Archiv für den Monat Februar 2018

Drei fassgereifte Biere Titel

Aus dem Fass in die Flasche – Welde Bourbon Barrel Bock, Kehrwieder Maria Port Barrel Aged und Duchesse de Bourgogne

Jahrelang war es überhaupt kein Diskussionsthema: Fassreifung bei Bier. Man sprach über die Fasslagerung von Spirituosen, insbesondere Whisky und Rum – unterschiedliche Fassgrößen, verschiedene Hölzer, Behandlung der Fässer vor der Reifung, nasse und trockene Fässer, Länge der Reifung, Finishes mit Spezialhölzern, in welchem Klima, an welchem Platz im Lagerhaus… die Themenbereiche scheinen unbegrenzt. Im Zuge der Erweckung des deutschen Biertrinkers aus seinem RHG-Dornröschenschlaf, in den uns die Bierindustrie über Jahrzehnte sanft gesungen hatte, durch die Craftbierwelle findet diese Diskussion nun auch wieder für Bier statt.

Drei Biere, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, habe ich mir ausgesucht, um die Effekte, die eine Fasslagerung auf Bier hat, zu beleuchten. Da haben wir ein untergäriges Bockbier, das in drei Ex-Spirituosenfässern (Bourbon, Tequila & Rum) ruhen durfte; ein obergäriges Ale, gereift in einem Ex-Port-Fass; und zu guter letzt ein belgisches Sauerbier, für das das Eichenfass nur eine Zwischenstation hin zur Flaschenreifung war. Namentlich sehen wir in diesem Artikel damit das Welde Bourbon Barrel Bock, das Kehrwieder Maria Port Barrel Aged und das Duchesse de Bourgogne. Drei Biere, drei Fassreifungsmethoden, drei Stile – mal schauen, wie sich das Holz so schlägt.

Drei fassgereifte Biere Flaschen

Wir steigen in die frohe Runde ein mit dem Welde Bourbon Barrel Bock. Die Besonderheit hier ist, dass es sich um ein Cuvée handelt – das Bier wurde in Bourbon-, Rum- und Tequila-Fässer eingelagert und nach der Reifedauer von 3 Monaten miteinander wieder vermählt. Man könnte also davon ausgehen, einen bunten Reigen an Fasseffekten und -aromen vorzufinden, oder?

Die Farbe, hennarot, könnte zumindesst teilweise schonmal aus dem Fass kommen können. Eine erkennbare feinblasige Perlage kann den von Beginn an dünnen Schaum nur schwer aufrechterhalten, jener ist entsprechend bald komplett weg. Dennoch: Strahlend und sehr hübsch anzusehen.

Welde Bourbon Barrel Bock Glas

Geruchlich gewinnt deutlichst der vom Bourbonfass, schon 30cm entfernt vom Glas riecht die Nase das. Vanille, Eichennoten, Karamell. Geht man näher ran, kommt eine säuerliche Note mit würzigen Untertönen zum Vorschein. Mildmalzig, leicht metallisch.

Trotz der attraktiven Cremigkeit im Antrunk ist das Bier frisch und rezent, zitronig. Feinsüß, aber nicht vordergründig. Bourbonnoten tauchen erst auf, wenn man das Bier mit höherer Temperatur als den empfohlenen 12° trinkt; aber sonst finde ich leider praktisch keine Noten von irgendwas anderem im Geschmack. Ein leicht buttriges Aroma vielleicht. Auch der Abgang überrascht – sehr kurz, sehr trocken, ansonst praktisch nichtexistent. Wow, das könnte ein neuer Rekord in Abgangskürze bei Bier für mich sein. Vanille hängt bei höherer Trinktemperatur etwas nach, aber nur ahnungsweise. Die Zahlen und Fakten: 6,6% Alkoholgehalt, schließlich haben wir ein Bockbier vor uns, Green-Bullet-Hopfen wurde eingesetzt, 28 IBU erreicht die Bittere.

