Archiv für den Monat März 2016

Ferdinand's Saar White Vermouth Titel

Von der Pampelmuse geküsst – Ferdinand’s Saar White Vermouth

Wermut wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Italien erfunden. Doch seine wahre Bestimmung erreichte der verstärkte Wein mit Kräuterzusätzen erst in Amerika. „Enter Vermouth“ titelt Cocktailhistoriker David Wondrich in seinem Buch „Imbibe!“ das vierte Kapitel, denn tatsächlich veränderte Wermut die Cocktailwelt, die sich bis dahin mit recht strengen, linearen und nur wenigzutatigen Rezepturen begnügte. Plötzlich war da etwas, das einem Cocktail eine neue Richtung geben konnte, ohne die Hauptzutat allzusehr zu überdecken; etwas, das dennoch als stilvoll angesehen wurde.

As the Gilded Age unfolded, cutting-edge Cocktail drinkers began to look for something lighter and more urbane than a shot of bittered booze; something more refined and Epicurean and with less savor of riverboat bars and tobacco chaws, bare-knuckle bouts and faro dens.

Auftritt: Wermut. Zunächst hauptsächlich in seiner roten, süßen Form; später dann gern auch in der weißen, trockenen Varietät. Eine Weile lang war Wermut dann wieder von den „cutting-edge Cocktail drinkers“ verschmäht, bis er sich in der Bugwelle des nun schon einige Jahre andauernden Ginhypes langsam aufs Promenadendeck zurückschaukelte. Denn es ist nur folgerichtig, dass, wenn Gin so beliebt ist, diesem dann ein gesteigertes Interesse an Tonic Water folgt (man schaue sich nur einen Katalog der inzwischen erhältlichen Sorten an!), und schließlich auch Wermut, der wahrscheinlich zweitliebste Zusatz für einen Drink bei Ginfreunden, ein Revival erlebt.

Die modernen, experimentierfreudigen Spirituosenhersteller, mit ebenso experimentierfreudiger und dazu noch zahlungskräftiger Kundschaft, geben sich natürlich dann nicht mit der althergebrachten, klassischen Trennung des Wermuts in italienisch/rot/süß versus französisch/weiß/trocken zufrieden; Mischsorten tauchen auf. Ich persönlich empfinde den hier vorgestellten Ferdinand’s Saar White Vermouth als eine solche Mischform, die das Muster sprengt.

Ferdinand's Saar White Vermouth Flasche

Im Glas erscheint der Ferdinand’s Saar White Vermouth nur leicht strohig, er hat eine minimale Färbung. Im Glas wirkt er etwas dickflüssiger als Wasser.

Die Nase nimmt zunächstmal einen starken Weincharakter wahr. Etwas blumig, leicht herbal, nach Rosmarin und vielleicht Lavendel. Etwas Kirsche. Auf jeden Fall ungewohnt für einen Wermut; man könnte es für einen Riesling halten.

Mir läuft das Wasser im Munde zusammen, obwohl ich eigentlich kein Weintrinker bin. Zu Beginn schmeckt man eine sehr spannende Mischung aus süß und sauer, überraschend dicht und voluminös: dieser Wermut kommt ziemlich wuchtig daher. Im Verlauf ist er leicht salzig. Und: Viel Grapefruit. Ein Touch Sauerkirsche.

Trocken im sehr langen Abgang. Erst nur leicht bitter, dabei zitronig und dann erneut starke Erinnerung an Grapefruit, nicht nur im Geschmack, auch in der adstringierenden Wirkung, die man von der Pampelmuse kennt. Diese bleibt sehr lange auf der Zunge, und deren Bitterkeit im Rachen. Wie ich schon, erinnernd an den großen Heinz Erhardt, titelte: Von der Pampelmuse geküsst.

Ein Wermut, der sich abgrenzt: Nur leichte Kräuternoten, der Wein steht klarst im Vordergrund, er ist nicht so trocken wie andere weiße, französische Wermuts. Milder und dabei doch deftiger – ein starker, charaktervoller Wermut, den man auch sehr gut pur trinken kann, auf Eis wie in Zimmertemperatur.

Ferdinand's Saar White Vermouth Korken

Mir gefällt sowohl die Flasche als auch das grundlegende Design, das sich durchgängig an die anderen Produkte des Herstellers, wie den Saar Dry Gin, den Saar Quince und das Bittersortiment, anpasst. Ungewohnt ist der tief versenkte, nur mit einem Korkenzieher lösbare Korken, anstelle eines Schraubverschlusses oder wiederverwendbaren Korkstöpsels; da man bei Wermut allerdings eh eine Weinpumpe mit entsprechendem Plastikverschluss nutzen sollte, um ein schnelles Verfliegen der Aromen und Verderben der Spirituose zu verhindern, fällt das für mich mehr unter die Kategorie „schrullig“.

Auf dem Rücketikett finden sich noch ein paar Hinweise zur Herstellung, auf Englisch, was auf die internationale Ausrichtung hindeutet; tatsächlich ist Ferdinand’s Gin im Zuge der äußerst langlebigen Ginwelle weltweit geschätzt. Eine Chargen- und Fassnummer zeigt, dass hier keine riesigen Massen hergestellt wurden, und, und das finde ich besonders lobenswert, es ist sogar der Jahrgang des verwendeten Weins angegeben.

Ferdinand's Saar White Vermouth Rücketikett

Wermut findet man in unendlich vielen Cocktailrezepten, meist als Süßer oder Aromenunterstützer; selten ist er der Hauptdarsteller. Dagegen kann man etwas tun, denn zum Glück ist Martini schon eine sehr flexible Cocktailkategorie. Wir nehmen einfach einen Wet Martini, also einen Martini, bei dem das  Gin-Wermut-Verhältnis 2:1 statt den oft für Dry Martinis üblichen 6:1 ist, und kehren die Rezeptur dann auch noch um. Und schließlich werfen wir statt einer Olive noch eine Silberzwiebel ins Glas – voilá! Der Upside-Down Wet Gibson!

Upside-Down Wet Gibson


Upside-Down Wet Gibson
2 oz Trockener Wermut (z.B. Ferdinand’s Saar White Vermouth)
1 oz London Dry Gin (z.B. Ferdinand’s Saar Dry Gin)
1 Silberzwiebel


Dale DeGroff, ein Cocktailurgestein, hat für solche Cocktails noch einen Tipp parat: Die Olive, oder die Silberzwiebel, oder was auch immer man so in einen Cocktail wirft, sollte geeist sein, da es ansonsten, wie DeGroff es nennt, wie ein „umgekehrter Eiswürfel“ funktioniert und den Drink anwärmt.

Für einen halben Liter bezahlte ich 17€, vor Ort in der Saarbrücker Winefactory. Das ist deutlich teurer als der Platzhirsch des weißen Wermuts, der vielgelobte Noilly Prat, von Martini Extra Dry gar nicht erst zu reden; der Unterschied im Geschmack ist es aber schon wert, diese wirklich ganz entzückende Kreation mal auszuprobieren, insbesondere, wenn man Weinfreund ist. Oder sich auch mal von der Pampelmuse küssen lassen will.

