spannendes Neues?

Maisel & Friends Hopfenreiter 2019

Der Hopfenreiter 2019 ist kristallklar, in einem entsprechenden Glas sieht man die starke Perlage dadurch besonders spektakulär.  Ein tolles Kupfer, leuchtend und beeindruckend. Für ein DIPA überraschend langlebiger, feinporiger Schaum. Sehr viel Hopfen bekommt man in die Nase, Grapefruit, Limette, dazu etwas Tropenfrucht. Im Hintergrund etwas Orangenmarmelade und Ingwer.

Cremig und zunächst süßlich im Antrunk, erst auf den zweiten Blick kommt die von einem DIPA zu erwartende Bittere dazu. Diese wird immer dominanter, bis im Abgang eine starke trockene Astringenz die Spucke wegzieht. Der Hopfenreiter 2019 wirkt dennoch angenehm ausgewogen und rund, mit viel Körper sowohl in Breite als auch Tiefe – eine knackige Säure gibt Rezenz dazu. Orangenschale, Grapefruit und Malz beherrschen das Geschmacksbild. 8,5% Alkoholgehalt haben ihren Platz im Sattel gefunden ohne Reibung zu verursachen. Der Abgang ist lang, aromatisch und zitrusfrisch-helltönig. Die Hopfennoten bleiben lange am Gaumen haften.

Erneut ein wirklich schönes Bier aus der Hopfenreiter-Reihe. Mir haben bisher alle gefallen – der Hopfenreiter 2019 macht keine Ausnahme und gallopiert mit viel Schwung ohne Mühe über die Hürden und ins Ziel.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose Zusendung einer Flasche des Hopfenreiter 2019.

Batmans Lieblingsgetränk – Huizache Tequila Blanco und Reposado

Schon als kleines Kind mochte ich Fledermäuse. Eine Anekdote, die meine Eltern immer wieder gern erzählen, ist die von der erschöpften Fledermaus, die ich als Kind im Haus gefunden und mittels eines Bestimmungsbuchs als Vespertilio murinus identifiziert hatte, was den beigerufenen Fledermauskenner in basses Erstaunen versetzte. Heute gefällt es mir immer noch, die kleinen Flatterer zu beobachten – und ich schätze sie, weil sie einen gar nicht unbeträchtlichen Beitrag zur Herstellung einer meiner Lieblingsspirituosen liefern: Tequila.

Die fortschreitende Habitatsveränderung macht es Fledermäusen auf der ganzen Welt immer schwerer. Die Monokultur und Industrialisierung der Agavenkulturen in Mexiko, die durch den schlimmen Durst der Welt auf Tequila entstanden ist, sorgte über eine ganze Weile dafür, dass die Fledermaus, die die Agavenblüten bestäubt, vom Aussterben bedroht war. Inzwischen, und das ist endlich mal eine gute Nachricht, bessert sich die Situation für die Lederflügler – sie sind offiziell nicht mehr auf der Liste der bedrohten Arten. Viele Maßnahmen sorgten dafür, letztlich auch viele Tequila-Hersteller, die die Lage erkannten und durch fledermausfreundliche Landwirtschaft etwas für die Nachhaltigkeit ihres Produkts taten.

Die Betreiber der Destillerie, die Huizache Tequila Blanco und Reposado herstellt, haben solche Maßnahmen ergriffen. Daneben betonen sie, dass ihre Tequilas ohne Zusatzstoffe auskommen. Erlaubt ist in Tequila so einiges, was der Konsument nicht mal ahnt, dazu gibt es viele Schlupflöcher, die das CRT nicht stopfen will oder kann. Um so schöner, wenn sich ein Hersteller klar dazu bekennt, diese Möglichkeiten nicht ausnutzen zu wollen, sondern ein ehrliches, sauberes Produkt abzuliefern; da sammelt man bei mir direkt Punkte. Schauen wir uns die Destillate der NOM 1437 mal ein bisschen näher an.