Ich bin bass erstaunt ob der aromatischen Ärme dieses Biers – das Fass hat ganze Arbeit geleistet und dem Neutralbier wenigstens Bourbon-Geschmack verliehen, das allerdings nicht zu knapp. Ich hoffe sehr auf Besserung bei dem zweiten Kandidaten in dieser Runde, dem Maria Port Barrel Aged von der Kehrwieder Kreativbrauerei.

Kehrwieder Kreativbrauerei Maria Port Barrel Aged

Bei Spirituosen werden Portweinfässer gern genutzt, oft nicht ganz geleert, um die starke Restsüße der Überbleibsel zur Aromatisierung der neuen Belegschaft zu verwenden (da kann viel Schmu getrieben werden, nur soviel dazu). Mal schauen, ob man den Port hier wiederfindet. Farblich jedenfalls ist die Assoziation da – ein schweres Braun. Schönes Mousseux, praktisch kein Schaum. In der Nase entdecke ich erstmal Eisen, eine leicht käsige Note (neutral und ohne Wertung!), sonst nicht wirklich viel. Geruchlich haut es mich wirklich nicht um, da ist kaum etwas, was mich anspricht.

Auch im Antrunk meine ich, diese milde Käsenote zu schmecken; das ist nicht so unangenehm, wie es sich anhört. Schnell wird die milde Süße des initialen Geschmacks durch eine zischende Säure ersetzt, die Rezenz ist sehr hoch, das Bier fühlt sich sehr frisch an. Nun kommt das Portweinfass zum Tragen – viel Frucht und Weincharakter drängen sich nach vorn. Soweit, dass man das schon fast, wenn man die tolle Rezenz miteinbezieht, mit einem Weinschorle vergleichen könnte. Man hat den Eindruck eines extrem helltönigen Biers, die tieferen Bassnoten fehlen. 7,5% Alkohol zeigen die Dubbel-Basis.

Im Abgang entdeckt man dann die Trockenheit, die Sprudeligkeit und die helle Frische eines Brut-Schaumweins. Etwas dunkle Frucht klingt noch nach. Nun, das ist schon interessant – das ist ein sehr klares, sauberes Bier, mit milden Fruchtnoten, die vielleicht wirklich aus dem Port-Fass stammen könnten. Spannend, weil unerwartet. Herrlich erfrischend und dabei durchaus befriedigend für mich; für Leute, die auf Biergeschmack aus sind, wahrscheinlich verwirrend.

Beenden wir die Runde mit einem Ausflug nach Belgien. Ich gebe zu, ich bin ein großer Freund der belgischen Bierkultur, und darüber hinaus auch noch von Sauerbieren. Das Duchesse de Bourgogne ist in Kennerkreisen durchaus ein Kandidat als Referenz für diese Art von Bier geläufig. Merkt man ihm auch noch die Fassreifung an? Immerhin konnte es vor der endgültigen Flaschenreifung doch eine angemessene Zeit in Eichenfässern zwischenlagern.

Duchesse de Bourgogne

Farblich tiefbraun mit blutroten Reflexen, doch das haben viele belgische Dubbel und Tripel, das muss nichts mit dem Fass zu tun haben. Leichte Perlage, nur wenig Schaum. Nach dem Ziehen des Kronkorkens dachte ich zuerst – das Bier ist schlecht geworden, das riecht ja schlimm nach Essig. Schnuppert man ein bisschen länger dran, entdeckt man darüberhinaus noch Noten von grünem Apfel, Verjus, Sekt und Weißwein. Letztlich alles nur begrenzt an Bier erinnernd, das gebe ich zu; Sauerbier ist nicht wirklich was für jeden.

Tatsächlich schlägt sich das Duchesse de Bourgogne im Geschmack dann auch in einer Liga mit den schon kräftig sauren Rügener Insel-Brauerei-Bieren Meerjungfrau und Seepferd, meinen Lieblingssauerbieren; Limettensäure, Essig und Champagner sind Eindrücke. Da ist aber auch eine ordentliche Süße im Bier, die so einiges abfedert, und im Verlauf der Verkostung stärker und stärker wird; der ansonsten schmale Körper wird durch die Süße erkennbar verbreitert. Während der Antrunk also knackig sauer ist, beginnt der Abgang eher wie ein typisches belgisches Dubbel mit kandiszuckriger, weicher Milde. Insgesamt ist der Abgang eher kurz, mit einem Anflug von Bittere, Zitrusaromen hängen noch nach. 6,2% Alkohol spürt man durch die hohe Rezenz kaum.