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Green Mark Vodka Titel

Будем здоровы! Green Mark Vodka

Oh, wie oft habe ich schon erzählt, dass ich kein großer Vodka-Freund bin. Warum eigentlich verwehre ich mich so dieser einen speziellen Spirituose, wo ich doch sonst alles trinke, von Gin über Whiskey über Tequila über Rum bis zu Wermut und Sherry? Ich verschmähe doch auch nicht Bier, Champagner, Genever, Liköre, Bitter oder Absinthe! Auch Portwein, Brandy, Cognac, Mezcal und Pisco kann ich gut leiden. Selbst Grappa, Armagnac, Scotch und Grüntee trinke ich mit viel Genuss! Was macht den Vodka für mich so wenig ansprechend? Ich stelle hier zur bildhaften Erklärung einfach mal einen typischen Whisky-Trinker und einen typischen Vodka-Trinker vor.

Der Whisky-Freund…

…und der Vodka-Freund!

Ich hoffe, es wurde klar, warum ich schon aus rein kulturellen Gründen dem Whisky (und allen oben aufgezählten anderen Genießerspirituosen) zugeneigter bin als dem Vodka. Wie üblich bei mir ist dies natürlich sehr polemisch und undifferenziert formuliert, und ich habe die Videos absichtlich polarisierend gewählt. Denn natürlich gibt es Qualitätsunterschiede bei Vodka, und es gibt auch Vodkas für Genießer. Und da ich für meine Heimbar selbstverständlich einen guten Vodka benötige, probiere ich, wenn eine Flasche zuneige geht, immer eine neue Sorte aus, um diesen Genießervodka vielleicht mal zu finden – der neuste Versuch dazu war der Green Mark Vodka.

Green Mark Vodka Flasche

Perfekt klar, ohne jede Trübung oder Färbung, wie man es von einem guten Vodka erwartet, steht der Green Mark in der Flasche. Nach dem Eingießen in ein Verkostungsglas fällt einem ein Geruch nach Desinfektionsmittel und Ethanol auf, ein Touch von Anis. Überhaupt nicht stechend oder beißend, viel weniger als viele Rums oder Whiskeys, die ich kenne. Etwas kräuterig, erinnernd an Gin.

Sehr ölig liegt er im Mund, bequem, sehr süß und rund. Nach Geschmack kann man lang suchen; ich erahne mehr, als ich schmecke, eine entfernte Fruchtigkeit, etwas Anis. Im Abgang eine milde Schärfe, die schnell wieder verschwindet. Nachklang gibt es nicht, in keiner Form; nach 20 Sekunden ist es, als hätte man nichts getrunken. Für russischen Vodka ein Qualitätsmerkmal.

Kaum zu glauben, dass diese Spirituose 40% Alkohol hat; man schmeckt und spürt praktisch nichts davon. Rein und klar, ohne Fuselstoffe, die billigen Vodka oft zu einer Katergarantie machen. Ich kann mir gut vorstellen, diesen Vodka langsam pur zu trinken, bei Zimmertemperatur oder auf Eis.

Die allermeisten der Cocktailrezepte, die nach nichtaromatisiertem Vodka verlangen, tun dies, weil sie den Alkoholgehalt pushen wollen, ohne die Geschmacksstoffe eines fassgereiften Schnapses verarbeiten zu müssen. In Getränken wie dem Moscow Mule oder dem Cosmopolitan sollen die scharfen Gemüse- bzw. sauren Fruchtkomponenten im Vordergrund stehen, nicht die Spirituose. Für solche Rezepte kann ich mir kaum besseren Vodka wünschen als den Green Mark. Wer mir jetzt mit Zitronenvodka kommt, kann sich das sparen – er reibe einfach etwas Zitronenschale mit ins Glas. Mir kommt kein nicht selbst aromatisierter Vodka ins Haus.

Cosmopolitan


Cosmopolitan
1 oz Green Mark Vodka
½ oz Triple Sec (z.B. Le Favori)
½ oz Cranberry-Saft
½ oz Limettensaft
1 Spritzer Cranberry-Sirup


Die Präsentation ist sehr gelungen; grünes Etikett mit großteils kyrillischem Text, Pappmedaillon an einer Schnur um den Hals, maschinell aufgedruckter Flaschennummer. Ein sehr ungewöhnlicher, so noch nie gesehener Plastikstöpsel, flach fast wie ein Kronkorken, verschließt die Flasche.

Green Mark Vodka Stöpsel

Der Green Mark wird, auch aufgrund eines ausgesprochen guten Preisleistungsverhältnisses, denn die Flasche bekommt man für rund 10€, zu meinem neuen Hausvodka und verdrängt den Smirnoff, der im Vergleich weniger aromatisch und dabei gleich teuer ist, und darüberhinaus nur 37.5% aufweist. Ich meine, die 2.5% machen durchaus einen Unterschied, das gilt für alle Spirituosen. Daher noch ein Appell am Schluss: Hersteller, ich bitte Euch! Füllt nichts mehr unter 40%, je nach Spirituose besser sogar 45% ab! Будем здоровы!

Franziskaner Hefeweizen Titel

Über die Qualität von Zutaten – Franziskaner Weissbier

Glyphosat im Bier! Die Meldung, dass ein Münchner Institut in diversen Bierproben ein Herbizid in geringen Dosen nachgewiesen hat, schockierte vor kurzem die deutsche Bierwelt. Der spannendste Punkt für mich dabei war, wie mit der Meldung umgegangen wurde. Die Nachrichtenagenturen und Zeitungsmedien sind auf die Meldung angesprungen und veröffentlichten sie mit polemischen Schlagwörtern auf den Titelseiten. Empörung allerorten! Die wollen uns vergiften! Der Gegenschlag kam sofort: In ähnlich aufgeregtem, manchmal auch etwas herablassenden Ton reagierten Fachverbände und -journalisten, dass die Studie schlecht gemacht sei und die Dosen so gering, dass es irrelevant wäre. Nebenbei wurde der Bierkonsument oft noch darauf hingewiesen, dass der Alkohol im Bier eh viel gefährlicher sei als jedes Pestizid, wozu also die Aufregung.

Wir befinden uns in einer Welt der Dauererregung, in der jede Meldung, die uns tatsächlich zu denken geben sollte, in gegenseitigem Wutgeschrei oder Sarkasmus ertränkt wird, um bald darauf wieder vergessen zu werden. Dabei ist die Meldung, auch wenn ihre Anklage nicht so spektakulär ist, wie sie und die Reaktionen auf sie es scheinen macht, doch von großer Bedeutung: Es werden schließlich immer mehr Kleinstrückstände aller möglichen Stoffe in unseren Nahrungsmitteln gefunden, die dort eigentlich nicht hingehören – das summiert sich mit der Zeit auf. Wir lernen dadurch auf die harte Tour, dass alles, was wir im Produktionsprozess irgendwo verwenden, auch im Endprodukt seinen Niederschlag findet; nicht nur die erwünschten feinen Aromen, die Hersteller gern mit blumigen Worten ihren Herstellungsbedingungen zuschreiben, sondern auch das Herbizid des Getreides, Antibiotikum der Tierzucht und Aluminium der Hautpflegemittel.

