Archiv für den Monat April 2018

Aecht Schlenkerla Rauchbier Titel

Kurz und bündig – Aecht Schlenkerla Rauchbier

Seit ich von einem Besuch ein großes Stück Rauchfleisch mit nach Hause gebracht habe, riecht mein ganzer Kühlschrank, und selbst die nähere Umgebung um den Kühlschrank herum, nach diesem sehr prägnanten und ausdrucksstarken Aroma. Schneidet man sich ein Stück davon ab, kriegt man den Duft kaum mehr von den Fingern. Nicht jeder mag das – solange es auf deftiges Fleisch beschränkt ist, kommen viele noch damit klar, die spätestens dann aber aussteigen, wenn dieser Geruch dann in einem Getränk auftritt. Rauchig-speckiges Bier, wie das Aecht Schlenkerla Rauchbier, da scheiden sich die Geister wie bei sonst kaum einer anderen Biersorte.

Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen

Farblich altbierbraun, mit roten Reflexen. Schaumlich superfein, vielleicht mit der feinste Schaum, den ich bei Bier kenne, aber schwach moussierend, dennoch extremst ausdauernd vorhanden. Rauchbier kann schon mal etwas abschreckend sein, was die Nase angeht; das Aecht Schlenkerla ist diesbezüglich ungefährlich. Zitronig, Grapefruit, nur mild rauchig, etwas speckig. Erinnert mich etwas an ein Radler.

Der Unterschied zum Radler wird aber schnell sehr deutlich. Malzig-süß im Mund, dann doch sehr rauchig. Es erinnert mich an meine Kindheit, als mein Vater Holundersaft eingekocht hatte, und dafür einen alten Kachelofen mit Holz angeheizt hatte. Dafür aber kaum etwas von dem errochenen Speck, der mich beispielsweise am Störtebeker Whisky-Bier so abgestoßen hatte. Leichte Fruchtnoten nach Zitrone. Sehr rezent und erfrischend. Erkennbar ein Märzen, der Rauch ist sekundär. In dieser Form ist Rauchbier sehr angenehm und gut trinkbar – man muss sich aber dennoch natürlich mit dem Rauchgeschmack erstmal anfreunden. Das zweite Glas, die zweite Flasche schmeckt dann schon deutlich besser. Bei 5,1% Alkoholgehalt kann man auch mal zwei am Stück trinken, wenn einen die Lust gepackt hat.

Im Abgang ist das Aecht Schlenkerla sehr trocken, knackig bitter, hier kommt schließlich der Speck etwas stärker durch, aber immer noch eher hintergründig und nicht unangenehm. Der Rauch liegt dezent noch eine Weile auf Gaumen und Zunge, wenn das Bier schon weg ist. Trotzdem ein eher kurzer Abgang.

Rauchbier ist auch für mich kein alltäglicher Gast im Bierschrank. Hin und wieder ist das aber schon ein Genuss, den ich mir gern gönne.

El Maestro Sierra Oloroso Sherry Titel

El Maestro Sierra Oloroso 15y Sherry

Sherry, das kennen selbst die meisten Spirituosenfreunde heutzutage nur noch aus zweiter Hand – in Form von Fassfinishes bei Whisky und Rum. Wer sich nicht mit Cocktails auseinandersetzt, hat meist wenig mit dem Produkt selbst zu tun; Sherry ist in Deutschland mehr eine Kochzutat denn eine ernstgenommene Spirituose. Schade, denn der spanische fortifizierte Wein hat extrem viel zu bieten und kann auch pur im Glas viel, sehr viel mehr als nur als Abrunder für andere Produkte zu dienen.

Oloroso-Sherry liegt von der Herstellungsweise und auch aromatisch so etwa in der Mitte zwischen den Extremen des Fino– auf der einen Seite und des PX-Sherrys auf der anderen. Er wird ohne Florhefe, die den Wein vor Oxidation schützt, ausgebaut, und ist daher voluminöser, genehmer als ein herber Fino; dennoch verwendet man die selbe Rebsorte, nicht eine Süßweintraube wie beim fast schon pappigen PX. Ersterer ist im Allgemeinen daher trocken und säuerlich, letzterer süß und schokoladig – kann man erwarten, dass der goldene Mittelweg des Oloroso, hier beispielsweise in Form des El Maestro Sierra Oloroso 15y, diesen Geschmacksspagat schafft? Schauen wir nach.

El Maestro Sierra Oloroso Sherry Flasche

Nach 15 Jahren im Fass darf ein Wein schon eine kräftige Farbe annehmen. Das ist beim El Maestro Sierra der Fall – irgendwo zwischen Terracotta und Hennarot würde ich es verorten. Beim Schwenken hinterlässt er einen leichten Schleier am Glas.

Der Geruch ist (gottseidank!) sehr sherrytypisch. Alles, was man an diesem Getränk liebt, findet man hier: Eine starke Nussnote, Dörrobst, Rotwein, Schokolade, Orangen, ein Hauch Kaffee, etwas Holz. Man kann schon eine gewisse Grundsäure erriechen, ohne dass diese aggressiv wirken würde. Sehr komplex, sich beim Riechen wandelnd und dadurch, wie auch durch die schöne Aromenkombination, ansprechend.