Ein leichtes, frisches Bier. Sehr rezent durch die extreme Säure und eine ordentliche Karbonisierung. Aromatisch bleibt es zurückhaltend, echten Fasscharakter nimmt man kaum wahr. Sehr angenehm zu trinken, ein wirklich schönes Sauerbier, das den Insel-Bieren den ersten Platz in meiner Rangliste dieses Bierstils abläuft.

Als Fazit bleibt mir nur noch, darauf hinzuweisen, dass es bei Fassreifung nicht immer nur darum gehen muss, dem Produkt weitere Nuancen und Aromen hinzuzufügen. Manchmal dient die Zeit im Fass einfach auch nur dazu, das Gesamtgeschmacksbild abzurunden, zu vereinheitlichen, dem Bier Zeit zu geben, sich zu setzen. Alle drei hier vorgestellten Biere profitieren in der einen oder anderen Form vom Holz – und ich freue mich sehr darauf, in Zukunft weiter in diese heutzutage leider etwas in den Hintergrund geratene Methode der Bierherstellung einzutauchen.

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Mount Gay Pure Silver Titel

Kurz und bündig – Mount Gay Pure Silver

Urlaubsmitbringsel! Herrlich! Es freut einen, wenn die Kollegen an einen denken, selbst im Urlaub. Und wenn man dann sogar noch was mitgebracht kriegt, freut man sich doppelt. Dreifach sogar, wenn es sich um ein Sample eines bajanischen Rums handelt! Vierfach, wenn das Sample tatsächlich auf Barbados gekauft wurde. Fünffach, wenn man schon vor der Verkostung weiß, dass es sich um qualititativ hochwertigen Rum handelt, wie den Mount Gay Pure Silver. Diese Besprechung basiert auf genau so einem mitgebrachten 5cl-Sample.

Mount Gay Pure Silver

In Deutschland ist dieser Rum in dieser Form, soweit ich weiß, nicht leicht erhältlich. Es gibt den Mount Gay Silver, der allerdings nur 40% aufweist, während der Pure Silver 43% Alkoholgehalt hat. Es handelt sich dabei um einen gereiften Rum, der mindestens 2 Jahre er in Ex-Bourbon-Fässern lagerte, und dem die Farbe dann wieder entzogen wurde – entsprechend klar ist er nun. Der Geruch ist erstmal deftig, und fast ausschließlich, lösungsmittelig. Eine tieferliegende Dunkelheit in der Aromatik deutet auf das Alter hin. Etwas Getreidecharakter ist da, dadurch erinnert der Pure Silver mehr an Vodka als an Rum.

Im Antrunk ist der Bajaner sehr süß, das bleibt auch im Verlauf bis zum Schluss die Grundtendenz. Lösungsmittel auch im Geschmack, dazu Getreide, hm, wäre nicht die wirklich tiefe Süße, ich würde es für Vodka halten. Ist das ein Kompliment für Rum? Eher nicht. Der Abgang ist glühend heiß, aber nicht brennend, bis tief in die Speiseröhre hinunter. Das gefällt mir, unzweifelhaft hat der Pure Silver ordentlich Power und Volumen, doch aromatisch bleibt er leider arg kurz, ein milder Eisenton ist schon alles.

Nun, das ist sicher kein Rum, den ich mir abends so vor dem Fernseher eingießen würde, da kann er noch so sehr aus einer Traditionsbrennerei stammen. Seine Kraft und dicke Schwere ist letztlich sein einziger Vorteil, denn sonst hat er sensorisch kaum etwas zu bieten. Bei Melasse-Rum mit hohem Column-Still-Anteil ist es halt wie bei Whisky (und anders als bei Tequila und Cachaça!) – er braucht das Fass, um attraktiv zu werden, und das mehr als 2 Jahre. So bleibt, so leid es mir tut, nur die Freude über das Geschenk. Diese überwiegt natürlich alles, da ist der Geschmack letztlich auch zweitrangig.