Ein Weckruf zur rechten Zeit, der trotz all seiner Mängel nicht in der allgemeinen Reizstimmung verklingen oder lächerlich gemacht werden sollte – und die Hersteller daran erinnern sollte, sich um die Qualität der verwendeten Ressourcen besser zu kümmern. Um mich selbst zu beruhigen (und mich im Nebeneffekt gegen eventuellen Magenunkrautbefall zu schützen), trinke ich nun ein Bier, das leider auch auf der Liste der glyphosat-positiv-getesteten Biere steht: Das Franziskaner Weissbier.

franziskaner-hefeweizen-flasche

Die Farbe ist dunkler als bei vielen Konkurrenzprodukten, sie geht schon in die Richtung Kupfer. Die Hefetrübung ist stark ausgeprägt, schließlich haben wir es hier mit einem Hefeweizen zu tun, die Schaumbildung zu Beginn stark, nach einer Weile ist aber praktisch kein Schaum mehr auf dem Glas. Wie bei vielen Bieren, die so eine Art der Perlage aufweisen, ist die Frische dennoch gegeben und bleibt bis zum letzten Schluck erhalten.

Eine Besonderheit diesbezüglich hebt das Franziskaner Hefeweizen über den Standard hinaus: Ein extrem hoher Kohlensäuregehalt, den man dem Bier nicht ansieht, aber nach jedem Schluck fühlt. Das daraus resultierende dauernde Aufstoßen ist für den Trinkgenossen vielleicht nicht so angenehm, für den Trinker selbst aber erleichternd.

Passend dazu ein etwas metallischer Geschmack, leicht fruchtig, insgesamt weizentypisch glatt, aber mit tiefliegender Würze. Der Abgang ist dagegen ungewohnt bitter und trocken für ein Hefeweizen; für mich trägt dies allerdings zur Erfrischung bei. Süße ist angenehm beim Antrunk, im Abgang mag ich es lieber weniger süß.

franziskaner-hefeweizen-glas

Eines meiner persönlichen Lieblingshefeweizen für den Alltag. Das ist bestimmt kein Craftbier, und geschmacklich auch gewiss nicht sensationell, aber als Gebrauchsbier, gerade im heißen Sommer im Freien, im Liegestuhl auf dem Balkon, getrunken eiskalt aus dem Kühlschrank oder der Kühlbox – da gibt es nicht viel besseres, und schon gar nicht in dieser Preiskategorie. Franziskaner hat auch ein Kristallweizen, ein Dunkel und ein alkoholfreies Weizen im Angebot.

Ein klassischer Cocktail aus der Prohibitionszeit ist der Bee’s Knees, mit Gin, Zitrone und Honig. Fügt man dieser klassischen Rezeptur noch einen guten Schuss Hefeweizen zu, erhält man den Traum eines jeden Biercocktailfreunds: den Beer’s Knees. Schon beim Gedanken an diese honigzitronige Köstlichkeit fangen mir die Knie an zu zittern.

Beer's Knees


Beer’s Knees
1½ oz Gin (z.B. Bombay Sapphire)
1 oz Zitronensaft
1 oz Honigsirup
3 oz Franziskaner Weissbier


Beim Franziskaner Weissbier zeigen sich die Vorteile eines gut gemachten Industriebiers: gleichbleibende Qualität, geringer Preis, sehr leichte Verfügbarkeit in Flaschen wie Dosen. Wie andernorts schon gesagt, wenn das das Niveau des Industriebiers in Deutschland ist, können wir uns äußerst glücklich schätzen. Und wenn dann noch die Glyphosatrückstände auch noch ausgemerzt werden, was ja nun hoffentlich jeder Brauer, der was auf sich hält, versuchen wird, um so besser.

Monkey Shoulder Titel

Die ersten Menschen waren nicht die letzten Affen – Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky

Der Mensch hängt an seiner Position als Herrscher der Welt: Kein Wunder, er hat ja ein paar Jahrtausende gebraucht, um sie sich hart zu erarbeiten. Doch gleichzeitig sind wir uns auch der Fragilität dieser Situation durchaus bewusst; Umweltkatastrophen, sozialer Wandel und Globalisierung machen uns Angst, weil sie uns zeigen, dass alles auch erschreckend schnell umkippen kann. Viele Dystopien in Literatur und Film spielen mit dieser Angst, dass der Mensch als Krone der Schöpfung abgelöst wird durch einen Nachfolger; seien es die Maschinen, wie in Terminator, oder andere irdische Spezies, die dem Menschen nach dessen selbstverursachtem Niedergang das Szepter der Macht entrissen haben, wie es die Affen in Planet der Affen tun.

Ich kann Charlton Hestons Zorn hier wirklich verstehen, wer wird schon gern in einen Käfig gesperrt und von Affen begafft; andersrum erträgt sich das leichter. Bei der Sonderedition des Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky, die ich im französischen Cora-Supermarché für den lächerlichen Spottpreis von 17€ erwerben konnte, sind die Verhältnisse noch klar geregelt: Der Affe ist zur Sicherung im Käfig und soll laut Ausschilderung bitte nicht gefüttert werden. Die Frage, die ich mir stelle: Ist der Käfig zum Schutz der Menschen vor dem wilden Affen gedacht, oder zum Schutz des Affen vor lüsternen Whisky-Freunden? Zumindest letzteres funktioniert offensichtlich, wenn man den Füllstand der Flasche anschaut, nicht.

Monkey Shoulder Flasche

Der Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky ist ein Blend aus 3 Speyside-Single-Malts (früher hätte man so etwas einen Vatted Malt genannt), und das riecht man. Statt wildem, ungezähmten Affenstallgeruch bekommt man blumige Noten, Frucht, leichte Zitronenanklänge, Orangenmarmelade, Honig… sehr vielfältig und komplex, dabei zart und praktisch überhaupt nicht rauchig, aber erkennbar Scotch; die typische medizinale Note ist selbst in den zurückhaltendsten Malts unübersehbar – oder besser unüberriechbar.

Diesen 40%igen Blend mit seiner kräftigen, wahrscheinlich zuckerkulörgeschuldeten Kupferfarbe muss ich nicht verdünnen, daher wird er so direkt aus dem Glas genippt. Man wird mit einem dicken und öligen Mundgefühl begrüßt, malzig süß. Dann kommt die iodische Phenolaromatik des Scotch zum Vorschein, aber, wie es sich für einen Speyside-Whisky gehört, nur in winzigen Dosen; die Orange, kräuterige Minze und Rosinengeschmäcker sind klar im Vordergrund.

Beim Schlucken wird die Affenschulter einige Sekunden pfeffrig scharf, bis sich wieder die Süße durchsetzt; im mittellangen Abgang erhält man dann am Ende ein buttrig-karamelliges Ergebnis im Mund: Schottisches Shortbread in Flüssigform.

Monkey Shoulder Käfig

Ein wirklich aromatischer, weicher und milder Blend, voller kräftiger Süße und Dichte. Sehr lohnenswert auch für Leute, die sonst mit Scotch nicht so viel anfangen können – keine Ecken oder Kanten oder Spitzen, einfach nur rund und gut komponiert. Da passt der Name eigentlich nicht wirklich, denn dieser Whisky ist nach einer Berufskrankheit der Malzwender benannt, die nach andauernder Schaufeltätigkeit die Schulter hängen ließen; dieser Whisky lässt sich nie hängen.