Huizache Blanco und Reposado

Blanco-Tequila ist ungereift, daher ist der Huizache Blanco natürlich klar. Ich erkenne beim Schwenken keine Einschlüsse oder Fehler. Schnell ablaufende Beine am Glas machen die leichte Öligkeit deutlich. Die Nase ist geprägt von Grasigkeit und milder Agave. Da ist eine deutliche Mineralität, Beton, feuchter Kies, Aquariumspflanzen. Etwas Apfelessig. Man riecht im Hintergrund Ethanol. Dass dieses Produkt mit einem Diffusor hergestellt wird, erkennt man an der leichten Fruchtkaugummi- und Zuckerwattenote.

Der Antrunk ist sehr süß, und diese Süße bleibt auch fast bis zum Schluss prägend. Kandiszucker und weiße Schokolade, Latte Macchiato, aber auch Agavenwürze und Anflüge von Thymian und Duftkräutern wie Lavendel, eine Parfümnote nach Kölnisch Wasser. Es fehlt leider etwas an dem, was handwerklichen ungereiften Tequila so spannend für mich macht, die so wunderbare wuchtige Agavenfruchtigkeit – das ist wohl der Herstellungsart geschuldet. Stattdessen hat dieser Tequila andere Vorzüge, er wirkt erdig, grasig und leicht. 40% Alkoholgehalt sind gut eingebunden. Der Abgang ist feurig, mit Chilieffekten, gleichzeitig eukalyptisch kalt – hier beginnt mir der Huizache Blanco dann sehr gut zu gefallen. Von der Länge eher kurz, mit einem starken Eisen- und Betonton zum Ausklang.

Huizache Tequila Blanco Glas

Auch wenn er, so leid mir das tut, deutlich nicht in meine Top-3 der ungereiften Tequilas aufsteigen kann, ist der Huizache doch schön trinkbar, stilvoll, und überhaupt nicht so charakterlos wie die meisten anderen Diffusor-Tequilas, beispielsweise der Sauza Tres Generaciones Plata, den er mit ausgesprochen weitem Abstand hinter sich lässt. Dennoch gehört er klar eher zu den leichten, zurückgenommenen Tequilas.

Ich habe beim nächsten Kandidaten, dem Huizache Reposado, den doppelten Eindruck von Weißwein, wenn ich mir einen Schluck zum Verkosten eingieße. Die Farbe erinnert an Weißwein, ist blasses Messing, nach 3 Monaten in Fässern aus kalifornischer Steineiche ein ehrliches Bild. Ich erwähne oft, dass ich lange Reifezeit bei Tequila für kontraproduktiv halte, man verliert mehr, als man gewinnt – 3 Monate sind aber voll in Ordnung.

Auch in der Nase denke ich an trockenen Weißwein, die Mischung aus Säure und Frucht verleitet mich dazu. Man erkennt das zuvor verkostete Basisdestillat wieder, das um typische Holznoten ergänzt wurde – Vanille und süßliche Gewürzaromen. Die Wintergrünöl-Komponente ist auch noch da.

Huizache Tequila Reposado Glas

Immer noch recht süß im Mund, aber schon zu Beginn mit etwas Holzigkeit versehen unterscheidet sich der Reposado dann doch von Weißwein. Grasig und mineralisch, zurückgenommene Agavenwürze, deutliche Holzreifungsaromen (die allgegenwärtige Vanille, etwas Zimt). Deutliche Schokoladigkeit. Im Verlauf entsteht milde Säure und Bittere, Apfelessigaromen. Ein Hauch Anis liegt irgendwo im Raum, aber nur so zart, dass es auch Einbildung sein kann. Gegen Ende kommt noch stärker als beim Blanco eine Pfeffrigkeit dazu, die erkennbar aus Würze entsteht, nicht aus den 40% Alkoholgehalt. Insgesamt wirkt dieser Tequila elegant und raffiniert.