Evan Williams Bottled-in-Bond Titel

Evan Williams Bottled-in-Bond 100 Proof Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Heutzutage sind „small batch“-Produktionen bei Whiskeys sehr beliebt. Die Kundschaft hat gemerkt, dass „klein aber fein“ und gehobene Qualitätsstandards sich auch im Genuss sehr deutlich spürbar machen. Daher sind heute gesetzlich geregelte Kennzeichnungen wie „bottled-in-bond“, die eben ein gewisses Qualitätsversprechen geben sollten in Zeiten, wo Masse und Umsatz bei den Herstellern sehr viel wichtiger war als Qualität, etwas obsolet geworden – wer sich nur ansatzweise mit Whiskey auskennt, sucht sich eh schon die Premium-Small-Batches, und wer nicht, dem ist auch das „bottled-in-bond“ egal. Für den Evan Williams Bottled-in-Bond 100 Proof Kentucky Straight Bourbon Whiskey aus der Heaven-Hill-Destille ist die Kennzeichnung aber immer noch relevant, weil Evan Williams eine der Massenmarken des Herstellers ist, und diese spezielle Variante sich dennoch vom „bottom-shelf“-Evan Williams (dem mit dem schwarzen Etikett) abgrenzen soll.

„Obsolet“ ist allerdings vielleicht ein zu hartes Wort für die bottled-in-bond-Regularien. Tatsächlich sehen wir bei anderen Spirituosen, dass ihnen ein ähnliches, nochmals über das eh schon vorhandene Set an gesetzlichen Festlegungen hinausgehende, Qualitätsversprechen etwas fehlt. Tequila ist stark reguliert, kann aber allerlei Zusatzstoffe aufweisen und mit fragwürdigen Techniken wie einem Diffusor hergestellt werden; Rum hat zwar viele lokale Gesetzgebungen, aber deren Unterschiedlichkeit sorgt für Verwirrung, und an deren Durchsetzung hapert es darüber hinaus gewaltig. Ein bottled-in-bond-Versprechen wäre dort eine echte Wohltat für uns Spirituosenfreunde; also seien wir dankbar, dass Bourbon uns so eine Möglichkeit bietet.

Die Frage, die man sich stellen kann, aber nicht unbedingt muss, denn Qualität in der Produktion ist ein Wert an sich: äußert sich diese Produktionsmethode mit strenger Aufsicht dann auch im Geschmack? Prüfen wir es.

Evan Williams Bottled-in-Bond Flasche

Farblich finden wir ein tiefes, kräftiges, holziges Braun vor, vielleicht sogar einen Tick dunkler, als man es von anderen Bourbons gewohnt ist. Der Evan Williams Bottled-in-Bond liegt schwer und ölig im Glas, Schwenkbeine laufen langsam und in dicken Tropfen ab. Die Nase ist fruchtig, hauptsächlich in Richtung Banane. Sehr starke Eichentöne übertönen aber alles, und eine nicht zu unterschätzende alkoholische Note schwimmt immer mit. Insgesamt wirkt der Geruch etwas flach und dünn, ohne viel Körper oder Aromen, das wirkt nicht besonders begeisternd.

Im Mund ändert sich das etwas – im Gesamtbild wirkt dieser Whiskey immer noch recht leicht und dünn, dann, nach dem ersten Antrunk aber doch überraschend mild, weich, samtig – die süße Komponente überwiegt. Schnell dann aber schießen die 50 Volumenprozent und Gewürzaromen nach Nelke, Muskatnuss und Vanille aus allen Rohren und kitzeln die Zunge, bevor ein sehr warmer, karottiger und dringender Abgang, der von der Länge her vielleicht etwas zu kurz daherkommt, die Verkostung mit einer hauchigen Ethanolnote abschließt. Adstringierende, betäubende Effekte bleiben noch lange am Gaumen, aber nur wenige Aromen.