Scotch-Cocktails sind rar gesät; oft sind solche Cocktails dann mit anderen Zutaten gespickt, um den rauhen Scotchcharakter auszugleichen. Nicht so beim Arnaud’s Special – hier spielt der Monkey Shoulder die erste Geige, und wird nur durch die sanfte Süße des Dubonnet noch betont. Ein sehr angenehmer, zarter und dabei doch sehr maskuliner Cocktail. Der Kenner erkennt die Abwandlung vom Manhattan – Rye Whiskey wurde hier durch Blended Scotch, Wermut durch Dubonnet ersetzt. Eine hintersinnige, kluge Auswechslung.

Arnaud's Special


Arnaud’s Special
2 oz Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky
1 oz Dubonnet Rouge
3 Spritzer Orangenbitter (z.B. von The Bitter Truth)


Sehr schön ist natürlich die Sonderedition aufgemacht, mit den Vollmetallstäben, dem massiven Holzdeckel und -boden, und einer Schlaufe, mit der man den Deckel leicht abheben kann. Aber auch die Flasche selbst ist sehr attraktiv gestaltet: Die drei Affen, das Markenzeichen dieses Whiskies, sind als Metallapplikation auf der Flasche fest angebracht. Das Etikett ist zurückhaltend gestaltet, und insgesamt wirkt die Flasche auch ohne Käfig sehr wertig.

Monkey Shoulder Detail

Ich interpretiere das alte japanische Motiv der 3 Affen, die nichts Schlimmes sehen, hören oder sagen wollen,  für diesen Scotch Blend einfach mal um: sie stehen hier für Anschauen, Trinken und Schwelgen. Da braucht es dann auch keinen Käfig.

Aldi Akropolis Titel

Nicht so ganz wie das Blut der Erde – Aldi Akropolis Griechische Spirituosenspezialität

Bei meinem Stammgriechen letztens lief das Essen etwas aus dem Ruder. Zum Essen gab es Pfälzer Bier, griechischen Weißwein, ein paar Ouzos vorher und nachher und zum Abschluss noch eine launige Verkostungsrunde durch die verschiedenen Reifegrade der griechischen Spirituosenspezialität Metaxa, von 5 Sterne über 7 Sterne zum Grande Fine in der hübschen Keramikflasche. Im Hintergrund lief griechische Sehnsuchtsmusik, die Kellner waren gut gelaunt und lachten laut, die Pita mit Oliven und Peperoni war spitze und Oktopus, Gyros und Lammkoteletts sind beim Dimitra in Saarbrücken eh über jeden Zweifel erhaben. Ein herrlicher, langer, fröhlicher Abend in bester Stimmung in meinem Lieblingsrestaurant.

Spirituosenverkostung beim Griechen

Nun ist so ein Vergnügen nicht ganz billig; ein so hochwertiger aromatisierter Weinbrand wie Metaxa kostet sein Geld. Da denkt man sich vielleicht, dass ein günstigeres Produkt gewiss auch diesen Zweck erfüllt. Und man muss nicht weit schauen: Metaxa-Klone gibt es in jedem Supermarkt, und sogar der größte Discounter Deutschlands hat einen davon im Angebot: die Aldi Akropolis Griechische Spirituosenspezialität. Kann dieses „original griechische Erzeugnis“ auch für so einen sensationellen Abend sorgen und sowohl Gourmet als auch Gourmand ansprechen?

Aldi Akropolis Flasche

Im Glas kommt dann direkt die Ernüchterung (im wahrsten Wortsinne). Das ist schon ungewohnt in der Nase – Scheibenklar, Teppichreiniger und erst dann ein bisschen Weinbrand. Uff, sowas muss man verdauen, man bekommt eigentlich keine so rechte Lust, es zu probieren. Vor allem fehlt komplett die blumige Rosennote, die Metaxa, an dem sich dieser Weinbrand von der Aufmachung und Vermarktung klar orientiert, so herrlich duftend macht.

Im Mund ist der Akropolis dann im ersten Augenblick süß, zuckrig und rosinig; sehr schnell kommt aber eine leichte Schärfe und eine starke Alkoholnote. Und dann nichts mehr. Das ist sehr schwach, ohne Körper und mit keinerlei Komplexität. Ein weinbrandtypischer Schwefelhauch ist schon das einzige, was man schmeckt. Letztlich wirkt der Aldi Akropolis mehr wie ein mit Zucker verschnittener, verdünnter Weinbrand, mit deutlichem Alkoholfeuer und wenig Aromen. Wie auch Metaxa darf sich diese griechische Spirituose nicht Weinbrand nennen, wegen der Aromatisierung; obwohl man sich fragt, was hier die Aromatisierung sein soll, da sind manche Mineralwässer spannender.

Aldi Akropolis im Glas

Der Abgang ist unglaublich kurz, zwar schön trocken, aber innerhalb weniger Sekunden vorbei. Dermaßen extrem habe ich das noch bei keiner Spirituose erlebt, als hätte man ihn gar nicht getrunken. 38% weist er auf, und das ist auch das einzige, was man schmeckt.

Bei Aldi Süd bezahlt man für dieses Wässerchen fast 7€. Für ein Drittel des Preises würde ich sagen, dass man es als Kochzutat kaufen kann, wenn man keinerlei Ansprüche an Geschmack stellt  – so ist er horrend teuer für die Leistung, die er abliefert. Zum Purtrinken ist der Akropolis ungeeignet wie kein zweiter; da sind die auf dem Etikett abgebildeten 5 Sterne ein absoluter Hohn. Das ist wirklich und bei weitem kein Ersatz für Metaxa, nichtmal für den 3-Sterne-Metaxa. Für nur wenig mehr Geld bekommt man sogar bereits den 5-Sterne-Metaxa, der geschmacklich mehr als nur eine Welt von diesem Produkt entfernt ist – soweit, dass ich diese zwei Spirituosen eigentlich kaum im selben Atemzug nennen sollte.

Nun habe ich die Flasche daheim, und muss überlegen, was ich damit mache – ich halte mich selbst an meine Adage, dass nichts in meinen Cocktail kommt, was ich nicht auch pur trinken würde. Dennoch habe ich mir einen äußerst leckeren Metaxa-Cocktail ausgesucht, um zu versuchen, wie sich der Aldi Akropolis im Mixverhalten zeigt: Den Attica Star. Mit gutem Metaxa gemacht, ist das einer der leckersten Cocktails, die ich kenne. Mit Aldi Akropolis – naja. Es beweist sich meine Meinung: Schlechte Zutaten machen einen schlechten Cocktail. Ich musste mir danach direkt noch einen Attica Star mit 5-Sterne-Metaxa machen, als Ausgleich. Unglaublich, der Unterschied.

Attica Star


Attica Star
1½ oz Metaxa (nicht Aldi Akropolis)
½ oz Tequila blanco (z.B. Olmeca Altos Plata)
¾ oz Limettensaft
1 oz Honigsirup
…mit etwas Bitter Lemon (oder, sehr angenehm, Paloma-Limonade!) aufgießen


Es gibt bei den Discountern durchaus hin und wieder hochwertige Perlen. Der Aldi Akropolis gehört aber ganz gewiss nicht dazu, im Gegenteil, er repräsentiert all das, wodurch Discounter auch heute noch oft im Schatten des Billigprodukts stehen und für manche Produkte zumindest von Genießern nicht ernst genommen werden können. Rausgeschmissenes Geld, besser investiert in einen 5-Liter-Kanister Scheibenklar, das man praktischerweise statt dem Akropolis im selben Laden in den Einkaufswagen legen kann.