El Maestro Sierra Oloroso Sherry 15y Glas

Der Antrunk ist sehr trocken. Trockenheit ist auch der Haupteindruck, der bis zum Schluss verbleibt. Zunächst kämpfen Süße und Säure etwas miteinander, bis die Säure nach einer Weile klar gewinnt. Schnell bildet sich der von Sherry bekannte Nussgeschmack heraus. Fruchtaromen kommen dazu, insgesamt das, was man schon errochen hatte – Orangen und Rosinen. Vom Körper bleibt der Sherry hell, leicht und luftig, ein paar dunklere Komponenten sorgen im Verlauf für etwas Tiefe – 19% Alkoholgehalt helfen dabei weiterhin.

Der Abgang ist säuerlich, sehr nussig, mittellang. Stark adstringierend und staubtrocken, fast schon pelzig. Man muss Speichel sammeln, nachdem der El Maestro Sierra den Rachen hinuntergelaufen ist, sonst klebt einem die Zunge im Mundraum fest.

Das ist ein sehr spannender und interessanter Sherry. Ein ideales Getränk als Aperitiv, um mit der feinen Säure den Mund freizuräumen, nicht zu süß, sehr aromatisch und rund. Alternativ auch als Sipper vor dem Kamin, wenn einem die Laune nicht nach schweren, wuchtigen Spirituosen ist. Oder natürlich man verwendet ihn in Cocktails – da zeigt er, dass auch so elegante Tropfen wie Sherry ein tolles Gewicht entwickeln können. Jörg Meyer stellte neulich auf Facebook den Coloroso vor; bei den Zutaten konnte ich nicht widerstehen. Ein wirklich herrlicher Drink, ideal im Sommer als edler Daiquiri-Ersatz.

Coloroso


Coloroso
1⅔ oz alter Oloroso-Sherry
⅔ oz Cognac XO
⅔ oz Orangenlikör
⅔ oz Limettensaft
1 Teelöffel Zuckersirup
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Le Lion]


Die einfach gehaltene Flasche mit dem sehr dezenten, eher am selbstbewusst auftretenden Wein denn an der üblicherweise verzweifelt um Aufmerksamkeit kreischenden Spirituose orientierten Etikett lässt nicht viel Interpretationsspielraum zu. Vielleicht könnte Sherry etwas mehr Beachtung bekommen, würden die Hersteller etwas schriller und aggressiver in der Vermarktung ihrer tollen Produkte vorgehen. Oh mein Gott, höre ich mir eigentlich gerade selber zu, was ich da sage? Bei allem Wunsch, dass Sherry mehr Anerkennung bekommt, so will ich doch, dass dies auf eine vernünftige, ehrliche Art und Weise geschieht, und nicht über flashige Anpreisung. Wer gute Sherrys wie den El Maestro Sierra probiert, weiß, was er daran hat.

Stone Brewing IPA Titel

Kurz und bündig – Stone Brewing IPA

Nach meiner neulichen, etwas gemischten Erfahrung mit dem Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA wollte ich den Bierstil des „West Coast Style IPA“ etwas weiter erkunden. Heutzutage hat man ja kaum Probleme mehr, an die unterschiedlichsten, früher völlig obskuren Biere heranzukommen – sie werden teilweise auch schon in Deutschland gebraut, so wie das schonmal knackig kurz benamte Stone IPA, das der Hersteller selbst mit dem großen Wort „ikonisch“ beschreibt. Stone Brewing hat ein großes Mundwerk, das weiß man inzwischen, ich will mal hinter die Attitüde schauen.

Stone Brewing IPA

Im Glas ist das Stone IPA direkt sehr IPA-typisch mit schöner, kräftiger, goldener Farbe. Trüb. Leichte, aber erkennbare Perlage. Wenig Schaum, dieser ist aber feinperlig. Auch der Geruch überrascht nicht mit unerwartetem: Stark hopfig, viel Grapefruit, Ananas, Kiwi und Banane. Markig und kantig, dabei hat es aber auch eine gewisse Süße.

„West Coast- Simple, straight forward malt profile. Malt flavor should be subtle. Hops flavor dominates the palate. Finish should be very dry. Very one dimensional.“

So die Definition eines Benutzers der Beeradvocate-Community für den Geschmack eines WCIPA. Persönlich finde ich das hier wirklich wieder. Sehr bitter, aber nur noch ansatzweise fruchtig. Herb und eckig, mit einem leichten Fehlgeschmack nach Weichspüler, der im Abgang immer stärker wird und doch etwas störend ist. 6,9% Alkoholgehalt sind eine ordentliche Basis.

Zum Design der 330ml-Dose: wie gewohnt ist es sehr einprägsam, mit vielen Hopfenranken und -dolden als Verzierung, sowie dem bierkrugstemmenden Dämon als Markenzeichen. Man liest beiläufig den Satz: „Dieses Bier wurde nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, aber wir glauben nicht an diese Einschränkung.“ Klare Ansage! Wirkt aber für mich etwas albern und inkonsequent. Warum das RHG überhaupt erwähnen, wenn es einem so zuwider ist?

Das Stone IPA ist nach Arrogant Bastard Ale und Ruination Double IPA das dritte Stone-Bier, das ich auf meinem Blog verkoste – die Palette wird dauernd ausgebaut, und da mir die Biere dieses Herstellers recht munden, wird noch über das eine oder andere hier zu lesen sein in Zukunft.