Chili, Eukalyptus, Menthol – der Abgang ist zwar eher kurz, dafür aber sehr effektvoll, mit langem hauchigen Nachhall. Auch hier, wie schon beim Blanco zuvor, ein starker Eisenton. Die kurze Reifung sorgt bei diesem Reposado tatsächlich für etwas mehr Bequemlichkeit, ohne zuviel vom Tequilacharakter aufzugeben. Ein leichtes Destillat wie das von Huizache würde in añejo-Zeiträumen (mehr als 1 Jahr gereift) komplett vom Holz aufgefressen.

Die Huizache-Tequilas sind Produkte, die ohne Unterstützung besonders gut in Aperitif-Cocktails funktionieren können. Die Aromatik lässt mich dazu tendieren, sie in klaren, strengen Rezepturen zu bevorzugen, wo sie nicht von schweren Gegenspielern überdeckt werden – im Medicina Latina wird der leichte Charakter betont und der zugegebenermaßen etwas vorhandene Mangel an Körper durch Honig und Ingwer ausgeglichen. Das ist Medizin, die sich leicht schlucken lässt!

Medicina Latina


Medicina Latina
2 oz Tequila Blanco
⅓ oz Honig
1 Teelöffel Ingwerlikör
Auf Eis shaken. Auf Eis servieren.
[Rezept nach Marcos Tello]


Im Endeffekt gefallen mir diese zwei Tequilas, sie wirken elegant und leicht. Mir fehlt etwas an Länge im Abgang, und Körper; hier sieht man einfach deutlich, was der Unterschied zwischen einem mit Tahona und Horno traditionell hergestellten und einem modernen Diffusor-Tequila ist. Auch wenn ich dem Diffusor sehr skeptisch gegenüber stehe, und ich ihn nicht nur aus Sicht der Endaromatik ablehne, sondern auch aus Gründen der problematischen, immer weiter fortschreitenden, leider wohl nicht mehr aufzuhaltenden Industrialisierung von Tequila, muss man doch ehrlich das Produkt beurteilen, und bei Huizache ist es besser gelungen als vielen anderen Tequilas dieser Herstellungsart.

Wer einen schweren, wuchtigen, agavenfruchtigen Tequila sucht, ist hier falsch – der halte sich  lieber an Produkte wie Fortaleza, Ocho, Siete Leguas oder G4. Wer dagegen Lust auf Abwechslung und ein schmaleres, luftigeres Tequilaerlebnis hat, das aber immer noch klar als Tequila erkennbar bleibt, der probiere den Huizache Blanco oder Reposado.

Offenlegung: Ich danke dem deutschen Distributor fifteenlions für die kosten- und bedingungslose Zusendung der zwei Samples dieser Tequilas.

Kurz und bündig – Brauerei Zoller-Hof Old Fred & Donator Heller Doppelbock

Ich bekomme hin und wieder Proben zugeschickt, meist von Händlern oder Herstellern. Natürlich markiere ich diese kostenlosen Rezensionsexemplare deutlich als solche, und ich lasse mich nicht davon beeinflussen. Hin und wieder kriege ich allerdings auch von Bekannten und Verwandten eine kleine Zuwendung in Flaschen, und beim hier besprochenen Artikel ist es genau sowas – mein Bruder hatte mir in seiner Begeisterung für ein lokales Bier ein Tragerl voll mit Old Fred  sowie Donator Heller Doppelbock zu Weihnachten mitgebracht. Diese Begeisterung in allen Ehren, ich verlasse mich nur auf meinen eigenen Geschmack, und so mussten die zwei Biere der schwäbisch-pseudoamerikanischen Brauerei Zoller-Hof auf meinen Prüfstand.