Wer sich wirklich für den wahren Metaxa interessiert, kann mehr über diese Spirituose in meiner Rezensionsreihe „Sterne über Griechenland“ nachlesen, die vor kurzem gestartet ist und die unterschiedlichen Qualitätsstufen vorstellt.

10 Flaschen Bier an der Wand – Die Hausbar, Teil 5: Ein unvergesslicher Abend

Eine Cocktailparty – lachende Leute mit einem Glas in der Hand, gute, nicht zu laute Musik im Hintergrund, ein nettes Ambiente. Es gibt solche und solche davon: manche erinnert man gar nicht, manche bleiben unvergesslich. Was ist der Unterschied zwischen beiden? Es gibt ein paar Vorkehrungen, die man treffen kann, um nicht in die erste Kategorie zu rutschen.

Laden Sie nicht zuviele Leute ein. Ein kleiner Kreis, maximal 10 Gäste, und das ganze wird intimer, freundlicher, enger. Zuviele Gäste erzeugen eine nervöse, hektische Stimmung, in der keine Kommunikation zwischen ursprünglich Fremden aufkommt. Ein kleiner Kreis, und am Ende des Abends können Sie sicher sein, neue Freundesnetzwerke gebildet zu haben.

Entscheiden Sie sich für eine kleine Cocktailkarte mit Cocktails, die Sie effektiv herstellen können. Lassen Sie die aufwändigen Tiki-Cocktails, für die Sie Dutzende Zutaten und viel Werkzeug brauchen, weg. Lassen Sie die Prohibition-Era-Cocktails, die nur einer der Gäste zu schätzen weiß, weg. Lassen Sie aber auch die üblichen Standard-Cocktails, die man schon oft getrunken hat, weg. Finden Sie maximal 5 Cocktails, die wahrscheinlich keiner der Gäste kennt, die aber von der Zusammenstellung leicht herzustellen und dabei sehr schmackhaft sind und eine gewisse Bandbreite an Geschmäckern abdecken. Eventuell ist ein Punsch oder eine Bowle eine gute Idee.

Verwenden Sie gute Zutaten. Sie wollen die Gäste mit Qualität beeindrucken, nicht mit Masse. Ein guter Rum, ein guter 100%-Agave-Tequila, ein guter Whiskey. Neben den Geschmackserlebnissen bieten diese Qualitätsspirituosen auch Diskussionsstoff für die Gäste mit Ihnen und untereinander. Das gilt auch für Bier, das Sie neben den Cocktails zusätzlich im Angebot haben sollten: Ein Craft-Bier ist interessant, ein Industriepils langweilig.

Bieten Sie passende, ausgefallene Snacks an. Salzstangen und Erdnussflips sind schrecklich öde – stellen Sie leicht herzustellende, aber schmackhafte Spezialitäten bereit, die zu den Cocktails passen. Geröstete Toastscheiben statt Salzstangen, Salsa statt Ketchup, Fruchtsalat statt Gummibärchen, getrocknete Tomaten statt Chips, vielleicht sogar Austern und Sushi: Auch hier zählt die Ausgefallenheit und Qualität.

Denken Sie bei einer größeren Runde darüber nach, eine Barhilfe zu engagieren – beispielsweise ein Nachbarskind, das beim Schnippeln und Servieren hilft. Es kann sich ein kleines Taschengeld verdienen, und Sie sind entlastet, um sich auf das wichtige zu konzentrieren.

Sorgen Sie für gedämpfte Musik, passend zum Motto Ihrer Party. Nicht zu laut, dass die Gäste nicht schreien müssen; aber auch nicht zu leise, damit nicht befangen geflüstert werden muss. Kümmern Sie sich darum, dass Raucher einen gemütlichen Platz zum Quarzen finden, auch wenn Sie selbst nicht rauchen. Klären Sie mit den Nachbarn, dass es heute vielleicht etwas länger und lauter werden könnte.

Begrüßen Sie Ihre Gäste mit einem Drink! Dale DeGroff schreibt in seinem Buch The Craft of Cocktail:

Feature a special drink or punch for when guests arrive; there’s nothing more important than to get a drink in everyone’s hand upon arrival.

Es geht dabei nicht um den Alkoholpegel des Abends – sondern darum, den Abend gut zu beginnen. Ein Gast fühlt sich geschätzt und beachtet, wenn Sie ihm direkt einen Cocktail in die Hand drücken.

Das allerwichtigste aber können Sie nicht kaufen oder vorbereiten. Es geht dabei um Sie. Man kann den perfektesten Cocktail hinzaubern, im wunderbarsten Ambiente, mit den besten Zutaten – woran sich der Gast erinnert, ist Ihr Lächeln, wenn Sie ihm den Cocktail reichen. Freundlichkeit und Ihre Persönlichkeit sind die wichtigsten Dinge, die Sie einem Gast präsentieren können.

Harry Johnson hatte auch noch einen Tip parat. Wenn ein Gast etwas außer der Reihe will, sorgen Sie dafür, dass er es bekommt.

The greatest accomplishment of a bartender lies in his ability to exactly suit his customer.

Wenn Sie dann noch eine Anekdote zu dem Cocktail parat haben, über dessen Historie, oder ein Malheur bei früheren Versuchen, ihn herzustellen, oder wenigstens über eine der Zutaten, und warum Sie gerade diese Zutat verwenden – der Gast wird an Ihren Lippen kleben und diesen Cocktail nie vergessen.

Seien Sie ein Gastgeber, nicht ein Bartender. Ein Impresario, nicht ein Dompteur. Ein Moderator, nicht ein Präsentator. Dann wird der Abend ein garantierter Erfolg.

Corralejo Reposado Titel

Spaziergang im Kräutergarten – Corralejo Reposado Tequila

Spirituosen sind nicht nur geschmackliche Genussmittel – auch der optische Eindruck zählt, oft auch schon, bevor die Flüssigkeit ins Glas gelangt. Viele Hersteller betreiben eine Menge Aufwand, um für ihren einzigartigen Sprit auch ein passendes, einmaliges und leicht wiedererkennbares Behältnis zu designen. Dem einen oder anderen Produzenten ist es sogar gelungen, dass wir ein Getränk schon von weitem an der Flasche identifizieren können: die eckige Jack-Daniel’s-Buddel mit dem schwarz-weißen Etikett; der kastenförmige braune Cointreau-Flakon; oder aber die Urmutter aller Designflaschen, die Coca-Cola-Flasche.

Hin und wieder überrascht ein Hersteller die Konsumenten selbst in diesem kreativen Umfeld dann noch mit einem Flaschendesign, das jeden Rahmen sprengt. Der Galliano-Turm beispielsweise, der in keinem Regal Platz findet, oder die seltsame Dreieckskeule von Boven’s Arrak; ähnlich spektakulär daher kommt der Corralejo Reposado Tequila in einem riesigen, blaugefärbten Glasbehältnis. Ich musste das Foto der Flasche auf 3 Einzelschnappschüsse aufteilen, um den Eindruck, den diese Spirituose in echt macht, auch nur ansatzweise rüberzubringen.