Evan Williams Bottled-in-Bond 100 Proof Kentucky Straight Bourbon Whiskey Glas

Das Gesamtbild ist schon ansprechend, aber, ehrlich gesagt, nichts, was mich vom Hocker hauen würde, obwohl ich einen „soft spot“ für die Heaven-Hill-Produkte habe. Ein für meinen Geschmack leicht unrunder und wankelmütiger, aber trotzdem durchaus trinkbarer Bourbon mit sehr gutem Preisleistungsverhältnis, besonders empfehlenswert für Freunde des stärkeren, würzigeren, nicht übermäßig weichgespülten Whiskey, oder für die, die einen Bourbon suchen, der auch in Cocktails seinen Mann stehen kann. Durch den hohen Proof wird er bei mir als Cocktailzutat Verwendung finden, zum Beispiel in einem Five-Spice Bourbon Punch.

Five-Spice Bourbon Punch


Five-Spice Bourbon Punch
1½ oz Bourbon
½ oz Zitronensaft
¾ oz Five-Spice-Sirup (selbst leicht aufzukochen aus 1 Tasse Zucker, 1 Tasse Wasser, Sternanis, Szechuan-Pfeffer, Nelken, Fenchelsamen und Zimtstange)
Auf Eis shaken, dann aufgießen mit 2 oz Sprudel
[Rezept nach Elana Lepkowski]


Die eckige Flasche mit dem langen Hals reißt mich nicht mit, das Etikett ist ähnlich zurückhaltend designt. Manchmal sind es halt dann doch die inneren Werte, die zählen, und das froschige Äußere sollte Sie daher nicht davon abhalten, den Adligen darin zu entdecken; auch wenn es kein feinsinniger Prinz, sondern vielleicht eher „nur“ ein forscher Graf oder Baron ist. Manchmal will man aber auch so was.

Rheinbrand Dry Gin Titel

Kurz und bündig – Rheinbrand Dry Gin

Zum Kanton Aargau in der Schweiz habe ich eine gewisse Beziehung, ich war in einem früheren Arbeitsleben oft auf Dienstreise dahin unterwegs, und habe die Menschen, so meine ich, etwas kennen und schätzen gelernt. In der Gemeinde Elfingen wird dort der Rheinbrand Dry Gin destilliert. Da kommt bei mir direkt etwas Nostalgie hoch – ich hoffe, ich lasse mich bei meiner Verkostung dieses Gins davon nicht allzu sehr beeinflussen. Diese Besprechung basiert auf einem 10cl-Sample.

Rheinbrand Dry Gin

Farblich, wie von einem London Dry Gin zu erwarten, glasklar. Eine gewisse schwere Konsistenz ist erkennbar, dennoch recht schnell ablaufende Beine am Glasrand. Die Nase ist frisch und zitronig, mit einer attraktiven Beerenfruchtigkeit. Man hat kaum Mühe, die Kirschen und Holunderblüten, die unter anderem als Botanicals dienen, herauszuriechen. Eine leichte Lösungsmittelkomponente schwingt mit.

Geschmacklich sind wir eher auf der kräuterigen, erdigen Seite. 40% Alkoholgehalt sind gut verarbeitet, ohne Stechen auf Schleimhäuten in der Nase oder im Mund. Eine spannende Aromatik – Rosmarin, Holunder, Heu, Erde, eine hohe Mineralität. Sehr ungewohnt, aber interessant. Ich vermisse den Wacholder aber sehr. Im salzigen, warmen, adstringierenden und langen Abgang kommen neben heißem Chili so langsam auch etwas Wacholderaromen auf – etwas spät erst und auch wenig für einen Gin, der von sich sagt, nach „den Vorgaben eines London Dry Gins“ (Zitat aus der Pressemitteilung) destilliert worden zu sein. Der Nachhall lebt dann vom verwendeten Riesling, ist weinig, traubig, süß. Sehr gefällig.

Ein attraktiver Gin, aber entgegen den Aussagen weit entfernt davon, klassisch zu sein. Für mich gehört er in die Kategorie der Contemporary Style Gins; wer diese Kategorie zu explorieren und etwas ungewohntes sucht, kann unbesehen zugreifen. Wer einen klassischen London Dry Gin, insbesondere für Cocktails, sucht, muss woanders zuschlagen.

Offenlegung: Ich danke Lion Spirits für die unaufgeforderte, kostenlose Zusendung des Samples.