Brauerei Zoller-Hof Old Fred & Donator

Zunächst widmen wir uns dem Old Fred, einem Amber Lager, das mit Cascade-Hopfen kaltgehopft wurde. Man sieht in der Aufmachung eine deutliche amerikanische Note – das Storytellingkonzept ist, dass Frederick Miller, Gründer der Miller Brewing Company, der heute zweitgrößten Brauerei der USA, in Sigmaringen das Brauhandwerk gelernt hat. Persönlich hat er nichts mit dem Bier zu tun, es ist sozusagen eine Homage an den berühmten Schüler der Brauerei – und immerhin ist der Hefestamm aller Miller-Biere noch heute der Hefestamm der Hofbrauerei der Hohenzollern in Sigmaringen.

Old Fred Amber Ale

Sehr dunkler Bernstein erwartet uns also namenspassend im Glas, eher schon haselnussfarben. Dabei bleibt es kristallklar. Passend wiederum zur Farbe ist das Old Fred leicht nussig im Geruch, sehr malzig, deutliche Hopfennoten, ohne dabei die Fruchtwucht eines Pale Ale oder IPA zu erreichen.

Geschmacklich: Breit im Antrunk, süßlich, malzig, aromatisch, milde Säure. Sehr cremig für ein Lager im Mundgefühl. Im Verlauf kommt immer mehr Hopfen dazu, die Bittere steigt, die Trockenheit nimmt zu. Für mich wechselt der Eindruck von Amber Lager zu Pale Ale – ein schöner Spannungsbogen, der das Bier interessant macht. Selbst bei steigender Trinktemperatur bleibt das Old Fred frisch und rezent, die gelungene Karbonisierung mit ein runden 5,3% Alkoholgehalt sorgen dafür. Im Abgang ist es mittellang, sehr hopfig, mit vielen Grapefruit-Noten und -effekten; die Bittere ist adstringierend, hell und zitruslastig.

Ich mag dieses Bier, es hat viel zu bieten und ist dabei nicht überkomplex. Macht sich der Donator Helle Doppelbock auch so gut? Es ist schonmal deutlich stärker, 8,5% Alkoholgehalt, und laut Etikett „mindestens 50 Wochen gereift“, ich bin gespannt, ob sich diese Reifedauer im Geschmack niederschlägt.

Brauerei Zoller-Hof Donator Heller Doppelbock

Unfiltriert ist es, das erkennt man an zwei Dingen – die Trübung, die nur ein paar Blicke durch das Bier hindurchlässt, und die sehr deutlichen Partikel, die in der Flüssigkeit stehen. Die Farbe ist hell, wie der Name es schon anklingen lässt. Schaum vermisse ich schon direkt nach dem Eingießen, nur eine kleine Schaumtonsur bleibt. Geruchlich sehr hefig, auch das passt zu den Partikeln, die ich für Heferückstände halte. Das Malz ist das einzige, was etwas dagegen halten kann, eine gewisse Hopfennote, aber nicht mehr als eine Note, ist erkennbar – das verwundert, wenn man die Etikettierung als „tripple (sic!) hopped“ liest. Eine deutliche Kölnisch-Wasser-Floralität liegt als Kopfnote darüber.

Geschmacklich erkennen wir im Antrunk klar einen Doppelbock, süß, malzig, hefig, schwer. Ich assoziiere Orangenmarmelade. Im Abgang fast schon etwas pappig, da bleibt viel zu tun für die Spucke, die der Donator durch die dazu kommende Trockenheit anzieht. Hier präsentieren sich nun die Hopfenaromen sehr viel prägnanter, und man glaubt zu diesem Zeitpunkt dann doch dem Etikett. Am Ende tendiert es etwas arg zur Säure hin, betäubt leicht die Zunge. Hm, ein durchwachsenes Bier. Interessant, aber im Gesamtbild zu unausgewogen für meinen Geschmack – es fehlt mir etwas an Tiefe. Für Bockfreunde aber dennoch einen Blick wert.

Ich mag diese Art von Lokalkolorit, die in Deutschland an jeder Ecke manchmal so unerwartet auftritt. Die Biere der Brauerei Zoller-Hof zeigen, dass es auch in traditionellen Brauereien an Kreativität nicht mangelt!