Corralejo Reposado Flasche2

Corralejo Reposado Flasche3

corralejoreposado-flasche4Ich habe zum Vergleich einfach mal eine Standardflasche einer anderen Spirituose daneben gestellt, um die majestätische Höhe des Corralejo sichtbar zu machen. Leider kann das Etikett nicht mit dieser Opulenz mithalten – die Schrift darauf wirkt längenmäßig verzerrt, ist schwer zu lesen und macht einen etwas billigen Eindruck.

Durch die Blaufärbung der Flasche erkennt man außerdem nicht die Farbe des Inhalts; in Zeiten, in denen Zuckerkulörfärbung allerdings zum Tagesgeschäft gehört, ist diese Flaschenfarbe vielleicht ehrlicher, denn so muss kein potenzieller Käufer sich an der scheinbaren Helligkeit des Inhalts, die für viele Uninformierte auf mangelnde Reifung hindeutet, stören – und der Hersteller kann sich die Zuckerkulörfärbung sparen. Nicht, dass der Hersteller das wahrscheinlich im Sinn hätte, es dient wohl hauptsächlich der Abgrenzung zum weißen Tequila (in klarer Flasche) und zum Añejo (in roter Flasche) desselben Produzenten.

corralejoreposado-vergleichDie Farbe ist, wenn man sich dann endlich nach all dem Philosophieren über Flaschengestaltung ein Glas eingegossen hat, in der Tat ein helles Strohgelb, das nicht auf Färbung schließen lässt. Man stellt dann anschließend einen gewissen Geruch fest, den ich für eine Sekunde als Plastikgeruch identifizieren würde, der aber dann sehr schnell in einen kräuterigen, an Schwarztee erinnerenden Geruch übergeht, mit etwas Rosmarin und Minze gespickt. Wie ein Spaziergang durch den Kräutergarten im Sommer.

Auch im Mund hat der Corralejo Reposado einen Teecharakter. Viel Holz- und Kräuterwürze sowie geröstete Agave ersetzt die anfängliche Süße sehr schnell, dann wird es minzig und dunkelkaramellig. Ein für einen Reposado überraschend dichter Körper mit cremigem Mundgefühl. Im Abgang ist dieser Tequila ausgesprochen trocken und im Rachen erkennbar bitter, ohne dabei kratzig zu sein; eine milde Schwarzpfefferschärfe bleibt angenehm lang am Gaumen, zusammen mit einem traumhaften Nachhall voller Aromen.

Definitiv ein spannender Tequila der eher kräftigeren Sorte; viele andere blumige Agavenschnäpse verblassen vor der wilden Kräuterkraft des Corralejo. Man muss aber die prägnanten Holznoten mögen, und die Trockenheit zu schätzen wissen.

So manch ein leicht-fluffiger Tequila geht gegen andere Zutaten im Cocktail unter. Mit dem Corralejo Reposado kann einem das nicht passieren; trotz der eher schwachen 38% Alkohol setzt dieser Tequila mit seinem aufbrausenden Charakter in allen Rezepten ein Ausrufezeichen – zum Beispiel im Long-Faced Dove.

longfaceddove-cocktail


Long-Faced Dove
1½ oz Corralejo Reposado Tequila
½ oz Campari
¾ oz frisch gepresster Grapefruitsaft aus Pink Grapefruits
¾ oz Limettensaft
½ oz Zuckersirup
½ oz Ginger Beer (z.B. Aqua Monaco Hot Monaco)


Einen weiteren Vorteil des Corralejo darf man nicht verschweigen: Er ist gut erhältlich. Viele herausragende Tequilas muss man bei Fachhändlern im Internet bestellen; den Corralejo gibt es dagegen in allen seinen Ausprägungen auch in gehobenen Feinkostläden, für rund 30€ für 700ml, und auch in kleineren Flaschengrößen. Wenn Sie das nächste Mal an einer dieser schönen Flaschen vorbeilaufen, und sich für Tequila interessieren, greifen Sie zu! Übersehen kann man die Corralejo -Flaschen ja nicht.

Robinsons Old Tom with Chocolate Titel

Skandal: Schokoladenrückstände im Bier! Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate

Das Lebensmittelgesetz im föderalen Deutschland bringt immer wieder die eine oder andere Perle zum Vorschein. Das seltsamste, was ich aber seit langem gehört hatte, war die Geschichte um das Milk Stout des bayerischen Craftbrauers Camba Bavaria. Milk Stout ist ein Bier, das, wie der Name schon andeutet, ein milchzuckerhaltiges Gemisch (aber keine Milch!) enthält; dieses kleine Detail stürzte die Brauer in die tiefste Hölle der bayerischen, berlinerischen und restdeutschen Beamtei, dass am Ende der schlimmste aller Ausgänge für die innovative Brauerei erfolgte: Das Camba Milk Stout musste ausgegossen, vernichtet werden. Man lese die Geschichte hinter dem obigen Link in Ruhe mal durch, um sich dann ob dieser Beamtiade genüsslich ans Hirn zu klatschen. Es ist aber nicht die erste absurde Bierposse in Deutschland: 2011 mussten Thomas Henry ihr Ginger Beer umbenennen, um dem Namensrecht des sakrosankten deutschen Biers zu genügen.

Dabei gibt es doch soviele Biere, die Zusatzstoffe enthalten, die auch wie beim Camba klar deklariert sind, und einem Bierfreund schon aufgrund der (zugegebenermaßen meist außerdeutschen) Tradition zumindest dem Namen nach bekannt sind; man hofft, dass nicht der Rest der Welt am bayerischen „was-ich-nicht-kenne-gibt-es-nicht“-Wesen genesen muss, sondern ich weiterhin auch exotische Kombination trinken kann, wie das Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate, in dem sich Kakao und Vanille mit Bier vereinen.

Robinsons Old Tom with Chocolate Flasche

Es ist manchmal der erste Eindruck, der zählt, und hier kann die erste Flasche, die ich erwarb, überhaupt nicht punkten. Eine sehr unattraktive Ausflockung störte mich schon ganz enorm – lag es daran, dass sich das Bier dem auf dem Zusatzetikett angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatum näherte? Doch selbst dann darf sich das Bier eigentlich nicht so verhalten. Ich kann mir das nur so erklären, dass diese Flasche beim Händler lange falsch gelagert wurde, so dass sich die Kakao- und Hefebestandteile am Boden fest absetzten. Durch das Bewegen der Flasche beim Kauf löste sich dieser feste Bodensatz dann und, statt sich wieder komplett aufzulösen, blieb er in festen, kleinen Bröckchen.

Ich habe schon kleine Hefeflocken in anderen Bieren gesehen, aber noch nie so extrem – das wollte ich Euch dann doch nicht vorenthalten.

Robinsons Old Tom with Chocolate Ausflockung

Flugs eine neue gekauft – und da sieht das ganze gleich anders aus. Statt der hässlichen Schwebeteiltrübung bekommt man eine attraktive transparente, tiefbraune Flüssigkeit fast ganz ohne Schaum.

Sie weist einen etwas fruchtigen und sehr vanilligen Geruch auf, nach Toffee. Es ist interessant, dass der Geschmack zwischen der ausgeflockten Flasche und einer unausgeflockten sehr unterschiedlich ist. Das geflockte Bier schmeckte sehr oberflächlich süß, hatte dabei einen sauren Charakter, was so überhaupt nicht zusammenpasste. Die Flasche, die in Ordnung war, enthielt dagegen ein Bier, in dem der Schokoladencharakter sehr viel mehr zurückgenommen wirkte, nicht ganz so süß, dabei aber dennoch ähnlich schokoladig, eigentlich eher sogar mehr nach dem dunklen, kräftigen Kakao, wie man ihn auf Tiramisu und andere Süßspeisen streut. Dabei ist das Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate sehr bitter und trocken.

Im Abgang meine ich dann etwas Rumcharakter zu entdecken. Am Gaumen bleibt ein Hauch Kakao übrig, mit etwas Vanille. Dabei gilt es nochmals zu betonen: Diese schokoladigen Beinoten sind eher Randerscheinungen, es ist nicht so, als würde man hier tatsächlich einen Milchkakao oder heiße Schokolade trinken. Es ist und bleibt ein Ale.

Was lernen wir daraus? Wenn man diese Art von Sonderbier kauft, immer die Flasche drehen – ich will nicht sagen schütteln – und gegen das Licht halten, insbesondere, wenn das MHD nicht in weiter Ferne liegt (Ale ist grundsätzlich eigentlich sehr lange haltbar). Der Geschmacksunterschied ist enorm.

Robinsons Old Tom with Chocolate Glas 2

Als Fazit könnte man festhalten, dass so ein aromatisiertes Bier eher was als Dessertbegleiter ist, oder als Pralinenersatz abends am Fernseher für den mutigen Bierfreund. Die Kakaonoten würden mit einem deftigen Essen kollidieren.

Der spezielle Charakter dieses Produkts bringt es mit sich, dass es nur mit viel Kreativität in einem Cocktail unterzubringen ist; ein ausgesprochen tolles Rezept, für das es aber wie die Faust aufs Auge passt, ist A Stout Fellow. Normalerweise gehört in den A Stout Fellow ein normales Stout (wie zum Beispiel Guinness Extra Stout)  und eine Achtelunze Crème de Cacao. Letzteres können wir uns durch den Einsatz des Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate sparen. Wer es aber noch milchschokoladiger will, kann gern den Kakaolikör auch noch zusetzen. Egal, wie man ihn macht – ein wirklich sensationeller Cocktail!

A Stout Fellow


A Stout Fellow
2 oz Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate
1 oz jamaikanischer Rum (z.B. Appleton Estate Extra)
1 oz Kahlúa


Andere Sorten dieses Herstellers habe ich auch schon probiert, wie das Robinsons Old Tom Strong Ale, auf dem das Chocolate-Old Tom beruht, oder das Robinsons Old Tom Strong Ale with Ginger, das auch aromatisiert ist, da aber dann mit Ginger Beer.

Wenigstens Robinsons muss sich aber keine Sorgen um die in der Einleitung angesprochene bayerisch-berlinerische Regelkonfusion machen, denn diese gilt nur für in Deutschland hergestellte Produkte. Die importierten Traditionsprodukte aus England dürfen weiterhin stolz den Namensbestandteil „Beer“ tragen, egal ob es sich um Ingwerlimonade oder mit Milchprodukten angereichertes Bier handelt, ohne sich um solcherlei Wahnsinn kümmern zu müssen. Rule Britannia!

Cocktail Basics Titel

Schütteln oder rühren macht einen Unterschied – GU Cocktail Basics

Es gibt Ereignisse im Leben, die einen fast aus der Bahn werfen. Mir ging es neulich so, als meine Stamm-Bar in Saarbrücken dicht machte. Das ¿Qué tal? war für mich ein zentraler Anlaufpunkt gewesen, hier lernte ich zum ersten Mal, dass ein Cocktail nicht unbedingt ein Literglas voll Saft mit einem Schuss möglichst neutral schmeckenden Schnapses sein muss, sondern auch ein kleines, feines, edles und spannendes Getränk sein kann. Hier lernte ich ein paar Leute kennen, die mir zeigten, dass Gastrokultur vor allem eins ist: Gastfreundschaft. Ein Jammer, wenn so ein Ort schließen muss. Danke an Martin, Zoltan, Dennis, Sven, Julian und besonders Julia und Michael für die tolle Zeit.

Doch eine Tür geht zu, eine andere öffnet sich. Wer heute in Saarbrücken gute Cocktails abseits des Saftpitchers trinken will, geht zum Beispiel in die neueröffnete Viertel Mühle, in der ein wahrer Könner (leider nur abends) perfekte klassische Cocktails und wagemutige Rezeptinterpretationen für echte Kenner präsentiert, in ansprechendem Ambiente; oder, wenn es legerer sein darf, ins Milk, wo ein junger, dynamischer Barchef mit ebensolchem Personal ganz hervorragende Mischgetränke aller Art unprätenziös und charmant raushaut.

Cocktail Basics

Oder natürlich man mischt sich seine Cocktails selbst daheim. Wenn man meinen bisherigen Empfehlungen gefolgt ist, hat man bereits einen Grundstock an allem, was man braucht; eventuell fehlt es aber noch an Rezepten und Inspiration. Und auch wenn es spannend ist, sich selbst mal an der Zubereitung eines Rusty Nails, Mint Juleps oder eines Old Fashioned zu versuchen, so braucht man doch erstmal die Rezepte dafür, und für die vielen anderen Cocktails, die man sich daheim nun selbst zusammenstellen kann. In diese Bresche springen Cocktailbücher, wie das GU Cocktail Basics.

GU Cocktail Basics Seiten 3

Ich bin ein großer Fan von klassischen Highballs und spirituosenlastigen Drinks. Ein gut gemachter Manhattan oder El Presidente sind der perfekte Einstimmungsdrink auf einen schönen Abend, oder der ideale Ausklang eines Arbeitstags. In der „blue hour“ einfach nur dazusitzen, ein bisschen Ambient-Musik oder Sinatra zu hören, und das Klimpern der Eiswürfel im Glas – das ist Luxus pur. Viele dieser klassischen Cocktails sind in diesem Buch vorhanden, wenn auch manchmal seltsam übermäßig leger – in den Sazerac kommt kein Absinthe wie im Rezept angegeben, dieser wird nur dazu verwendet, das Glas auszuspülen; in einen Rob Roy gehört nicht „Whisk(e)y, am besten Scotch“, sondern einfach nur Scotch, und für mich persönlich ist es nicht „reine Geschmackssache“, ob in einem Mai Tai nun Orgeat drin ist oder nicht und statt dessen Ananassaft eingesetzt wird. Bei solchen Dingen bin ich pingelig, und das sollte jeder Cocktailfreund sein.

GU Cocktail Basics Seiten 2

Was im Buch meiner Meinung nach auch völlig falsch dargestellt wird: Die Autorin meint, dass man auch billige Ersatzprodukte nutzen kann, da in Deutschland die Qualität selbst bei diesen sehr hoch sei; das stimmt nach meiner Erfahrung nur sehr bedingt und nur in Ausnahmefällen. Es kommt eben doch sehr auf die Materialien an. Der Highball lebt sowohl von gutem Whisky/Bourbon/Rum/Gin, als auch vom Füllmaterial. Das billige Aldi-Cola kommt mir nicht in meinen herrlichen Captain & Cola, und wer einmal einen Red Stag Ginger & Lime mit einem guten Ginger Beer getrunken hat, will nicht mehr zurück. Ein Negroni profitiert unendlich vom guten Wermut – das pappsüße Ersatzmaterial, das oft in „happy hour“-Cocktailbars verwendet wird, macht aus dem bitter-edlen Drink eine klebrig-zuckrige Brühe.

GU Cocktail Basics Seiten 1

Ansonsten enthält das Buch viele Tips, Hinweise auf Basisaustattung für die private Cocktailbar und ein breit gefächertes Angebot an Mixgetränken, aufgelistet und gruppiert nach der Hauptspirituouse. Viele Bilder, nette Anekdoten und ein üppiges, freches und knalliges Layout machen das Buch auch zum einfachen Durchblättern interessant. Wer sich schon etwas mit Cocktails auskennt, lässt das Buch aus oben genannten Gründen dennoch lieber im Regal. Wer aber die ersten Schritte wagen will, und lieber dem gedruckten Buch als meinen tendenziösen Tips glaubt (wer tut sowas?), kann sich damit in die Thematik einlesen.

Doch eins ist klar: Nur mit Büchern und einer privaten Hausbar lernt man nicht das wahre Wesen des Cocktails kennen, denn dies besteht zu einem großen Teil daraus, dass man ihn in Gesellschaft, zubereitet von einem Profi und bei guter Musik trinkt.

Pimm's No 1 Titel

Neue Säue braucht das Dorf – Pimm’s No. 1

Es gibt verschiedene Arten von Trinkern. Einerseits die, die selbst wissen, was sie im Glas haben wollen, und andererseits die, die selbst meist wenig Erfahrung mit oder Interesse an alkoholischen Mischgetränken haben und sich deshalb von anderen dazu inspirieren lassen. Letztere Gruppe ist der Grund für den Erfolg von Modedrinks. Einer der ersten fashionablen Longdrinks, der bis heute unzertrennlich mit dem blinden Folgen eines Trends in der High Society verbunden ist, ist der Kir Royal, der dann sogar seinen Namen einer der besten deutschen Fernsehproduktionen aller Zeiten geben durfte.

Später ging es andersherum: Die telegenen Damen um Carrie Bradshaw sorgten im echten Leben für einen riesigen Hype um einen Vodka-Drink; der Cosmopolitan wurde durch die Fernsehserie ein Renner, wie man ihn in Cocktailkreisen kaum zuvor erlebt hatte, und der den davor so beliebten Caipirinha von Platz 1 der meistbestellten Partycocktails verdrängte.

Die 2010er Jahre kehrten dann wieder zurück zu den unkomplizierten Rezepturen im Sektglas: 2010 glänzte in jedem Glas der Aperol Spritz, mit seiner unverkennbaren orangenen Farbe; 2012 konnte man keine Getränkekarte eines Cafés lesen, ohne über den Hugo zu stolpern, und 2013 wurden Lillet-Longdrinks zum neuen Modedrink gekürt, nur um bald darauf vom Moscow Mule aus dem Platz im Herzen der Lemming-Trinkgemeinde (man vergebe mir diese unangebrachte Polemik) verdrängt zu werden. Viele dieser Mischgetränke wurden durch diese dann doch etwas beliebige Popularität zum Markenzeichen des von einigen elitären Barkeepern ungeschätzten „fachfremden Publikums“, und dadurch paradoxerweise bis heute zu Parias des gehobenen Barbetriebs.

Im Sommer 2015 machten schließlich gleich mehrere Bars in Saarbrücken großschildrig Werbung für den neuesten Trend: Pimm’s Cup, ein fruchtig-bittersüßes Kaltgetränk mit vielen Früchten, das optisch sehr beeindruckte, und auch geschmacklich überzeugen konnte, dank seiner Hauptzutat: Dem Kräuterbitterlikör Pimm’s No. 1. Wieder eine neue Sommersau, bereit, durchs Dorf getrieben zu werden?

Pimm's No 1 Flasche

Die einfach gehaltene Flasche ist transparent, man sieht also von außen schon die Farbe – selbstverständlich sorgen Farbstoffe für die dunkle Tönung. Ein dezentes, sehr klassisches Etikett zeugt von Stil und Eleganz – passend zu einem Getränk, das bald 200 Jahre auf dem Buckel hat, und schon allein deswegen natürlich keine Sommersau ist.

Wenn ich es nicht besser wüsste: In einer Blindverkostung würde ich den Pimm’s N°1 für einen Cynar, oder allgemeiner für einen Amaro halten. Sehr dunkelwürzig, mit der amarotypischen Kräuterkombination, mehr als nur ein Hauch Maggi und Curry und, wenn man sehr genau aufpasst, einen Tick der Ginbasis dieses Likörs.

Im Mund erkennt man dann, dass es kein Amaro ist – der Pimm’s ist dafür zu dünnflüssig. Auch ist er bei weitem nicht so süß wie beispielsweise ein Ramazotti oder Averna; und er hat eine deutlich alkoholischere Note als diese italienischen Bitterliköre. Das finde ich keineswegs schlecht; besonders, wenn eine Spirituose dann noch eine dermaßen kräftige Salzwürze, fast schon sojasaucenartig, mitbringt, die ordentlich Schwung in die Likörbasis bringt. Süß ist der N°1 dennoch, aber eher oberflächlich, und am Ende kommt sogar eine recht deftige 80%-Kakao-Schokolade-Bitterkeit und eine spuckeraubende Trockenheit nach. Der Nachhall ist dann wieder leicht alkoholisch.

Ganz gewiss ein Likör, den man auch auf Eis pur trinken kann, ohne an Zuckerschock zu sterben – wer allerdings als Ginfreund auf der Suche nach Ginderivaten ist und meint, hier einen Wacholderschnaps herauszuschmecken, könnte enttäuscht werden. Ich aber freue mich auf eine sehr spannende Cocktailzutat, auch in Rezepturen abseits des oben angesprochenen Mode-Longdrinks mit Früchten und Limonade oder Ginger Ale als Pimm’s Cup.

Persönlich trinke ich ihn am liebsten in einem Drink, den mir Michael Arnold, ein hervorragender saarländischer Bartender, an einem verregneten Herbstabend vorgestellt hatte: der  Arnold N°1 – eine Aromabombe, bei der man gar nicht weiß, wohin man zuerst schmecken soll, mit einer fantastischen Konsistenz durch viel gemuddeltes Gemüse und Obst und das schaumerzeugende Eiweiß. Der ist am Ende sogar noch gesund!

Arnold No. 1


Arnold N°1
Je ein Stück Apfel, Ingwer und Gurke im Shakerglas muddeln
1 oz Pimm’s No. 1
2 oz Gin (z.B. The Botanist Islay Dry Gin)
1 oz Zitronensaft
¾ oz Zuckersirup
¾ oz Cranberrysaft
1 Eiweiß vom kleinen Bio-Ei


Man würde es diesem feinen, respektabel alten Kräuterlikör wünschen, dass er auch über die Modewelle hinaus eine Chance bei den Biergärtensitzern und Innenstadtcafé-Flaneuren bekäme, statt 2016 durch die nächste Schickeria-Spirituose abgelöst zu werden. Allein, mir fehlt der Glaube an die Konstanz der In-Drink-Trinker – so bleibt es an uns, den wahren Genießern, dafür zu sorgen, dass Pimm’s No. 1 auch dann noch als spannendes Getränk und interessante Cocktailzutat hochgehalten wird, wenn die Karawane weitergezogen ist.